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Das jüdische Literaturblatt · 1877-02-22 · N° 8. (22.2.1877) · p. Seite 30

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 8. (22.2.1877)
Date
1877-02-22
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
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JO A»r Etymologie der Partikel Tkn Wiek für ihre sy«taktifche Auffafspng. Di« kaMLufige, elementare An»ahme, את sei die not» accttatiYi, hält derchauS nicht Stich und, wie etwa im Griechischkn. französischen und Englischen schlechterdings kein Unterschied zwischen der not» noinioativi et aeau.-ati,vi' zu sixiren ist, so deutet'auch im Hedräischen eine beträchtliche Reihe von Beispielen daraus hin, datz die uns geläufige Accusativ- ׳ partikel unstreitig auch für den Nominativ gebraucht wird.. Wollten wir auch keinen Werth darauf legen, daß das Subject bei« Passiv sehr häufig durch DK*) wiedergegeben wird, weil logisch gefaßt das leidende Subject identisch ist mit dem Object des activ gefaßten Latzes; denn עירד Ott 1) ויולד לחנוך M. 4. 18). ״Es wurde dein Canoch der Jrad geboren" heißt doch logisch nichts Anderes, als: Chanoch zeugte den Jrad — allein was fangen wir mit Stellen a», wie 1. Sam. 17, 34 ״ ובא הארי ואת לדובEs kam ein Löwe und ein Bär" .oder 2 Aön. 6, 5 ״ ואת הבדיל נפל אל ד,ביםdas Eisen fiel in's Wasser" oder das Ketib in Jer 38, 16, ferner Ezech. 31, 4, Neh. 9, 19. 34? Nur pedantischer Eigensinn wird sich bei der äußerlichen Erklärung beruhigen, אח in diesen Fällen aufzulösen in den Satz: was». . . anbelangi z. B. 2. Kön. 6, 5 ״Was das Eisen andelangt, fiel es in's Wafier." Man sieht, daß das vermeintliche Object hier wieder als Snbjrct jupplirt weiden müßte. Dazu kommt noch, daß dieser Aothbehelf uns noch nicht weghebt über Schwierigkeiten wie dir5abencitirte aus 1. Sam. 17, 34. Die etymologische Ab-' leitung von את bleibt immer schwierig und unsicher, mag man eS für eine Abbreviatur oder synkopirte Form von יאת halten, wie Gesenius will (Lehrgeb. 8, 177) oder für ein nome'n אות, oder gar nach Stores monströser Ansicht (bei Ges. ib.> für das arab. Wort, welches ״Hausgeräth, Sache" bleutet. Am Glücklichsten scheint uns die etymologische-Auflösung dieser,Partikel, welche auf die radix ״ ישdas Sein", das Wesen, das Zw, zurückgreift unter Berufung auf das dem h«br. את entsprechend chald. u. syr. ית (entstanden aus dem aram. אית, dem dialektisch verhärteten hebr. ׳ש. Wenn die!'üd. Exegeten,. wenn besonders Jbn ESra את durch עצם erlärcn, so deuten sie damit den pronominalen. Charakter der Partikel, wie Hnen das Gesenius imputirt, durchaus nicht an, sondern vielmehr metaphorisch עצם הדבר, das Wesen der fraglichen Sache — eine Erklärung, welche das-Etymon יש zur Voraussetzung zu haben scheint. Denlgemäß ist die Partikel את von Hause aus ebenso sehr aola aacusativi wie nomivatiri. Sie hat ursprünglich eine logische Function, sie deutet auf das Wesen, auf. das Bleibende, auf das Seiende, auf das «״ einer Person oder Sache. Dies festgehalten, bieten unsere oben citirten Beispiele feine Schwierigkeiten mehr; sie lassen sich jetzt, wie wir glauben, sehr einfach und ungezwungen erklären. 1. Sam. 17, 34 heißt wörtlich: Es kam der Löwe und noch ein Wichtiges, ein Seiendes, ein ’*׳י, nämlich der Bär. Und wenn es 2. Kön. 6, 5 heißt ואת ׳הבדיל so bat das den Sinn: Ein Seiendes, ein eia wichtiger Gegenstand, nämlich das Eisen, fiel -in's Wasier. ״ ויושב את פשהes wurde zurückgebracht ein Seiendes, eine bleibende, wichtige Person, nämlich Moseh." In gleicher Weise läßt sich natürlich auch die Partikel את beinr Odjectsaccusativ analysiren. Daß der usus in den überwiegend meisten Fällen die Partikel את als oota aeousativi hypostanrte, findet seine ausreichende Erklärung in dem'Umstande, daß ulan zunächst bei transitiven Zeitwörtern mit actioischer Wendung, da ja im Hebräischen die Wortfolge willkührlich ist, so am Bequemsie« das Subject vom-Objecte unterscheiden und auf diese Weise mancherlei Mißverständnissen und Verlegenheiten entgehen konnte. Die Partikel את auf die Wurzel יש zurückzüführe«. empfiehlt sich uns mehr aus syntaktischen, als etymologischen Gründen. In neuester Zeit hat unseres Wissens- , *) Bgl. u. L. 1. B. M. 4, 18. 17, 5. 21, 5. 46, 20. 2. M 10, 8. 3. R. 10, 18 u. a. nt. auch Fischer in' seiner dibl.-talm-rabb. Bluinenlese (Leipzig 1875 pg. VI יש »0־1 את wieder abzuleiten gesucht. Sohrau O/S, im Januar 1877. Ur Immanuel Deutsch, Rabbiner. LiteriUnrberichr. Reckllfionen. Lazarus» Dr. L. Zur Charakteristik der talmudischen Ethik.־ (Jahresbericht des jüd.!heot. Seminars zu BreSlau 1877.) Wenn es zu den gerech en und wichtigsten Anforderungen gehört, die zur Zeit an den Rabbiner gestellt werden, daß er für das Schriftthum, an welchem er sich herangebildet, gerüstet einslehe, so wird man es für angemessen erachten, daß ein Lehrer des Rabbiner-Seminars seine Zöglinge mit den Mitteln bekannt macht, durch welche ein jetzt mehr denn je angeseindeles Gebiet des Talmuds, das der Ethik nämlich, vertheidigt werden kann. Doch beabsichtigt vorliegende, nichts we Niger als einen polentisirenden Ton einschlagende Schrift keineswegs, die ״von geblendeter oder blendender Seile" erhodenen Schmähungen zuriickzuweisen; sie will vielmehr über die durch den ganzen Talmud zerstreuten, aus verschiedenen Orten, Zeilen, und was das Hauptsächliste ist, von verschiedenen Personen herstammenden Aussprüche ein richtiges Urtheil ver» schaffen. Diese Aufgabe hat sie auch in v.llem Maaße erfüllt. Nachdem der V. in der Einleitung den kennzeichnenden Unterschied zwischen der griechischen und talmndischen Ethik auseinandergesetzt, faßt er die eigcnthümlichen Grundzüge der Letztern in vier Abschnitte zusammen. Abschn. 1 beschäftigt sich mit der alten Strei'srage, ob- Gnosis oder Praxis das Wichtigere sei. V. neigt sich zu der Ansicht, welche dergesetzmäßigen, weil alle Seelenkräsle beanspruchenden Ausübung den Vorzug vor der Theorie einräumt, und die in dem bekannte» Ausspruche לא המדרש עיקר וכי ihren Ausdruck findet. Tie diesem Grundsätze von der Lyddenser Synode getroffene, scheinbar widersprechende Entscheidung --- למיד נדוד gleicht der V. dahin aus, indem er die Erforschung ver Lehre nicht wie eine beschauliche, müßige Beschäftigung, sondern als praktisches Gebot betrachtet, durch deffen Erfüllung ein vom Gemeinen abgewendeies, geheiligtes Leben erzielt werden soll. Abschn. 2 geht auf Handlung und Gesinnung ein. Auch hier begegnen wir zwei sich gegenübersteheuden Mein»»- ge», von denen die Eine zu dem Satze הכל לפי רוב המעשה und die Andere zu dem Satze רחמנא לבא בעי sich bekennt. Allerdings findet diese Verschiedenheit, welche später in der jüd. Moralphilosophie zwei Richtungen, die des Bachja nämlich und des Juda Halevi, hervorgerusen, im Talniud noch nicht ihre deutliche Ausprägung, allein ihr Vorhandensein ist wahrzunehmen*). Hier weicht, meines Erachtens, der Vers, von seiner früheren scharfsinnigen Durchsührun'g ohne vom Talmud hierzu gebotene Nothwendigkeit ab; indem er der Gesinnung einen zu großen Spielraum gemährt. V. muß selbst der Schwierigkeit begegnen, warum im T. die Gesinnung so we-!nig betont wird (S. 25)? Aus veni einfachen Grunde, weil jer der Schwärmerei Vorbeugen wollte, welche ein nicht in!sichtbare Thaten und hörbare Worte übergehendes Sinnen!und Denken zu verursachen pflegt. Weil entfernt, ein ge-!dankenloses, leeres Lipp.nwerk als Gebet gutzuheißen, begnügt er sich denn doch nicht mit der'bloßen Andacht, ohne dieser!entsprechenden Aeußerung so. Talm. Ber. 15 u. Sisre V, 41 z. E.) Ich glaube daher, daß zwischen Gesinnung und Hand- *) Laut der im Talm Chagiga 15 und Mot di R. Nathan Cp. 24 von Elisa den Äbuja gebrachten Mittheüungen vereint dieser beide Ansichten. Möglich, daß ec hinsichUich der Religiosität und des Ritualgesetzes mehr Las Innerliche, de» Äemüthszuftand, in Bezug auf die Sittlichkeit aber das Tatsächliche, die Aeußerlichkeit, hervorhebt.

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