Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 1 (1872)
- Issue
- No. 9 (15.5.1872)
- Date
- 1872-05-15
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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(Jeräthe aus Stein sofort beiseite geworfen hätten! Aber nein, auch nachdem das Metall schon längst bekannt war, i pflegte man immer noch mit einer gewisse» Scheu auf die Veralteten Steingeräthe zurückzublicken, und erachtete sie bei dt» religiösen Handlungen oft als die allein passenden .... . Ebenso wie bei den Aegyptern hat,sich auch bei den semitischen Völkern, die bekanntlich gerade durch ein zähes Festhalten der alten Gebräuche characlcrisirt sind, eine Anwendung der Steininstrumente bei religiösen Handlungen und damit ditz Eri»nc>-ung an ei» vorausgegangenes Stcinzcitalter erhalten. jSo herrschte auch bei den Israeliten, wie dies äus zwei biblischen Stellen belegt werde» kann, der Gebrauch steinerner Messer! bei der Beschneidung; wir erfahren nämlich aus dem zweiten! Buche Mose daß Zippora die Vorhaut ihres Sohnes mit einem Stejne beschnittI) und Iosua erhält den Befehl, ״sich steinerne Messet zu machen und die Kinder Israelszum andernmale zu beschneiden." Ebenso war es auch noch in der späteren Zeit Sitte, sich bei der Ausführung von Brandopfer-Altären keiner Eisene Instrumente .zu bedienen; wenigstens erfahren wir an zwei Stellen (im Buche Iosua und im fünften Buche Mos.) von einem Gesetze, den Bvandopscraltar aus unbehauenen Steinen! zu errichten, über die kein Eisen fährt — eine Bestimmung, die nur darin ihre Erklärung findet, daß der Ursprung jener Altäre noch in die Stein-Zeit zu verlegen ist, und daß dann später die primitive Form jener Opferstättcn von dein conseroatiocn Volke bcibchalten wurde. (Hat bekanntlich einen anderen etischeu Grund. Red.> Indesien scheinen die Stcininstrumente von den Israeliten auch zu-andern als specifisch religiösen Handlungen b mutzt worden zu sein, wenn wir wenigstens einer Notiz in der Naturgeschichte des Plinius trauen dürfen. Nach Plinius mußte nämlich der Balsambaum nur mit kleinen, steinernen oder knüchyrnen Messern geritzt werden, wenn man seinen kostbaren Saft gewinnen wollte; eine Berührung durch Eisen habe dagegen, so erzählte der Aberglaube, das ■ sofertige Absterben des Baumes zur Fol^e. Da nun dieser Balsambaum nach Plinius einzig und alle!» in Judäa vorkommt, so werden auch die Israeliten dasjenige Volk sein, bei welchem jene Anwendung der Steinmesier üblich war. Wann aber bei den Israeliten der Uebergang aijs der Steinzeit in die Epoche der Bronze stattgefunden hat, dies historisch abzugrenzen, ist schwer, wenn nicht unmöglich. Die einzige Stelle, aus der sich vielleicht ein Schluß ziehen lasten könnte׳ befindet sich im ersten Buche Samuclis: dort heißt cs am Ende der Richterzeit: ״Es war kein Schmied im ganzen Lande Israels; den» die Philister fürchteten, die Hebräer möchten sich Schwerter und Spieße machen. Und mußte ganz Israel hinabgehen zu den Philistern, so Jemand eine Pflugschar, Haue, Beil oder Messer .zu schärfen hatte." Wenn also danials (gegen 1090 v. Ehr.) hie Israeliten noch nicht bekannt mit der Mctallbcreitung waren, ,sondern ihre Werkzeuge bei den Philistern d. h. bei den Phöniciersi, verfertigen oder ausbestern lasten mußten, so sind wir wohl zu!dem Schluffe berechtigt, daß sie überhaupt die Metällgeräthe damals noch nicht sehr lange gekannt hatten." (Diese Schlußfolgerung scheint uns denn doch etwas zu flüchtig und unwissenschaftlich. Deni Mangel an Schmieden in Israel lag, wie aus Samuel I E. 13, v. 19 dctitlich hervorgeht, ein politisches Motiv zu Grunde,: ״denn dieiPhilister beabsichtigtcn daß sich die Hebräer weder Schwert noch Spieß anfertigen sollten." i1 ■! Red.) *) Aus einem Aufsatze: ״Uebcr die Spuren der Sleinzeil bei den Aegyplern, Semiten und -ndogermanen," von IN. As. Hassencainp. (Ausland Nr. 16. Ihrg. 1872) ') Bei den Aegyplern war (wie H. vorher berichtet)!.die Aufnahme i» eine» ägyptische» Priesterorden mit einer (Zeremonie verbunden, die in einer Beschneidung mit einem sleinctiiin Messer bestand. Red. lieber die Stellung der ägyptischen trauen;nr Pharaonc11)eit bringt das ״Ausland" in der jüngsten Nr. eine Abhandlung von 01׳. May, aus der whr Manches, was zur Bestätigung der cin-f schlägigen biblische» Berichte beiträgt, hier mitthrileiu Man halte nämlich, durch einige sich wesentlich widersprechende Nachrichten bei alten Schriftstellern (Hcrodot, Diodor, Plntarch) verleitet, bisher vermuthet, es habe im alten Aegypten ein mlt dem oricntauschen in der Hauptsache übereinstimmendes Haremswesen geherrscht, die Frauen hättest daselbst eine untergeordnete und bedrückte Stellung eingenommen, uitd seien von ihren despotischen Herren auf's Strengste bewacht, eingeschlossen in allen Handlungen beschränkt und geknechtet gewesen. Noch v. Bohlen hielt es deshalb für unegyptisch und daher unglaublich״ daß Joseph in die Nähe -der Weiber und in den Harem Poiiphairs habe kommen können. (Man vergl. Eber's Werk: ״Aegypten und die sünf Bücher Moses."). Einen richtigen Begriff von dem!ehelichen und Familien- Leben der alten Aegyptcr hat man sich esst in neuerer Zeit bilden können, nachdem man sich in den Stand gesetzt hat, die Denkmälcr und Wandgemälde selbst zu Rathe zu ziehen. Diese zeigest häufig gerade das Gegcntheil von einem abgeschlostenen Haremsleben: Männer und Frauen in Gesellschaft bunt gemischt, sich ungezwungen untereinander belustigend, Kinder im Kreise brr Familie und bei größeren Gastmählern an der Seite der Mutter oder ans den Knieen des Vaters sitzend, was ja selbst die Bibel bestätigt. Die Priester Hatten (wie Diodor berichtet) nur eine Frau, ebenso wie auch den hebräischen Priestern die Monogamie durch ein Gesetz zur Pflicht gemacht worden war. (?) Alle übrigen Aegypter hatten, wie djc Denkmäler lehren, eine rechtmäßige und bevorzugte Frau, .welche derselben Kaste angehörte, und hielten sich außerdem Ncbensrauen, Tänzerinnen und Sängerinyen, meist Ausländerinnen. Die wahre( Gemahlin hieß ״die!Herrin des Hauses", die Nebengemahlinneln hießen stets ״Sclavinnen." Zux-- Familie im weiteren Sinne gehörte aber in einem! vornehmen: Hauswesen außer Frauen, Stlavinnen und Kindern vor Allein ein Haushofmeister,e der den ganzen Hausstand beaufsichtigte und vielfach init der ״Herrin des! Hauses" in Berührung kommen mußte, wodurch die biblische Erzählung von'Joseph und Potiphar's Gemahlin vollkonnnene Bestätigung erhält Eigenthümlich unch erwähnenswerth ist noch der bei den Aegyptern zur Ausrechuchltung der Kaste und des Grundbesitzes geheiligte Gebrauch, sich mit der Schwester zu vermählen,- die kinderlose Frau des verstorbenen Bruders zu heirathen. Letzteres war bekanntlich auch cm biblisches Gebot. Literaturbericht. Jüdische Schulprogramme. (stchtsetzung.) 6. Sechster Bericht über die Religionsschule der Synagogen- Gemeinde zu Königsberg, von Rab. De. Bambcrger. Vorangeht: Zweiter Bericht dks Bekleidnngsvcreins für arme Zöglinge der Religionsschule. 7. Vierter Jahresbericht über die hebräische Unterrichts-Anstalt des Ilr. P. Neustadt in Breslau. Vorangeht: die Gotlcs und UnsterblichkeitÄehre. Kurzgesaßte Uebersicht über die Gottes- und Unsterblichkeitsbcgriffe der vorzüglichsten, orientalischen Völker mit einem Hinblick auf diese Lehren des Jndenthums. 1. Thcil. 8. Schuliiachrichten über die jüdische Religions-Schule der Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg, von Rab. vr. ' M. Rahmer. Schuljahr; 1871 ■^1872. Die de» beiden, in vor. Nr. sub 2 und 3 ausgeführtcn der Berliner Programmen vorangehenden Abhandlungen' besprechen zwei Eardiiialpunkle des jüdischen Erziehungswescns; die eine: ״Die Erziehung in Schule und HauS" von M. Altmann, di» andere: ״Die Tochter Israels, die künftige Trägerin des Judentlmms" von Dr. Landsberger. Der Conflict zwischen Schule und Haus wird in unseren Tagen immer klaffender, und wird, je ernster die Religionsschule ihre Aufgabe erfaßt, desto schmerzlicher von ihr enipfunde». ״Haus und Schule müsttcn sich ergänzen wie Theorie und Praxis, »ud nur durch die vollkommene Harmonie beider kann das erwünschte Resultat erzielt werden!" ruft der Vc,rf. aus, und wer wird-ihm, in der Theorie wieder, nicht recht geben?!'Allein in der Praris wird cs doch weiter nicht berücksichtigt werden. Denn der vom Vers, crthcilke Rath: ״Ehe die Eltern ihr Kind der Schule übergeben, inüstcn sie sich vollkommen über deren Zweck bewußt scin, Iie sollen sich erst genau von dem I Lehrplan und den Lehrgcgcnstäiidcn unterrichten, bevpr sie dm für - 1