Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 10. (8.3.1877)
- Date
- 1877-03-08
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
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••־־-־'־״ן- ־ 38 4— ' * . 1י ־ - - - ן י *r ' ל. ־־ ־.! ־ entgegen gehe, wie ihm diese Ahnung durch den wunderbaren Sieg im Zweikampf, durch das nie fehlende Glück des David und die dad^irch wachsende Gunst des Volkes, des Heeres utrv des Hofe- (ogli auch 22, 7) und des eigenen Sohnes immer mehr zur fürchterlichen Gewißheit wird; das beweist sein Unmuth bei dem Trinmphqesang (18, 8) ״nun fehlt ihm mir noch daS Mnigthum!" das bezeugt die Schwermuth am Tage nach dem glorreichen Siege und der Versuch, David zu morden. So verwandelt sich nun das nachschleppende ״Einschietzsel"') v- SS—B8 ohne Gehalt in eine wahrheitsvolle Schisderung׳ der.lwffteigenden Sorge, und dadurch in eine wohlbtrechnete wirksame Einleitung audem Vorhergehenden in die fotzende Pette pon Sauls Nachstellungen. Wir kümten uns nicht mit der Manier des Verf. einverstanden erklären, mit der er das unmittelbare Einwirken GotteS, welches Samuel bestimmte, diese und keine andre die esgene Wahl zu treffen, als eigne Berechnung Samuels hinstell) — auch aus kritischen Gründen, da der auch dem Kritiker sh Worisch scheinende Bericht (selbst nach Verf.'s Ansicht vcht einem Zeitgechrffen verfaßt) sich ausdrücklich daMgen verwahrt — zur eigenen Beschämung des Samuel (J6, T) und der be^ Vaters (ltf, Ist). Auch das einseitige Auszählen von Gewährsmantzern, sebst solchen, die (wie hier z. B. Eichhorn d«cch Dr. Wette und Augusti) längst veraltet sind'), haben unauch üei früheren Arbeiten des Verf. unangenehm berührt^ da der Lai^ Nichts von der etwaigen Anzahl und Wichtigkeit von Vertretern entgegengesetzter Ansicht weiß: dem Eingeweihten war diesmal fast Alles bekannt, und das Neue war nicht gut^ Was Verf. im Hingange behauptet, daß die Bb. Sam. und Könige ursprünglich ein Buch bildeten, ist nichts weniger als sicher; die solches bezeugende Ueberschrift in bXX ist wahrscheiulich weit junger, als die uralte Bereit« Baba batra 14b, , welche neben Buch Samuel das Buch der Könige im Kanon .aufzählt (ebenst Origenes: ein B. Sam., ein B. Kön.)') Rendsburg. 22) Januar 1877. vr. M. Berlin. ן _ *) DaS. Woplkommt in meinem Aussatz nicht vor, das Gegentheil davon ist behauptet worden. Bl. Wo ts sich um bereits sicher gestellte Resultate der Wiffenschaft handelt, pflege» »ach einem lit. llsus blos die Vertreter, und gerade die veralteten", hie sch noch um di« Entdeckung Verdienste erwarben, genamrt. zu werden. Anders freilich, wenn es etwa auf eine neue Prüfung jener Resultate'abgesehen wäre. Was aber in meinem Aufsatz beabsichtigt war, ist.'blos! auf eine bis jetzt noch unerkannte, aber ׳ sehr bedeutsaure Eigenart dss hebr. Chronographen aufmerksam zu machen, der di« hist. Begebenheiten nicht nach ihrer chronotog. Reihenfolge, sondern ihrem inner« geistigen Zusammenhänge entsprechend, erzählt. Prophet »»» Beruf kam es ihm nicht darauf.an, die blos äußerlich« Zeitfolge der Ereignisse inne zu halten,'sondern den starken Faden zwischen Ursache und Wirkung, Vergehen und Strafe auszudecken, ,u zeigen. Laß Rißgeschick und Unglüchsfälle Folgen und Strafen sind für das Abwenden uNd sfblercken vom!Wege Gottes, und daß das Gedeihen und Emporblühen der Bölkceäb hängig sei vor Allem von ihrem sittl. Derhalten. Di« Tragweite dieser Ausführungen find offenbar dem Opp. ganz unverstäadtich geblieben. B. . *) Di« Zusammengehörigkeit der Bücher Samuel und Könige müßte scho» der Anfänger herausfühlen, nicht blos durch das durchaus gleiche Sprachcolorii und. di« beiden gemeinsam« Art des Erzählens, wie sie bei. zwei verschi-drien Schriftstellern unmöglich vorauszusetz^n, sondern noch mehr darum, weit das Buch Samuel keinen Schluß, Könige wiederum keinen An fang hat. Das geschichtstheilende Ereigniß mühte auch ein bedeuffameS, epochemachendes sein. Man weiß nicht, warum der erst« Verf. vor der Wahl des Abigaisch für den alternden, schwächliche» David plötzlich sein« Erzählungen unterbrochen und sie nicht we- Das Netten auf Pferden in der Bibel. Int Jernschalmi (Kilaim 7, 2) wird erzählt, daß Joseph in Aegypten zweispännig. Pharao dreispännig, die rfr mischen Kaiser vier spännig fuhren, unter Hinweis auf den Ausdruck .מרכבת ד.מ ש נ ד bei Joseph, (Genes. 41, 43) (ein Zweigespann). Wir legen dieser Behauptung zwar keinen besonderen histor. Werth bet; doch ist diese Auslegung nicht verwerflich, wenn man an die Stelle in Chronik II. 35, 24 1*? רכב המשנה אשר denkt, wo ״Mischne" sicher nicht den ״Würdenträger" ausdrückeu will. Das Fahren zu Wagen, gezogen durch Pferde, war in Aegypten, dem Lande der Pferdezucht (das. 9, 28; Mos. V. 17. 16), alltäglich, und sind die ägyptischen Streitwagen im Kriege bekannt; desto seltener war das- Pserv im gebirgigen Kanaan, weschalb die ägyptischen Fahrzeuge, welche Joseph zum Empfange seines Vaters absandte, gerechtes Aussehen erregten Zeitweilig war auch in Rom die Pferdebespannung als Luxus angesehen. Wir eriunetir uns an dqs oppische Gesetz, — wonach die Frauen in der Stadt uno 'in der Umgebung von 1000 Schritten nicht fahren durften, — dessen Aufhebung. trotz des zurückgekehrten Friedens und Wohlstandes, viel Staub auswirbelte. Nicht minder rückten die stolzen Patrizier zu Pferde, die Plebejer aber zu Fuß in den Krieg. Noch in Palästina — bis zur Regierung Salomo's, der sich über das betr. Verbot (Deut. 17, 16) hinwegsetzte — dediente man sich kaum der Pferde kraft. War ja selbst dem Könige der Marstall beschränkt, um nicht nach Aegypten zu liebäugeln! Man bediente sich der Esel und der Maulthiere; erstere züchtete man im Lande selbst, letztere — da den Jsraeliten die Kreuzung zweier verschiedenen Nacen nicht gestattet war — brachte man als Handelsartikel von Togarma nach Syrien. (Ezech. 27, 14.)*) Dev Talmud Jernschalmi (Kilaim 8, 2) verbietet sogar, vom Standpunkte der unerlaubten Racenmischung ausgehend, einen Zwitter zu Reitzwecken zu verwenden, wobei jedoch die königl. Familie eine Ausnahme bildet, bei welcher vielleicht der ökonomische Standpunkt hinzutritt, daß das Staatsober- Haupt oder dessen Angehörige, in. Folge des beschränkten Pferde׳ Marstalls, nicht den Alltagsmenschen gleich, auf das gemeine Langohr angewiesen seien. Man kann sogar mit ziemlicher Sicherheit den Satz ausstell^n, daß nach dem Wort - laut der Bibel nur der M a n n aus d e m Volke den Esel ritt, wo aber als Reitthier ein פרר (Maulthier) angegeben ist, da war der Reiter gewiß vom königl. G e b l ü t e. Nur als Zeichen der Demuth kündigt Secharja )9, 9) das Erscheinen des Messias mit dem Beisatze an: ״Sieh, dein König kommt auf einem Esel aus einem Eselin Fohlen reitend!" — während der Perserkönig Sapür, nigstens bis zum Tode dieses Königs weitergeführt hat: desgleichen ist dieses Ereigniß, daran gerade das Buch der Könige wiederum anknüpft, kein so gewichtiges, damit ein historisches Weil zu beginnen: selbst .die Designirung Salomo's zum Nachfolger wird an Bedeutsamkeit vor seiner wirkt. Thronbesteigung in Schatten gestellt. Die griech. Bertenten haben also mit allem Fuge Sam. u. Kön. blos als ein Geschichtswerk angesehen. — Die von Or. Berlin als ״uralt" erkannte Boraitha ist Übrigens sehr jung und dabei höchst wahrscheinlich apokryph. Vergl. meine ״Studien" p. 18 ff. B. *) An den vielen Wortoerdrehungen des הימים (Genes. 36, 24) nimmt auch Br. rab. 82 Antheil u.;. löst R. Jehuda es griechisch in Levai-ono» — Halbesel, die Rabbanim in המיסך aus. Ist schon erstere Erklärung eine Corruption, so Ist die zweite eine vollständige Hiervglyphe, welche noch der Lösung harrt. Ich /glaube sie auf dem Weg« Ser Abbreviatur gefunden zu haben, nämlich/Üeoai — (q) סך — Halb- Pferd oder (חמ (ר) — סך (ס< ba ';ך und 'ח in Laut und Schrift gleich waren L. (Wir verweisen auf das von uns in ״Die hebr. Traditionen bei Hieronymus" (S. 45) sehr ausführlich hierüber Gesagte; soviel scheint indeß sicher, daß die beiden talinud. Erklärer (die Stelle findet sich auch in Berachot jerusch. 8, 6) הימיס (mit Samech am Schluß» gelesen haben müssen. (Red.)