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Das jüdische Literaturblatt · 1872-05-29 · N°. 10 (29.5.1872) · p. Seite 39

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N°. 10 (29.5.1872)
Date
1872-05-29
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
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' t:« 4 ' ’י: -< —-- 39 " -iflnb sie aber der Verachtung und Mißhandlung stet» 1!uügesetzt, Sie müssen vor jedem Araber, dem sie auf der Reise begegnen, nom Esel (Pferde dürfen sie nicht reiten) äbsteigen. (öehm sie ihn nicht zur rechten Zeit, so regnet es Prügel; Schimpsworte sind ihr tägliche» Brod. Von der arabischen Gastfreundschaft sind sie ausgeschlossen. Man nimmt sie in kein Hau» aus. Jftdcß fand Haläoy, daß, jemehr er gegen Osten kam, jene siyimpkliche und grausame Behandlung der Juden, der sic im eigentlichen Annen ausgesetzt sind, einer bessern Gesinnung wich. Oft schwebte er wegen des Copirms von Inschriften in Lebensgefahr, und nur durch seine staunenswerthe Kaltblütigkeit entging er dem Tode. In Girwah, woselbst er eine große Ämpclruine fand, die,der Volksmund ״Thron der BilgiS"! d.. i. der fabelhaften angeblichen Gemahlin des Salomo, der Königin von Saba der Bibel, wollte er eine Inschrift in einem alten, jetzt von einem Hirten bewohnten Hause aufnehmen. ״Wie unter einem Vorgefühl von der unangenehmen Scene, welche! ihm jetzt brvorstand, hafte er die Vorsicht, vorher seine Papiere unter einem Mimosenstrauchc zu verstecken. Nur Mit einem Fetzen Papier und einem Bleistift, sorgsältig versteckt, wagte er sich in das Haus. Di« Bewohner waren mit dem Weben von Zelttüchern beschäftigt. Die grauen wuschen im Hofe. Alle zeigten höchst widerwärtige Mienen, als der Reisende eintrat. Schnell war er mit, seinem Bleistift bei der Hand, aber kaum hatte er Zeit, die zweite Linie zu copiren, als er sich auf brrtaler Weise unerbrochen fand. Es waren nene Ankömmlinge, die in Maris vvn ihm bereits gehört hatten. Sic überhäuften ihn mit Schimpftvortcn, die sie mit drohenden Geberden und selbst mit Gewaltthätigkeiten begleiteten. Schon stießen einige zwanzig Kehlen das todbringende Wort ״Sahir" (Zauberer) aus. Die Frauen, dadurch vor ,Furcht wie wahnsinnig gemacht, heulten wie wahre Furien. . Die Männer, die einen mit Luntenflinten, die anderen mit Zcltpflöckeft bewaffnet, stürzten auf den Hülflosen zu, dessen Leben an einem Faden hing. 'Er wäre verloren gewesen, hätte er in diesen! kritischen Augenblick nicht seine volle Gcistesge enwart bewahrt. Er nahm seine Zuflucht zu dem Aberglauben, der einzigen moralischen Macht in diesem Lande des Fanatismus. Er stellte seinen Peinigern vor, daß der Mord eines Bürgers der heiligen Stadt j Jerusalem nothwendig ihnen und ihren Familien Unglück bringen müsse. Dje Wirkung dieser Worte war niagisch. Sie stellten plötzlich ihre Angriffe ein und berathschlagten nun unter einander, was zu thun sei. Jetzt kommt ein Homent, wo wir wahrhaft den kaltblütigen StoiciSmus Halsvy's bewundern müssen. Er, der eben dein drohenden Tode wie durch Taschenspielerkunst entgangen war,während noch seine Feinde über sein Loos berathschlagten, was that er da? Er zitterte, zeigte sich rathlos? Gott bewahre! Er setzte sich ruhig hin und copirte da noch die übrigen sechs Zeilen der Inschrift, so^ jenes Verbrechen vervollständigend, über welches seine Peiniger eben zu Gerichte saßen. Aber so weit geht der heilige Eifer des wahren Mannes der Wissenschaft! Ich weiß nicht, ob ich dies nicht mehr bewundern soll,! als manche Probe physischen Muthes, auf dem Schlachtselde abgelegt. - ״Jetzt aber fielen die Ouälgcister wieder über ihn her und enttissen ihm die eben copirte Inschrift, um dieselbe als eorpus -delicti dem Kadi von Sana vorzuzeigcn, zu dem sie ihn schicken j Orientale denkt daran, ein Edict zu befolgen, wenn es dem Fa-j walten, dainil er sein Schicksal im Sinne des moslemischen , natismus der rohen Menge entgegen ist in sehr anschaulicher und anerkennender Weise. <Sr schließt die interessanten Schilderungen mit folgendem Passu»:'! ״Halävy's Rückkehr stach Europa fiel grade in eine!ereignißschwere Zeit, als Krieg, Eommune, Politik alle Aufinerkfionkeft;י*,,- in Anspruch nahmen. Dadurch kam es wohl, da» feint<. für Geographie und Epigraphik epsmachende Reise keineSwege» die verdiente Beachtung fand. Die fast übergroß« Bescheidenheit des.* Reisenden trug auch dazu bei, daß seist Licht unter den Scheffel.׳..׳ gestellt wurde. Jadeß, Halsvy ist «ine zu gediegene Natur, der eS nicht auf den eitel» Ruhm dch, Zeitungslobes und der ״Auf. - puffung" ankommt, wie so vielen Anderen. Die wahren Freuad«! ü^ der Forschung über Arabien und die Kenner seiner Geographie .11' und Epigraphik werden trotz dem nicht ermangeln, dm Ramm M' des Reisenden an den des großen Forscher» des vorigm Jahr» . Hunderts, Niebuhr's würdig anzureihm." > Dieses neidlose anerkennende Urtheil vom Munde des ebenfalls berühmten Afrikareisenden ehrt beide Reisende gleichsehr, den Frei- ׳W Herrn und den Juden. ' iltber dir Zudenorrfolgungea im Orient .D beginnt derselbe Herr Vers., dem wir dm vorstehenden Artikel *;äj entnommen, im Mag. s. d. Lit. d. Ausl. Nr20. ׳ ein« Reihe von ■l«: Artikeln, aas deren erfterem, ״die Toleranz-Edicte der Sultane" betitelt, wir die nachfolgmden Stellen des verdimstvollm, mit de» Verhältnissen des Orients sehr vertrauten Reisendm im AuSzuge wiedergeben: ״Bei diesen beständig sich wiederholenden Judmoerfolguiche und Judenhetzen dürfte cs wohl ängezeigi sein, einen UebtrbW aus das Loos der Israeliten im Orimt im Allgcmeinm zu »«fätjj' über welches so viele falsche, optimistische Begriffe in Europa ver-^-i brcftet sind . . . ." Der Herr Vers, zeigt nun zunächst wie un-'-'i gleich günstiger die Lage der Juden in Rüßland gegm die im! mohammedanischen Orient und in den christlichm Schutzstaate» der Türkei sei. Dort sin Rußland) würde das vom Gesetze de» Judm Gewährleistete wmigstms gehaltm, (?) hier (im Orient) sei es Illusion; dort würdm sie von der Regierung durch rechtzeitige energische Maßregeln von Ruhestörungen geschützt (m. vergl. z. B. das ist vor. Nr. der ״Wochenschr." unter Kischenew mä> Odessa Berichtete), hier werden im bestm Falle Schutzmaßregeln pomphaft angekündigt, aber nie ausgefiihrl, oder, wmn etwa» geschiiht, dann kommt's zu spät, wmn das Aergste vorbei ist, wie es jüngst in Smyrna der Fall war, wo die Polizei erst - einschritt, nachdem bereits mehrere ^yden umgebracht und der Blutdurst der Mörder gesättigt war. Darauf' verkündet» die Zeitungen pomphaft,' daß alle Vorsichtsmaßregeln getroffen seien, um weitere Unruhm zu verhüten!! ״Einen sehr'schlechtm Dienst, fährt Freiherr v. Maltzan fqrt, haben den im Orient lebenden Israeliten in den letzten Jahrzehnten unsere europäische» Zeitungen geleistet, indem sie nämlich alle illusorischm Edicte der verschiedenen Despoten, welche den Juden Schutz vcrhießm für baare Münze nahmen nnd über Gebühr lobtm und ״aufpufften." Solche Edicte wurden von ihum gerade so aufgefaßt, wie wenn sie in Europa von einer civilisirtcn Macht erlaffm wordm wärm. Im Orient ist es aber Schwindel und leerer Schein. Kein. i '! 1 I I a I Fanatismus emscheide. Von Neuem ׳wurde er nur! auf dem Leibe durchsucht. Da man aber keine anderen Papifte bei ihm fand Richter milder gegen ihn gesinnt. Wie Hal^vh unterwegs seinen arab. Aufseher, her ihn in die Hände des Kadi überliefern sollte, bestach, daß er ihn allein ziehen lasse, wie er die wiedergewonnene Freiheit dazu benutzte, um sich nach dent Orte der mit Noth entronnenen Gefahr zu begeben, und! die verborgqim Papiere aus ihrem Verstecke hervorzuholcn, wie er abermals der Karawane von Sana, an deren Spitze sein Haichtgegner und Todfeind sich besand, in die Hände fiel, wie er auf! dem höchsten Punkte eines engen Bcrgsteges entschlüpfte und nach vitlen Stunden einsamer Wanderung in wildfremder Gegend in ein' von Juden bewohntes Dorf kam, und dann später seine stationswcise vertheilten Papiere wieder aufsammeltc, um endlich den Schcuplatz seiner Leiden schleunigst zu verlassen — das alles erzählt Maltzan in Nr. 19 der genanntm Zeitschrift für Länder-und Völkerkunde Aus. diesem Optimismus der Zei:ungm mtstehm für die Judm manchmal die schlimmsten Folgm. Kommen Unterdräckungm er hatte sie ja vorher versteckt '—, so wurden seine j vor, so glaubt man oft den dadurch Betroffenen nicht, beschuldigt sie der Uebertreibung und mancher Consul, selbst manche mropäische Regierung bei der geklag! wird, beruft sich aufdie ״offenkundige" Humanität des orientalischm Despotm, ״von der ja seine Edicte den bestm Beweis liefern." In der That ist ez auch dm meistm europäischen Regierungen, welche, wie die Redensart lautet, ״sich der Juden annchmen," mehr um die Verkündigung solcher officiellen Actenstücke, wie die besagten Toleranz - Edicte, welche beim großen Publikum Sensation erregen und ihnen ZeitüngSlob ein-, bringen, als um richtige Handhabung dieser humanen Gesetze zu thun." (M. erinnert hier an das Edict des Sultan», von. Marokko, worin der Fürst dm Schwindel so weit trieb und dr ״Gleichstellung der Judm mit den Moslems" proclamirtr, währml in der Praxis die Judm nach wie vor dort todtgeschlage» u» ausgeplündert werdm; ja sie . sind nach Erlaß deL Edict» eigentli

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