Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 9. (1.3.1877)
- Date
- 1877-03-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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Geschehenes zurückgewiesen werden muß; so leitet 17, 13—15 wiÄerholeud und ergänzend die nachfolgende Episode des Zweikampfes «in; (zu beachten ist, daß 16, 23 ausschließlich im Praeterit. gehalten ist, demnach eine für das Folgende längst verflossene Zeit schildert), so thut es 18, 14 15, und werden ' wir für 17, 55—58 denselben Zweck weiterhin Nachweisen. Gerade diese meisterhafte Anordnung des reichen Stoffes, dieses * Malen der Situation und der Charaktere durch Handlungen und Thatiachen anstatt durch eigene Betrachtungen des Erzählers, diese Entwicklung der Begebenheiten auseinander ist es ja. welche das Buch Samuel in epischer Beziehung! hoch über die anderen historischen Bücher erhebt. —! Vers. , halt es für ,widersinnig anzunehmen, daß Samuel zum Gegner des tapfer«, kriegstüchtigen, stämmigen (sic!) Saul, (dagegen Bereschit rabba, P. 26 gegen Ende: Saul war ein Stamm ohne Aussicht auf Früchte) einen kleinen unbeachteten Hirtenjungen erkoren habeIndessen sagt der Erzähler selbst, daß Samuel den ältesten Sohn, Eliab, für würbig der Krone hielt und auch Jsai erst auf besonderes Lringen Samuels David holen läßt. In höchst künstlerischer Weise schildert der Erzähler, wie wenig der Vater sich denken konnte, daß sein Jüngster, der Wildfang, der Erkorene des Herrn sei. B. 10—12. - Freilich glaubt diesir Erzähler inj seiner Einfalt »och an Prophetie —, aber ebendeshalb ist Obiges bei ihm doch nicht auffallend, wie daß er auf des Herrn Geheiß gegen die Stimme seiner Einsicht') die älteren Söhne übergeht. - Uder auch wer in dieser That Samuels trotz dem ausdrücklichen Bericht der Schrift menschliche Berechnimng sehen will, müßte eS wunderbar sinken, wenn nicht der-erfahrene Samuel, bei längerer Beobachtung freilich, in jenem Hirtenjungen den künftigen Helden erkannt hätte. , Dem Talmud (Pessachim 66b) halten wir es zu Gute'), wenn er jenen Zornesausbruch Eliabs für den alleinigen Beweggrund erklärt, ihm die Krone zu versagen; dem Verf. verzeihen wir!es"nicht, denn diese Annahme ist höchst unkritisch, und wer sollte auch nur jenes Ausschelten eines jüngeren Bruders als wichtige Neuigkeit dem Samuel mitgetheilt haben? Auch der Talmud will wohl nur sagen, daß hier sich der Makel unS offenbare, der aus Eliabs Charakter nach 16, 7 hastete. . . (Schluß folgt.) l, ') Das tta« ist das Elend, daß man das katholische credo qai* * abmrdam eit (ich glaub«, weil es widersinnig ist) uns alF digmatische« Postulat »üfdrängen will, während der altjüd. Gedanke es er- - heischt, da« planvolle Wirken und Walten der Vorsehung in der Geschichte s mit Gotte« uaturzese-licher Offenbarung in Einklang zu bringen, nicht »uthwillig Leriumftwidrige« zu postuliren, wo der Verlauf - der Sreig- Nisse vernuust^mäß sich erklären läßt und die Thatsachen eine strenge Logik aufweise». Damit wird die Prophetie nicht geleugnet, es fragt sich blo«, wat Herr Bert, darunter verstanden wissen will, B. *) Sehr gnädig( Denn eigentlich sollte der Talmud dafür, daß er den natuventsprechenden Sang der Ereignisse feinsinnig, aber darum nicht wind« ketzerisch, erkannt hat, aus den iudex über. prok. gesetzt werden. Die hier augedeutete Puffassung von Peff. 6«. ist entschieden falsch, wie schon da« עד האיזעא »eigt. Jedenfalls hat derjenige der vom Standpunkt« trockenster Buchstabengläubigkeit di« Bestrebungen der Kritik bespöttelt, da« Recht׳ verwirkt, eine im Talmud acceptirte Annahm« als ״höchst unkritisch" zu verwerfen. Man würde sonst leicht erinnert an da«: »Und der König absolut, wenn er u n s e r n Willen thut". Bjiik;. miipj 1,1 ■1 MM»״ ׳> -vku. »i.'W-l' ׳■>.)-gl"1!1ך 34 — י l Literarische Notizen von Vr. L. Lewysohn, Rabbiner in Stockholm. (Fortsetzung aus Literaturblatt 1876 Nr. 22.) 25) Nascht-erwähnt (Megilla 12») die bekannte Accentlehre, daß Segol allezeit auf Sarka folgt, wovon Jes. 45, 1 eine Ausnahme bildet. Im Anhänge betitelt: Die Accente der 21 Hess. Bücher nach W- Heidenheims משפטי הטעמים zur Hebräischen Sprach-Schule von Riegler und Martinet (Bamberg 1835) wirv ebenfalls jene Negel erwähnt, jedoch!mit derart falscher Satzbildung, daß dieselbe einer völligen Umstellung bedarf. Es heißt dort (Z. 365) : "סנולתא findet sich immer nach ׳ירקא niemals ohne זרקא, ausgenommen Jes. 45, 1. Manchmal gehen ihm zwei Sarka voraus 1. Sam. 2, 15". — Der Satz muß natürlich lauten: Segol findet sich immer nach Sarka, ausgenommen Jes 45, 1 (da hier Segol nicht nach dem ersten Sarka folgt), niemals ohne Sarka; manchmal gehen ihm zwei u. s. w. — Es finden sich indessen auch drei Sarkoth vor dem Segol, z. B. 2. Kön. 1, 16. 26) Eine Stelle in Jbn. Esr.'s Comnientar zu Esther 3, 9 giebt Beranlaffung zu eine!» netten Nechenexempel. Haman verspricht für das Preisgeben der Juden die anständige Summa von 10,000 •עשרת אלפים ככר כסף Kikar Silber. Bekanntlich hat ein Kikar 3000 Schekalim, der Schekel zu ca. preuß. Thlr. oder nach dem jetzigen Münzfuß 2 N.-M. berechnet und beträgt somit 2000 Thlr oder 6000 M. Diese Zahl mit 10,000 multiplicirt ergiebt das Sümmchen von 20,000,000 Thlr. oder 60,000,000 M. Ties war dem Jbn Esra noch nicht genug, er meint, daß wie Ehr. II, 15, 8 das Wort נבואת supplirt werden muß, io muß es hier heißen: יי01 -עשרת אלפים אלפי ככר> obige Millionenzahl nochmals mit 1000 multiplicirt, d. h. aus Millionen die wohlklingendern Milliareen zu bilden; Haman offerirte also 60 Milliarden R.-M.! Und da wundere man sich noch über Nasser- Ed-Dins Diamantknöpse oder gar über Bismarcks einziffrige Milliardenzahl in — Haman würde lächeln — in Francs bestehend. Uebrigms ist es sicher, daß I. ,Ehier einen Purimscherz bieten wollte; der Mathematiker hätte ernstlich nicht so leichthin mit Ungeheuerlichkeiten um sich geworfen, und man wird hier an Jbn Esra's Ironie, namentlich im Commentar zum Buche Ruth, erinnert.') 27) Proo. 21,!4 lautet Raschi in der einen Ausgabe: ושוחד בחיק ׳אף צדקה יכפה חמד. עית in einer andern אף זו צדקה und in der Sulzbacher alten s. g. עשדים אדכעח fehlt sonderbarerweise die ganze Raschistelle zu diesem Verse; vermuthlich ist hier ein Druckfehler und muß es heißen: אף שוחד יבפד,. (Forts, folgt.) Literaturbericht. Recenfiooen. ^*bemann, Dr. M. Religionsgeschichtliche Studien. Leipzig, Oskar Seiner 1876, S. 144, 8. (Schriften des Jsr. Literatur-Vereins, II. Jahrg.)*) Daß wir doch von mehreren solchen tüchtigen Arbeiten dem Publikum zu erzählen hätten! So oft 'wir die Güdemann'ichen ״Studien" aus Händen gelegt haben, immer wieder griffen wir nach ihnen mit einem gewissen Behagen, und bedauerten schmerzlich, wenn dann blcS. noch wenige Seilen zu lesen waren. Es liegt Mark und Kraft in diesem Werk- •) Uns scheint I. E. hier einfach die grammatische Schmierigkcit, daß אלפיס nicht im Stat. constr. zu •זייי) ככן* Exod. 38, 27) stehe, lösen zu wollen; übrigens ist gerade in den späteren Büchern, ESra und Chronik, dies« Regel nicht gewahrt, m. vgl. ESra 8, 26, Thron. I, 2g. 4 u. II, 27, S u. 38, 3. Ueber das Rechen ex empel selbst ist Toffa- Phot zu Megilla 16a zu vergleichen. (Red) *) Zu beziehen gegen Einsendung von 8 Mark durch-die Expedition der ״J«r. Wochenschrift" in Magdeburg. (Güdemannn'« Schrift ist daselbst auch besonder« — für 2 Mark — zu haben.)