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Das jüdische Literaturblatt · 1872-07-03 · N° 12. (3.7.1872) · p. Seite 46

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N° 12. (3.7.1872)
Date
1872-07-03
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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46 Diese d cm Monotheismus an und für sich anhaftende Wir sing wu rde aber י potenzirt durch die Richtung, die speziell der »dische Nonotheismus nahm. Es ist das eigenthümliche Ver! altniß, )n welches das Judenthum insgesammt, und feber Jut : für fit), zu׳seinem Gotte trat. Das erdrückende Gewicht des absolute l Individuums fand sein Gegengewicht in der Lehi e von d> r göttlichen Gerechttgkeit und Lqngmuth, zu der alSl 11b auch die göttliche Liebe herantrat; hiedurch und" durch die stets fort chreitende Entwicklung der Idee des Bundes mit . <gtott, verschi oindet derv Druck der sklavischen Unterordnung,! das Einzige, was bei der monotheistischen Theokratie der; Judividualit it zum Nachtheile sein konnte; so wird das j Jndividium' nunmehr in der Theokratie weder durch die Gesammtheit ^absorbiich noch verschwindet es gegenüber dem Selbstherrscher, wie das eine oder das andere in der griechisch römischen B elt stets der Fall war. (Schluß folgt.) Die bi ist dem ku ~ immer "noch JPtfeart.im ,תך •שפמו ־,' zur Zeit de des בה״נ Lesearten nji! verbindet e על דבריך j . . Beleuchtung einer Gebelltelle. Kannte schwierige Stelle והתועים יכל דעתך ישפטו zen (stehet הבענו ist zwar schon vielfach, aber t nicht genügend erklärt worden. Die, abiveichende'י סידור 'Amram Gaon, welche lautet, יהתיעים במשפט על זדי$ו bekundet, daß man schon j Gaonim diese schwierige Stelle durch Hinzurüzung ' eines Wortds verständlicher machen wollte. Raschi zu dieser! stelle (Be:achot 29) citirt,die erwähnte. Variante im Namen.! mit der Bemerkung'לבן עיךר und erläutert beide! e folgt: bei der ersten^ der gewöhnlichen Lesearr, והתועים mit ׳עלדעתד wie ans seiner Erklärung העוברים hervorgeht; bei der anderen Leseart ver-■ bindet er על דער ך mit ׳ישפטו wie dies aus seiner Erklärung השיבם ללמדם לשפוט»יבריך ersichtlich ist. Spätere Gelehrte Halen sich bei dieser Erklärung nicht beruhigt; so bringt rpp רבעו im טור אי׳ח eine Erklärung, die er selb t als ungenügend verwirft, giebt dafür eine andere, die zwar scharfsinnig, aber ebenfalls nicht befriedigend ist. Er bezieht והתועים auf die jüdische Nation im Allgemeinen und erklär 1 דעתך von וידע אלקים als ״die Gottesliebe" und ,.Barmherzigkeit". Einden, welcher diese Erklärung citirt, be- - zieht-והתועים, ebenfalls auf das jüdische Volk, also etwa ״die Umh riörendeiG^! er begründet diese Ansicht durch den . bibl.Satz תעיתי בשה אובר (Ps. 119,176). Die weitere Ausführung seine! Erklärung, will ich hier nicht anführen, weil sie zu gekünstelt erscheint. Allel ,Erklärern hat zumeist der Ausdruck על דעתך Schwierigkeiten gemacht, man hat ihn, wie bereits erwähnt, hin und her gezerrt, ohne einen klaren Sinn zu erzielen. (Endlich bängt Asulai im ברבי יוסף noch eine andere Lescart, sie lautet:ן והתועים בדתך תשפוט Diese Leseart ist in der Vorrede zum הפלאה שבערכץTheil II citirt und .der Verfasier der elben, Herr Rosenkranz, ist ganz glücklich über diese Entdeckt^ j. ״Wer wird so verkehrt sein", ruft er aus, ״und ni ht ׳'eins chen wollen, daß dieses die einzig richtige Leseart ist, alle andern aber fehlerhaft und leeres Geschwätz sind." Wein man auch zugeben muß, daß. diese Leseart, durch dll; War! בדתך einen bcstimmtern Begriff ansprägt, so ist der Sinn doch nichts destoweniger unbefriedigend, und,.man wird dies: Leseart schwerlich als die richtige,ansehen können; denn abtesehen davon, daß der Ausdruck בדתך hier etwas fremd klingt (er ist auch unseres Wissens in keinem alten Gebetstück anzutreffen) so ist ja der Sinn des ganzen Satzes, daß Gott, die im Gesetz, oder in der Religion, Irrenden richten,soll, nicht gerechtfertigt. Der in Rede stehende Satz ist für השיבה eingesetzt, in welcher Benediction nicht von ׳רשעים absichtlichen Sündern, die Rede ist — für diese Kategorie ist das ולמלשנים eingesetzt — sondern von'solchen die durch Verirrung, oder Verführung, also unabsichtlich gefehlt, für diese erflehen wir Gnade und Milde von Gott, wie dies die in jener Benediction vorkommenden Worte בחסד וברחמים genugsam beweisen. 'Niemals finden wir, daß Gott die Irrende» (שעגים) bestraft. 1111b da das הביננו■ für die absichtliche Sündern, für ׳ולמלשינים den besonderen Satz ועל הרשעים תניף ידיך hat, so ist offenbar durch das Wort והתועים die Kategorie der unabsichtlichen Sünder genau bezeichnet und für diese kann der strenge Ausdruck ״richten" (gleichbedeutend mit ״stra׳cn") keine Anwendüng finden. Allein, wie hier schon bemerkt, map wollte für den nicht ganz klaren Ausdruck על דעתך durch Hinzufügung eines Wortes, oder dadurch, daß man ein ähnlich klingendes an seine Stelle setzte, einen bestimmteren klareren Sinn erzielen. In wie weit dies geinugeu oder mißlungen ist, geht aus dem Vorangegangenen zur Genüge hervor. Ich glaube indeß behaupten zu dürfen, daß die alte und überall eingeführte Lescart והתועים על דעתך ישפטו die einzig richtige ist. Man hat nämlich, übersehen, daß die schwierigen Worte על דעתך rein biblisch und zwar ׳aus Hiob genommen sind. Der biblische Ausdruck aber wird in der ש״ע sowohl, wie in allen Gebeten mit Vorliebe angewandt. Jill Hiob Kgpit. 10 filkdet sich bei einem ähnlichen Gedanken derselbe-Ausdruck. Im Kapil. 9 u. 10 spricht Hiob von seiner Unschuld und daß er nicht mit Absicht gesündigt; er will daher nicht von Menschen, He ihn entweder aus Bosheit,'oder arch Kurzsichtigkeit verdammen, gerichtet werben. So sagt er im Kapit. 9. 29 ״Ist das Land in Frevler Hand gegeben, verhüllt er seiner Richter Blick?" Er will lieber von Gott allein gerichtet werden, der nicht mit fleischlichen Augen sieht,-etwa dem Satze ומלוך עלינו!אתה ה לבדך בחסדוברחמיס in der Bcnedicnon השיבה'entsprechend. Darum fährt er in Kapit. 10. 4 fort. ' ״Sind Dir Augen des ■Fleisches, siehst Du wie Sterbliche sehen u. s. w." bis er endlich V. 6 und 7 ausruft: ״Wenn Du Vach meine? Schuld suchest und nach meinem Fehler forschest )על דעתך בי לא ארשע ואי( מידך מנמל so wissest Du, daß ich nicht absichtlich gefehlt/ da mich aus Deiner Hand niemand retten kann." Ist es nicht einleuchtend, daß der biblische Ausdruck für! einen ähnlichen Gedanken gern wieder gebraucht wurde. In solcher Anwendung biblischer Redewendungen, liegt noch jetzt die Schönheit des hebräischen Styls. — Hieraus erklärt cs! sich, daß die Leseart Asulai's בדתךtrotz ihres verständlicheren! Sinnes, gar keinen Eingang gefunden, und fast unbekannt! geblieben, weil sie den biblischen Ausdruck nicht verdrängenl konnte. Die Leseart des R. Amram <^aon und בה״ג aber! wurde ebenfalls nicht cingeführt, well durch ׳den Zusatz במשפט! wenn auch nicht der biblische Ausdruck, doch aber der biblisch! Gedanke ei» anderer geworden ist, wie dies ans Raschi^! Erklärung zu dieser Leseart deutlich' hervorge^t.! Magdeburg. *. Nathanson. Gantor1^׳nb Religienslehrf-I

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