Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 13. u. 14. (29.3.1877)
- Date
- 1877-03-29
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
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« XktorWk«' M°äerq«Uken, so hat« sich auch in das jü- SchäftchN«^ der׳ Palästinenser und Babylonier solche reste alter Mychemntschungaus dem Leben hinüberyeflüchtet. Mebrauend« Nebel rinne« hierbei die Sagengebilve t« verschiedenste»^ Bvlkor zusammen, und der Schewekünstler hlft ein« schweren Stand, der all den krausem Gestaltungen Heimalh und Ursprung amoeise« soll Ei« klein wenig von de« Hmüxverk der Traumdeuterei wird diesem Geschäfte im- 1M» anhaften. da zumeist Scharfsinn und Willkür die Mittel finp, die hievbet zum- Zieleführen. Herr Güdemann hat es an! beiden nicht fehlen lassen. um wirklich Ucherraschendes zu Ltg«-»»'fördern. Ost genügt ei« Erzsprenkel, um unfehlbar zu beweisen», daß am Fundorte einmal« ein Bergwerk gewesen seist müß«. So׳ dürste ost mit Recht in einer herwischten Spur daß Anzeichen zn finden sein, daß hi« wirklich alles das sich zn-etvagen habe, was der scharfsinnige Entdecker daraus mit ansschweifend« Einbildungskraft ableiten will. Entdeckung --»oder Erfindung? Dieses ist. die Frage! So wird es darum ' manchen geben» auf den hie und da solch eine Untersuchung best Eychruck eines adeMeuerlichen Schatzgrabrns machen wird, aber in vielen Punktenwird selbst der Ungläubigste nicht längste» könn«, daßes G. gelungen ist, Beziehungen auszitfpusen, die auf buittle und bisher unverständliche Uebe> liefernügen ein blchartigeS Schlaglicht werfen. Der zweite, auf dach ürchristenthum bezügliche Theil der Untersuchungen wird best» mchgüdischen Forschern der christlichen Urgeschichte und Echangelimkritst auf's Neue eine Probe liefern, daß ohne die Rechustnißdes altjüdischen Schriftthums auf diesem Gebiete nichts Gedeihliches- und Perläßliches! geleistet werden kann. i-Aw de« jüdisch-alexandrinifchen Ursprung-des Varnabasbriefes wird »ach diesen Forschungen füglich kein Zweifel mehr desteh« könnest. Weniger glücklich erschienen die Untersuchungen, biej mit dem Nachweise sich beschästigen, daß in zahlreichen Aetzßernngen der Talmnde und alten Midraschiue Beziehungen- «st das Christ enthum sich stnden sollen. Es ist immer ein gefährliches« Ding, mit bewaffnetem Auge zu suchen, die Undestrngenheit des Blickes geht dabei verloren. In jedem Ausspräche aus jene» Tagen eine Änspiel-ng aus christliche «Sätze «Nh Anschannngen zu entdecken, ist ein- Versuch, der begreif- י Weise nicht ohne Gewaltsamkeit, verlaufen kann. Wer el! sehe« will, der muß endlich« dahin kommen, Dinge zu die nicht da find oder wenigstens von Anderen nicht n werde«. , Auch der novellistische Theil der Leistungen macht dein in alle Ehra (Hier folgte die in vor. Nr. bereits mitte Besprechung der beiden Herzberg'schen Beiträge. Red.) Auch ״Berel Grenadier"*) kann sich immerhin sehe» lasten. Nicht dieGefinnung, nicht die Gesetzmäßigkeit, nicht der Gedankenhast und der Schwung der Sprache mctcht die Bedeutung einer Dichtung aus, sondern bis Treue und Schönheit, mit der wirk- Uche^ Borging« des leiblichen Lebens darin wiedergespiegelt wchden. Nichtdes- Lebens, das draußen vorgeht, das sich abgncken »ndabschreiden läßt, sonder« jenes inneren und ittrtr gen, das sich nicht erspähen und nicht erlauschen läßt, das tMU-vielmchr spüren und selber im Gemüthe durchleben muß, wenn eS mit eingeborener Kraft aus dem Gedichte sprechen und Herze» ergreifen soll. Der Altmeister Göthe hatte Recht, wenn er zu einem herzhaften Griff ins volle Menschenleben rieH^ denn dieses ist immer interessant, anregend, ergreifend, wen« eSeben das volle innere: Leben mit, seinen Trieben, Neigungen, Räthseln und Leidenschaften ist und nicht das hohle, irrte, äußer« Leben, das nicht werth ist, noch einmal in der Dichtung festgehalten zu werden, da es iu der Wirklichkeit dereits fast überflüssig ist. Wo wir kalt und gelangweilt blqiben bei einer Erzählung, einen» Gedicht, da ist eben dieser GPff nicht gethan worden, und der Urheber verdien! für dieses Bserk wenigstens de« Namen eines Dichters sicher nicht. Alle Vertiefung »nd Genauigkeit in der Kleinmalerei bestimmter '} Ein StjietiäbUb aus dem fiebcnjatzrigen Kriege von D. Honig- Leipzig, Siobert Friese, 1876. Gegenden- oder BerhÄtmffr kann die kleinste, geiügrbo««». Wendung׳ nicht omswiege», ob deren W-chrheit es uns mna»; ' mns Herz wird oder gar eine Throne sich ins Auge drängt.. Wo der äußere Zubehör mit breiter Bordränglichkrit sichi hin--- lagert und vergebens eine Stelle gesucht wird, die uns mitechtem Gefühle anspräche und auflcüttelte, da hatdas Außenweist den Geist der Dichtung erdrückt! und ertödtet, wenn über» Haupt jemals sein starker Odem darin geweht hat. lind selbst das Geschrei nach Erfindung muß wenn nur redlich! dieser- Griff gethan wird, dabei seine Rechnung finden Es fühlt dann vec Dichter von einem Vorgang im Leben sich so Herzlich angesprochen daß er sich getrieben sieht, ihn aus sich noch! einmal herauszusetzen, sein Werden und Wachsen zu malen j mit Allem, was drum und dran hangt. Vor seinen, Geiste! steht der Gang der Handlung, >oie er ihn kommen sah, sehen ' mußte, ein treibender Zng, das Wachsthum des Lebens geht durch das Ganze, klar und sest ist die Bahn vorgezeichuet, iu der die Ereignisse schreiten; das nennt man dann die Sicherheit der Führung So wächst in den Tiefen der Erbe geheimnißooll der Krystall, unsichtbar« Kräfte haben die Richtungen vorgezeichnet, nach denen gleichmäßig der Sion sich . in ihm lagern, vertheilen und gestalten soll. Dann kommt 1 die Wissenschaft und zeigt die Axen, die aber nur in ihrem Kopfe existiren, von denen das Gestein sich nichts träumen läßt. So weist der zergliÄrrnde Verstand in einer herzentspringenden Dichtung den wunderbaren, fast gesetzmäßigen Gang der Handlung, der aber unbewußt de» Dichter geleitet hat und oft ihn selber überrascht Wo aber künstliche Fäden 1 in die Mutterlauge cingesenkt werden, daß sich au ihnen der j Stoff emporkrystallisire, da kann wohl manche gelungene Blldüng erzeugt werden, glatt, regelmäßig, im besten Falle — Kandiszucker. Zur letzten Gattung gehört unser ,,Grenadier". Man merkt deutlich und durchsichtig die Fäden, die trockenen Schnüre, an denen sich die Geschichte aufreiht, gewiffe, wirkliche, dem׳ äußere« Leben entnommene Vorgänge, um Die herum nun die Handlung anfetzen soll. Es geht darum sehr viel vor, ohne daß es uns ergreift, wir erleben nichtsinnerlich, wir sehen keinen Gedanken sich entwickeln, kein Gefühl wachsen, keine Leidenschaft reisen, es geht kein einheitlicher, eingeborener Zug durch das Ganze — die trockenen Schnüre! Aber man darf auch nicht verlangen, was ausdrücklich nicht geboten werden soll. Ein ״Lebensbild" heißt es auf dem Titel, auf dsn Ehrennamen einer Dichtung scheint ״Verel Grenadier" gar keinen Anspruch zu machen Aber bei bescheidenen Ansprüchen wird man sich von dieser Leistung befriedigt fühlen. Mit vieler Liebe ist ein reiches Material von Einzelzügen und -Bildern zusammengetragen, um uns eine Anschauung von dem jüdischen Gemeindeleben Schlesiens in, vorigen Jahrhundert zu vermitteln. Alan wird im Einzelnen Gelegenheit finden» die Phantasie und das Gefühl des Versaffers mit Freude wahrzunehmen, man wird auch die geschickte Hand rühmen müffe», die an so düriligen Fäden kunstgerecht eine Fülle schönen und brauchbaren Stoffes anzureihen verstanden hat, man wird es billig zugeben dürfen, daß ״ein volles und treues Bild der Menschen und Dinge jener Zeit" darin entrollt ist (S. 109) und wird der Hoffnung sich nicht verschließen können, daß von dem Ui Heber, wenn er erst innerlich von seine» Stoffen ergriffen sein wird, noch manche weithvolle Gabe zu erwart! n ist. Aucb die schöne, nur selten übersättigte Sprache wird den Leser selbst über Stellen hinweghelfen, an denen die dürren Schnüre offen zu Tage liegen. Den Hauch Komperis, die waime, wett selber noch ergriffene Tbeilnahme für das geschilderte Leben wird man aber selbst iin Einzelnen darin vermiffen, eine verzweiselte Verständigkeit ist meist darüber ausgcgoffen. Daß es einen jüdischen Literaturverem immer noch geben Wir lönnen nicht umhin, im Gegensatz z» der obigen Beurtheilung unseres etwas scharsen Urilikers hier zu temerken, dah von vielen Seiten uns auch über das Honlgniann'sche Buch sehr anerkennende Urtheile zugegangen sind; ja eine große Zahl von Abonnenten (nicht bloS aus Schlesien) hat gerade diese Gabe des Perems als besonders dan» kenswerth bezeichnet.!Red.) I