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Das jüdische Literaturblatt · 1872-06-12 · N°. 11 (12.6.1872) · p. Seite 44

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N°. 11 (12.6.1872)
Date
1872-06-12
Page
Seite 44 (sequence 4)
Language
German
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se n ©ety 8 »lgr o b eiben e> solgrei b n obig 8 nnxfenf upb von ©elf Nachdem ber Major von London auch seinerseits gedankt und luern ausgesprochen hatte, daß Sir Moses Montefiore in körperlichen Leiden von dieser Versammlung habe fern Hüffen, schloß das Meeting, welches im Allgemeinen als ein angesehen, werden kann, da der stürmische Beifall, der!n Ansprachen folgte, den besten. Beweis lieferte, daß alle en, die in den resp. Reden ausgesprochenen Ansichten theilten demselben Geiste durchdrungen waren, ist. -״" CH. -k Aliebtänber, Dr. M. Ben Dosa undseineZeit, oder der dssluß )er heidnischen Philosophie! aus das Judenthum und Chrimthum in den letzten JahrhurKierien des Alterthums. ׳Prag, 872. 93. S. ' l giebt mol noch mannen Leser dieser Zeitschrift, der-es 1 eiß was ein ״Pschettel" bedeutet. Für diejenigen, die nicht ho I «se fir d, genügt' es; nicht das Wort einfach zu übersetzen, denn II heißt zu. deutsch: ״Erklärungchen" und dieses Diminutiv von Erklärt ng" hat so viel wir wissen, selbst in dem erweiterten aüschen 44 Literaturbericht. Vaterlande noch kein Bürgerrecht. Wir müssen es also hon sachlich umschreiben. ^Zur Zeit als. das Talmudstudium ur in einer Jagd nach spitzfindigen Düfteleien bestand, (und iese Zeit ist, was Ungarn und Polen und deren deutsche Ausläu- X: anberisst, auch heute noch nicht zu Ende), galt der oft als er Bedutendste, der durch ein witziges Spielen-mit Begriffen I it entl gensten Dinge zusammenbrachte. Sowohl der Hörer als 1 er Redner wussten zumeist, daß an der ganzen Geschichte kein 1 »ahres Dort sei, aber der Bachur wollte ja nur seinen Geist , länzen lassen; wenn-seine Dialektik einen Triumpf feierte, da 1 urr es gut; ein positiver Gewinn für die Wissenschaft sollte gar 1 icht hei auskommen. Je >och es brach eine neue Zeit an, wo der Jude auch am. »oberneu Leben und Wissen theilnahm; auch der Bachur trat n» der Jeschiba in die Lehrsäle der Universitäten, und mancher «fee ül erwitzigen Leute konnte'der Versuchung nicht widerstehen, tiefe sch oindelhafte Methode des Tälmudstudiums, von der die;roßen Autoritäten des Judenthums niemals etwas hatten wissen vollen, 1 uf die moderne Wissenschaft zu übertragen. Da war Alles ehr geistreich, Berge thürmte diese Dialektik aufeinander, der Peion wu -de aus den Ossa gestellt von diesen Talmudjüngern, aber Wahrheit wurde dadurch nicht gewonnen; und es läßt sich nicht eugnen, baß Bestrebungen7dieser Art die jüdischen Gelehrten bei hre» chistlichen Gelwssen in Mißkredit gebracht haben; daß man!in Sch ~ ' rnserer inmal sfstau durch ein.Nadelöhr ziehm könne, an diesen Zauber wissenschaftlichen Cagliostro und Bellachini glaubte nun iite böse Welt nicht. Nun, ein solches wissenschaftliches ,Psthetti l" im Guten wie im Schlimmen ist das Werk des De. F. übet ©<» Dosa; tviel Geist, viel Witz, Gelehrsamkeit aus allen L^eltenjs m, aber das kaum Mögliche soll bewiesen werden, und düs gelingt natürlich nirht; gäbe es irgendwo eine Gesellschaft f4r Sei tänzerei in der Wissenschaft, wir würden Herrn F. empfehlen; aber mit dem Ernst des Forschers hat er sich noch nicht gegürtet. Seine Schrift ist in Form und Inhalt unreif. Stil und Ge! anke ist noch ganz bachurhaft; in der Form der Schwulst, in dem Gedanken der Witz, das ist sein Ideal. Der Jünger der Jeschiba ehrt nicht den keuschen, klaren und angemessen Ausdruck, »ndern den oollfaftigen, schwülstigen, überladenen. Schiller (und zumeist wegen seiner Jugendwerke) ist sein Abgott, Lessing läßt r gelte», aber Göthe — wie dieser abgeschmackte Gesell in Deutschland etwas bedeutet, ist dem Bachur unerfaßlich. Unsere Leser stißen sich hoffentlich nicht, bei unfern Bachuroergleichen an dem Doctortitel des Herrn Friedländer, denn wie nach Reichensper!;er den Häusern in Berlin der Stil nachträglich angeklebt wirb, sl tgeht's auch manchem Talmudjünger, daß er eigentlich auch <u f der Universität derselbe bleibt, wie in der Jeschiba, .aber er läßt sich mit dem-. Doctortitel den Stil des Modernen lankleben. B i diesem Werke über, Ben-Dosa ist es wirklich Schade um die < eistige Kraft des Herrn Verfasser's, die ganz unnütz vergeudet wirb. S Vir alle wissen über Ben-Doja aus den Pirke Abot, daß er J sich nur von der Weisheit Dauer verspricht, die auf der Grundlage der Gottesfurcht ruht, daß er ferner Weisheit ohne gute Werke sich nicht denken kann, daß ex im Gegensatz zu eiper nrrnschenseindlichen Frömmigkeit den bei den Menschen Beliebten auch als einen Liebling Gottes hinstellt. Ferner wird erzählt, daß seine Zeitgenossen ihm und seinem Gebete wunderübende heilende Krass züschrieben; er jedoch habe immer heroorgehoben, er sei weder ״Prophet noch Sohn eines Prophetin." Ben-Dosa habe, wie es im Talmud heißt, gewußt, ob sein Gebet für Kranke wirksam sein'werde, oder nicht; floß es ihm rasch und rein von den Lippen, so war er voll Zuversicht, war dies nicht der Fall, so gab er die Hoffnung auf. Dieser Satz enthält vielleicht den Hinweis, daß es den! wahre» Sinne Ben-Dosa's widerstrebte, für Jemand glatt und fließend zu beten, der in dessen eigenen Augen für mit Recht von der göttlichen Strafe heimgesucht galt, wo er also im Gebete stockte, da war die göttliche Strafe gerecht und konnte nicht abgewendet werden, wo sein Gebet leicht dahinfloß, da betete er zwar für einen sündigen aber nicht ganz dem Bösen'verfallenen Menschen, und er versprach sich von seinem Flehen eine Erhörung. Ferner berichtet der Talmud, daß er unermüdlich thätig war im Dienste seiner Nebenmenschen und jedesmal erst kurz vor Sabbatbeginn zu der Seinen heimkehrte. Unzweifelhaft ist nach alledem Ben-Dosa ein Mann, der unsere Verehrung verdient, er wußte und übte, was dem Leben ftommt, und erkannte klar die Ursache, weshalb in seinen Tagen die edelste Leidenschaft des Menschen, der Eifer nach Wissen, so manchen begabten Manne auf Abwege geführt hat. Aber mehr können wir über ihn nicht aussagen, Er hat weder in die Geschichte unseres Volkes eingegrisfcn, noch hat er die Ausgestaltung der Halacha, welche damals nach der Zerstörung des Tempelsso ernstlich gepflegt wurde, wesentlich gefördert. Deshalb haben auch die jüdischen Historiker ihm keinen Platz eingeräumt; er man edel, hilfreich und gut, und darum ein Gegenstand der Verehrung, aber die Geschichte mjrß sich häufig mit den Schlechten be- . schäftigen und muß oft an den sittlich-Besten vorübergehen, wenn diese edlen Charaktere, nicht auch der Zeit das Gepräge ihres Geistes und ihrer Tugend aufgedrückt haben. Judeß unser Autor hat sich nun einmal in den Kopf gesetzt, Ben-Dosa zu einem Angelpunkt jüdischer Geschichte zu machen,׳ der Satz: ״Gottesfurcht'muß der Weisheit vorausgehen," veranlaßt ihn.zu einer lang ausgesponnenen Untersuchung über Pistis (Glauben) und Gnosis (Wissen) in der christlicheuKirche, und in diesem Satze erkennt er sofort ,,das Clementinische Prineip, welches nur auf Grundlage der unerschütterlichen Pistis die Guosis zu pflegen gestattet." Bringt uns all die Gelehrsamkeit, aus den Kirchenvätern via Neander zusammengetragen, auch nur um eines Haares Bretts weiter? Aber es kann dabei viel gelehrter Kram an den Markt gebracht werden, und auch chas gehört zum Handwerk des Pilpul, viel mit Bücherstellen um sich zu werfen. -Wir können dem Vers, in sein Labyrinth nicht folgen, nicht blos aus Rücksicht auf die Leser sondern auch aus unserer absoluten Unfähigkeit heraus,' in den schlichten Worten Ben-Dosa's auch nur. einen Schatten jener Gedankencombinationen zu finden, -die Herr F. seiner Aussage nach, klar und. deutlich darin sieht. Wer bei Nacht mit einem Furchtsamen durch einen düsteren Ort geht, dem kann eS wohl passiven, daß sein Gefährte Gespenster sieht,, während er nichts Ausfälliges bemerkt. So liest Herrn F.'s überreizte, 'weil neuerungssüchtige Phantasie vieles Bedeutsame aus ganz harmlosen Worten. Wir haben uns hier nur deswegen so lange mit ihm beschäftigt, um bei dieser Gelegenheiteine ganze Klasse jüdischer Literaten zu zeichnen, die von der Natur mil^schönem Talent begabt sind, ,'aber weil sie nur ihr Talent zeigen und nicht die WaAheit fördern wollen, weil sie nur pilpulistisch verfahren, «für die Wissenschaft völlig unfruchtbar sind. 2. Briefkasten der Redaktion. Herrn Rabb. J. in Für Ihr;chönes hebr. Gedicht keine Ver-,- Wendung. —׳ Herrn 6. in B. Ihre Recens. in der nächsten Nr. H. N. N. Dank für Zusendung. Den Artikel: ״Ein Blick auf den Orient", der in mancher wesentlichen Beziehung den Maltzan'schen (in vor. Nr.) ergänzt und berichtigt!, können wir erst in der nächsten Nr. bringen. . Herrn L. P. in B. Auf Ihre briefl. Bemerkung Antwort im nächsten ״Briefkasten " Druck und Verlag der Hofbuchdruckerei von E,arl Friese in Magdeburg.

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