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Das jüdische Literaturblatt · 1872-04-03 · N° 7. (3.4.1872) · p. Seite 26

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N° 7. (3.4.1872)
Date
1872-04-03
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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26 , 1 hiß er schon so sehr,daran gewöhnt sei, daß es ihm gsrr nicht in den Sinn gekommen, den Segen zu sprechen. La 1 die Frucht noü »ich! vollends verzehrt hatte, sprach er über Rsst den Vorsegeu. Nachdem er gegessen, ging er seines!«$-■ Da sprach ich zu ihm: Sprich doch nun auch den lchsegen! Er aber wunderte sich, wie er denn noch einen egen zu sprechen hätte, denn er habe niemals davon ge- Iftrt, das; man auch einen Nachsehen spreche außer den! be- :eit Tischgebet nach der Mahlzeit, und es war ihm die ek: ״״der du viele Seelen geschaffen"", die ich ihm vorsprach, wie eine neue Weissagung; weh' den Ohren, die solcbes h-ren!s Aber das kommt von der bösen Gewohnheit her, die genaue Beachtung der Gebote für nichts zu achten, und was sollen die kleinen Kinder thun, wenn sie sehen, die wie Eltern {ffen und trinken und den Namen Gottes vergessen zu -Dreisen?"');1?[ Die zweite Nüge bezieht sich ans das hänsige, nnnöthige > lussprechen des göttlichen 'Namens. Bei dem genngsten Anlaß sEe man sich gewöhnt, bei Gott zu schwören, so daß bie ׳ Kiyder diese Unart von den Eltern gelernt und sich zu eigen gemacht.*) — Doch hatte bie Gemeinde Iigo's auch ihre lobeus werthen Teilen. Und pzenn er auch, nach der Weise geivissen ".Hafter: Prediger, seine Aufgabe mehr in der Geißelung des sTadelpswerihen als in der Hervorhebung des Löblichen erblickt, Iö sehen wir doch ans seiner eigenen, eben angeführten Erzählung, daß man die Ermahnungen des Predigers, selbst auf offener Straße willig aufnahm und auch befolgte. — Und ׳ soviel er auch an seiner Gemeinde auszusetzen hat, so muß er J doch ihrer Wohlthätigkeit schrankenloses Lob erlheilen, welche zu allen Leiten auf gleicher Höhe sich erhalten and durch kcinerlei Hindernisse beeinträchtigt werd-n konnte. So hoch auch die Berluste sein mochten, ivelche bie Reichen der Grmrinde erlitten, so weigerten sie sich dennoch nie,. Gabe auf auf Gabe und zwar große und ansehnliche zik steuern.נ) In der Thal waren die Ansprüche, welche an die Wohlthätigkeit der Geuieind« herantrateo, sehr bedeutend. Aiißer den gewöhn- — lichen Unterstützungen, an die zahlreichen Orkdarmen, wurden auswärtige, iniltellose Schüler, welche die Talmudschule zu Venedig besuchten, nnterhalteb^jnd die Gemeinde in alljährlich besonders zu diesem Zwecke gehaltenen Predigten zu recht reichljchen Gaben ermahnt. H Auch für das heilige Land wurden häufig Baben gesammelt.b) Die heimischen Leiden,' du nur alljuhgufig in mannigfacher Gestalt erschienen, forderten nicht minder die Wohlthätigkeit in verstärktem Maße heraus. Die kriegerischen Verwickelungen der Republik zogen auch die Juden in Mitleidenschaft. Zu den hohen Ahgaben kmnen Hungersnoth und Pest, denen auch viele Juden zum Opfer fielen. °) Ja, wir erfahren׳ sogar aus einer Predigt, daß um die Neujahrszeit einst ein Blitz mehrere Häuser im Ghetto entzündete, eine Person tödtetc und an mehreren andern Spuren zurückließ. Und da. in den vorgngegangenen Jahren Pest und Krieg viele Opfer gefordert, so henutzt Jigo alle diese Ereigniffe am Bußsabbath, um seine Zuhörer anknüpfend an Amos 4, 10. 11. zur Einkehr in sich selbst zu mahnen.') ~ (Fons, folgt.) j ') Nr. 64. THI. 2. S. 92 b. ') Nr. 67’, Thl. 2. 6. 101 b. *) Nr. 70, THI. 2, S.!10 b. *) Die 69. und 70. Predigt sind diesem Gegen. Kaside gewidmet. ») In Nr. 4' wird ein Spendensammler für Jerusalem, mtNr. 71 Einer für Hebron empfohlen. ') Nr. 10, Thl. 1, S. 31 b. S. «ich Nr. 69. THI. 2, S. 109 a. Nr. 70, S. 110b. ') Nr. 12. Thl. 1,: S. 45 a. Eine eregetksche Lemerirnng. Mit ^Bezug auf dcij sebr anregenden 'Artikel in Nr. 3 der ״literarischen Beilage!", in ivelchem der Satz begründet wird,: ״Was Gott gegeben, darf der Menjlch nicht ändern, daß aber dasjenige zu! Religiin Gehörige, welches nicht von Gott, sondern von Menschen eiitgesctzt ist, unter bestimmten Voraussetzungen resorn,irba!H>!k, daß man bnbcvj auch im Jndenthum von berechtigten Reformen!eben kann nj s. w " erlaube ich mir eine Bemerkung vo: :׳.:bringen, die ni^>t als Midrasch das daselbst Ansgesprochene aus der Schrift herleiten will, sondern die den eregetischcn Erklärungen der t^gminentatoren an die Seite gestellt werden dürfte. Die Schwierigkeit bdznaiich der Stellung des lei. Eapitels in! Erodus. — Ielhro'sl Besuch und Rath enthaltend — die schon die alten Lehrer beschäftigte und von den Eomnienlatoren Raschi, Ibn Esra und Nachmanides, einer eingehenden Erörterung unterzogen wird, ist bekannt. Dieser Abschnitt, zwischen der Geschichte des Auszuges von Egypten und der Geschichte der Offenbarung, den beiden Angelpunkten der israelitischen Religion, stehend, bat mit keinem derselben einen innigen Zusammenhang. Diese Stellung desselben!vird um so auffallender, wenn inan, ivie Raschi und klaGr Jbn Esra beweist», anzunehuien gezivungei! ist, der Besuch des Jethro habt erst nach der Offenbarung stattgefuudeii, wodurch die Ästuar,me der geschich:lichcn Aufeinanderfolge ausgeschlossen ist. sWenii Nachiiianides die Einwände Jbn Esra s gegen die geschichtliche Ordnung zu entfi ä'leit sucht, J so läßt er einen wichtigen Beweis desselben ans Denteronom. 1 , 10 nnberübrk, an^ ivelcher Stelle hervorgebt, das; das Gesetz selbst, die eingefsthrre.Nechlsverfaisnng. nnmittetbar vor dem Abzüge von Horeb׳ gegeben wurde. Aber auch brr Ausweg ist meines Erachteijs unannehmbar, daß Jethro zwar vor der Offenbarung angekoinmcn, daS Gesetz selbst ober später gegeben sei, hier aber, weil von Jethro veranlaßt, angefügt sei, weil dem die Angabe (Vers 13) ״Und es war am folgenden Tage" entgegcnsteht, abm.sehe:, davon, das; die Rücksichtnähme auf die Zeit die Annahme der früheren Ankunft als m gezwungen erscheinen läßt. Die Einwürfe von Seilen Nachinanides gegen die spätere I 'Ankunft des Jethro, das; nämlich Moses wohl vou dcn.Wunderthaten in Egypten, nicht aber von der Offenbarung erzählt, j sind einfach zu beseitigen, wenn man erwägt, daß für Jethro wohl die offenkundigen wunderbaren Ereignisse vom Auszuge l aus Egypten Jntereffe hatten, nicht aber die nur innerhalb H des israelitischen Volkes anerkannten Wunder der Offenbarung, *..־ wie auch, in Josua 2, nur erstere erwähnt werden. 7H, Im! Esta glaubt nun der Zweck der Stellung dieses Abschlußes sei der, um iin Gegensatz zu der nnmirtelbar vor-! hergehenden Vorffchnft von. dem Vernichtungskampfe ׳ gegen! AMalek für den diesen verwandten Stamm Keni Liebe und Dgnkharkcit hervorzurufen. Daun aber hätte doch dieses Abstammungsverhältniß von Kein nicht ausgelassen werden dürfen-! Ich glaube, daß der Inhalt des Gesetzes selbst seine Stellung an diesem Platze nothwendig machte. Betrachken wir denselben, so betrifft er eine Horm, die mit dem Wesen der Religion nichts gemein hat. Gesetze entgegengesetzter Art können ' unter dieser Horm zur Ausführung kommen, mit anderen Worten, die PN Jethro vorgeschlagene Gerichtsordnung und ■$ Organisation greift in dasspecifisch israelitische Gesetz, wie cs jj als.offenbartes׳ sich auszeichnet, nicht ein. Diese Ordnungsi ist vielmehr eine nothwendige, allgemein menschlicht Voraus-!

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