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Das jüdische Literaturblatt · 1877-01-08 · N° 2. (8.1.1877) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 2. (8.1.1877)
Date
1877-01-08
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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Geschichtsbücher. Die Varianten schwächen nicht, svndern vcrstärllpi ihren Werth; Ne liefern den unschätzbaren Beweis, daß der «xilische Absaffer der Bücher Samuel und Könige die alten Thrsniken wahrheitSu«d wortgetreu excerpirt und in Heiner Weise selbstständige, eigenmächtige Lenderungen m den Excerpten vorzunehmen sich gestattet hat. ״ Eine solche Differenz zeigt z. B. I- Sam. 18, 27, wo David, um die Hand der Tochter Saul's zu erlangen, zweihundert Philister beste Ae, mil II. Sam. 3, 14, wo blas deren hundert angegeben werden; ferner I. Sam. 10, 12, wo das Sprüchwort: ״Lach Saul unter den Propheten" von dem ersten Zusammentreffen des noch nicht öffentlich züm Könige ansgerufenen Saul mit den Propheten in G i b e a datirt, mit I; 19, 24, wo der Ursprung deffelben nach Najoth bei Ramah verlegt wird; ebenso I. Sam. 21, 10 wo das Schwert Go-! liath's im Heiligthum zu Nob aufbewahrt lag, mit 18, 10, wo David das erbeutete Schwert als sein Eigenthum mit sich nahm Mehr doppelte als abweichende Excerpte sind I. Sam. 13, 14 und 15, 26 ff., wo der Conflikt Samuels mit Saul zweinnA erzählt wird. Vergl. _ auch 25, 1 mit ^8, 3 Verschiedene und in einigen Punkten auch abweichende Excetpte sind Cap. 16 u 17. An der erstgenannten stelle wird! berichtet von der heimlichen, durch den Propheten Sgmuel vtckzvgenen Salbnng Davids und deffm erstmaliger Berufung an «n Hof Saul's. Der schöne, citherkundige Sohn Jsai's sei de« Könige durch die Diener zum ersten Mal vorgeführt und von ih« zuni Harfenspieler und Waffenträger er-! turnst worden. Rach 17, 55—58 hat ihn Saul zum ersten M a l im Lager im Terebintenthale gesehen, als er gegen Goliath auszog.*) An beiden Stellen hat Saul sofort deschloffen, den vielbewunderten Hirtenknaben in seiner Nähe zs behalten und nicht mehr nach Hause ziehen zu laste», 18, 2 und 16, 21. Gerade des letzter» Umstandes wegen muß . der von Grätz (a. a. O.) gemachte Versuch, die augenfällige Abweichung dadurch auszugleichen, daß er die zwar früher erzählte Berufung David's'an den Hof Saul's erst nach dem hätor berichteten Zweikampf mit Goliath erfolgen läßt, als mißlungen und gescheitert angesehen werden. Ist David, wie 18. 2 berichtet wird, nach der Besiegung Goliath's ain Hofe Spul's geblieben, so brauchten die Diener nicht mehr den unbekannten Sohn Jsai's zu holen, damit er mil seiner Harfenkunde des Königs Trübsinn erheitere. Die Differenz ist übrigens nicht von bedeutender Tragweite; es ist sogar leicht estyujehen, daß gerade über diesen Punk, über die ersteBerufung Davids an den Hof Saul's, über das erste Zusammentreffen dieser beiden Männer, die sich nachträglich so sehr gehaßt und so erbittert befehdet, schon bei den Zeitgenossen verschieden« Verfilmen geherrscht haben mußten; daß also schon deswegen die eine Chronik das Zusammentreffen bei diesem Ettigniß, die zweite bei einem andern Ereiguiß Erfolgen läßt. Die Glaubwürdigkeit der tradirten Thatsachen wird durch die kleine Differenz nicht verringert. So viel zur Sicherstellung des Verhältnis der beiden Kapitel zu einander. (Schluß folgt) *) Dieser Widerspruch ist bereits den griechischen Bertenten wie de» Lalmudisten -ufgessllen. Bergt. Jebamoth 76,' b. (Exegetische Analecteu. 1) Die Stelle Gene,', c. 22, v. 14 י״י יראה אשר יאמר היום וכו י״י :ו־אה ist. ihrer dunkeln Kürze wegen schon vielfach gedeutet worden. Bekanntlich wird nach der jetzt Herr- .schenden Erkärung angenommen, daß Abraham über den Ort, an dem er Isaak opfern sollte, ״Gott schanl" ausgeruscn und damit der ״Sage" Entstehung gegeben habe, die durch den Schluß des Verses kurz angedentet wird, daß auf dem Berge des Ewigen er auch erschien. Bereiis ist diese Frage an competenter Stelle, in Tuch's Commentar über die Genesis, eurer eiligehenden Kritik unterzogen rvorden. Mit Recht wendet dagegen der neueste Herausgeber dieses C. ein, daß. wen» jene Sage durch den Ausspruch ״Gott scharrt" molivirt werde, es an einer paffenden inneren Verbindung ׳ fehle, indem ja aus dem Umstande, daß Gott schaue, noch nicht umgekehrt folge, daß er auch gesehen w e r d e. Ich schlage darnmfolgende Erklärung vor: Abraham, noch voll des Eindrucks, den die durch das Eingreifen des Himmels und die Erscheinung des Widders so plötzlich verwandelre Scene aus ihn machen mußte, erinnert sich, daß er kurz vorher in des Sohnes Seele aus dessen bange Frage, wo das Lanrm zun! Opfer sei, die Hoffnung zu wecken versucht, daß die Vorsehung schon dafür sorgen und ein Lamm sich ausersehen werde. (Vgl. B 8) Was damals nur Vermuthung oder gar nur eine ausweichende Antwort sein sollte, sieht er wunderbar aus einmal dmch Gottes Veranstaltung verwirklicht. Was lag nun näher, als die Opierstätte eben darnach zu benennen? Daß er sie mit knappen Worten ״ י,"י יראהGott e r sieht" oder ״erwählt sich" benennt, ist aus dem Effect, dem die Kürze der Rede entspricht, leicht erklärlich. Daraus mag nun die sprichwörtliche Bemerkung entstanden sein: ״auf dem Berge Gottes wird er sich schon zeigen", ein Sprichwort, das leicht m ähnlicher kritischer Lage Anwendung finden tonnte, um der Hoffnungslosigkeit mit dem Gedanken zu begegnen, daß sich schon zu rechter Zeit und am rechten Orte ein passender Ausweg auf Gottes Veranstaltung zeigen werde. 2) Hos. 4, 4 und 5. Der Sinn dieser beiden Verse scheint folgender zu sein. 'Niemand, auch der Priester ist nicht mehr, nach des Propheten Meinung, würdig, dem Volke Moral zu predigen, denn er sei nicht bester. Das gemeine Volk sei zwar um nichts bester, aber auch um nichts schlechter, als diejenigen unter den Priestern, die mit ihm seiner Handiungen wegen rechteten (ועמך במריבי מהן), das Volk sündige nur offen am Hellen Tage, der Priester aber, der sich zu seinem Sittenprediger aufwerse, wähle die Nacht, um gleich ihm niederer Lust zu fröhnen. Aehnliches enthalten V. 8 und 9 deffelben Cap. Der Prophet hatte seine Strairede mit der Eröffnung begonnen, daß der Ewige einen Rechtsstreit mit den Bewohnern des Landes habe. So lehr sich aber auch mancher unter den Priestern versucht fühlen mochte. Tadel und Zurechtweisung gegen das niedere Volk selbst auszusprechen, der Prophet spricht jedem, unter obiger Begründung, die Berechtigung dazu ab. Schließlich sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß das Suff, in עמך V. 4 ans den Einzelnen aus dem Volke bezogen werden darf. Breslau. De. L. Tr eitel. Nachbemerkung der Redactiou. Diesub 1 besprochene Bibelstelle אשר יאמר היום gehört bekanntlich zu denen, die Jbn Esra (Deut. I, 2) in seiner dunkeln Ausdrucksweise als später — zur Zeit des I. Tempels — hinzugefügt erklärt; was jedoch von Luzzatto (Bikkure Ha-Jttim תקפ״ח S. 151—156) schon gründlich widerlegt worden. Was die von Hrn. Dr. Treitel gegebene sehr plausible Erklärung anlangt, so möchten wir noch darauf Hinweisen, daß bereits Hieronymus (Ouaestiones in Gcnesin) das ואמר in diesem Sinne nahm. Seine Worte lauten: Hoc apud Hebraeos exivit in pro verbi um, ut si quando in angustia constituti sunt et Do*

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