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Das jüdische Literaturblatt · 1877-02-22 · N° 8. (22.2.1877) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 8. (22.2.1877)
Date
1877-02-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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^■ץ*יי* J5p -MWUMSDNU Herausgegeben Zur Beleuchtung aller Judenthum u Juden betreffenden literarischen Srscheidungen auf dem Gebiete derPhilosophie.Geschichte, «thnograpl>ie,Lhe»logie, Arientali», «reges», Homiletik, Liturgik, Pädagogik. von Rabbiner Di׳. Mobitz Rahmes Magdeburg, 2S. Februar 1877. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Leb. de» ״Jüd. Lileraturblatt" in Magdeburg (oder der ״I»rael. Wochenschr." in Stettin) sugesandt werden, finden in diese» Klette eingehende' Besprechung. Das ״Jüd. Kiteraturblatt" erscheint wöchentlich einmal; Preis pro Jahrgang f» Mark, mit der ״Israelitische» Wochenschrift": 1v Aa»I Zu beziehen durch alle Buchhandlungen (in Leipzig durch Robert Friese), oder hurch>Bestellung bei der Expedition der ״Israelitisch«» Wochenschrift" in Magdeburg. — Inserate werden mit 20 Pf. sür die dreigesp^lten^PetNjeil^berechnet^^^^^^^^^^ Anhall. א Kurze Abhandlungen: Zur Geschichte der Juden in Oesterreich. 2) Die Juden in Ungarn. Zur Etymologie der Partikel את• Ein Wink für ihre syntaktische Auffassung. Literaturbericht: Recensionen: vr. L. Lazarus. Zur Charakteristik der talm. Ethik. — Dr. I. Hamburger. Realencyclopädie für Bibel u. lalmud. —Bether, die fragliche Stadt ii» hgdrianisch-jüd. Kriege. Literarische Anzeigen. Zur Geschichte der Huden in Oesterreich. 2) Di, Aude« in Ungar»».! I» seiner vortrefflichen Ethnographie Ungarns*) widmete Hunfalvy das letzte Capitel (S. 518—527) den Juden. Er bietet eine Skizze über die Geschichte der Juden in Ungarn, sowie eiyen Nachweis ihrer ungewöhnlich schnellen Vermehrung in den letzten Jahrzehnten. ״Budapest — so schließt er diesen Nachweis — ist jetzt vielleicht die jüdischeste Stadt iri ganz Europas Dann folgt eine Ausführung, welche zwar einen nicht ganz freundlichen Ton anschlägt, aber für diq Kenntniß der socialen Verhältnisse der ungarischen Juden sehr beachtenswerth ist. Sie soll hier treu übersetzt werden: ״Ein großer Theil der Israeliten lebt vom Pacht der Wirthshäuser, welcher mit dem Kleinhandel zusammen betrieden wird. Das ist die für das gemeine Volk gefährlichste Klasse, und die Grundherren beförderten und befördern sie noch vermöge ihres Schankrechtes. Leichter Credit, wenn auch mit Wucher, verleitet den ungebildeten Aienschen zum Trünke, durch den er sich und seine Familie in's Elend bringt. Die Gemeinde» folgen dem Beispiele der Grundherren, weil der Jude das Wirthshaus am theuersten pachtet. Das Schankrecht ist daher ebenso schädlich für das gemeine Volk, wie es für die Juden nützlich ist; denn diese bleiben unter den Trunkenen iinmer nüchtern und unterden Alles Vergessenden immer berechnend. Ten Gegensatz zu dieser Klasie bildet der ungarisch israelitische Grundbesitzerstand, der zu den angesehensten Klaffen des Landes gehört, nicht nur vermöge seines Reichthums, sondern auch vermöge der am meisten industriellen Betreibung der Landwirthschaft. Diese Klasse hat eine andere Eigenlhümlichkeit oder vielmehr einen anderen Mangel des ungarischen Rechtes geschaffen. Nach der Auffaffung des ung. Rechtes konnte nur ein Adeliger Grundbesitze! und steuerfrei sein; derselbe gewöhnte sich so an ein sorgloses Schlaraffenleben. Ferner hatte sozusagen nur ein Adeliger volle Menschenrechte. Hingegen konnte der Nichtädelige, wenn er auch reich wurde, keinen adeligen Besitz kaufen, wenn er nicht um Geld den Adel erwarb. Zwei schÄliche Folgest hatten diese Zustände. Die sorglos hinlebende adelige Brsitzerklaffe verschuldete immer mehr, aber der Werkh der Güter hob sich nicht, da die! nichtadelige, also die apf Arbeit und Industrie hingewiesene Klaffe, wenn sie auch M Vermögen gelangte, fe nicht kaufen konnte. Da aber der zu Reichthümern gelangt!! Nichtadelige, genöthigt war, sich "den Adel zn verschaffen, um ein voller Mensch zu sein, verblieb das Capital auch bei dieser Klaffe nicht, weshalb sie auch nicht so reich wurde, als sie es sonst gekonnt hätte. Dem betreffenden Gesetze fiel die ganze ungarische christliche Gesellschaft zum Opfer. Der adelige Besitzer suchte, wenn er verschuldet war. für seine wohlfeilen Güter einen Käufer; aber die Nichtadeligen hatten kein Geld, weil sie, was sie bdsfißen, sür den Adelstitel hingegeben hatten. Inzwischen hattest die Israeliten den Handel an sich gerissen und, indem fiel mit wenig Ausnahmen dem gesellschaftlichen Kampfe fern blieben, wurden sie immer reicher uNd reicher. Jetzt trat eiye plötzliche Veränderung ein, der adelige Grundbesitz wurde verkäuflich: das aber kam blos den Jsrabliten zu Gute. Nimm eine, große Landkarte und streiche von dort an, wo die Theis in die Ebene tritt, bis dorthin, wo sie in die Donau sich! ergießt, die Grundbesitze der Israeliten roth an, und du wirft staunen darüber, wieviel nicht ״Mt ungarischem Blute erworbenes", sondern mit ungarischen Schulden verlorenes Land da ist. Dasselbe sindest du dein Lauf der Donau entlang und anderwärts. Wenn du aber das jetzige Aussehen des Landes mit dem alten vergleichest, dann mußt du eirgestehe«, daß die neuen Eigestthümer des 33efif.eS würhiger sind, als die ehemaligen. Der Handel ist neistens in der Hand der Juden; auch der Getreidehandel. — Aber sie theilen sich auch schon mit der übrigen Einwohnerschaft in die oerschiedenen Handwerke und zeichnen sich auf allen wissenschaftlichest Gebieten aus." W. B. ') Magyarorsz&g Ethaographiäja, Budapest, 1876.

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