Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 6. (8.2.1877)
- Date
- 1877-02-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5367336-6488232-8754588--0680-4854186- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
M 6. Dys V , VI. Jahrgang. Zur Beleuchtung aller Judentfium u. Juden betreffenden titerarischrn Erscheinungen auf dem Gebiete derPhitosophie.Geschtchte,Ethnograpl>ie,Lheotog>e, Brientatia, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Di׳. Moritz Rahmer. Magdeburg, 8. Februar 18??. J Dü^er der einschlägige» Literatur, welche der hieb, de» ״Jüd. Literaturblatt" in Magdeburg (oder der,L»r»tl. Wochenschr." in Stettin) sugesandt Werde», finden in diesem Dlatte eingehende Besprechung. Das ״Jüv. Literatllrblatt" erscheint wöchentlich einmal;Preis pro Jahrgang 8 Mark, mtl der ״Israelitischen Wochenschrift": 10 Marl. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sin Leipzig durch Robert Friese), oder durch direct« Bestellung bei der Expedition der ״Israelitische» Wochenschrift", in Magdeburg. — Inserate werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet. : Inhalt. Abhandlungen: Ueder dix Entwicklung der jüd. Rcligionsphilosophie. Von Landrabb. I>r. Guttmann. Ordnung der ixactate u. s. w. in der Wiener Tosefta-Handschrifk. Vo» Rabb. Dr. Zuckermandel. 1 Literaturb ericht: 'Recensionen 1 Philon's Hupothetika u. die Verwünschungen des Buzyges in Athen. — Jacobson, Dr., Die Geschichte der heiligen Schrift. —- Lewin, Dr, Lehrbuch der bibl. Geschichte und Literatur. Literarische Anzeigen. Ueber die Entwicklung der jüdischen Religionsphilosophie. Von Landrabbiner Dr. Guttmann. III *) Der Berührung mit einer neuen, ihm mit dem vollen Bewußtsein ihrer Ebenbürtigkeit entgegentretenden Culturent- Wicklung war es Vorbehalten, den philosophischen ForschungStrieb auch im Iudenthum zu wecken und eine geistige Bewegung anzubahnen, deren allsgesprochene Tendenz dahin gerichtet war, den inzwischen nicht nur zu größerer Volksthümlichkeit gelangten, sondern auch in sich gefestigten und reich ausgebauten Gedankengehalt des Judenthums zur Bedeutung einer Großmacht auch in der Welt des speculativen Denkens ׳ zu erheben.. Auf dem für die Geschichte des jüdischesi Volkes so bedeutsamen und an schicksalsr eichen Wendungen fruchtbaren Boden Aegypten's sollten die beiden klassischen Vertreter der Culturen des Orients und Occidents einander näher treten;; und wenn aus der Begegnung des Judenthums mit dem j Hellenismus, auch nicht gerade eine neue Weltkultur entstand, wie sie einst Alexander's ahnungsvoller Geist geschaut hatte, so sollten diese ^beiden großartigsten und in ihrem Einfluß auf die geistige Entwicklung der Menschheit noch heute unerreichten! Culturmächte des Alterthums a:>ch nicht ganz theilnahmlos aneinander vorübergehen. Dem bestrickenden Zauber, den die griechische Cultur noch immer, obschon sie ihre Jugendreize und ihre früher so wun derbar reiche Zeugungskraft längst eingebüßt hatte, auf die Geister ausübte, hatte sich auch das Iudenthum nicht ganz entziehen können. Hatte es in den vorangegangelieil Kämpfen auch dem ersolgberauschten Griechenthum gezeigt, daß es sich an Lebensmuth und innerer Lebenskraft mit ihn( noch messen *) Im Art II* S. 10 Z. 8 ist st. neugeborenes zu lesen spätgeborenes, u. S- 11 Z. S st. Vortheilen z. l- Vorurtheilen. 1 j könne und keineswegs gesonnen sei, dem Beispiel der altersschwachen Culturvölker dos Orients zu folgen und dem Griechenthum zu Liebe einfach vom Schauplatz zu perjchwinden, so war es doch aus seiner geistigen Jsolirung einmal heraus-׳ getreten und mußte zu der ihm auf Schritt und Tritt begegnenden * Welt- und Lebensanschauung des Griechenthltms feste Stellung nehmen. Je siegreicher der Widerstand gewesen war, den das Judenthum auf dem Schlachtfelds dem Griechenthunl geleistet hatte, um so dringender trat an dasselbe die Ausgabe heran, nunmehr auch den Kampf für seine g e i st lg e Anerkennung aufzunehmen und die innere Berechtigung der den! Judenthume eigenthümlichen Weltanschauung vor der zum Welttribunal gewordenen griechische» Geistesbildung nachzuweisen. 5 Das Griechenthum hatte den Höhepunkt ferner Eultut« aufgabe bereits überschritten, als auch im Judenthum steh der Drang zu regen begann, seinen Rundgang durch die Welt anzutreten und;seine große Culturmission ihrer Erfüllung näher zu führen. Daß es den ersten Schritt auf dieser ungewohnten Bahn nicht ohne f r e m d e Unterstützung unternommest, hat nicht gehindert, daß es später, als cs erst aus eigenen Füßen stehen gelernt hatte, die Krücken von sich warf und durch seiil rüstiges Ausschreiten die Welt in Staunen setzte. Aus der vorübergehenden Vermählung des -jüdischen Geistes mit dem Geiste des spätereu Hellencnthums aber ist die Fracht der jüdisch-alexandrinischen Philosophie hervorgegangen. . Man hat geglaubt, die ersten Anfänge dieser Philosophie — mir lassen es dahin gestellt sein, ob mit Recht oder Unrecht — bis in die unter dein Namen der Septuaginta bekannte griechische Uebecsetzung der heiligen Schrift verfolge» zn können Für unsere Betrachtung genügt es, uns an best vornehmäen Träger dieser Richtung zu halten. Ihre höchste Ausbildung aber hat die jüdrsch-alexandrinische Philosophie durch den Alexandriner Philo gefunden, in besten Werken uns ein reich gegliedertes und sorgfältig ausgeführtes Gedankensystem vorlregt, von einein Manne entworfen, den ma« nicht nur wegen des Wohllauts 'seiner Sprache, sondern auch׳ wegen seines Tieffinns eine gewiste Geistesverwandschaft mit׳ dem genialsten Philosophen des^ klassischen Alterthums,, mit Plato zugestanden hat. -Wir können uns selbstverständlich in dieser Darstellung, die sich darauf beschränken muß, die we-