Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 1 (1872)
- Issue
- N°. 11 (12.6.1872)
- Date
- 1872-06-12
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
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43 Mit der Levy'schen Auffassung kann ich m.-ch durchaus nicht einverstanden erklären wegen der vielen Schwierigkeiten in grammatischer und exegetischer Beziehung, die sie in sich trägt, stimme aber mit Herrn Lcvy darin überein, daß dieser 'Hymnus weder aus eine astronomische Lehre, noch iuf irgend ein Mirakel hinweist. Ebenso nehme ich mit Herrn Levy zum Ausgangspunkt meiner Erklärung den in Jos.! Cap. 10 V. 11 geschilderten Hagelsteinregen, non dem auch schon Michaelis zur Erläuterung dieser-, seit Jahrhunderten verkannten Stelle ausging. Wie uns V. 11 erzählt, kam plptzlich ein Hagelsteinschlag, durch den die emoritischen Könige eijne größere Niederlage erlitten, als durch's Schwert. Offenbar!wurde der Horizont durch das Unwetter verdunkelt und blieb es noch eine Zeitlang, nachdem der Hagelschlag aufgehört hatts. Josua, durch die plötzlich eingetretene Dunkelheit ängstlich gemacht, in dem Glauben die Nacht sei hereingebrochen, und er könne die Feinde nicht mehr schlagen, betete zu Gott: ״Sonne verharre in Gibeon" (דמם wie in Ps. 37, 7 ״warten, vsrharren") ״und Mond, warte im Thale Ajalon!" (Josua, in seiner Vorstellung, glaubte ihn schon so nahe und,betete deshalb, Gott möge noch nicht Nächt werden lassen, den Mond Um Thale Ajalon noch zurückhalten, damit er nicht so schnell üs>er Gibeon aafgehe, das ganz in der Nähe lag.) Zur Unterstühung dieser Auffassung steht vielleicht nicht ohne Grund im V. j 13 שמש mit dem Artikel und ירח ohne denselben, weil Jostus dieselbe Sonne, die-er vor dem Steinregen in Gibeon rein und nichts umwölkt gesehen, jetzt, nach demselben, in ihrer srühjeren Klarheit erblickte, während er den Mond noch gar nicht gesehen, sondern ihn sich nur, als die Dunkelheit so plötzlich yereinbrach, in der Nähe dachte (in Ajalon). Die Worte in dejn Hymnus- B. 12 und l3 sind demnach also zu übersetzen ijnd aufzufassen: ״Sonne verharre in Gibeon (gehe nicht unter), Mond im Thale Ajalon) (gehe nicht auf über tstjibeon.)" ״Die Sonne verharrte, der Mond blieb stehep (scil. in Ajalon) bis sich das Volk an seinen Feinden gerächt. Fürwahr so ist es geschrieben im Buche (nicht des Liedeß, sondern) des Redlichen, (des wahrheitsgetreuen (Geschichtschreibers; nach Rabbi Ehalafta im Midrasch rabba Cap. 6 spielen!>iese Worte ״es ist doch geschrieben u. s. w." an auf Genes, (sap. 1, 18 ״zu herrschen bei Tag und Nacht.") ״Und die Spönne blieb stehen in ׳der Mitte des Himmels, d. h. sie strahlte^ hell und ungetrübt in früherer Klarheit wie zur Mittagszeit sind drängte nicht, unterzugchen, wie wenn sie noch einen ganzest Tag vor sich hätte." ' 5 I)r. L. Roth. 1 ץ Rabbiner in Könitz Bs.-Pr. .Journal-Revue. Das Meeting zu-Gunsten der rumänischen i Juden. ״Britannia locuta est.“ Britannien hat sich zu Gunsten der Juden in Runiänien ausgesprochen, das ist das Neueste, womit die hiesigen Tagesblätter sich jetzt lebhaft beschäftigen. Sie berichten, daß in einer am 30. v. M. im Mansionhouse zu London äbgehaltenen zahl- und einflußreichen Versammlung, in welcher der Lord Major präsidirte und wo etwa 10 Parlamentsmitglieder aus allen Theilen des vereinigten Königreiches nebst einigen Bischöfen, Literaten :c. sich eingesunde», die jüngsten Vorgänge in Rumänien in Betreff der dortigen Juden auf's Tapet gebracht und von allen Anwesenden als verabscheunngswürdige und der Huinäniiät hohnsprechende Handlungen gebrandniarkt wurd.». Unter den vielen Reden, die bei dieser Ge Sympathien für die gekr echtsten und geehrten jüd. Gemeindemitg! —• Gebrauch gemacht und sic in legenheit dort gehalten wurden, s,ll die des Earl v. ShasteSbuty besonders scharf und schone ngslos )fts rumänische Volk gegeißelt, und und verfolgten rumänischen!)uden wachgerufen haben. Er sagte unter Anderem, er habe mit Fi euden von der an ihn ergangenen Einladung seitens eines sehr gea! Hirten stdes — Sir Francis Gold shmid her Absicht hierher gekommen, um öffentlich gegen Gewaltthaten zu protestiren, die er schon früher im Stillen verabscheut hätte, um.so mehr aber, da diese gegen einen Stamm verübt worden seien, sffr den er eine tiefe Verehrung und Liebe im Herzen trage. Er müsse, fuhr er fort, die Vorgä >ge in Rumänien nicht allein als solche bezeichnen, die der modernen ׳ sivilisation, sondern vielmehr auch als solche, die der ganzen Christen! eitzur - Schande gereichen. Gegen jede Hcwaltthat, wo und' an wem immer, verübt, würde er einen lauten Püot-st erheben, er fühle sich a >er im vorliegenden Falle um so mehr berufen und veranlaßt, seine Sympathien offen und klar kund zu geben, da die Betroffenen einer alten, . ehrwürdigen Nation angehören, die eine hervorragende Stell mg in den Annalen der Geschichte einnehme und nicht minder als jei es andere Volk berechtigt sei, auf unbeschränkte Rechte nnd Gleich! :ellung mit allen andern Staatsbürgern Ansprüche zu machen. Diese Rechte habe inair aber den Juden in Rumänien nicht allein auf eiste s chmähliche Weise vorenthalten und versagt, sondern man habe,ftd sogar erfrecht, Grausamkeiten an ihnen auszuüben, die an die Schrecke iscencn * im Mittelalter lebhaft erinnern!müssen. Welche Vergehen hätten sich denn die Juden in Rumänien zu Schulden kommen lassen, daß inan sie so hart nnd barbarisch bestrafte? Müffe man nicht anneh- I men, daß solche Grausamkeiten Fplgen des Neides und der Mißgunst! seien, mit der die Rumänen ans! die Fortschritte blicken, welche bist - Juden ihres Landes auf dem Gebiete der Industrie durch Fleiß uud Thätigkeit erzielt haben, da dies bei.den Israeliten in anderen Staaten noch in höherem Grade »er Fall sei, ohne daß sie nur im 1 Geringsten die.resp. Landcsgesehv außer Acht ließen? Unter solchen Umständen nun wäre es das beste Mittel, das rumänische Volk ein für alle Mal'unschädlich zu machsn, daß nämlich die englische Regierung sich an die Spitze der übrigen Mächte Europas stelle und von der ganzen englichen Nation sowohl als auch von der übrigen civilisirten Welt unterstützt, wirksame Schritte thue, um ähnliche Vorgänge gegen die Juden in Rumänien für die Zukunft zn verhüten oder gar unmöglich zu brachen, und solche Schritte erheische die christliche Liebe, ' erheische die Humanität. . Dies ist ungefähr der Sinn und Inhalt der Rede des Earl v. Shaftesbury, der eine andere des Bischof v. Gloucester folgte, die nicht minder von Hochsinn und Edclmuth gegen die Juden sin Ru?-- mänien gettägcn und durchdrungen war. (Die mit großem Enthusiasmus auf- und angenommenen - Nesulutionen lauten nach der ״Magd. Zeit." wie folgt. Die erste von Lord Shaftesbury: Dieses Meüing protestirt gegen die gegen Juden in Rumänien verübten Exceffe als gegen eine Beschimpsupg moderner Civilisation, und spricht seine tiefgefühlte Theilnahme für die unglücklichen Opfer aus.st Die zweist vom Bischof von Gloucester: ״Die Gerechtigkeit verlangt Unterstützung und Entschädigung derjenigen, welche an ihrer Person oder ihrem Eigenthum leiden oder gelitten haben, sowie eine genügende Beschützung der Rumänischen Juden gegen künftige Exceffe, und zwar dadurch,, daß ihnen in Uebereinstimmung mit den bestehenden Verträgen Gleichheit mit ihren Mitbürgern bezüglich ihrer Rechte gesichert wird." (Red.) Nachdem die Versammlung außerdem Noch beschlösse» - hatte, der englischen Regierung für ihre bisherige warme Verwendung zu Gunsten der Juden in> Rumänien zu danken und zugleich um ein weiteres thatkräftigxs Vorgehen in dieser Angelegenheit zu ersuchen, ergriff Sir Francis Goldschmid das Wort und dankte dem Lord Majox und der ganzen chrenwcrthen Versammlung für die Sympathien, die sie heute für die unterdrückten Juden in Rumänien a n den Tag gelegt. Er erkannte auch mit Dank das Sttebcn an, welches alle Großmächte, mit Ausnahme Rußlands, in der Collectivnote dar- ־- gethan, um den gegen die Juden in Ruinänien verübten Grausamkeile» Einhalt zu thun. Was Rußland anbelangt, so glaubte er, daß eS mit der rum. Regierung unter einem Hute-stecke und daß es daher wünschenswerlh wäre, daß alle jüd. Financiers jeden geschäftlichen Verkehr mit diesen beiden Regierungen ein stellten. Dieser Antrag wurde von Alfred de Rothschild untelstützt. I T 1