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Das jüdische Literaturblatt · 1872-07-17 · N° 13. (17.7.1872) · p. Seite 51

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N° 13. (17.7.1872)
Date
1872-07-17
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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mehr vorhanden von seinen alten merkwürdigen Denkmälern, nichts das uns vermuthen läsjt, bas der mächtigste Fü Zeit der Graste Alerander dort seinen Sitz hatte. Vers st seiner hwundcn sind die tapferen Macedonicr und an ihrer Stelle lebt buhl durcheinandcr der Israeli!,׳, Türke, Jtaliäncr, Grieche, Deutsche u. a. Umsonst!vürde »ran hier nach (ftrnas, das an b.!3 chsltcrtbum erinnert, suchen. Noch vor kurzer Zeit fand nian in einem der Seitenflügel eines unbedeutenden, hölzernen Borhanses einige beschädigte Statuen, eingeniauerr, welche als Salonichi noch ein Schauplatz der barbarische» Gefechte zwischen Menschen und wilden Thieren war zur Ausschmückung der Arena diente». Die türkische Regierung schenkte diese letzten Denkmäler an Frankreichs um im Museum zu Paris uusbcmahrl zu iverde». Es besteht aber noch ein Ehrenbogen oder besser gesagt der Nest eines arc 10׳ trioniplte. Dieser überspannt die Hanplstrqße; aber die türken habe» so wenig Sinn für die Kunst, daß sie diesen von beiden Seiten in den Häusern eingemauert haben. Der Eigenthümcr eiifes Cafe, der eine /Mauer dieses ' Ehrenbogens in seinem Fremdenzimmer hat, ist bemüht diese jährlich zioeimal meist einstreichen!zu lassen, so dast die Reste der schönen Bas Reliefs allmälig zif Grunde gehen werden. Außerdem giebt's in S-, will man sic nämlich zu ein« Ueberreftc des Altersthums stempeln, sckr dicke steinerne! Maucrch die von einem Griechen gebaut״ gut ei halten sind, dag die erste beste Krupp'schc Kanone sic zerbröckeln würde. I Salonichi ist im wahren Sinne des Wortes eine türkische Stadt, d. h. eine Stadl aus Holz; ohne Paläste, ohne öffentliche Gebäude, ohne Thürme, Synagogen, Kirchen u. s. w. J Für uns ist das Interessanteste von Salonichi seine jüdische Bevölkerung. Wenn man an die zahl- und einflußreichen Juden dhnkl, die früher im Osten gewohnt haben, und man dagegen ist 2'ctradjt zieht die blühenden jüdischen Gemeinden Amcrika'b beiönders die von New Bork mit ihre» reichen und prachtvollen Sunagogen, so gelangt man zu dem Schluß, dast die Völker dem Laufe der Sonne jolgcn und aus dem Osten allmählig nach dem'Westen ziehen. Die israelitische Bevölterung-oon Salonichi zähl! > 0,000 (?) Seelen, während die Anzahl der Türken und Griechen in r 10,000 beträgt. Die Juden habe» fast alle den veriugiciichen Ritus. Ihre Ailkmist daselbst, wie in da! nieisten türkischen Slädke», datirt von der allgemeinen Ausivanücrung und Fluch! der Israclitcn aus Spanien, die von der grausamen Jnqui ilion vcrfolgt wurden. Der Golf von Salonichi war damals bedeckt mit zahlreichen Genuesischen und Vcnclianischcn Rlzderschifsen, die ihre kostbare Ladung von Mcnsthen und ansehnlicheil irdischen Schätzen ans Land brachten. Aber es ist nicht zy bezweiseln, daß׳es in Salonichi, sowie in Eonstantinopel und Alerandria, noch viele israelitische Familien giebt, deren Ursprnstg in viel srühercr Zeit zu suchen ist, ja die geraden Weges vonj Palästina, sei es durch einen Bürgerkrieg, sei es durch den Haindcl, nach diesen mehr westlich ׳gelegenen Gegenden ausgewayberi sind. Das sicherste Untcrschcidungsinittel liegt in ihren Nachen. Die Name» Sasportas, Fernandez D is, Abrabancl u.- Aj sind noch heut zu Tage spanische Namci., dahingegen sind Namen wie Jeruschalmi, Jcschurim, Misrachi gewiß nicht die vvst spanische» Flüchtlingen. 2. Synagogen. Die Israeliten von Salonichi sind im Allgemein,» sehr religiös aber nicht wissentschaftlich gebildet. Ihre Synstgogcn find unansehnliche hölzerne Gebäude. Einen besondcrn Raum für die Frauen gicbts darin nicht, und wenn diese an Feiertagen die Synagoge besuchen, so sitzen sie unter dem schönstcst Gewölbe,׳ nämlich unter dem blauen Himmel, während ihref zahlreichen Kinder rings um sie spielen. Sie können das Hebtzäische nicht lesen, so daß, als einmal eine fremde Frau ihre Gebete! aus ihrem Gebctbuchc las, dies wie ein Wunder angestaunt wurde. Man bildet sich überhaupt einen falschen Begriff von de» religiösen Andachtsübungcn der orientalischen Juden. Man erwartet, große und schöne Synagogen mit feierlichem Gottesdienst dost zu finden und grade das Gegentheil wird geboten. Es giebt sn Salonichi eine große Anzahl von kleinen Synagogen und Medraschim, wo ein Jeder nach Beliebe» seinen Standort wählt. ^Die Hauptsynagoge oder Groß-Kahal, wie sie sie'nennen, ist ein großes!eckiges Gebäude mit vielen AnSgängcn. Es!bestellt aber nur aus ^stückigen offenen Gallerten; die Mitte ist nicht überdacht und steht umer freiem Himmel An Feiertagen sind hier 4- bis stOOO Menschen versainmelt, zum Theil im Freien. Die Gebete werden zu gleicher Zeit an ungefähr 12 bis 1ä Stellen verrichtet, wo eine kleine Bundeslade oder Oräun Hakodesch steht und die Entfernung von einander ist so groß, daß sic sich gegenseitig nicht stören. Diese verschiedenen Gottesdienstübuugcn dauern vcm Tagesanbruch I bis gegen 10 Uhr, d. h. sobald ein Minjan seine Gebete verrichfer har, versammelt sich an derselben Stelle wiederum ein andres Mm!a״, I® daß auch für die Späikdmmenden Gelegenheit vorhanden ist, das Gebet mit Minjan zu verrichten, und in! der That, wefin an den Feiertagen die ungefähr 30,000 Juden, die zum Gcbtte sich versammeln, zu gleicher Zeit beten ivolltca,! würde kaum die Hälfte in den vorhandenen Syuagogcn ein! Unlerkomme» finden. i 3. Bekleidung- Die Bekleidung der Juden in Salonichi umcrscheidct sich von der der Griechen und Türken. Die Frauen dürfen ebensowenig wie dje Frauen im Westen', mit unbedecktem Hüupke erscheinen. , Eiüe europäische Dam: würde nicht begreifen können, wie jeneihrp Frisur zu Stande bringen. Sie verbergen ihr Haar in einicm schmalen, langförmigen Säckchen, das bis zur älftc des Rückens herabhängt; es ist meistens aus grüner oder rother Seide und heißt Eoffia. Das unterste Ende ist mit Golddraht gestickt und mit kleinen Perlen besetzt, während an dem Säckchen noch viele Bänder verschiedenfarbiger Eröpe sich befinden,' die sic sehr kunstvoll rings um das Haupt befessigen. Das Ganze hat ein piltoresques Aussehen. Ihre Brust bedecken sie mit Monsicline und Spitzen. Die Mädchen binden vielfarbige und' schön gestickte rüchcr um das glänzende schwarze Haar. Die ) echten orrbodoren jüdischen Frauen tragen, wenn sie ausgehen, als Obergewand einen scharläch-roth gefärbten runique, der sid gänzlich bedeckt, ferner einen weißen langen Schleier zusammengefaltet aut dem Kopf. Frauen, die elivaS 1liodern:r. g,kleidet sind,!ragen den feinen lürkischen Schleier über dem Kopf, der aber die icincii Gesichlszüge erkennen 'läßt, dazu den lürkischen viereckige» seisene» Mantel, Ferredj,- genannt. Die Gesichlszüge der israelitischen Frauen in Salonichi und' Eonstanlinoocl sind sehr regelmäßig und klassisch. Ihr weißer reiui und ihre blauen Augen vcrräthen keinesfalls den orientalisches Ursprung, auch erinnern sie nicht an Flüchtlinge aus Süd-Europa. , Fons, folgt.) - Literaturbericht» Jur »rurrru LchrMforschuiig. Nachträgliche Bemerkungen zu'Grätz' ,,Kohclcth".*) Die Schrislsorschiing gehörte seit mehr als zwei Jahrtausenden zu den vorzüglichsten Aufgaben des Judcnthums, der sich immer das ganze Vglk in allen Wellthcilen und Jahrhunderten mit wahrem, hcilMzcii Eifer ividmete. Die ältesten Ucbersetzungrn Septuaginta-sind Pargmnim, Philo und Jostpbus, die Alcrandrincr und die Massorethen, die Graminalikcr und Koiistuenlaroren sind nebst der ausgcbreiteten talinndischen und midraschischcn Literatur Zeuge dieses immensen Eifers und Fleißes, der stets auf die Er- Närniig und 'Auslegung der heiligen Schrift verwendet wurde. Selbst die ncucstcn bibclkritischen Arbeiten haben ihren ersten Impuls von jüdische» Denkern und Kritikern erhalten. Jdn Esra, Elias Lcvila (über die Jugend des Punkrakionssystems) und Baruch Spinoza ׳sind die Bahnbrecher der sogenannten Bibelkrilit, deren sich nun fast ausschließlich die protestantischen Theologen mit Borlicbe bemächtigten. Erst in den letzten Decunnien wurde der so kühn austrctendcn Bibelkrilik von Seiten der jüdischcn Gelehrten die gebührende Aufmerksamkeit im ausgedehnte« Maaßc gewi'din.'t, sowie deren Berechtigung (von Rappopoift, Luzzatto, Krochmal :c.) ernstlich in Behandlung gezogen und geprüft. In dem lsLerke des berühmten Bersassers der ״Geschichte der Juden" über ״Kohelct" haben wir eine allseitig Aussehen erregende bibelkritische Studie über das jüngste Buch der Hagiographen, die den eklatanten Beweis liefert, daß hier den jüdischen GclehNen,. als aus heimischem Boden, b<p erste Wort zustebt. Herr Dr. Grätz sagt im Vorworte: ״Es ist gegenwärtig gerade ein volles Jahr- •) Obiger Aussatz »nfcres grsch. Milarbeiters ursprünglich als ״Recension" des be:eichnetcn Werkes geschrieben, gelangte als solche zu spät für die .,liker, :'׳,׳:läge" in unsere Hände Wir geben daraus die obigen ״Bemerkungen" wegen ihres wissenschaftlich,-, Werthes an >.ch. Red.

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