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Das jüdische Literaturblatt · 1872-05-29 · N°. 10 (29.5.1872) · p. Seite 38

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N°. 10 (29.5.1872)
Date
1872-05-29
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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i vii fd L ׳ t■ ־ < ׳> -! mach«« wollt«, sprach jener? ״ich habe H>ir ja gttich dieser Pfad hier sei kurz und lang." Hocherfreut über Klugheit, küßte ich ihn auf sein, lockig'Haupt." er einst iui Zyahrheitsdrange gegen einen ha- Ausspruch der schanmitischen Schule zu einer unge- . zieLMl >en Aeußerung sich Hinreißen ließ und von einem Scha- (*,‘»<«0, eines Besseren belehrt wurde, da fand er nicht eher ^R^he, als bis er das ihm einzig zu Gebote stehende Mittel ]ergriff, auf die Gräber jener Lehrer^gjng, um Verzeihung zu * I—• Was Wunder da, wenn das Volk ihn liebte hochverehrte, sich von ihm willig lenken und leiten ließ, n!s Keinem in den Sinn, kam, an. seiner ausnehmend ich m Gestalt Anstoß zu nehmen oder gar jene muthwillige einer Kaiserstochter an ihn zu richten, ״woher nur so Weisheit in einem häßlichen Gefäß", «ne Frage, auf die * ■ R.I Jo |U(1 ihr treffend enyiedert hatte: ״'Bewahr! man doch auch hm Wein in irdenen Krügen". — ן Unter allen Schülern R. Jochauan b. S. ist wohl Keiner Lelen und Lehren seinem Lehrer ähnlicher gewesen, hat ec mehr die hillelttischen Grundsätze in sich verkörpert als Rs Jcsua. — Voll glühender Liebe zum Gesetze und treuer n zlichkeit an sein Volk, .von einer tiefinnigen Pietät gegen b efertes, welche ihn alse Halachas ohne Zusatz womöglich rtlii) berichten und selbst Ansichten eines religiösen Gegners ieffen Tode nicht wiederlegen ließ: räumte er seinein!1 >, nüchternem Verstände einen freien Spielraum ein unjb veiMcht:te jene auf die Spitze getriebene Consequenz. die nijr noch'ein leerer, inhaltsloser Begriff, wegen ihrer consequenteu ^^Mhpen lunft mehr Verwunderung als Bewunderung erregt. ßw!ll und alles Uebertriebene haßend, spricht er sich nicht lobend über ״närrisch Fromme und junge Betschwestern^ , Jmmer auf der Mittelstraße, verurtheilte er jene ״acht- Verordnungen", welche den Umgang und Verkehr der mit den verhaßten Heiden erschweren sollte. Jenen n die in übermäßigem Schmerze über den Verlust des sich des Fleisches und Weines enthielten, da hievon «sicht mehr geopfert rverden tonnte, erwiederte er beichtigend: ״€«nit dürften wir weder Brot noch Früchte s!löst Wasser genießen, wurden ja auch diese auf deu tar~ gebracht;^ so gerecht auch eure Trauer, so haltet doch ß und bürdG der Menge nicht unerträgliche Lasten auf". O »wohl der Haß jener Zeit gegen die Heiden in so fern t g!wisse Berechtigung fanb{ als die Juden durch Spott Verhöhnung sich um -so tiefer verletzt fühlten, je Unglück-!scher sie waren, so ließ sich doch R. Josua nicht zu einseitiger rt »eilung und blinder Verdammung Hinreißen. Seinem ehre, ähnlich, welcher Heiden zuvorkommen grüßte und den ibelrers ״die Milde der Völker ist Sünde" dahin deutele, tsaß v!ie das Opfer Israel sühne, so sühne Mildthätigkeit die Ratio! «en: that R. Josua den bedeutungsvollen, das Judensihum auf nlle Zetten ehrenden Ausspruch ,.die Gerechten aller Pölkei haben Antheil am seligen Leben." ,Dem milden Hillel j leich, war er mitthellsam, unermüdlich und gern zum Belehren l ereit ganz das Gegenbild von seinem geiftesgroßen aber chroff m Zettgenossen R Elieser, welcher auf die religiösen j .)weifst einer Frau nichts anders erwiederte, als ״die Weisheit ' '►er Frauen gehört an den Spinnrocken". (- (Schluß folgt.) Journal-Revue.^ Joseph Halsvy's Reise in Äradieu. Joseph Hqlävy, der im Aufträge der Alliance israelite universelle vor einigen Jahren Abysfinien bereiste, um die Religion und Zustände der Falaschas näher kennen zn lernen, und der in einem ausführlichen Berichte seine Beobachtungen veröffentlicht hat, ward hierauf von der ״A.cLd6mie des inscriptions“ ausgesandt, um im Aeinen Inschriften zu sammeln. Daß er dieser Ausgabe glänzend genügt hat, beweisen die 683 von ihm copirtcn Epigraphe, theils in sab Lisch er, theils in einer verwandten, erst von ihm entdeckten Schwestersprache, dem Min ätschen. Freiherr v. Maltzan, der berühnite Afrika-Reisende, berichtet nun nach Mittheilungen Halävy's über die Erfolge seiner Reise. Er schreibt darüber (Globus Nr. 16 —19 1872.) ״Sprechen wir von Halövy's Reisen in Bezug auf Geographie und Ethnographie. In dieser Hinsicht sind sie im höchsten Grade wichtig, wir können wohl sagen, epochemachend. 'Ich weiß nicht, wen ich unter den neueren Reisenden in Arabien höher stellen soll. Selbst Arnaud und Wrede, diese einzigm wirklichen Länderentdecker neuester Zeit in Arabien, müssen gegen ihn zurückstehen. f Sehen wir uns das bisher jedem Europäer unbekannte, von Keinem betretene große Gebier an, welches' zuerst und bis jetzt allein Halävy betreten hat, so müssen wir staunen über die Masse des uns bisher Unbekannten, das uns nun mit einem Schlage, geoffenbart wird, staunen über den außerordentlichen Unternehmungsgeist, den Muth, die List und Schlauheit dieses Reisenden, der in Verkleidung und mit unsäglicher Selbstverleug nung ein Land, bereist hat, in welchem n i e (absolut" niemals) der Schritt eines Europäers verhallte, und in welchem die An- Wesenheit eines solchen allein schon als ein todeswürdiges Verbrechen gitt." ' . M. erzählt hierauf im ersten Artikel!die Rriseereignisse Halävy'S,' von welchem wir nur. Folgendes herausheben: ״Halävy reiste in der besten Verkleidung, die ein Europäer in diesem Lande des Fanatismus wählen kann, nämlich als arabischer Jude. Selbst Israelit, verstand er es, sich mit den Juden von Sana gut zu stellen. Diesen gegenüber gab er sich für einen Kudfi d. h.>Jerusalemilaner aus, nämlich für einen jener׳ fahrenden Rabbiner, die den Orient durchziehen, um Beiträge für Jerusalem zu sammeln. Dies gab den besten Vorwand für die Reise nach dem Go f d. h. hohles Land. Er behauptete nämlich, auch bei deck* dort wohnenden Juden Betträge sammeln sowie ihre rcligiösee -Bedürfnisse erforschen!zu wollen, und ließ sich zu diesem Zwecke ׳ vom ־ Haupkrabbiner von Sana an alle ׳ diese Gemeinden Briefe geben. Die Araber finden nichts Unnatürliches, daß ein Jude seine Glaubensgenossen besucht, und dieser' Vorwand war demnach auch ihnen gegenüber der beste. Bisher hatte Haläoy die Tracht der jüdischen Städter im westlichen Nemen gettagen, die bequem ist und den Körper sticht an Stellen bloß läßt, wo wir Europäer es gar nicht gewohnt sind. Nun aber mußte er, .um nicht aufzufallen, die Kleidung der jüdischen.Land-, bcwohner des Gof annehmen. Kleidung ist kaum das Wort dafür. Es ist vielmehr ein sehr fragmentarisches ״Deshabille". .Rock, Weste, Hemd, Beinkleider, Unterhosen, Strümpfe, Schuhe mußte er ablegen, und sich mit einem kleinen Lendenruche uno ein Paar Sandalen, die stets von den Füßen! herabficjen, begnügen. Der Oberkörper blieb nackt, durfte aber mjt dir Schlafdecke, die er für die Nacht bei sich ttagen konnte, gegen die Kälte geschützt werdm. Auf dem Haupte trug er einet! kleinen zerfetzten Turban, auS dem die Peies, die bekannten jüdische!^ Hängelocken, hervorhängen mußten. f In dieser unbequemen äußeren Ausstattung wurde er genö- ' thigt, seine Reise anzutreten und sie von nun an beizubehalten. Nun ist Verkleidung als einheimischer Jude für die Sicherheit zwar die impfehlenswertheste, aber sie hat auch sehr ihre Unannehmlichkeiten. Sicher insofern, als -man auf einen Juden weniger!'achtet, während ein als Moslem verkleideter Europäer stets׳von! Spähern umgeben ist. Zudem stehen di« Juden dort so tief, 1 daß es für eine Schande gilt, einen derselben zu, todtcn; dafür

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