Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 10. (8.3.1877)
- Date
- 1877-03-08
- Page
- Seite 39 (sequence 3)
- Language
- German
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den Nimbus eines Messias achtend, sich erbot, ihm zum et-׳ ivaigen Einzuge eins seiner schönsten Pferde' zur Verfügung zu stellen. (Synhedr. 87».) — Man denkt hierbei unwillkührlich an Math 21. der'Jesus auf einem Esel ustd einem Fohlen seinen Einzug in Jerusalem halten läßt, auf daß das änge׳ führte Prophetenwort genau eingelöst werde. Nun ist es aber klar, daß in der Prophetenstelle die Doppelbezeichnung nur eine poetische Wiederholung desselben Gegenstandes ist. Gr. Kanischa. Löwy. Literaturberichl. Rccrufionen. Alauuheimer, I. N-, Gottesdienstliche Vorträge, gehali len im israelitischen Bethanse zu Wien. Alps dessen schrifts lichem ׳Nachlasse herausgegeben. 1. Heft. Wien 1876. Brüder Winter. VIII und 158 S. 2. He^t. 1877. 203 S. Tie äußere Veranlassung zur Herausgabe dieser Borträge bot das Tempeljubiläum, welches die Wieistr Gemeinde im vorigen Jahre gefeiert hat. Der Sohn des berühmten Predlgers, Herr Eduard Mannheimer, hat durch die Drucklegung dieser Predigten einen Akt der Pietät, eben so sehr geigen seinen Vater, nye gegen die Gemeinde, bewiesen, welcher derselbe vierzig Jahre lang das Wort Gottes vorgetrage» und, man kann hinzusügen, vorgelebt hat. Die Herausgahe selbst ist von Herrn Ham . erschlag besorgt wordeir, der die Sammlung auch mit einem warm geschriebenen Vorworte einleitet. Wer die Schwierigkeiten kennt, womit die Herausgabe nachgelasiener und zumal nicht völlig druckfertig^r Schriften ver- Kunden ist, wer da weiß, wie viel Hingebung, Resignation und Geschmack ein derartiges Unternehmen erfordert, der wird Herrn Hainmerschlag die verdiente ׳'!nerkcnnung um so bereitwilliger spenden, als der be>cheidene Mann seinen Namen nicht einmal auf das Titelblatt gesetzt hat. Mannheimer's Bedeutung als Prediger! ist genügend gekannt und anerkannt. Auch in dieser Sammlung, wie in der noch von ihm selbst i. I. 1835 herausgegebenen, zeigt sich^die meisterhafte Nedegewalt, der wogende Wortreichthum, welcher den Zuhörer förmlich übcrfluthet, daneben die feine, aber taktvolle Anwendung der Ironie, der Satyre ufld des Humors, vor Allem jedoch das peetu«, quod disertum facif, die innere Ueberzeuglhcit Was dieser Sammlung noch einen besonderen Reiz verleiht, ist die häufigere Verwendung des midrajchrjchen Elements. M. zeigt sich auch hierbei als der Mann von Erudition und Geschmack. Der Midrasch drängt sich bei ihm nicht vor. er erscheint auch nirgends blos aufgeklebt als Lückenbüßer, er ist nicht das ״Wort" oder jüdisch gesprochen das ״Wörtchen", das ״da zur rechten Zeit sich einstellt, wo die Begriffe fehlen", sondern er wächst organisch aus dem Gedankengange hervor, er gehört zum Ganzen, er ist der natürliche Trieb, welchen die Redefülle in steigendem Wachsthum — die Rede ist ja nach der althebräischen Bildersprache ein Gewächs — ausschießen läßt. In einem Punkte fordert M. die Vergleichung mit Michael Sachs heraus. Ich meine die Kleinmalerei. Sachs, welcher in der Bilderprach! und vielleicht auch in der Gedankentiefe M. überragt, steht ihm in diesem Punkte entschieden nach. S. spricht mehr akadeniisch zu seinen Hörem, er überläßt es ihnen, die Barren auszuprägen, oder das Kourant in Dcheidemünze für den alltäglichen Gebrauch umzuwechseln, während M. das Kleingeld gleich bei der Hand hat. Er ist ein Volksredner in der vollsten und dabei in der edelsten Bedeutung des Wortes. Er verfolgt den Kaufmann bis in 'ein Geschäftslocal, die aristokratische Dame bis in ihr Boudoir und hält ihnen ihre Vergehen, ihre Unarten vor, er sucht die junge Welt, die bürgerliche wie die jeunesse dotde bei ihren Unterhaltungen ans, dringt in die Gesellschaftszirkel, wie in die stillen Kämmerlein, deckt den Ehrgeiz aufj der nach Orden und Stellen jagt, reißt dem Sykophanten, dem Angeber, die Marke vom Gesicht, enthüllt die Großthuerei, die Falschheit,, die Heuchelei, kurz er weiß Alles, kennt Alles und bringt Alle« an die Oeffentlichkeit. Für manchen Zuhörer mag die Bank, auf der er saß, zur Anklagebank geworden sein bei diese« Reden, die nur ein Mgnn halten kmrnte, der in und mit seiner Gemeinde lebte, der im Leben, nicht in der Stüdirstube groß geworden, der nicht aus der ״grauen Theorie", sondern a«S der Praxis schöpfte, der durch Verstand, Klugheit und Welt׳ erfahrung, recht eigentlich zum Volkserzieher und Volksbildner berufen war. Und hiermit habe ich einen Gesichtspunkt berührt, von dem aus diese Predigttu ein ganz besonderes Interesse-haben. M. gehört zu den Gründern der Wiener Gemeinde, er hat ihre Organisation, ihre Wöhllhätigkeitsinftitute und vor Allem ihren Kultus als einer der Ersten begründen helfen. Er hat aber auch die politischen Schicksale dieser Gemeinde miterlebt,, er hat ihre Sorgen getheilt, er hat das ״Golus" miterfahrea und die Gemütber durch Aufmunterungen, Tröstungen, Bele׳ bung des Nalionalbewußtseins während der Zeit des Druckeaufrecht erhalten. Di^se Gemeinsamkeit des Persönlichen und Allgemeinen, die׳es Zusammenleben mit der Gemeind«, wie- M. seine Richtung als Seelsorger und Volksredner, bei besten RÄen auch der- Fernstehende fühlen mußte, daß sie immer Worte zur rech en Zeit waren, immer einem Bedürsniste entgegenkamen. Von diesem Gesichtspunkte betrachtet sind M.'s Reden eine Kulturgeschichte der Wiener Gemeinde in Predigtform — ein Umstand, der ihnen im Unterschiede von sonstigen gottesdienstlichen Vorträgen auch geschichtliche Bedeutung verleiht. Pessaner, Ink. Spruch-Lexikon des Talmud und Midrasch. Der Urtext, wortgetreu übersetzt, erläutert und verglichen mit den Lehr- und Kernsprüchen aus alter und neuer Zeit. Ein Buch zur unterhaltenden Belehrung für jeden Stand. Budapest 1876 (Selbstverlag des Verfasters) 259 S. 8*. 1866 Nummern.! Der ausführliche - Titel des Buches gibt den Inhalt deSselben an, bedarf jedoch immerhin noch einiger Erläuterungen und Einschränkungen. Was zunächst den Begriff ״Spruch"»- Lexikon betrifft, so hat der Verf. sich dabei nicht auf ״Sprüch- Wörter" beschränkt. Sammlungen talmudischer Sprüch- Wörter und Sentenzen, ebenfalls meist alphabetisch, also lexikalisch geordnet, find schon mehrfach vorhanden) wir erinnern nur an die ״Älumenlese" von Dukes, in 1 deren Einleitung die älteren ähnlichen Werke bibliographisch aufgezählt sind. Materienwejse find rabbinische Sprüche, Maximen und in Allegorien oder Parabeln eingeklcidete Lehren ebenfalls in zahlreichen Werken!gesammelt. Hier haben wir nur ein nach deutschen Schlagwörtern geordnetes Werk. Dasselbe enthält, wie schon angedeutet, nicht blos eigentliche Sprüche, liefert also in d e r Beziehung mehr, als der Titel verspricht, dagegen auch wieder Weniger, weil' es nur einen Theil und nicht einmal den größten Theil der einschlägigen Materien aufgenommen hat. Damit ist freilich kein Tadel ausgesprochen; . sowie der Vers, ohne jede Widerrede zugeben wird, daß sich, i der Umfang des Buches auf das Drei׳ und Vierfache würde! erweitern lasten, so muß jeder Sachverständige einrär^«1^^> daß eine absolut vollständige Zusammenstellung von vonherein ׳ nicht z.׳ erwarten ist, weil der Begriff des ״׳Spruches" ja sogar der des eigentlichen Sprüchwörts sich nicht genau abgrenzen läßt. Wir nehmen also das vom Verf: Gebotene hin, ohne über das Mehr oder Weniger zü discutire'n. Was sodann die als wortgetreu bezeichnete Uebersetzung betrifft, so wird der Verf. 1'elbst zugeben, daß dies nicht überall der Fall ist. aber damit wäre auch gar nicht gedient, esist vielmehr das bessere Theil erwählt. Die Tendenz des Bu° ches ist nämlich eine apologetische, es soll die talmubische Weisheit, Lebensklugheit und Sittlichkeit in's Licht gestellt werden, und zu dem Ende sind solche Sprüche ausgewahlt, die zu diesem Zwecke geeignet sind, und der Verf. hat sie so übersetzt, daß der Sinn (auf den es ja allein ankommt) her-