Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 15. (12.4.1877)
- Date
- 1877-04-12
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
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will dir Mittheilungen über halachische Funde hier überjehen, weil bei diesen am dringendsten vorsichtige Prüfung >eboten sein wird. Wo das Jnteresie des Besitzers irgendwie ,etheiligt war, wird die schärfste Wachsamkeit walten müssen, üls unbedenklich dürfen jedoch die exegetischen Fragmente!betrachtet werden, unter denen sich wahre Schätze befinden. Hier Izum ersten Male begegnet uns im Bruchstück von Saadja's lEommentar zum Exodus, über dessen Vorhandensein wir durch!Anführungen bei ihm selbst und bei Anderen hinreichend un- Iterrichtet sind Von dem von Mose b. Esra so hochgerühm- Iten, durch Steinschneider erst wahrhaft entdeckten Juda ibn IBal'am sind hier größere Theile seines Commentars zu den!Propheten, ein Blatt von dem zu den Psalmen, vorhanden.!Aus diesen und anderen Funden schließt Neubauer, daß dieser Exeget wohl alle Theile der h. Sch. erklärt haben müffe. Tanchum Jeruschalmi'S Einleitung zu seinen Commentarien scheint ebenfalls hier theilweise erhalten zu sein. Groß ist die Ausbeute für die karäische Exegese, die aus den hier gesammelten Schätzen zu holen sein wird. Auch für Grammatik und Lexicographie ist manches Goldkorn hier aufzulesen. Von Saadja's hebräischer Grammatik, von R. Hai's Wörterbuch sollen hier Fragmente vor- I Händen sein. Die kleineren Schriften Abu—l Walid Merwan Ibn Djanah'S, von denen wir in kurzer Zeit eine Ausgabe durch die beiden Derenbourg zu erwarten haben, werden von hier aus eine Ergänzung und Bereicherung erfahren. Ein fast verschollener, aber bei seinen Lebzeiten von den Besten hochgefeierter Autor, Ibrahim (Jizchak) Ibn Barun, von Mose den Esra in der Poetik verherrlicht und mit Jehuda Halewi!befreundet, tritt uns hier zum ersten Male in starken Fragmenten seiner ״Wage" entgegen, Neubauer macht mit Recht aus die Bedeutung aufmerksam welche dieses Buch in Verbindüng mit ähnlichen für ein Wörterbuch des spanisch-arabischen Idioms besitzt, welches Prof. Dozy in Leyden eben vorbereitet. Wenig durchforscht ist der auf P o e s i e in unzähligen zerstreuten Blättern bezügliche Theil der Sammlung. Gabriol; Jehuda Halewi und Mose den Esra haben manche Aufhellung von hier zu erwarten. Soeben theilt der unermüdlich thätige Harkavy in Berliners Magazin IV., 57 die Entdeckung des unvollständigen Divans von Samuel Hanagid mit, den wir bisher nur aus Anführungen bei Mose den Esra und wemgen veröffentlichten Bruchstücken kennen zu lernen Gelegenheil hatten.*) Auch die jüdische Religionsphilosophie geht nicht leer aus. Saadja's Glaubenswerk verdiente dringend, im Orrginale veröffentlicht zu werden. Allein bisher war nur eine zum Theil unleserliche und fehlerhafte Handschrift desselben in Oxford vorhanden, die eine Ausgabe noch nicht zuließ. Ein Fragment des Originales ist nun auch hier entdeckt warden und weckt die Hoffnung, daß weitere Funde uns in den Stand setzen werden, auch dieses Werk in der Ursprache zu veröffentlichen. Ein unbekanntes Buch Jsak Jsraeli's ist hier ebenfalls in einem Bruchstück vorhanden. Von Josef Albasir's nur in der schlechten Uebersetzung des ספר נעימות vorliegenden religionsphilosophischem Buche sind hier zwei Theile des arabischen Originals erhalten, das den Titel führt: 2x712 אלנעמה• Erst jetzt ist der Name der Uebersetzung נעימות verständlich, der nach dem bisher angenommenen arabischen Titel אלמחתוי nicht zu begreifen war. Neudauer bemerkt zum Schluffe, wie viel noch von einer ferneren Erforschung der sogenanten Genisoth oder Handschriftenfchreine in den Synagogen des Ostens zu erwarten sei. Wie die jüdische Wisienschaft in diesem Jahrhundert ein wahr- Haft erstaunliches Wachsthum aufweist, so ist sie auch in der Fülle der Aufgaben, der lohnendsten Arbeiten in allen ihren Teilen unvergleichlich. Denn während sonst die historischen Wiffenschaften auf vielen Gebieten bereits an einem allzuviel durchwühlten und unfruchtbar gewordenen Boden leiden, ist Bgl. meine Schrift: Jehuda Halewi H. Versuch einer Cha« rakteristik. Anhang L jeder Spatenstich im jüdischen Schriftthum eine denkenswerthe Leistung, harren weite unbebaute Strecken in ihr noch tat ersten Neuriffes. Wir find noch lange nicht am Schluffe der Entdeckungen! Ungeahnte Junta werden noch, Zeiträume und Gegenden unserer Geschichte beleuchten, an taren Aufhellung man jetzt verzweifelt, Nachen und Thaten, die'wir nicht kennen, werden aus der Vergessenheit zu frischem Leben empor» tauchen, so viel rührige Hände sich auch immer zur Arbeit regen mögen, sie finden alle Beschäftigung, unsere Forschung wird erst jetzt ein Heer von Arbeitern nöthig haben, dem» mit jedem Tage verlieft sich der Schacht, wachsen die Aufga» den. Seit der Wiederbelebung der Wiffenschaften zählt man die Jahre der neuen Zeit, Es ist ׳auch für das Leben des Judenthums nicht glsichtgültig, daß sich Triebkraft und Arbeit in seiner Wissenschaft zeigt. De. D. K. > Nachträgliches zu der Besprechung der veroahs'schen Schrift über Pmlon'S Htzpothetica. Bei der geringen Verbreitung, welche akademische Sitzungs» berichte genießen, muß mast es Herrn Güdemann Dank wiffen, daß er durch seine Besprechung in Nr. 6 des I. L. die Aufmerksamkeit weiterer Lesekreise auf die in tan Monatsberichten 1 der Berliner Akademie erschienene Schrift von Bernays über Philon's Hypothetica gelenkt und mit richtigem Berftändniffe auf ihre Bedeutung aufmerksam gemacht Hab Diese letztere mag es rechtfertigen, wenn ich hier noch einmal auf die genannte Schrift zurückkomme. Herr Gn. ist vollkommen im Rechte, wsnn er die Vermuthung B.'S, daß das von Philo hervorgetabene Sittengebot pH tv 1-fPp’? ־paivsiv auf Leo. XIX. t6 zurückzuführen sei, für uuzutreffend erklärt. Aber dasselbe scheint mir auch mit der von ihm dafür substituirten Beziehung auf Spr. Sal. Xl, 13 der Fall zu sein. Philo hat vielmehr hier gewiß keinen anderen Satz als Spr. Sal.j XXV, 9.10 'רי2ך רי2 את רעך1נ im Auge gehabt. Daß dabei רע mit <?iUz übersetzt erscheint, darf nicht auffaüen, da in dem unmittelbar vorhergehenden. מהכלים.אתך רעך die 1j״xx רץך ebenfalls mit & wiedergeben. Aber ungleich bemerkenswerther ist der Umstand, daß in der weitläufigen j und paraphrasirenden Uebersetzung dieser beiden Sätze in der I׳XX gerade die Hanptstellen, die den eigentlichen! Inhalt des von Philo angeführten originellen Sittengesetzes bieten, ganz fehlen. Man muß also bei der Frage nach der Quelle, aus der Philo dieses geschöpft hat, entweder — gegen die gewöhnliche Anschauung — annehmen, daß er die Bibel im Urtexte gelesen und benutzt oder daß ihm eine andere Rscension der griechischen Uebersetzung der Sprüche als die unsere Vorgelegen hat, — ein Umstand, der bei den Untersuchungen über die LXX wie hei denen über Philo nicht zst übersehen sein wird. Wie übrigens der letztere oft durch die Parallelifirung jüdischer und griechischer Sittengesetze den tiefere« Gehalt der biblischen Worte übersieht, tritt auch hier wieder an eine« charakterikrenden Beispiele zu Tage. Das Deut. XXI11—3 enthaltene Gebot der Thora wird der Nebeneinanderstellung zu Liebe mit der griechischen Formel s pH *ari*״*(׳, ävaipsw&a•. wietargegeben — und damit um seine ganze Bedeutung gebracht. Denn das jüdische Gesetz verlangt nicht blos, wie das griechische, Ehrlichkeit, sondern enthält eine schöne Vorschrift der Nächstenliebe und legt tan eigentlichen Nachdruck auf die wiederholte Warnung והתעלמת מהם «nb לא תובל ׳להתעלם sowie auf das streng eingeschärfte הש2 תשי2ם und והשמתו לן- Zum Schluß sei Heer noch auf ein anderes intereflante» Ergebniß der B.'schen Untersuchungen hingewiesen. Einer der Bezygischen Flüche galt nämlich dem, der ״Verirrten nicht den Weg weist". Aus einer Stelle, in Clemens Strom, schließt Bernays mit Recht, daß die Griechen hier neben de« erwähuten groben Vergehen gegen die Menschlichkeit auch eine feinere Verletzung der Moral, nämlich die geistige Irreführung,