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Das jüdische Literaturblatt · 1872-08-28 · N° 16. (28.8.1872) · p. Seite 62

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N° 16. (28.8.1872)
Date
1872-08-28
Page
Seite 62 (sequence 2)
Language
German
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62 :4־ I, ו Lckrlogie, ausgekülgelt, welche sehr viele Lücken und Blößen biete 1 mußte, und schließlich die ganze Lehre fast zum Gespötte gemilcht hat. Die Religion ist an diesem Jrrthum unschulbig, die Bibel giedt dafür keinen Anhalt^-ste sagt vielmehr: Gott hat alles zu seinem Zwecke, oder — wie der Prophet mehi bildlich sich ausdrückt — ״zu seiner Ehre" geschaffen, und wem! die Schöpfungsgeschichte mit dem Satze abschließt: ״Gott sah mS Ganze, welches er geschaffen, und" stehe, es war sehr gut," so kann nur menschliche Thorheit und Ueberhebung heraus lesen, daß alles für uns gut sein und jedes Ding sich über seine Nützlichkeit für uns legitimiren muffe. Die einheitk che Planmäßigkeit und Organisation des Weltalls ist nur in der Religion ein Lehrsatz, für die Begründung desselben verneist sie auf die Natur. Die Astronomie vor allem hat in ihr«» Fortschreiten iunner mehr die Beweise dafür erbracht; sie s at gezeigt, wie einige wenige, einheitliche Gesetze die Bewegtlng aller Weltkörper bestimmen, wie sich Monde um Planet« , diese um die Sonne und die Fixsterne allzumal sich -iÄl ncht um eine Centralsonne drehen. Die anderen NaturchUt «schäften haben, jede an ihrem Theile, die einheitliche Ges« tzchäßigkeit aller Erscheinungen ebenfalls immer klarer ^ach;«wiesen, und der Darwinismus enthält ein reiches, für die Religion höchst schätzbares Mat«ftal zur Erkenntniß her nnheitlichen Entwickelung? nicht nur der Organismen als solcher, sondern ihrer einzelnen Theile als Organe; er giebt mä, wenn auch noch nicht den Beweis, so doch schöne Fingerzeig« darüber, wie aus einer Urform, der Zelle, sich die unendl che Mannigfaltigkeit nnd Zusammenstellung der organischen Förnren entwickelt haben könne. Nur von einer beabsichtigten Zweckmäßigkeit will Darwin nichts!wissen, es soll sich allei unter dem Einfluß zufälliger Umstände entwickelt haben.״ Das lasten wir für die religiöse Anschauung bei Seite. Die Frqse nach Zweck und Absicht und die Voraussetzung einer zwei bestimmende» Intelligenz für eine von uns erkannte Zweckmäß gkeit liegen so ticsund unveräußerlich in unserm Denken, daß wir trotz Darwin dochimmer wieder darauf zurückkommen. Und die!lnuahme planloser Zufälligkeiten liegt gar nicht nothwendig im Darwinschen System! Was hindert uns, was hindert ihn selbst denn, die.von ihm vorausgesetzten Zufälligfeitfn rbenso von der Gottheit zu ihrem Zwecke und nack ihrem Plane bestimmt sein zu lassen, wie wir na«s der religiösen Anschauung die scheinbaren Zufälle im Menschenleben und in der Völkergeschichte als Bestimmungen, Fügungen der Vorsehung, zu ihr«» Zwecken und nach ihrem Plane, betrachten? (Schluß folgt.) auf Etymologisches. Dje Etymologie der hebräischen Sprache steht noch nicht fester Grundlage, daß nicht neue Erklärungsversuche grmlicht ׳-werden sollten, besonders in den Fällen, in welchen die Ableitung gezwungen erscheint und nicht befriedigt. 1) Die Erklärung von כתולה htL Kürst von בדל muß als unannehmbar erscheinen, ebensowenig wird der Zusammenhang der Begriffe 1>d.urchreiI^n, 2) festbestimmen, 3)wägen, «selche in פלס vereinigt sein sollen, in die Augen fallen. Folj ende Gedankenverbindung verwandter Stämme dürfte woh l einleuchtender sein. ׳Die Bedeutung von ״ פתלdrehen, winben׳ ist aus פתיל deutlich. Aus dem Begriff des ״Drehens Wft dens" geht nachweislich der der Stärke und Festigkeit hervor (vgl. Fürst z. V. בתולה;(חזק ׳קשר .חבר läßt sich demnach ungezwungen als verwandt mit ׳פתל als die ״Unverletzte, Ungrschwächtc" erklären, wie der Gegensatz im Zeitwarte 7UV ״schwächen" sich ausdrückt. Ganz ebenso hat das in der Mischna vorkommende Wort פשל beide Bedeutungen ״drehen" und befestigen." 'לא יפשיל ובו (Beza 29). ״Er soll die Kuffe nicht nach rückwärts wenden" und אק מפשילין ״ וביMan darf darin keine Stricke befestigen." (Megilla 28). Dasselbe Verhältniß zeigt sich wohl durch Umsetzung im Stamme ׳פלס welches gleichfalls beide Bedeutungen ״drehen" und ״festigen" hat. Spr. 5, 6 ist zu übersetzen ״daß du nicht abbiegst vom Pfade des Lebens," (die Erklärung Ewalds durch Verdrehung des Satzes ist sehr gezwungen), und das. 4, 26 ״festige den Pfad deines Fußes. ״Das Hiob 37, 16 vorkommende בפלש׳ die ״Richtungen" und פלס die ״Waage" kann auch vom ״sich wenden" den Namen haben. Ebenso läßt sich das im Midrasch vorkommendc פלש (siehe Aruch s. v.) erklären ״sie. richteten sich nicht . . ." Auch das Adjectivum בפולש in נקב בפולש und בבוי בפולש läßt sich aus der angegebenen Grundbedeutung ungezwungen erklären: ״nach beiden Seiten gewendet" denn für פלש die Bedeutnng ״durchbrachen" anzunehmen, wäre tautologisch mit נקב. , 2) Fürst 8, V. חור IL sagt: ״dieses sei von חוד I ganz verschieden." Wenn aber in anderen Sprachen sich auch der Zusammenhang beider Bedeutungen zeigt, so ist kein Grund vorhanden, auf die Scheidung derselben so großes Gewicht zu legen. Im Deutschen hängt ״Loch, Lucke und Licht" zusammen, wie im Lateinischen fenestra wohl mit <patv<1> zusammenhängt. ' 3> Aus demselben Grunde ist es auch nicht nöthig, zwei Stämme לבב anzunehmen, wie Fürst (s. d.) thut, sondern es können beide aus einer Wurzel stammen. ״ 1לבHerz" könnte als ״Hohlmuskel".erklärt werden, was mit der aiidern Bedeutung ״glänzen, schimmern, weiß sein" (לבי) in der eben angegebenen Weise zusammenhängt. 4) Als Ergänzung zu der Bemerkung in der ״literarischen Beilage" Nr. 3, daß die causalen Partikeln und Eonjunctionen aus den verschiedenen Kategorien hcrgeleitet werden, will ich noch einige anführen! a) ״ בשבנילwegen" soviel als ״in der Weise, daß . . . "; ״ שבילWeg" wird wie דרך zunächst qualitativ gebraucht und dann causal;-d/״ בת1ךaus der Mitte, ,dem Innern, dem Wesen, folgend," dany einfach causal .,weil."' Schwierig ist,die. Erklärung her Partikel ״ אבוivegen." *) Z.I. ך Journal-Revue. . — ■ 1 Die Israelüen von Zatonichi. (jzortsetzunF^ 7. Der Sabbath. Der Sabbath ist für die Israeliten" vbn Salonichi ein Ruhetag im wahren Sinne des Wortes. Die Wohlhabender» hören schon einige Stunden vor Sonnenuntergang mit ihren Beschäftigungen 1 *) Die versuchte Ableitung von o'r« ist abgeschmackt: Stein'S Ableitung (in seiner ״Talmudische Terminologie") vom arabischen וטי consentit weder etymologisch noch logisch einleuchtend. Die von Mussafia gegebene Erklärung אבט4ל אבטו אטו und בטול ist dagegen so einfach und entsprechend, daß man nicht weiter zu suchen braucht. Was aber אבטו selbst und das offenbar gleichbedeutende בבול betrifft, so liegt die Ableitung vom בוט hebr. und chald. (s. Aruch בוב Nr- 2 und 3) ״bewegen" sehr nahe. «

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