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Das jüdische Literaturblatt · 1872-03-20 · N° 6. (20.3.1872) · p. Seite 22

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N° 6. (20.3.1872)
Date
1872-03-20
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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22 Kaneind« Salamanca's war, etwa ״wie noch heutzutage in. der christlich-theologischen Phraseologie ״die plötzliche Erleuchtung von oben", das ״wie Schuppen von den Augen fallen" eine Lieblmgsbezrichnung für dcrgl. leicht,erklärliche Vorkommnisse ist. Verzeihlich, denn ohne Wunder kein Heiliger — und ohne Heilige . .. . doch das interessirt uns als Juden nicht. Dieser Fingerzeig möge vorerst genügen zum Hinweise, wie anti-jüdische Wunder das Licht der Welt erblickt haben. Wichtig werden diese Versen nur noch durch die zwei Ausdrücke! lluäaeo sipnlso ״Nach Vertreibung des Juden" und cives ״als Bürger" — der erster«-weist darauf hin, daß njcht die ganze Gemeinde schwach genug gewesen, dem Drohen des fanatischen Redners, wenn auch Kur zum Scheine, nachzugeben, der andere spricht bestimmt de» Beweggrund der Täuflinge aus: Sie vermochten es nicht, in der Entwürdigung zu leben, die des Vincenz Ferrer's Einwirkung über sie gebracht — um auch ferner als Bürger ihres Heimathslandes betrachtet zu werden, beugten sie ihr Haupt der Taufe. — Dr. Adolf Lewin. <■ L. Asarja Figo und seine predigtlammlnng [ ״Bina le-Ittim.“ (Fortsetzung.) In demselben Verhältnis stehen auch sein« Midraschaflslegungen. Neben Gezwungenem und Gekünsteltem manches Einleuchtende. Ja, sogar eine für den Standpunkt des R. Asarja kühne, wenn auch nicht sehr treffende Erklärung einer Talmudstelle ist zu verzeichnen, ״Raba schlachtete R. Sera im Purimrausche (Megillah 7, b) das heiße: Sie hätten sich so so sehrvertieft in Halachische Discussionen und Schrift«-- llirungen, bis erster«: letzteren durch seine scharfsinnigen Auseinandersetzungen so ganz und gar außer Fassung gebracht, daß er uicht mehr im Stande gewesen sei, zu antworten! — R. AsarjaJvagt jedoch diese Erklärung nicht, ohne ein לולי דמסתפינא voranzuschicken,. und, ein frommes Gebet um Vergebung, wenn er etwa mit dieser Deutung zu weit gegangen ein sollte, Nachfolgen zn lasten. (Nr. 21, Ende. Thl. 1. S. 65; a). Als lobend muß hervorgehoben werden,r-daß die zn seiner Zeit blühende Kabbala keinen Einfluß auf die Predigtrn des R. Asarja geübt hat. Er -war ein Gläubiger, aber kein Adept derselben.*) Doch kaikn er es sich nicht versagen, mittelst ’ der auch im Sohar spukenden Metempsychose einen jeremianischen Vers zu erklären.**) — Seine Diktion ist nicht ohne Rhetorik und Pathos- Besonders sind manche Einleitungen von vorzüglicher Schönheit^ und möge die zu Nr. 66 ״über die Zügelung der Zunge^ hier einen Platz finden: ״Wenn aus vornehmen, dem Throne nahestehenden Geschlecht geboren wird ein armer Mann, dem die irdischen Glücksgüter und des Reichthums ^Fülle versagt sind, so daß ex dürftiger und niedriger gestellt ist, als seine Geburt es mit sich bringt, durch einen glücklichen Zufall Gunst findet in den Augen des mächtigsten Königs seiner Zeit, daß er ihn allmihlig groß macht und erhebt über' alle Fürsten einer, Unigebung, und zum Zeichen seines außerordentlichen Wohlwollens ^und zur Kundmachung der hohen Stellung, die er ihm angewiesen, ein kostbares Schwerdt mit eiikem unschätz- Laren Edelstein geschmückt, ihm indie Hand giebt, sprechend: Hirte dieses Schwert um deine Lenden zum Zeichen fürstlicher Hdheit, denn es ist ein königlicher Schmuck und kchier außer ף Thl. 2. 6. 44 a. ״•) Daselbst. dir hat das Recht, ein ähnliches zn tragen, und Jeder, der damit diH sieht, soll daran erkennen, daß du damit beehrt wurdest, weil du mir theuer bist, — wer weiß es nicht, daß chieser Mann aufs höchste verpflichtet ist, mit aller Kraft darauf bedacht zu sein, dieses Schwertes nicht anders sich z.i bedienen und zu keinem andern Zwecke es aus der Scheide zu ziehen, als im Dienste des Königs?, sich zu erheben gegen Alle, die gegest d/esen sich erheben, für ahn in den Kampf zu ziehen, seine Ehie zu vertheidigen an jedem Orte und zu jeder Zeit? Wetin nun aber eines Tages seine Sünden ihn umstricken, ein thörichter Geist ihn verblendet, seine Leidenschaft, ihn hinreißt, daß er sich erkühnt, dieses Schwert gegen den König selbst zu zücken, mit frecher Stirn die Ehrfurcht gegen denselben vermittelst jener kostbaren, ihm verliehenen Waffe zu verletzen;— kann wohl eine Strafe gedacht werden, stark genug und hinreichend, diesen Wahnwitzigen zu züchtigen? — Stehet nicht ganz in demselben Verhältniß der israelitische Mann tzegenüber dem lebendigen Gott und dem König der Welt, gepriesen sei sein Name? Denn in Wahrheit! Von Seiten )einer irdischen Natur, insofern er Mensch ist, aus Erde geschaffen und aus Stoff gebildet, ist er gar klein und von niedriger Stellung; aber von Seiten unserer Seelen, gehauen aus beW Throne der Herrlichkeit Gottes, ist uns längst der Adelsbrief ausgestellt, daß wir vqn hoher Geburt und Würde und gleichsam nahestehend seinem heiligen Throne. (Hier sind Schrifl- und Midraschstellen rietst Erklärung eingeschaltet). So gering wir aber auch als Erdsnsöhne sind, so hat eS doch G5tt sn seiner unendlichen Gnade gefallen, uns sich nahe zu bringen und ein großes Geschenk uns zu verleihen, um uns zu erheben über alle andern. Geschöpfe, das ist: die Kraft der Sprache. Darum wird der Weise und Verständige, der Alles mit Vernunft und Bisdachtsamkest thnt, beständig das Wesen, und den hohen Vorzug seines Mundes betrachten, und wie er durch denselben ausgezeichnet ist von den nichtsprechenden Wesen, und sprechen : Da dem also ist, so'darf diese kostbare Eigenthümlichkeit ßt/i nichts Anderem als zu erhabenen nützlichen Reden und zur'-Beschäftigung mit der Gotteslehre!gebraucht werden. Denn sie ist in Wahrheit das wcrthvolle Schwerdt, das Gott seinen Lieblingen übergeben als Zeichen fürstlicher Hoheit, zur Ehre und zur Herrlichkeit. . . . . . Denn es ist ein königsicher Schmuck, da wir ja durch die Bermittelung der Rede dem Allheiligen ähnlich werden und mit seiner erhabenen /Majestät uns schmücken.' Wenn wir uns nun einen.Menschen denken, der es nicht blos ursterläßt, seinem Schöpfer zst dienen mit seiner Zunge, so daß er mit derselben nicht spricht/-w«K «r verpflichtet ist, sondern soweit jxinen Verstand verliert, daß er eben mit dieser, von seinem Gott i$fn verliehenen Kraft der Sprache gegen ihn sich erhebt, und mit frecher Stirn berührt das Ende der Majestät feiner!©röpe, Gott bewahre uns davor, womit könnte diese Schuld wohl gesühnt werden? Giebt es eine Zahl für die Schaar von Strafen, die er verdiente?" — Aus diesem Beispiele erkennt man zugleich den Charakter der Sprache in Figo's Predigten. Ursprünglich sind dieselben wohl wie die meisten sefardischen Deraschoth auch auf fremder Erde, in spanischer Sprache gehalten worden. Die uns vorliegende Uebecsetzung ist das sogenannte Neuhebräisch, reich an Chc ldäismen und Talmudismen,- aber auch reich an passend vcrwen reten Schriftstellen. Ja man kann sagen, daß die häufig grbrauchte.Schriftsprache den Predigten ein eigenthümliches Colorit uisd einen besonder» Reiz verleiht. — (Forts, folgt.)

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