Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 1 (1872)
- Issue
- N°. 11 (12.6.1872)
- Date
- 1872-06-12
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5367336-6488222-8751398--0163-4853778- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
42 im Lehrhausc ein Aufruhr, der Patriarch wurde seiner Würde at setzt und an seiner Stelle R. Elieser b. Asarja gewählt. Für R Zosua aber, welchen man aus zarter Rücksicht gegen R. Gam> liel nicht zum Naßi vorgeschlagen hatte, wurde ein eigenes Amt ge| chaffen. Er wurde O2N, Referent des Synhcdrions, welcher in den Sitzungen das zur Verhandlung kommende Thema nach allen Setten hin zu erörtern und all' die Gründe anzugeben hatte, die für oder gegen Annahme eines Gesetzes sprachen. Zcht war es an R. Zosua, sein Werk zu vollenden. Durch seine Anregung wt rden von Neuem die Halacha's beider Schulen einer Discussion Ml erworfen und krastMajorität in vielen Fällen die hillel'scheN, in anderen die schamaittscheu Aussprüche angenommen. Einer solchen mustergülttgen Entscheidung unterwarfen sich auch die ״ Sl jamaitengern. — ‘ Was uns an den Männern der Hillel'schen Schule so bes Inders wohlthut, ist nicht nur die mild« Weise, mit welcher sie weniger sich als ihre Ansichten bekämpfen, sondern auch jen! schnellbereite Versöhnlichkeit, welche sie selbst schwere Belett iguugen vergessen heißt. — Der. so» schmachvoll abgesetzte Nazi R. Gemaliel verfehlte trotzdem nicht regelmäßig ins Lehchaus zu konunen, und da er sein Unrecht gegen Josua «»sieht, so erblicksn wir ihn eines Tages in das niedere von Ra lch gescherzte Zimmer einer kleinen,, ärmlichen Hütte tret m. ,,An diesen.Wänden, spricht er zum fleißig hämmernden Me ster, erkennt man, daß hier Nadlerhaudwerk getrieben wtt— R. Zosua, welcher nicht den Grund seines Kommens kem t und nicht weiß, daß dies wohl nur das anknüpfende Ges!räch eines zaghaft Bittenden sein soll, erwiedert, wie alle armen Leute in diesem Pupfte schnell reizbar: ״Und das weis tdu erst fett heute? Weh' dem Geschlechte, dessen Führer du »st, du kennst nicht die schweren Nahrungssorgen der Gel! hrtcn, weißt nicht, wie sehr sie sich mühen müssen"!—So mul,genehm ein solches Willkommen für einen um Verzeihung Nat,suchenden auch sein mag: R. Gamaliel schrickt nicht zurück, unft"bald muß der Zorn des Rabbi einem Zosua weichen; er rergjxbt nicht nur, nein er verspricht sogar, für seine Wiedere nsetzung Sorge zu ttagen. Es bedurfte — bewundern-- Werth genug — nicht erst vielen Zuredens, um den erst seit Kur em eingesetzten Naßi zur Verzichtleistung zu bewegen, »Mg übergab er die Patriarchenwürde ihrm früher!! Znhlwer. — Bei, dem milden und einnehmenden Wesen des R-'Zosua finden wir es begreiflich, daß er sehr oft in bedrängtH: Lage seines Volkes die Berrmittlerrolle spielt! — Als der Kaiser Domitian aus nicht ganz bekannten Gründen, Wen, 1 es überhaupt für dir Anordnungen dieses blutdürstigen Kais:rs solcher bedurfte, eine Verfolgung über die Zuden verhänc te, reiste R. Zosua mit R Gamaliel, Elieser b. Asarja undsAkiba nach Rom tkin dieses Edikt zu Hintertreiben. Glückliche Weise überhsb-sie des Ka verg!blichen Fürbitte. -Zn der sers Ermordung einer vielleicht hadrianischeck Zeit ward R. Zosi a der Führer.des Volkes, welches ihn auch nach dem Toi» des Patriarchen in diese Würde eingesetzt zu haben scheint. — Bei seinem Regierungsantritt hatte Hadrian mehr durä die Umstände gedrängt als freiwillig den Wiederaufbau des tempels gestattet, eine Vergünstigung, die er jedoch bald d»ס£ di« Anordnung auszuheben suchte, has Hcilig'thum dürfe ichl auf der altm, geheiligten Stätte errichtet werden. Das Volk brach über dieses Wortbruch in Thräuen aus, bald geellte sich zur Trauer die Entrüstung, ein unheilvoller Anfstand schier unvermeidlich. , Da gelang es R. Zosua das Volk noch einm rl mit der Erzählung- und Anwendung jener bekannten äsopischen Fabel,׳vom Löwen unh Kraniche zu beschwichtigen. — Auf seinen -Rttndreiscn durch die Provinzen, um ihre Stimmung zu erforschen und nur!, um so mehr getäuscht zu werden, berührte auch Hadrian Zudäa und hat^ viele Unterredungen mit R. Zos^a. Unter anderem fragte er ihn, ob er auch zu wissen im ׳Stande sei^ was er die kommende Nacht träumen werde. Schnell und geschickt erwiederte ihm Josua: ״Du wirst ttäumen, daß die Parther Dich zum Sclaven machen und zwingen, ihr Vieh mit Und wenn man bedenket, welch Römer vor den Parthern,״den, gcsürchtesten Feinden, hatten, so mag es nicht nur Sage sein goldenem Stabe zu^weiden." gerechtfertigte Furcht die daß ein ähnlicher Traum den Kaiser erschreckt habe. — Wenn Hadrian von der Fried- ־fertigfeif des Patriarchen nichts zu befürchten glaubte, so hatte er doch den wichtigsten Factor, das Volk, ganz außer Acht gelassen. Trotz seiner zahlreichen Vorträge üb^r den Werth und Segen 'des Friedens wollte es R. Zosua nicht znehr gelingen, hast Volk zu besänftigen. Er sah den Kampf unh seine vernichtenden Folgen voraus ttnd versuchte noch ein letzkfs Mittel. Hochbetagt und altersschwach begiebt er sich auf die beschwerliche Reise nach Alexandrien, wo Hadrian um diese Zeit weilte, ihm ihn zur Er-> füllung seiner Zusage, den Wiederaufbau des Tempels, zu bewegen. Unverrichteter Sache kehrt er, all' dije Schrecken der kommenden Tage voraussehend, gedrückt und lebensmüde nach Zudäa zurück und stirbt bald darauf, kurze Zeit vor Ausbruch jenes in seinen Folgen so unglücklichen Aufstandes rühmte man nach, sei der güte Rath 'geschwunden. Er ist es, welcher d is Judcnthnm nicht durch Wunder sondern durch dey festen Willen und scharfen Verstand vor Sectenbildung bewahrt hat, ihm gebührt deshalb auf alle Zeiten ein Ehrenplatz in der Geschicht: unseres Volkes. — Dr. W. Lesser. y der Zuden. — Mit ihm, und die reife Ueberlegung Noch einmal ״das Lied Zst!ua's." Herr Michael Lcvy hat in Nr 8 deil ״literarischen Beiläge" seine Auffassung über das Lied Zosua Cap. 10 V. 12 niedergelegt, gegen die ich folgende Einwände zu machen habe. ' Zunächst ist das verb. "122 nicht so ganz synonym zu nehmen mit dem verb. ידמע wie Herr Lcvy will, so, daß letzteres die ursprüngliche Bedeutung habe, ״verhüllen, sich verdunkeln" (übrigens sehr unbestitnmt.) .Die Stellen, die Herr Levy citirt, sind gar keine Lflege, für seine Annahme, denn bei allen diesen Stellen, (1»i!t Ausnahme von Könige II, 4, 6 und ibid. 13, 18,) steht bije Präposition עמד מן!.מן heißt: ״vou etwas stehen, abstehcn, pie frühere Situation verlassen:" Zu Könige II, 4, 6 שמן,,jl ויעמד muß supplirt werden Znf. cum.! ״ מןdas Oel stand »b, scil. sich zu ergießen," hjer יצק intransitiv, wie Könige l,! 22, 30 ויצק דם המעה ״das' Blut der Wunde ergoß sich." Ferner ist es klar, daß Könige ll, .13, 18 zu ויעמד ergänzt' werden muß •מהכות ״er stand ab vom Schlagen." Eudlfch wird die ganze Leoy'sche Auffassung von ״ -עמדverhüllen, verdunkeln,'"״durch Habakuk 3, 11 umgestoßen.. Es kann dort unmöglich heißen: ״Sonne und Mond verhüllten sich in ihrer Wohnung," da dann die folgenden. Worte ״nach dem Lichte Deiner Pfeile gehen sie (die Israeliten)" gar nicht zu verstehen wären. Zur Erklärung dieser Stelle schließe ich mich sein Targnm an, welches hier an das Ereigniß von Zos. Cap. 10 B. 12 erinnert und übersetze: ״Sonne und Mond btiebeii stehen in ihrer Wohnung, (d. h. die Sonne ging nicht unter, der Mond nicht auf) und die Israeliten gingen .׳c." 1 1•