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Das jüdische Literaturblatt · 1877-03-15 · N° 11. (15.3.1877) · p. Seite 42

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 11. (15.3.1877)
Date
1877-03-15
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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dalateitische*) panaretus, der Inbegriff aller Glückselitzkeit. <^) Hu «ine» andern WanderwerG, mit dem jüngst die jük. SemMnd« Werfall« wurden, liegt schon etwas mehr Me- Wdf. — 2« gr. Odas-Selten Hilden des' ersten Bandes Heft 'einer ״Symbolik des Judenthnms. Bearbeitet nach Quelle^," die auf den bescheidenen Umfang von 12 Bände» berechnet sein soll. Der Vers hat sich das Prinzip der epischen Dichtung zum Muster genommen, das ureckias in >68 rapere. Kein Vorwort, keine Einleitung belehrt über des Vcrf.'s Vorhaben — vielmehr beginnt er alsbald mit dem Siege des Ne»-Judenthums über dem ״Jafetetismus" in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung dem Austreten der ״Abrahamiden" jn Kanaan und jo recht sachgemäß ipeiter mit Grazie und Gelehrtheit durch das ganze Buch. Man IVnnte einen Preis darauf setzen, zu eruiren, was eigentlich unser Autor untersuchen und darste.Ien wollte, was er unter Sym- Kolik des JuderlthumS verstehe und ob er. die Symbolik historijch zu entwickeln oder ob er eine Symbolik zu construiren be abfichtigle, sch glaube, es gewänne Niemand den Preis, auch er selber nicht — da er am wenigsten zu wissen scheint, was er in seipeW Werke und mit seinem Werke gewollt habe, svgbei ist bas Buch durch seine Druckfehler geradezu ein Kuriosum, wenn nicht ein Unicum und wird dadurch zu einer Lecture, die mit der Beschäftigung mit Sylbenräthseln, Anagrammeu And drgl. viel gemein hat. Der Vers, ein in seinen Verwögensverhältniffen herabgekommener Kaufmann, der vor Jahren der Theologie ex professo angehörte, hat T~ wohl einen Anspruch auf die thatkrästige Theilnahme und 1 Unterstützung von Wohlthäteru. Wie aber kommt die jüdi ". Wiffeuschaft zu der Ehre, als melkende Kuh von ihm mißbraucht zu werden, da er nicht die gehörige Geisteszucht, UrtheilSreife und Geschmacksbildung erlangt hat, die der Beruf zu ihrem Betreiben ertheilt? Mit Predigt-Bruchstücken und perballhornlen Citateu aus alten Schriftstellern verdächtiger Provenienz werden wiffenschaftliche Fragen nicht gelöst. Und der Bochur mit dem aller Systematik und Zweckbegrisstichkeit feindlichen Denken/ dem disciplinlosen, verwilderten Geistreichthum ist der Wann nicht, der sich an so heikle Themen, die einer so tiefeingreisenden, vielumfajseuden Durchforschung der alten Religions-Denkmale bedürfe«, heranwagen durste. Ob mau nun mit größerer oder geringerer Aufdringlichkeit, mit mchr oder weniger Applomb solche Bücher anbietet und an den Mann bringt, immerhin schaden sie und keineswegs nützen 1> sie. Sie regen Fragen an über Dinge, die Denjenigen, die ׳ sie behandeln, selber nur von der Oberfläche bekannt sind und kramen in frivol leichtfertiger Weise' Gegenstände vor Unbej; rufenen aus, die nur mit dem heiligen Ernst reinen For- 1 schendranges und echter Wahrheitsliebe behandelt werden dürs fen, das Wahrzeichen einer um ihrer selbst willen gepflegten; ׳ Wiffeuschaft an der Stirne tragen müffen, nicht aber die! Kennzeichen schmutziger Erwerbssucht, der Reciame und des! Humbug. Und doch sind es gerade solche widerwärtige Maculatur-Werke, die sich am frechsten Zutritt und Eingang -u [ verschaffen wissen. Solch« Bücher werden — Dank der persöu-! liche» Vorstellung der ehrenwerthen Luioren-Boyageurs — von den Gemeinde und Corporations-Borsländen gekauft und selbst *) Gemeint ist das griechisch« Nsvaörr»;. י־ י• die indifferentesten Gemeinde Mitglieder können sich der Besucher picht erwehren, die ja nur gegen ein geringes Entgelt ihre Giststeskinder dem^ verehrten Menschen- und Bildungsfreunde offeriren wollen. Am Ende nimmt man ja gerne die Gelegenheit wahr, sich so passant auch mit her neueste« jüd. Literatur ein wenig zu beschäftigen. Man blickt in das Buch hinein, liest da und dort und empfängt den Eindruck des heillosesten Gallimathias, wenn nicht gar des frechste», herausforderndsten Tones gegen die Wiffeuschaft und ihre gefeierten Vertreter oder, der abstoßendsten intimen Katzbalgerei. Also ״weg damit — ruft er — ״der beste jüdische (?) Autor bleibt doh Karl Emil Franzos und über ״die Juden von Bqrnow" hinaus haben wir cs nicht gebracht!" Kein Wunder, daß die jüd. Forschung und ihre Vertre? ter in so niedrigem Ansehen in den Augen unserer Gebildeten stehen. Die wahrhaft großen und edlen Denker und Forscher unter uns verschmähen die kleinen Mittel der Neclame und Colportage und gelangen daher nicht hinaus in die großen Kreise des befferen.Publicums. Was an de» Mann gebracht wird, das ist die Schund-Literatur, die sogar manche Leute, die es wohl verstehen sollten, durch Empfehlung der Autoren zu verbreiten sich nicht eutblöden (Rabbiner, Prediger u. s. w.) Indem wir daher an das Ehrgefühl jedes guten Juden appelliren, wenn wir ihn ausfordern, von fahrenden Autoren keine Bücher abzunehmen und selbst aus Mitleid solchen keine Aufnahme zu gestatten, müffen wir anderseits unser Bedauern darüber aussprechen, daß der ״Literatur-Verein" an der Indolenz des deutsch-jüd. Publikums zu scheitern scheint, da nur noch durch Affociation sowohl der Producenten als der Eonsumenteu für das jüd. Schrifttbum unserer Tage etwas zu hoffen ist. Dem Autor-Voyageur aber, und insbesondere dem ungarischen, wolle mau geradezu die Thür vor der Nase zuklappen. Diese Sorte von Literaten entehrt unsere geistigen Productioncn geradezu, den wahrhaft werthvollen Büchern aber versperren sie den Weg. Philalethes. Ei»» Sturm in einem Glase Wasser. Bon G. Wolf. Wie ich aus den Journalen entnehme, ist jetzt in Hambürg ein Streit ansgebrochen, da der Rabbiner einem Schächter verboten hat, Dienste für einen Fleischer zu versehen, in welcher Beziehung ihm der Senat zustimmie, da er diese Angelegenheit als eine blos rituelle betrachtete. Dieses erinnert mich an ein ähnliches Ereigniß, welches sich im vorigen Jahr- Hunderte ebenfalls in Hamburg abspielte. Der Bäcker Crawack in Hamburg wurde beschuldigt, daß er zur Bereitung des Brodes Speck gebrauche. Zn!euer Zeit war Jonathan Eybfchitz Rabbiner zu Altona/zu welchem Sprengel auch Hamburg gehörte. Als er davon hörie, verbot er, bei dem genannten Bäcker ferner das Brod zu nehmen. Dieser drohte mit Klagen, und einige Aelteste machten Eybfchitz Vorstcllung. Dieser erwiderte in einem Schreiben, das kurz vor seinem Tode abgcfaßt wurde (er starb am 21. Ellul), daß er von seinem Verbote nicht abgeheu könne. Das Schreiben ist in deutscher Sprache abgefaßt und trägt die eigenhändige Unterschrift Eybschitz's (ein Facsimile desselben gab ich im Wiener Jahrbuch für Israeliten 5620 von Werlheimer); er unterschrieb: ״Jonaß Natle Eybschitz, Ober Rabbiner in Altuna und Hamburgs. Dasselbe lautet: ״Meine Liebe Hhrn. Aeltesten! Sie haben gestern Solieitiret wegen des Herrn Beckers um ihm möglichst Erlaubung zu geben, wiederum, daß Brodt b«y demselben Kaufen zu darfen, welches mich um so mehr wun-

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