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Das jüdische Literaturblatt · 1877-03-29 · N° 13. u. 14. (29.3.1877) · p. Seite 51

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 13. u. 14. (29.3.1877)
Date
1877-03-29
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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scheu, sich seinem Willen zu unterwerfen, die Verstockung des Sünders, die ihm die Umkehr unmöglich mach«, selbst herbeiführe als Vollendung seiner Selbstverstockung» vgl. Maiinoindes Schmone Perakim >. f. Lebst Kei, einer der jüngsten Bibelerklärer, vermag sich nob nicht von der buchstäblichen Auffassung unieter Stelle frei zn machen, wiewohl er re ht gut weih und es zil dieser Stelle aussvricht, daß es ein besetz der sittlichen Weltordnung sei, datz dem unbußferiigen Sünder die Umkehr immer schwerer, zuletzt unmöglich werde. Er schreibt noch unbedenklich ״Gott gicbt dem Gottlosen Anlaß zur Entfaltung der in seinem Herzen liegenden bösen Neigungen und Gedanken." Die neuere Religionsphilosophie wird diesen Satz nicht unterschreiben können. Ihr gilt vielmehr als eine unbedingte, ausnahmslose Wahrheit der Ausspruch unserer Weisen בא לטמא פוחחח לו Sabb. 104a ״wer sich der Reinheit feines Herzens entäußern will, dem wird auch die Möglichkeit dazu gewährt." Also nur die Möglichkeit, die krast der freien Wahl des Menschen ihm zu gewähren ist, keinerlei Anlaß, in seinem unbußfertigen Thun zu verharren, wird dem Frevler gegeben. Um nun unsere Stelle ins rechte Licht zu setzen, wird es nöthig sein, vom Grundcharakter des Pentateuchs auszugehen. So wenig ivie in ihn! Probleme der Naturwissenschaft gelöst werden, so wenig finden wir in ihm die endliche Lösung der letzten Fragen des nitnschlichen Denlens», wie der über die Berührung von Schuld und Schicksal im Menschenleben. Der Pentateuch ist ein E r z i e h u n g sbuch sür Alle, für Hoch und Niedrig, für Gelehrte und Nichtgelehrte. Diesem Charakter gemäß nahmen die Bücher Mose's bald einen höher» Standpunkt in Geschichte und Leben, in Lehre und Gesetz zum Zweck der religiösen und moralische» Hebung des Volkes ein, bald auch steigen sie in Glaube und Gesetz zu dem noch unentwickelten Denken des Volkes herab, wodurch es befähigt werden soll, von seinem eigenen geistigen Boden aus einen höheren Standpunkt in Denken und Leben zu gewinnen. Es ist also eine weniger ivisftuschaftliche, als vielmehr Molksthüinliche Ausdrucksweise, wenn hier die zunehmende Herzcnsvcxhärtung Pharao's eine Thal. Gottes genannt wird. In Wahrheit ist sie bis zu ihrer äußersten Entwicklung, bis zu dem Punkte, wo Umkehr unmöglich wird, die eigene Thal des Pharao. Nur das Volk sieht darin bald Schuld, bald göttliches Verhängniß; cs weiß sich eben, anders nicht die fortgesetzte Verstockung Angesichts so schwerer göttlicher Strafen zu erklären. 2) Ganz ähnlicherklärt sich eine schon vielfach gedeutete Stelle des Dekalogs, in demselben Buche c. 20 v. 5 und sonst: *לא תשתחוה להם וגר־ כי אנכי די־ אלודך אל קנא פקד עון אבות על בנים זג' Nur zu oft hat unsere Stelle den Gegnenr der h. Schr. Anlaß dargeboten, das Wort Gottes zu verunglimpfen. In plumper Auffassung benutzte man sie, dadarauf die famose Fabel vom jüdischen ״Zorngott" zn begründen, statt sie aus dem Geiste der biblischen Denk- und Sprachweise zu erklären. Wir wollen hier nicht, worauf schon längst von anderer Seite hingewiesen worden, auf den Widerspruch ein-, gehen, in dem eine solche Auffassung zn anderen Stellen der h. Schritt steht, in denen die Liebe und Gerechtigkeit Gottes über allen Zweifel erhoben ist. So berechtigt auch und so bezeichnend sür ein besonnenes exegetisches Verfahren die Vergleichung räthsel Hafter Stellen mit den an sich einleuchtenden Aussprüchen desselben Schriftwerkes ist, so glauben wir doch, daß auch an sich betrachtet unsere Stelle durchaus nicht gegen gesundes Sittlichkeissgesühl verstoße. Sehen wir nur einen Augenblick von der cigenthümlichen Einkleidung der hier auSgesprochenen göttlichen Wahrheit ab, so ergiebt sich unschwer als Grundgedanke unserer Stelle, daß Götzendienst seine verheercnden Wirkungen bis ins letzte Glied eines götzendienerischen Volkes äußert. Verfolgen wir nur aufmerksam durch äußere und innere Bedingungen, hindurch dm Entwicklnngsgang, den die orientalischen wie'das griechische und römische Staatswesen int Alterthum genommen haben, und wir finden auf das Ueberraschendste die Wahrheit dieses Ausspruches bestätigt. Freillch ist der so verderbliche Einfluß, den ei», an versil'lichenoen Momenten so armes, der Sinnlichkeit b0r gegen schmeichelndem Neligionssy tem wie das der Orientalen und nicht minder der Griechen und Römer auf diese Völker ansüben mußte, noch, ni ht genügend von allen Geschichtsschreibern anerkannt, doch w.rd der denkende nno von äußerem Glanz nnbestocheae eöe.chichlsforschee nicht bezweifeln können,' daher hierin mindenns eine der vielen llriachen zu erblicken habe, welche zum Untergange der Staaten des Allerthum» zusammcngewirkt haben Der Götzendien t mit all den Wandlungen. Nie er lut Leben der alten Völker hat durchmachen, müssen, war das bald mehr bald minder an die Oberfläche des öffentlichen Lebens heroortretende Geheimübel, welches die innere Fäulniß des Staatswesens im stetigen Fortgänge be? forderte, so daß die endliche Auslösung nur wie ein natArel i.ch e s Ergebniß, nicht wie ein plötzlich hereinbrechendes Straf» gericht erscheint. Wcnil nun an unserer Stelle die eben gedachte Katanrophe wie ein göttliches Verhängniß bezeichnet wird,, bei dein die Enkel die Sünde ihrer Väter zu tragen haben, so ist unsere obige Bemerkung (unter 1) in Erinnerung zu dringen, daß die h. Schr. nicht selten eine mehr volksthümliche der streng wissenschaftlichen Ausdrucksweise vorgezogen Hab«. Bei jener wird aber ein uns natürlich scheinender Vorgang, wie ein unmittelbares Eingreifen Gottes in den Gang der Weltgeschichte darge/tellt. Bei dieser Erklärung werden wir uns'! wohl bescheiden müffen, wollen wir nicht eine Art von kirnstlicher Interpretation anweilden und eben den Vollzug des hier erörterten Sittengesetzes im Leben der Völker als Au-- legung in den Wortlaut unserer Stelle hineinlragen. Es bex i zeichnet darum auch einen wesentlichen Fortschritt innerhftltz des biblischen Gedankenkreises, wenn später der Prophet Jx-s cheskel in längerer Rede (c. 18) den im Volke verdreitetenl Jrrlhum. als ob der Enkel die Schuld seiner Väter im buchj stäblichen Sinne des Wortes zu büßen habe, bekämpft und einen bereits in der bürgerlichen'Getetzgebuiig des Pentateuchs (5. B. Mos. 24, 16) aiigedeuteten Grundsatz weiter ausführt, wonach Jeder seines Schicksals Sterne in der eigenen Brust? trage. - - j Bemerkungen z. hasmonäifchen Münzfrage. Von Df. phil. Eugen Acrzbacher in München. Es ist recht erfreulich, daß in jüngst.! Zeit die jüdifchq Münzkunde auch in Kreisen Interesse erregt, die ihr bisher! wenig oder gar keine Aufmerksamkeit geschenkt haben. Ich war darum angenehtn überrascht, als ich in der jüngsten Nummeh dieses geschätzten Blattes eine Notiz fand mit der lleberschrift: ״Zur hasnwnäischen Münzfrage". Der Verfasser derselbe^ hat nur leider, wie es scheint, noch nie echte, jüdische Münzeg gesehen und wird es mir daher verzeihetl, wenn ich mir er־j taube, Einiges zur Berichtigung seiner Angaben mitzntheilend' Die Münzen Johann Hyrkän's, von denen er spricht, sind gleich allen makkabäischen Münzen, welche inic Namen eitles Fürsten ^bezeichnet sind, K u p f e r m üitj e n von׳ ganz kleiner Gestalt — zum Theil nur halb so groß als unser Pfennig —. Sie können daher keinenfälls mit den Halden Schekelit idensificirt werden. Diesewaren wie die vorhanden nen anonymen Exemplare mit der׳ Aufschrift חצי ־ה^וקל ו de-» weisen, Silber münzen in der Größe eines Fünfpsennig^ siückes: nur bedeutend dicker als ein solches. Ob die Phrase הבד היהודים ' durch ״Gesammtheit de^ Inden" resp. ״Genietnwefcn der Judäer" (Grätz GeschWN III. Z. 85) oder mit Geiger und Derenbonrg durch ״Priesterliche Genossenschaft" oder ״Synhedrium" zu übersetzen iilL läßt sich so leichthin nicht entscheiden. Es darf also die at£ genommene Erklärung nicht voreilig zur Charakterisirung'der makkabäischen Prägung benutzt itnd niuß daraus verzichtet werden, in den hohcnprtesterlichen Kupfermünzen der Mokka" bäer lediglich eine Tempel münze zu erkennen, zumal dies schon

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