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Das jüdische Literaturblatt · 1872-03-20 · N° 6. (20.3.1872) · p. Seite 23

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N° 6. (20.3.1872)
Date
1872-03-20
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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ä 2 3 <x Zournal-Revue. ״Ilnter ÄUen die Giftigste^s Auch von anderer Seite her wird mit Bedauern hcrvorge- Hodens daß in einzelnen Aufsätzen der ״Gartenlauhe" sich ein Ton der Mißachtung gegen die Bibel geltend mache i der sehr viele Leser dieses sehr beliebten Blattes unangenehm berühre. Im Januarhefte des ״allgem. literar. Anzeiger für das evangelische Deutschland" findet sich ״ein Wort der Abwchs", das sich besonders gegen einige Aufsätze des Dr. Brehm (des Schöpfers des Berliner Aquärium's^ richtet. Wir heben bas unsere Leser Jnteressirende hervor. 1 J ״Vor uns liegt eiw Aufsatz in Nr. 24 der (vorjährigen) ,,Gartenlaube" mit der Ueberschrift: ״Unter Allan die Giftigste." *I Es mag hieran für Jede», der noch unpartheüsch zu urtheilen im Stande ist, ein Beispiel für viele geboten sein, was die heil. Schrift sich gefallen lassen n,uß, deren Anschauftngcn erst mißverstanden und entstellt, und dann vor der großen Menge bespöttelt werden. [ ״Ein Theil des Fluches", — so hebt der! fragliche Artikel an, welcher übrigens ein recht interessantes Bild aus dem Leben der Pussokter giebt — ״welchen nach der!morgenländischen Schöpsungssage der Schöpfer auf sein eigenes Geschöpf schleuderte, wirkt heute noch fort: die Feindschaft nämlich, welche gesetzt sein soll zwischen der Schlange und dem Weibe uno ihrem und des Weibes Samen. Noch immer erregt die Schlange im Herzen des Weibes Entsetzen oder Schaudern, und in des Weibes Samen die Lust, ihr den Kops zu zertreten, auch wenn sie vollkommen unfähig sein sollte, in die Ferse zu stechen..!..... Freilich trägt die Schlange die Last jcncs Fluches ungefähr mit derselben Unempfindlichkeit, wie Ketzer meines Schlages dis Verwünschungen aller Pfaffen des Erdenrundes. Sie geht zwar!auf dem Bauche, sicherlich aber ohne alle und jede Beschwerde, hat sich auch bis heute noch nicht dazu bequem!, Erde zu essen, wie sie dies laut der mosaischen Erzählung thun soll ihr Leben laug, ist überhaupt ein ganz anderes Wesen als die Ucberlieferer der morgenländischen Sage, welche überall Engel und Dämone witterten, mit Göttern und Teufeln auf dem vertrautesten Fuße standen, darüber aber nicht selten die Thatsächlichkeit aus dem Auge j ließen, schildern und beschreiben." SoweitHr.B., welcher, wie dem huch nur halbwegs Sachkundigen sofort einleuchtet, ein recht geringes Verständniß für den Geist des alten Testaments offenbart und nicht einmal den ästhetischen Werth desselben, geschweige seine sittlich - religiöse Bedeutung verstanden hat. Anstatt auf die jener großartigen Beschreibung im dritten Eapitel der Genesis zu Grunde liegenden Ideen zu reslectiren und ihren tiefen Sinn zu inforschen, hält er sich an einzelne Ausdrücke und moquirt sich über dieselben mit behaglicher Breite .... Es ist in der That ein seltsames Schauspiel, wenn Menschen, die sich nicht einmal die Mühe gegeben haben, die heil. Schrift sorgfältig zu lesen und ihren Geist zu erfassen, und die mit den religiösen Problepien vielleicht nur durch die Plaudereien der Tagespreste vertratst geworden sind, sich anmaßen, absprechende Urtheile über sie Zu fällen und mit bewundernswerther Keckheit zu Gericht sitzen über Dinge u. s. w. Wie würde Herr B. erbost sein, wenn ein Theologe sich anmaßen wurde, über die Art und Weise, Schlangen und Fische zu behandeln, ihneines Bessern belehren ׳zu wollen. Dies mit vollem Recht. Und doch macht er sich eiffer ähnlichen Unbilligkeit schuldig! Es ist bekannt, wenn auch psychologisch schwer zu erklären, daß Menschen gerade mit solchen Gegenstände», von welchen sie am Wenigsten verstehen, mit-Vorliebe sich!befassen, und mit den geringen Flitter» eines oberflächlichen Wissens sich lieber breit machen; gerade als ob das, was nur oberflächlich vom Geiste ersaßt worden ist, auch am leichtesten sich wieder zur Oberfläche drängt.tz l l Soweit könnte man dem Verfasser jestes Aufsatzes im Ganzen und Großen beistimmen, auch seine Heftigkeit gewissermaßen entschuldigen,'wenn man bedenkt, daß die von Herrn B. in s Lächerliche gezogene Bibelstelle eine Fundamentallehre des Christenthums (Sündenfall, Erbsünde) beweihen soll, allein, indem der Herr Verfasser noch folgenden Satz hinzufügt, zeigt er s.-.nen Pferdefuß, mit dem er zugleich den Juden einen Stoß versetzen :-.1ill. steten, werden cs dem Borank wißen, daß er ih^e ge-- en Tone bespricht un® dem ur Einer: was haben die Er sagt: ״Die Freunde des! Herrn Brehftr, die Juden in Berlin, welche im Verein mit liberalen Christen erst kürzlich die Berechtigung ihrer Religion gehen die landeskirchliche Behörde zu schützen für nöthig era! steher des Berliner Aquariums wenig 5 heiligte Urkunde in so leichtem, fpöttis großen Haufen preisgiebt." Da sage Juden mit Brehm's Aufsätzen in der Gärtenlaube zu schaffen? Sind sie dafür verantwortlich? Wozu überhaupt auch die hämische auf den Protest gegen den schmählichsn, halbzurückuenommcnen obe rkirchenrathlichcn Erlaß sich beziehende Bemerkung? Wenn der Verfasser deS Aufsatzes im ״lil. Anzeiger" Herrn B.'s interessante Beschreibung der ״Puffotter" Lügen strosen wollte, so ist ihm dies gar trefflich gelungen. ״Unter Allen di: Giftigste" ist nicht die Puffotter, sondern die heuchlerische Religionsgehässigkeit, die wie die Schlange heranschleicht und den Unschuldigen in die Ferse beißt. ־— R. Die Parabel von den drei Ringen im Gewände! des Fanatismus?) Es ist hinlänglich bekannt, daß! die Lessing'sche Parabel von den . drei Ringen alten 11 rsprungs < ist und sich in verschiedener Gestalt und Wendung in der Literatur verschiedener Völker findet. Woher sie ursprünglich st immt, ist!noch nicht ermittelt. Intereffant ist jedoch, daß-sie auch benutzt würden ist, um das Gegentheil von dem zu lehren, was höchstwahrscheinlich von Anfang an ihre Tendenz gewesen ist. Neuerdings " erst Hai Adolf Tobler, der gelehrte Kenner der altfrc nzösischen?Literatur, das Gedicht eines, Poeten aus der Picardie ucrösfentlicht! welches an sich bcmerkenS-l sverth, durch seine Beziehung zur Lessing-Literatur doppelt werthvollsl wird. Es ist dies ebenfall; eine Bearbeitung der Parabelwon dem ächten Ring, II dis dou viai aniel, die nun von Tobler aus einer Handschrift der großen Pariser Bibliothek zum ersten Mail vert öffentlich» worden ist und ter Sprache nach in das dreizehnte Jahr!- . hundert gehört. Dem ganzen Charakter der Erzählung zuwider!uw dem Geist der Duldung und Menschlichkeit, ist cs der Fanatismus der Racenhaß und die Kriegslust, die von dem Picarder Dichter av gefacht werden sollen. ־ Höchst philosophisch beginnt er mit dem Gemeinplatz, daß der Mensch nach um so größerem Wiffen strebe, je mehr er schon erworben habe, daß es aber auch Leute gebe, die sich in ihrer Duinmheil eines gesunden Menschenverstandes rühmten, dt>-> mit aber nur bewirkten, daß ihre Thorheit offenkundig werde.1 Inj dem weitern Verlauf seiner Dichtung erzählt er dann von einem Manne im Egyptcnland, der einen unschätzbaren Ring mit geheilftnißvollen Kräflcn besaß, mit dem er seinen Nebenmenschen Hülse, brachte, die Kranken heilst, ja selbst!die Todten wieder zum Leben zurückrief. Allein der brave Mann!hatte drei verschieden geartete, Söhne. ,!■ Von ihnen war der älteste dou^rss un^mecreans, ein schlechter Kerl und ein Ungläubiger, Gott und der Welt verhaßt. Ebenso war der Zweite verächtlich, lüceuhast und voll Tücke. Nur der Dritte wird als ein Muster von Edelsinn und Tugend gepriesen. Ws endlich der Vater sich dem Tode-mahe fühlte, ries er jeden seiner Söhne heimlich zu sich und übergab ihm einen Ring als den-einzigcn ächten Wunderring. In Wahrheit hatte er aber die beiden Aeltestm durch falsche Ringe getäuscht und nur dem Jüngsten das ächte Kleinod anvcrtraut. Allerdings entbrannte nach des Vaters Tod ein heftige( Streit unter den Brüdern, wer den wahren Ring besäffe, all! anders als in der bisher bekannten Parabel, gelingt cs dem Jüngs sehr leicht, den Beweis von der Unübertrefflichkeil seines Ringes Z führen. Er alle!» ist im Stande^ mit Hülfe deffelben die nänttir Wunder' zu thun, wie sein Vater. Die Absicht des Verfassers t! klar, und damit ja kein Mensch den tiefen Sinn der Erzähsirng miß! verstehe, wird eine genaue Erläuterung^ hcigefügt. Der Mann i Egyptenlanv bedeutet darnach Gott selbst und seine drei Söhne präsentiren die Saracenen, die Juden und die Christen. Es ist unnöthig, darauf hinzüdeuten, wie grob und unpoctisi die Dichtung unter der Hand des glaubenScisrigen Franzosen gj worden ist. Selbst der Sinn der neuen Parabel wird in dem Lai des Gedichtes mit einem Male gewaltsam umgeändert. Der Rin! der in der 'ersten Hälfte der Erzählung als Symbol der christlich(! *) Aus einem größeren Artikel von Ferd. Lothcissen, den wir ijl amerikanischen Blattern fanden, ob er dort Original ist, können 'wir nicht angeben.!>

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