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Das jüdische Literaturblatt · 1877-03-15 · N° 11. (15.3.1877) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 11. (15.3.1877)
Date
1877-03-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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׳je 11. VI. Jahrg •־.׳יו*י"לג»י• I - ■ - "־' I Das Jur DeteuchUing aller -»dentl)11n n. Juden betreffenden titee-rischen Erscheinungen «uf de« Gebiete derPhitasophie.Geschichte,Sttznographir.Uhrvtagie, Krientatia, Exegese, Hmnitetid, Litnrgill, pidagogid. Herausgegeben von Rabbiner vr. Moritz dkahmer. Magdeburg». IS. März 1877. Bacher »er einschtägige» Literntnr, «eiche »er *ed de, ״In». AlteraturdtaU" in M-gdcdnr, (»der »er ״I»r»ei. Wochinschr,- in Stetst»);ugesaudi «erden, finde« in diese« Wtntt» ein- ,ehendr Desprech«,,. Das ״Mt». SitftAtttrblAtt" erscheint wöchentlich einmal; Preis pro Jahrgang 5 Mark, mit der ,.Israelitischen Wochenschrift": 10 MnrD. Zu beziehen durch all« Buchhandlungen sin Leipzig durch Robert Fries«), oder durch direct« Bestellung bei der Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift" in Magdeburg. — Inserat« werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet. Inhalt. Kurze Abhandlungen: Ueber Autoren,Voyageurs. Ein Sturm i» einem Glase Wasser. Von G. Wolf. Literarische Notizen von vr. L. Lewysohn. Literaturbericht: Recenfionen: Friedlaender, vr., Beiträge zur Geschickte der Juden in Mähren. — BoreteJ., L. De Bybet in schetsen en tafereelen. Literarische Anzeigen. Ueber Autoren-Boyageurs. Wiewohl die Kunst schon seit altershsr und allüberall nach Brot geht, so ist dennoch der Autor-Voyageur — Gott fei's geplagt — eine ausschließlich jüdische Specialität Er besitzt alle Untugenden der Autoren, ohne eine einzige Autoren-Tugend und alle jene unqualisicirbaren Eigenthümlichkeiten, die den Commis-Voyageur zu einem der unaussteh lichsten Typen machen — ihre Zudringlichkeit, Zähigkeit, Reclame u. s. w Diese Leute schreiben ein Buch, ganz gleichgiltig über welchen Gegenstand, wenn nur etwas die Juden Betreffendes darin vorkommt, um ״in diesem Artikel zu reisen". Das Titelblatt ist die Flagge, unter der sie ungestraft ihr Piratenthum treiben. Denn darauf ist es abgesehen, unter dein gemeinnützigen Vorwände harmlosen Leuten das Geld abzunehmen. Nun hätte dieb nichts weiter auf sich, als wenn andere Reisende mehr unter irgend einem raffinirt erdachten Vorwände auf guter Menschen Herz und Beutel speculiren, wenn die Sache nichi auch ihre nüßliche, ja höchst bedauerliche Seile hätte, die ihr geradezu den Character einer Calamität für die gute Sache der Wiffenschaft und Lehre des Judenlhums aufdrückt. Die Thatjache ist bekannt, wie kraß die Unwissenheit der sonst gebildeten Klaffe unter den heutigen Juden in Bezug auf die Erscheinungen der neueren jüdischen Literatur ist. Was auf diesem Gebiete seil 50 Jahren geleistet wurde, darf sich dem Besten an die Seite stellen, was die vorgeschrittenste Wiffenschafllichkeit in der Philologie, Literaturgeschichte und Geschichte überhaupt hervorgebracht hat. Und doch wie viele Juden, die Universitäts-Studien hinter sich haben, oder gar selber in irgend einem besonderen Wiffenszweige productiv ausgetreten sind, kennen die Werke eines Zunz. Frankel, Sachs, auch nur dem Namen nach, geschweige denn nach Inhalt, Zweck und Ziel der Untersuchungen! Wie präsentirt sich denn zum Theil aber das heutige jüd. Schriftthum den Gebildelen unter uns? Entweder in der schalsten, armseligsten oder geradezu in widerwärtig, abstoßender Gestalt. Bor mehrere» Jahren z. B. bereiste ein solcher Voyageur mit einem ״Bibel!- schätze" Oesterreich und Deutschland, der als Volks- und Erbauungsbuch. jüd. Haus-Postille, als ein Vadezuecum für jede jüd. Familie ausgegeben und mit einem solchen Geschick colpotirt wurde, daß das Buch in gewiffen Gegenden in jedem nur halbwegs wählhabenden jüd. Hause angetroffe« wirf». Und doch enthält es nicht» als schlecht erzählte Sagen, messt aus Quellen vom geringsten Werthe (Sefer ba-jaschar etc.) verbrämt mit einer abgestandenen Moral und schlechtem Gereim, — ein Mischmasch, dem man alsbald die reine geschäftSmti» ßige Mache ansieht und das nicht zu belehren und sehr «entg zu erbauen geeignet ist. Das Werk wurde, da sich das Geschäft beim ersten Bande so glänzend rentirte, auch aüf Propheten und Psalmen ausgedehnt, ist in-de»' beideir Fortsetzungen noch viel seichter und schaler ausgefallen — gilt aber in seinen 3 stattlichen, äußerlich schön ausgestatteten BSsdtn dem Laien für den echten und wahren ״Bibelschatz^ darin die Quinteffenz der jüd. Religion enthalten ist. — So stand '«» ja gedruckt in der vertheilten Anzeige im Vorwort u. s. w. Doch mit unserer populären Literatur hatten wir bisher imnier Unglück und ein Mann, der die Bibel mit der Geist«»- Hoheit und Geinühtstiefe eines Bunsen aufzufaffen und zu erklären wüßte, hat sich unter den Juden unseres Jahrhujnderts noch nicht gefunden Aber gehen wir auf die sich für ״wissenschaftlich" ansgebende Literatur ein! Da reist jetzt «« ehemaliger Rabbiner mit einem Büchlein auf Erden herum, deffen eigenthümlicher Titel (״WiffeitsHast-Religion") schon auf so manche Wunderlichkeit in dieser ״Gegenschrift wider den Materialismus" gefaßt macht, aber selbst die gespanntesten Erwfirtungen werden von' der Abenteuerlichkeit dessen übertroffen, was in diesem Schriftchen an's Tageslicht gefördert wird*). Der Vers, schließt sein Opus mit der Aufforderung an die Allianz ״eine Ausgabe des mos. proph. hogiogr. Schriftthumes zu veranhassen, deren Uebersetzung in mehreren Sprachen für alle I»- raeliten gemeinschaftliche Geltung haben solle", und mit der schließlichen Proclamirung Israels zu einem S e g n l a h - Volk«, ist, ״da die abendländische Idiome kein Wort hierfür hüben*, -)׳Der Einsender giebt hier einige Proben von der Uebersetzung«- weise des Vers.'s, die wir jedoch unter Hinweisnng auf die in Rr. 1» des vor. Jahrgang« gebrachte Reccnsion weglaffen. , <R«d.j 1 ^ד־'י' i -

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