Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1872-01-31 · N° 3. (31.1.1872) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N° 3. (31.1.1872)
Date
1872-01-31
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/5367336-6488222-8751387--0124-4853747
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

er» und die Zeit e Mitarbeiter gezeigt, daß worden find, Stellung einfeine Ideen für s, ,wärmerisch wurden Theoretike - gsHnnt, diese Theorien um! Ähren praktisch durchgl und daß die I»tde 1 in England gegenwärtig nehmen, welche vp» denjenigen, di« sich alte ^)Zrit erinnern, kaum für denkbar gehalten wurde.!Wir finden sie in England, Indien, Perstm und manchen andern (sie!) britischen Colonien trefflich unter der britischen Flaggedienen. Man *darf w »hl fragen: was! haben di, Juden gethan, um «ine so erfreu! che Veränderung berbeijüfüh ren? Sie haben auf jede ArtSrzithnng befördert uich, vor Allem, sie haben sich selbst und ihre Resigipn geachtet*) mit den Worten Jon»'S: ,ich bin ein! Hebräer und fürchte den Gott de- Himmels." ' Bon diesen E!fühlen bewegt, haben sie zu jeder Zeit ihre Treue gegen den Gott Israels und ihre Loyalität gegen den Staat dargethan. Ihre gegenwärtige stolze Stellung wird zusammengefaßt in der Darlegung des ״Jew. Chronicle" vom 10. November v. I, wonach unter de!» Mitgliedern der Central- Synagoge in London sich befiüden: fünf Parlamentsmitglieder, sechs Barone, zwei Baronets, ein Knight, zwei Aldermen, ein Mitglied der königL Akademie und der neue Svlicitor-General; und der.Gottesdienst in dieser Synägoge ist der nämliche, der in alter Zeit stattgefunden hat; man trägt kein Verlangen ihn mit dem sogenannten Zeitgeist in Übereinstimmung zu bringen, sondern er bewahrt seinen bestimmten Charakters, ״ein besonderes System des Gottesdienstes für ein religiöses besonderes Volk." (Weiter I spricht der Arttkel über das, was die englischen Juden für Erziehung und Unterricht gethan haben: wir übergehen dies,!weil wir in der Beziehung von den Engländern nichts zu lernen brauchen.) London. Mr. Spurgeon, der berühmte Baptisten- Prediger, äußerte sich in einer, am 24. December v. Js. in seiner Kirche gehaltenen Rede in folgender anerkennender, wenn auch englisch derber Weise über die Juden: ״Lasset uns ein Wort für die Juden sprechen. Wie lange und wie sündhaft h lt die christliche Kirche die achtungswertheste unter allen Nationen verachtet! Wie barbarisch ist Israel durch die sogenannte Kircht behandelt worden! Voll Unwillen loderte die Seele in mir aus!, als ich in Rom stand im Judenquartier und die grausamen Unbilden hörte, welche das! Papstthum bis auf die jüngste Zeit!auf die Juden gehäuft hat. Bis zu dieser Stunde steht dort im Judenquartier eine Kirche, beim Ein-!gange in dieselbe erbaut; in diese Kirche wurden die Unglück- Ilichen Juden bei verschiedenen Gelegenheiten Mit Gewalt hin-!«ingetriebrn. Sie wurden in diese Kirche getrieben, um dort beizutragen — merkt! Euch! als Diener des unsichtbaren Gottes! beizittragen zur Erhaltung^ eines Systems, daß durch Götzendienst befleckt ist. Rn der Thüre dieser Kirche stehn in ihrer eigenen Sprache, ber: hebräischen, die Worte geschrieben: ״Den ganzen Tag über habe ich meine Hände ausgestreckt gegen ein! ungehorsames und widerspenstiges Geschlecht."! Wie konnten sie durch ähnliche Insulten nur hoffen, die Juisin zu bekehren?!Der Jude sah überall Bilder, welche seine Seele verabscheut, ^und er wendete sich von dem Namen Christus lab, weil er ihn mt Abgötterei in Verbindung bringt; und ich wundere mich acht, daß er es t^ut. Ich preise den Juden, daß er den *) Wir erlauben uni an unsere Leitartikel ״die Zurücksetzung des I Judenthum, tn Deutschland und ihre Ursachen" in No. 12—13, 17—18 der Wochenschrift 1871 zu erinnern!! eigenen, einfachen Gottesglauben nicht anfgab und den Dienst des wahren Gottes." Was der Baptiften-Priester über bfc8: Thema noch weiter predigte, ist ein so heftiger Angriff «ms das Papstthum, daß wir Anstand nehmen, eS zu reprodeqirvch wir wir auch oben die stärksten Ausdrücke weggrlafsen Haien. Als Kuriosums sei noch*erwähnt, daß das englische Blatt ״Freemason" m einer seiner jüngsten Nummern allen Ernstes den Nachweis versucht, die Anglo-Sachsen seien — jüdischen Ursprungs. Phönizier und Juden wären, noch vor de« Kake des israelitischen Reiches., gemeinsam bis nach England aus- -»gewandert; später seien auch versprengte Reste der inS Epik' geführten 10 Stämme dahin gelangt - 1 iLiteraturbericht. /' Hrätz, Prof. vr. H. Schir Ha-Schkrim oder das Ealamonische Hohelied übersetzt und kritisch erläutert rc. 2t ' (Schluß von Nr. 1.) ״Ist vom streng - rönservative» Vtan^nmktr au« ei« frei« kritisch, Behandlung der biblischen Bücher möglich? Ist der jüdische Krititrr in dieser Beziehung durch irgend ^ein Dogma »der an irgend! einen Kaum, gebunden?"») Wir könnten zur Beantwortung dieser Sardinalsragr auf die Bibel selbst, die ja am meiste» davon berührt ■iS, Hinweisen, uud die an unzähligen Stellen die unbefangene Srsdrschuug und Ergründuug ihre« Inhalt« fordert, allein wir müsse» auf diesen wichtigen Zeuge» »erzichten, weil die Bibel — wie die Singt sich einmal entwÄtlt habe» —;. die erste, aber eben darum nicht die letzte Instanz in dieser Frage ist, die »am talmud.-rabbinischen Standpunkt au, untersucht und beantwortet «erden muß. Wer den Geist de« Talmudiimu, nur einigermaßen richtig erfaßt hat, ja wer auch nur einen Traktat gründlich'studirt hat, dem muß d klar geworden fein, daß in dem so ziemlich alle Wiffmrgebiet« imifasseade» oder doch berührenden Talmud, der Geist der Forschung und S«grü»d»»g, de, Suchen, und Streben, nach Wissen und Erienntniß —»ie schom die Bezeichnungen ״Midrasch, Talmud" besagen -—waltet und dart» zu ein« solchen Entfaltung kommt, daß man oft über hie Kühnheit und de» FvW muth staunen muß, mit welchen hier Fragen, Zweifel, Hypothesen u. dgl. ausgestellt und gelöst 'werden, daß man selbst auf sogenannt» ״freie" Aeußerunge» über Gegenstände, die man jetzt alt dogmatisch« zu betrachte» sich gewöhnt hat, höchstens ein mitleidiger ״Gott veqeih't ihm!" kri» verketzernd«, ״Anathema sit!‘• hatte. Daß dieselbe Freiheit auch^aus dem Gebiete der speciellen Schriftforschung zu finden war, ist hiernach, wen» mau noch erwägt, daß der Talmud im gewisse» Sinne nicht, weitrr «l, ein weitschichtiger auf Erforschung der Schrift gerichteter Bibelcommentar ist, selbstverständlich. An eins« Bormdsetzung jedoch war diese Forschung allerding« gebunden, und diese war der sspäter vom Philosophen Alb» zum zweiten Fundamentalsatz erhoben«) ״Glaub«.«, di« Göttlichkeitder der Thora", d. h. des Pentateuchs. Wer -diese in Abrede stellt«, galt al, *״ כופרLLugner״.״) j - Wa, die prophetischen Bücher anlangt, so galt der nur «!•אפיקורוס der jegliche Prophetie läugnete;»—) gagegen war in. Bezug auf di« AbsassmigSzcit der einzelnen Bücher die vollste Meinungsfreiheit. In Betreff der Hagiographen, über ihre Verfasser und die Zeit ihrer Abfassung, herrschte vollend, der freiest« Spielraum. E, sei hier, beispielsweise nur der Berschiehenheit der im Talmud aufgestellten Ansichten über Hiob gedacht. Nach einer Ansicht soll Mose da, Buch verfaßt haben, «ach einer anbei» soll die Abfassung erst jn die nacherilisch« Zeit fallen איוב מעולי נולה היד, oder בימי אחשורוש היה (Lada batra 15a.). Fiel«» nun Jemand ein, die Vertteter dieser Ansichten als ״ÄibellLugner, Sectirrr'^ und dergl. hinzustellen, oder auch nur ihr« NechtglLubigkeit in Zweitel zu ziehe»? Von dieser. Forschungsfreiheit haben denn auch die Bibelcommrutatoren jeder Zeit! den au^edehntestm Gebrauch gemacht. El hat darum selbst vom dogmatischen Standpunkte au, für un» nicht, Verfä wenn Herr Prof. Grätz da, Hohelied in die nacherilisch« (griechisch *) Die Scheidung die Geiger zwsschen dem ״Schriftsteller u. Nabbiuer" (Zeisschrist s. jüd. Theol. 4. B. 320 s. u. ff.) mach» will, könnm wir nicht acceptiren; sie führt zur Heuchelei. . l-=— **) Fr. Synhedrin 99b. Mdimon (Hilch. Teschuba 3, 1). Wen» Maim. (10.) noch hinzugefügt הכופר בפירושה והוא תשבע״ם ryi so bezieht sich da,, wie au, der anaef. Talmud stelle uno NaM (»dul. 8. V.חוץ מדקדוק זה) hervorgeht, ofsenbar nur aufhalachische Punkte. -*) a». האומר שאין שם נבואה כלל :• __ ־״

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.