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Das jüdische Literaturblatt · 1872-03-20 · N° 6. (20.3.1872) · p. Seite 24

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N° 6. (20.3.1872)
Date
1872-03-20
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
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24 Religion zu. verstehen war,.bedeutet am Schluß des Gedichts das gelobte'Land. Wehe, ruft der Dichter, der Ring ist in Stücke gebrachen, und)«!» völliger Verlust stehts bevor, wenn nicht schleunige Hülfe naht. So richtet/'cr denn zuleht einen flehenden Ruf an drei mächtige Fürsten des christlichen Abendlandes, daß sic zum heiligen Krieg ausziehen möchten. Die Parabel, welche religiöse Duldsamkrit lehren sollte, ist in seiner Hatld zur Brandfackel geworden, welche Haß und blutigen Kampf heraufbeschwört. Literaturbericht. Kritik einer Kritik. Es ist eine anerkannte Thatsache, daß, so oft jüd. Autoren etwas zum Talmud liefern, dies von einer gewissen Seite als partheiisch und ungehörig zurückgewiesen wird. Es ist dies, wenn auch gerade nicht verzeihlich, doch erklärlichz denn gewöhnlich sind die Herren von jener Seite derart von unlauter» Motiven befangen, daß sie durchaus nicht zu einer richtigen Vorstellung vom Talmud gelangen können. So übernimmt sie nun, sobald ihnen etwas' derartiges dargeboten wird, das drückende Bewußtsein eigener Unzulänglichkeit, verbunden mit dem althergebrachten Vorurtheil gegen Juden und Judenthum, und sie müssen sich dann in Erpectorutionen Lust machen. Aus diese Weise versucht es ein Ungenannter im ״Literar. Ccntvalblatt" vom 30. September meine Schrift ״Rabh, ein Lebensbild zur Gesch. d. Talmud, Leipzig 1871" zum Gegenstände seiner Eisenmengeriaden zu machen. Ter gelehrte Herr läßt uns selbstverständlich über seine schwachen Kenntnisse auf talmudischrm Gebiete keinen Augenblick-im Zweifel. Mit sichtsicher Verlegenheit berührt er einzelne Fragen, und ein Schlagwort, ei» ״höchst wahrscheinlich" und schließlich das etwas zweidrüsige Geständniß, dem Verfasser nicht, überall folgen zu können, ist alles, was er hier zu sagen'weiß. Um so unbefangener dagegen bewegt er sich da, wo es sich um Allgemeines״ über den Talmud überhaupt handelt; und hier macht er in der That seinem ebengenannten Vorgänger alle Ehre. Er führt sich zwar als ״nüchterner Beurtheiler" ein, verräth aber doch sofort, daß er mit schlechtem Appetit an die Sache gegangen; wie könnte ihm denn sonst auch alles, was vom Talmud herrührt, so ״abgeschmackt" Vorkommen? So fragt er zuvörderst etwas unwillig: ״welche Bedeutung, hat denn dieser Rabbi (Rabh) eigentlich im Judenthume, welche Verdienste sich erworben?" njcht als ob er eine Antwort erwartete; hätte er sich denn sonst, selbst bei seiner oberflächlsthrn Kenntniß des Talmud nicht sagen müssen, daß dieser Migerweise dieselbe Bedeutung im Jüdenthume haben!muß, die — 8i licet componere — ein Schöpfer christlicher Fundamentaldogmm im Christenthume hat, »und mindestens dieselben Verdiensch sich erworben, die ein Apologete des Christenthums beanspruchen kann? Doch vergessen wir nicht, daß dieser Rabbi ihm »ur Nebensache unh sein Hauptcoup vielmehr auf den Talmud selbst gerichtet ״ist, dessen ״Einseitigkeit, Beschränktheit und Verschrobrnheit" er nicht verschmerzen kann. Unter keiner Bedingung kan» er mit dem Verfasser die-Halachah als ״den Geistesschatz, einer inhaltreichen Vergangenheit" gelten lassen. Ja ״hätre der Verfasser" so schließt er aufs Höchste entrüstet, ״einen richtigen Begriff von ״״den Geistesschätzen einer inhaltreichen Vergangenheit""',' d. h. von den großartigen Ideen der jüdischen Propheten, im Gegentheil zu der beschränkten und verschrobenen Auffassung, wie sichdas Gesetz Moses durch die einseisige traditionelle Behändklng gestaltet hat, er würde vielleicht Babylonien und seine Schulen glücklich preisen, wenn sie nichts von den Gcistesschätzcn, die Rabh ihnen zugeführt, erfahren hätten." In seiner sittlichen Erregtheit ist dem guten Manne'rhatsächlich alle Logik abhanden gekommen. Rabh war der Begründer babylonischer Cultur, und doch möchte er Babylonien und seine Schulen glücklich preisen, wmn Rabh sie unbehelligt gelassen! Sie sehen also, gelehrter Herr, wohin solch religiöser Eifer führen kann. Wie mag cs nun׳ erst mit Ihrem Begriff von den großartige» Ideen der -jüd. Propheten stehen. Aber belehren Sie uns allen Ernstes, wori!r nur der Abfall des Talmud von diesen großartigen Ideen, worin die einseitige Behandlung der Lehre Moses besteht! Gewiß darin, daß der Talmud das Gesetz, das ja auch der Prophetismus I niemals ausgegeben, beibehalten' und es bis zur äußersten Constqücnz entwickelt ulid bestimmt hat, weil er in der Anerkennüng des Sittlichen allein nicht , die volle Bürgschaft für dessen Verwirklichung im Leben des Einzelnen finden konnte, und er einsah, daß das Ideelle, jeder concretcn Gestaltung bar, in senlimentale Ueberspannung ausarten müsse. Oder halten Sie das für Beschränktheit und Verschrobenheit, daß der Talmud die Lehre vom! einzigen, unveränderlichen und unkörpcrlichen Gott, den der Prophet stets siegreich über das Heidenthum dargestellt, rein und unvarfälscht, in ihrer erhabenen Unmittelbarkeit erhalten hat? Oder sollte das die Einseitigkeit und. Beschränktheit der Tradition sein; daß diese die erhabene Messiasidce des Propheten nicht um einest phantastischen Wunderglauben hingab und die Wiederkehr der iNationaleinheit von einer natürlichen Läuterung und indiordueilen Reinigung des Geistes und Herzens und nicht von einer unnatürlichen und unbegreiflichen Erlösung bedingt sah? Sie begreifen hoffentlich nun — vorausgesetzt, daß Vorurtljeil und Verblepdung sich Ihres Geistes noch nicht ganz bemä htigt — daß, wenn wir schon einmal von Beschränktheit und schrobenheit reden wollen, solche auf Seite des Talmud am all! rwenigsten zu finden ist, und daß Ihre Erpectorationcn wenig danach angethan sind, uns sonderlichen Respect vor Ihrer Urlsfähigkeit und noch weniger vor Ihrer frommen Denkungseinzuflößcn. Or. M. I. Mühlfelder. the art Unter der Ueberschritt: ״un penple sauve pur 1111 Uv re." druckt die Rev. Jsr. eine kleine Abhandlung ab, welche weniger durch ihren Ir halt bcmerkcnswerth ist, als durch ihren Verfasser und den her- »«!tagenden Platz, an dem sie zuerst erschienen ist. Mr. Duruy, M nister des Unterrichts unter dem Kaiserreich, spricht im Moniteur zu Gunsten des obligatorischen Unterrichts und beruft sich auf das leuchtende Vorbild der Juden, welche durch Lehren Und Lernen ge ret et, erhalten worden seit». Die Einleitung schildert den Untergang Je msalems und läßt in geistvollen und sehr durchsichtigen, wenn auch nicht eben thatsächlich zutreffenden Zügen die Parallele mit den jüngsten Schicksalen der Hauptstadt Frankreichs erkennen. Der Ideengang ist nun weiter folgender: Das ganze Volk schien verloren, einzelne versprengte Reste blkeben übrig, sie' brüteten Rache, Legenden des Hasses (die Sage von Titus und der Mücke wird erzählt) ״aber nicht durch Rache stellt man ein Volk wieder her, »man muß in ihm die Gefühle und Erinnerungen wecken, welche den Patriotismus bilden. Einige Männer ergriffen die heilige Aufgabe, das moralische Vaterland des höbräischen Volkes wieder herzustellen." Weiter wird die Gründung der Schulen erzählt nnd dann speziell die Geschichte R. Akiba's und seiner Gattin, der Tochter des reichen Kalba-Schebua. Sv ist das Volk gerettet worden ״Das Volk der Einheit, welches immer nur einen einzigen Gott gewollt hat) hat nur ein einziges Buch gebraucht, um nicht unterzugehen. Dieses Volk glich dem Schilftohr, wenn die Welt es niedertrar, hielt es sich für größer als die Welt, ׳. und es chatte Recht, dies zu glauben, weil es am Ende die Welt bez siegt und ihr seinen Glauben aufgenöthigt hat. Auch die Fragen, welche uns bewegen, sind im Grunde die Fragen des Unterrichts. Äöchten alle Bräute Frankreichs, wie das junge Mädchen der Mischna (die Frau R. Akiba's) sagen: geh erst und suche Kenntniß, geh, stelle das Vaterland wieder her!" Notiz. Die.Nr. 10 des ״Ausland" bringt den (in vor. ij Nr. der ״lit. Beil.") besprochenen Aufsatz Petermann's über w Ophir. Den Einwendungen. Kieperts, daß durch Prof. Lassen j die Ophirfrage längst zn Gunsten Indiens gelöst sei, stellt die I Red. die Ansicht des gelehrten Kenners Indiens, Herrn Crawftird, entgegen, der in seinem ״descriptive dictionary of the Indian Islands" mit vielem Scharfsinn alle auf diese Frage Bezug nehmenden Hypothesen geprüft und dargethan habe, daß ׳kein Schein . einer Möglichkeit vorhanden sei, Ophir in, irgend einem Thest ׳' Indiens zu verlegen. Murchison. war ebenfalls wie׳ Peiermann ״ der Ansicht, daß das salamonische Ophir an der Südostküste Afrika's zu suchen sei. — r. Druck und Verlag der Hof-Luchdrucker« von Carl Friese in Magdeburg.

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