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Das jüdische Literaturblatt · 1877-03-01 · N° 9. (1.3.1877) · p. Seite 35

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 9. (1.3.1877)
Date
1877-03-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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djen, mehr als oft in einem Dutzend anderer von aufgeblasener Dickleibigkeit. Eine reiche Fülle von Scharfsinn, Combinationsgabe und schöpferischer Genialität, verbunden mit einer überaus ängstlichen Gewissenhaftigkeit erheben die Annahmen des Verf., — ob er scharfblickend die feinsten Fasern einer ״internationalen" My he bloß legt, oder die nicht selten bizarr verschlungenen Gänge eines Sprüchwortes unb einer Erzählang, wie ihre oft unberechenbaren Verwandlungen im Laufe der Jahrh. vor unseren Augen ausrolll, — zu wisienschaftsicher Evidenz, machen die Schrift zu einer der wohlthuendsten und anregendsten, die in den letzten Zähren auf diesem Gebiete der jüdischen Wisienschaft erschienen sind. Ein Theil des ersten Abschnittes S. 1—64, der den MythensynkreliSinus der hellenistischen Periode und ihre Spu׳ ren in der Hagada behandelt, wird manchem Leser aus den trefflichen Aussätzen des Verss. in der Frankel - Grätz'fchen Monatsschrisl, Jahrgang 25, wohlbekannt sei». Doch ist auch hier viel Neues und Treffliches hinzugekommen. Für die allgemeine Religionsgeschichte,'am wichtigsten und fruchtbarsten ist Kapitel II. S. 65—99, die!Heils angezweiselie, theils bestrittene Existenz eines hebr. Urevangeliums, von welchen bei den Kirchenvätern nur. dunkle und höchst ungenügende Spuren anzutresjen sind, hat durch die sehr rnteressante, durchaus originelle und klare Beleuchtung der Talmudstelle. Sabbath 116 a. u b. eine gradezu überraschende Sicherheit erlangt. Höchst genial ist die Erklärung, wie durch ein Mißversländniß und eine verunstaltete Aussprache des Chomer (“חמו), das man wohl für das ursprüngliche מרח gesetzt, der ״Scheffel" in einen ״Esel", einen goldnen oder lybische», sich verwandelt hat Rur bedurfte diese Erklärung nicht so vieler Beweise, wie sie Verf. von allen Seilen herholt, solche können oft auch abschwächend wirken. Wir hätten z. B. ohne bedeutenden Verlust für die Wahrscheinlichkeit jener Annahme ״die Mittelstation auf der Wanderschaft, auf welcher der Scheffel zum Esel geworden", gut entbehren können. Freilich haben wir dieser ängstlichen Gewiffenhastigkeit des Verfs. die Heranziehung interessanter Materialien zu danken, die noch nach andern Seiten fruchtbar werden können. Auch für die Beurtheilung der Person Jesu und der Art seiner Bestrebungen sind theilweise ganz neue Moment gewonnen worden. Daß aber Güdemann den Münchener Dr. Sepp, dessen säst immer mißverstandene, falsch angcwendete und fehlerhaft geschriebene hebr. Citate in Eisenmengers ״Entdecktes Judenthum" ihre unlautere aber auch unversiegbare Quelle haben, der Ehre des Erwähnens und Widerlegen» Werth genug erachtet, mußte dem Rei., der die wisicnschaftliche Hohlheit des Mannes und seines verworrenen Kopfes näher zu beobachten Gelegenheit fand, auffallen. Nicht minder interesiant ist Abschnitt III., ״zur Erklärung des BarnabasbriefeS" S. 99—133, worin die eingehende Vertrautheit B.s mit den biblischen und traditionellen Opfer- Vorschriften, seine selbstständige Handhabung der hagadischen Interpretation, ja selbst seine biblische und rabbinische Redeweise, nicht minder wie die gehässigen Entstellungen und Fälschunge», die er sich zu schulden kommen ließ, mit einer mustergültigen Klarheit und Gründlichkeit nachgewiesen werden. Die Abstammung B.s ist dadurch dem Kreise der Diskussion hoffentlich ein für allemal entzogen. Zur Kenntniß der urchristlichen Bewegung, ihrer allmächtigen Ausbreitung und der Stellung, welche die jüd. Gesetzeslehrer ihr gegenüber einzunehmen pflegten, dient der letzte Abschnitt 31״. Josua b Chanauja und das Christenthum" S. 133—144, in welchem einzelne Controversen dieses Gesetzeslehrers mit Christen nachzuweisen versucht wird. Ref. kann nicht umhin bei dieser Gelegenheit einer abweichenden Anschauung mit Bezug auf Bechoroth 8, 6 Ausdruck zu geben Nur die zweite Controverse zwischen dem erwähnten Gejetzeslehrer und den ״Athenienser Weisen," enthält einen polemischen Zug gegen das Christenthum. Der erste Theil aber wird dadurch nicht erklärt. Eine einfache Wiederholung desselben Gedankens in demselben Bilde ist auch schwer anzunehmen, während da» neu hinzugekommene Moment: das geborene Junge, daß et« Schriftstück mit der Forderung von hunderttausend Sn',den am Halse trug, — mit dem dieser Stelle vom Verf. gegebene» Gedanken nicht zu vereinen ist.! i Dem Ref. ist von seinem Lehrer folgende, sehr einleuch» tende Erklärung der fragt Stelle in Erinnerung. Die Bitte der ״Athenienser Weisen" war doch offenbar nicht, vim dem. Gesetzeslehrer eine einfache Lüge oder offenkundige Dummheit zu hören, sondern eine solche, die allgemein für wahr »nb richtig gehqlten werde und die blos der Weise in ihrem wahren Werth erkennt. Der Maulesel ist ein Arbeits- und Last» , Hier par excellence, es vereinigt in sich die Vorzüge des nach den Talmudisten nie schlummernden Pferdes und geduldiqen Esels, von welchen btziden es abstammt. Angestrengte Arbeit, Fleiß und Geduld glauben begründete Ansprüche auf Reichthümer zu haben, werden oft von den Menschen als a l -' leinige Quelle des Reichthums angesehen. Doch, wie die 31(auleselin. so sind Menschenkraft und Menfchenfleiß allein' unfruchtbar, der Segen kommt von oben. In dieser Beleuchtung gewinnt jedes Wort an der fraglichen Stelle seine Pointe und man braucht nicht mit dem Verf. S. 138 das Schriftstück am Halse des Jungen für ״unächt und irrthümlich von anderswo her hineingemengl" zu erklären. Man braucht blos die Stelle zu lesen, und man wird das Zutrefsende der Erklärung ohne Weiteres heraussinven. Sie, die Weisen Athens, beten, er möchte ihnen einen der allgemeinen Frrthümer aufdecken. Darauf erzählte R. Josua: ״ES war einmal, eine Mauleselin, die gebar^ein Junges mit einem Schriftstück am Halse, worin geschrieben stand, daß eS beim Vater hunderttausend Gulden zu fordern hätte." Die Weisen: ״Nber kann denn eine Mauleselin gebären? Josua: Rundas ist eben die Dummheit!" Der Leser darf nicht vergeffen, daß wir einen wegen seines eigenartigen Scharfsinnes und seiner witzigen Einfälle berühmten Gejetzeslehrer vor uns haben.*) Damit wollen ,vir schließen und dem gelehrten Verf. danken für die vielen Anregungen, die wir aus seiner Schrift empfangen. Daß er doch des öftern einmal die Feder zur Hand nehme! Eine Schrift von Gndemamt darf immer auf ein dankbares Publikum zählen und einen ehrenvollen Platz in der an solchen Arbeiten keineswegs reichen jüdischen Literatut. Dr. B. Bibliographie. a) Novitäten. | P. Cassel-, der Chazarische Königsbrief aas dem 10. ‘ Jahrhund. Berlin,‘Weber. S h a r p e, 8. Hebrew inscription from the valleys between Egypt and mount Sinai. Part 2. Leibert, Dr. H Vom Paradies bis zum Schilfmeer. Parallelen zwischen biblischen und ausserbiblischen Berichten. Gera 1877, Griesbach (127 8 ) 2 M. 25. Laurent de Saint-Aignan. Le Temple de Jerusalem, sa reconstruction par Zorobabel et par H6rode d’apräs les ddcouvertes rdcentes de la palestinologie. Paris 1876. Bureau des annales de philosophie chcetienne. (26 p) ' Nestle, E., Die israelitischen Eigennamen nach ihrer religionsgeschichtlichen Bedeutung. Preisschrift. Leipzig, Harassowitz. (215 8.) Delitzsch, Prof. Dr. F. Biblischer Commentar ttber die poetischen Bücher des alt. Testaments. 2. Bd. ן Das Buch Job, mit Beiträgen von Prof. Dr. Flei*; ■ scher und Consul Dr. Wetzstein. 2. AufL. Leipzig 1876. Dörffling dfc Franke (615 8) 11 bl. Die confessionslose Religion. Von Dr. W. L. Berlin. 1877. Elrin Staude. M. 2, 25 ») Die Lh-rakteristit שרי יולדתו« Ab. II11 ״, auf fei»«» »Ntterwitz zu bezieh««, HLlt Ref. blos für — eine» schöne» Witz. i

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