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Das jüdische Literaturblatt · 1877-02-08 · N° 6. (8.2.1877) · p. Seite 22

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 6. (8.2.1877)
Date
1877-02-08
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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smtlichsten Entwicklungsmomente der philosophischen Forschn^i^rhatb de- Jnde»thu»s i» flüchtitzen Zügen vorüberzufühfftn, Sticht a« eine so schwierige Snfgabe heranwogen wie die, >»m Leser eine auch nur andeotende Eharakteriftik dieser so nMuHchiGe« Ge»neSschöps«g M geben. Es genüge, die Grundtendenz der philonifchen Schriften und der jüd.-alexandrinijcheu Philosophie überhaupt hervorzuheben, und diese desteht wesentlich in dem Streben, für die aus denr Judenthum heroorgewachienen Religionsanschauungen vor den! Forum der griechiji e« Philosophie eine Rechtfertigung zu eriaügen- Selbst Diejenigen, hie fich mit vollem Bewußtsein zu den Grundlehren des Jndenthnms bekannten, waren von einer so tiesen Bewunderung für die Schöpfungen des griechischen Geistes erfüllt, daß der Wunsch, die Mische Weltanschauung mit den ׳ Ergebnissen der griechischen Philosophie in Einklang zu bringe», für sie gleichsam zu einem religiösen Bedütfniß geworden > war. Eine solche Aufgabe konnte, allerdings nicht durchgeführt -j «erde», ohne dem Judenihum nach mancher Richtung hin einen harten Zwang aufzuerlegen. Die Aussprüche der heiligen Schrift mußten sich gar oft eine.aervaltsame Unibiegung ihres Wortfinnes,. die jüdischen Religttmsanschauungen eine Unterschiebung fremder, wenn nicht gar entgegengesetzter Borstellungen pesallkn lassen, um i^re Uebereinstimmung mit den Lehren der griechischen Philosophie zu erweisen. Mein die Urheber dieser Schule sind trotzdem an ihr Unternehmen ohne Zweifel in dem besten Glauben! an seine Berechtigung und innere Wahrheit gegangen; von W Möglichkeit und Nothwendigkeit eines MsgienhS im Innersten durchdrungen trugen sie kein Bedenken, drrrch AnwMung exegetischer Daumschrauden entweder die Grundgedanken des Judenthums" in die grie׳ chische Literatur hineinzulesen oder, was noch häufiger geschah, die Gedanken der griechischen Philosophen aus den jübischen ReligionSnrkunden herauszulesen. Die Uebereinstimmung der grundlegenden Gedanken der griechischen Philosophie mit den Vorstellungen des jüdischen Offenbarungsglauj benS sollte ja auch nicht etwa eine zufällige sein, sondern in einer bewußten- Entlehnung der Lehren bcä_ Juden-, i thums Seitens der Urheber der philosophischen Systeme ihre Erklärung finden. Je fester in den Gemüthern dje Ueberzeugüng nmtzelte, daß der Monotheismus des Judeuthums aus dem Urquell einer göttlichen Offenbarung gefloffen sei, um. so begreiflicher war es, daß die Annäherung an den monotheistischen Gedanken, welche sich in den späteren Systemen der griechischen Philosophie vollzogen hatte, nicht als düS Ergebniß einer selbstständigen Entwicklung angesehen, stmdem auf eine Entlehnung aus dem Judenthum zurückgeftHrt wurde. Warum aber sollte sich die in diesem einem tPüakte nachgewiesene Entlehnung nicht auch auf noch andere!wesentliche Bestandtheile der griechischen Philosophie erstreckt hüben? Bei der.hohen Schätzung, deren die griechisch^ Litertttur sich in dem Lreise der alexandrinischen Juden erfreute, war der Reiz, immer weitere Spuren derartiger Entlehnungen n»S dem Judenthm» auszudecken, natürlich um so größer, und der so einmal angeregte Eifer kam daher nicht früher zur Ruh«, bis man endlich glaubte, die Grundelemeute' der .gefammten damals herrschenden philosophischen Weltanschauung f« Jvdenchum aufgesnnden zu haben. Eine zu diesem Zwecke rwrzügtjch geeignete Handhabe aber war den'Alexandrinern geboten in der «entzn Methode der Schriftforschung, welche in den Lehrhäusern Paläsiina's damals mit großem Eifer gepflegt wurde, und die dt»rin bestand, auf Grund gewisser sancttonirter Jnterpretationsregel» den« Worte der heiligen Schrift ׳die mannigfachsten Dentnnge» zu entlocken, »nd so dem durch die Traditio» gegebenen oder erst jüngst hinMgekommenen Halachastoss dnrch Anlehnung an die Schrift eine höhere Autorität zu verleihen. Wie Frankel in iemen' überall an neuen Gesichtsvunkien so reiche» Untersuchungen nachgewiesen hat, ivar diese Methode der Schristforschung auch, bei den Alexandrinern in Ausnahme gekommen, und durch diese Uebertragung eines auf dem Gebiete der Halacha anerkannten Verfahrens aui die zu philosophischen Zwecken unternommene Schristfprschung war die Möglichkeit gewährt, den Religionsurkunden Deutungen abzugewinnen, die man sich sicherlich gescheut hätte, ihnen mit Bewußtsein unterzn schieben. — So war denn der erste Lersuch gemacht, das jüdische Religionssystem zu einer philosophischen Weltanschauung zu erweitern, das Judenthum war in die Entwicklung der Philosophie eingetreten. Allein anstatt die Philosophie durch die Zuführung seines originellen Denkstoffes zu befruchten, hatte sich das Judenthum in allzu willfähriger Unterordnung eine fremde Weltanschauung aufpfropsen lagen, es hatte seine eigene Originalität zu wenig geltend gemacht, und hat dadurch bei diesem ersten Versuche nicht den Einfluß gewonnen, den es mit Recht hätte beanspruchen sollen. Ordnung der Traktate, Theilung der Ab» schnitte und einzelner Absätze in der Wiener Toiefta - Handschrift. Von Rabbiner vr. Zucker mandel. (Fortsetzung.) Die stehende Schlußformel am Ende eines “HD in der Wiener Handschrift ist: חסלת מסכתא וסליק סררא ברקי רחמנא דסייען u. z. in drei Zeilen hinter einander geschrieben, über jedem Worte drei Punkte, ein umgekehrtes Segsl, und und zwei Punkte neben einander nach jeder Zeile; in der Ersurter Hsch. ist jedesmal ein anderer Ausdruck gebraucht, ohne den Zusatz סרק״ רחמנא, wofür aber eine kurze Gebetsormel , am Anfänge des סדר sich findet, (vgl. Erf Hsch. a. a. O.) Die Angabe der Zahl der Traktate und Perakim findet sich in der Wiener Hschr. nur einmal u. z. nach Moftd aber merkwürdiger Weise gleichfalls falsch in der Perakimzahl. Es beißt dort מסבתא תרי עשר ופרקי שתין ותרין, in der Ersurter ס"נ, wo wenigstens die 3 stimmt. Auch in der Bezeichnung der Perekabtheilung variiren die Handschriften. Während in der Erfurter am Ende jedes Perek steht סליק פירקא ohne Bezeichnung der Nummer des Perek — die am Rande angegebenen oft fehlerhaften Bezeichnungen scheinen mir von späterer Hand — schließt die Wiener Hsch. jeden Perek ohne Bemerkung und hat dafür die Ueberschrift פרק א׳ב ♦ י mit großen Buchstaben. Die Ausgabe gleicht in ihrer Bezeichnungsweise weder der einen noch der andern Hsch., hat aber auch kein eigenes Gesetz, sondern auch hier Willkür und Unordnung. Am Schluß von Serailli heißt es תם ונשלם סדר ורעים. In Mofedhaben wir in der Form ,סליק פירקא וסליקא לך תוספתא ממסכתא שקלים eine R eminiscenz an die alte Schlußbezeichnung des Perek, hierauf heißt es wieder תס ונשלם worauf mehrere Reimverse folgen. In Naschim folgt 1 auf die Bezeichnung . .-סליל, פירק׳ gar keine Schlußbezeich- I für den ganzen Secks!-, was wohl daher kommt, daß die Bor-

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