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Das jüdische Literaturblatt · 1872-06-12 · N°. 11 (12.6.1872) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N°. 11 (12.6.1872)
Date
1872-06-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I, zur; . Israelitischen Wochenschvift Ne. 2L. Erscheint zweimal monatlich als Gratisbeilage zur israelitischen Wochenjchrist. Redigirt von Rabbiner vr. Kl. Uahmer in Magdeburg. Zu beziehen für 1 Thlr. jährl, durch die Expedition. Einzelnummern ä 2 Sgr. Inhalt. Wifsenscidaftlicbe Aufsätze: R. Jvsua von^Rabb. vr. L. Roth — Iournal-Ätevuer Das Friedländer, Ben-Dosa und seine Zeit. — Briefkasten. b. Ehananja (Schluß), von I)r. W. Less Meeting, zu Gunstender ru!»äni JL er. —Noch einmal das Lied Jvsua'»' en Judeq. — Literaturberichti ' sh Wissenschaftliche Aufsätze. N. 30fna b. Ehananja. I ,,Schluß.)! 1 Doch in einem ganz anderen Lichte erscheint uns Pi. Iosua da, Wo es sich um wichtige, tief ins religiöse Leben!einschneidende Fragen handelt. Hier ist der sonst so milde, nachgiebige Mann felsenfest in seiner Ueberzeugung, unerbittlich consequent, streng gegen sich und Andere, kennt keine andere Autorität als die Mehrheit, keinen anderen Richter als den Verstand und das Gewissen. Gar bald sollten ihn diese hohen Voirzüge mit dem Patriarchen, oder vielmehr, wie es bei Iosua niijbi anders denkbar, mit dessen Ansichten in konflict gerathen fassen. — Gamaliel II-, als Patriarch die erste Person und der! Vertreter brr jüdischen Gesammtheit, war ein Mann von hohen TugenbeB und vielleicht von jenen Fehlern nichr ganz frei, chelche der Reichthum und eine völlig unabhängige Stellung gcsr oft im Gefolge haben. Als Gamaliel einst den Monatsanjsang, der in jenen Tagen noch nach erster "Sicht des Neumonhes sestgesetzt wurde, auf die verdächtig erscheinende Aussage zweier Zeugen hin bestimmte und R Iosua aus diesem Grunde auf Aenderung des Beschlusses drang, da befahl ihm der Patriarch, er solle an dem Tage, auf welchen nach Josua's Berechnung der Versöhnungstag falle, mit Stock und Reisetasche bei ihm sich einfinden. Iosua hätte gewiß Widerstand geleistet, wenn er von seinen Kollegen nicht völlig in seinem Gewissen wäre beruhigt worden. Bei seinem Eintritt stand der Patriarch vor ihm auf, küßte ihn und sprach: ״Sei mir gegrüßt, du mein Lehrer und Schüler, Lehrer au Weisheit, Schüler im Gehorchen;>Heil dem Geschlechte, in meinem Große auf Niedere hören", Worte, die nicht minder den Naßi als seinen Genossen ehren und wohl genugsam zeigen, daß dieses immerhin harte Verfahren des Patriarchen nur in der Befürchtung seinen Grund fand, die religiösen Anordnungen könntkn, einmal in Zweifel gezogen, auch fernerhin von ihrem Ansehn verlieren. War doch R- Gamaliel vor Allem bedacht, das einzige Bindemittel der weithin Zerstreuten, die Glaubenseinheit, zu hüten und zu bewahren, die gerade in seinen Tagen wunderbarer Weise durch religiöse Pietät gefährdet war. — Noch bestanden nämlich die beiden Schulen von Hillel und Cchamai nebeneinander mit ihren verschiedenen, sich oft widersprechenden Traditionen, ״die eine Lehre war zu zweien geworden", und eine Trennung schien fast unvermeidlich, so sehr sie auch von beiden Seiten gefürchtet und vermieden werden wollte. — Es ist das hoht Verdienst R. Gamaliels, dieser drohenden Gefahr vorgebeugt, die unj/■ sterbliche Thal R. Iosua'^, sie zur Zufriedenheit beider Parth beseitigt zu haben. Aus Anforderung des Naßi sollte das 1 hedrion, dem auch Schamaiten angehörten, die streitigen HalachafH prüfen und durch Majoritätsbeschluß die allgemein gültigen Ga setze festsetzen. 372' Jahr währten diese Sitzringen, und wenn trotzdem kein Resultat ei zielt wurde, so lag die Schuld woh mehr an dem schroffen Fr schalten der Schamaiten und beson ihres Vertreters, des ha! achagewaltigen R. Elieser,als andein nachgiebigen Hilleliten. — Da soll sich eine Stimme habt» vernehmen lassen ,;beide! ^Schulen Lehren sind Worte des lebe! 1digen Gottes doch als Norm stehn fest die Ansichten.der Schule .Hillels." Die Einen fügten sich dieser Entscheidung, die Ande n *mußten wohl dem Patriarchen nachgeben. Da erhob sich st. »iJosua, er, selbst ein tr< uer Anhänger der Hillel'schen Schu e, Tmtte den Worten: ״D ese vernommene Stimme karur^tei» t» Einfluß auf das Gese!» aushben, heißt es doch in der h. Schrift, die Lehre weilt nidjt im Himmel, sondern ist ie« denkenden Menschen gec eben". Auch er wünschte von ganz m Herzen die Einheit, wa! doch Mit seiner Zustimmung R. Este er in den Bann gelegt norden, welcher durch demonstrative That — denn die Lekr- und Denkfreiheit blieb immer uw ntastbar — gegen einen Majoritätsbeschluß sich aufgelehnt ha te. Doch ihm war nicht ״das Wunder des Glaubens lickseS Kind", die Lehre sollte1 mit Hülse des Verstandes sich ih «r Weg bahnen; was wäre das!auch für eine Religion, welche vor dem Richterstuhl dir Vernunft nicht bestehen könnte; hotte der scharfe Verstand ge «begeisterter und hochbegabter Mänaer das mündliche Gesesetzcheils aus der h. Schrift selbst/ th W, in deren Sinne und •Seifte erzeugt, so sollte es auch urt durch den Verstand, durch die Majorität natürlich gesetzesk mdiger und pietätsvoller Männer geweiht und geheiligt wer en. - War R. Iosua mii seiner Ansicht dem Patriarchen ge! ,enüber nicht durchgedrungen, so hatte doch auch jener mit seiner Entscheidung nur wenig erzielt. War man ja immerhin noch gezwungen, den Schamaiten freie Handhabe in der Ausüb mz der Gesetze nach ihre! Tradition zu gewähren. Gar «lb sollte zum Heil der Lehre für R. Iosua eine Gelegenheü sich darbieten, eine Einheit nach!einem Princip zu erzielen. R. Gamaliel hatte in einer Sffent ichen, zahlreich besuchten Sit ung gegen R. Iosua, der in seiner hier nicht näher zu erörreriden Angelegenheit in entschiedenen Unrecht war, zu der doch im nerhin schioerverletzenden j und k erben Aeußerung sich hinri ißen lasten ״es mögen Zeügen nider dich aufstehn", was iner Versetzung in den Anlslagezus and gleichkam. Das anwe ende Volk nicht minder als manche t em Naßi wegen seiner allzugr ißen Sttenge abgeneigten Kollegen waren tief ertrüstet;- es. ent tand I

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