Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 1 (1872)
- Issue
- N° 3. (31.1.1872)
- Date
- 1872-01-31
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Li»e sprachliche jßratrkuHg. Zntereffant ist die Wahrnehmung, wie in der Sprachdie Grundbegriffe (Kategorie») in einander übergehen. Ssffalljmd zeigt fich diese Erscheinung im. neuhebräischen und schen Idiom. Wir wollen hierfür einige Beispiele geben: ינר entsprechend dem hebräischen עצם. wird wie dieses Bezeichnung: Wesen (Substanz) verwendet, wie z. B. in MN לנרםיה. aber dasselbe Wort wird auch für ״Ursache" 1t, wie z. B.,׳נרימא כנזיקץ׳,מצוד, שמק נרפא und m. wi» lateinisch causa ״Sache" und ״Ursache". ׳ Ort, für ״Gott" gebraucht wird, ist bekannt, aber ״Ursache wird es gefaßkin dem Satze פה פק1ם לו (Berachot 4, 2), wie das lateinische locus ״Ort"' bildunj Suffall tds׳ für die רעביד gebramst חך. גודם Daß auch 1^פלהזו ׳מקום all יי«*זליימי־ omßte ימם aufhören, die Juden fo - ®«fort nicht aufgehoben, fie konnten ei nur in den Fällen, der ^2' bereit» beweibt war, nicht mehr erfüllen; e» ging al o nicht an; während es eitel Thorhcit ist,- für den Wegfall de ם*!חליצה einen Grund in von Gott hrrbeigeführten Verhä ltniffen suche» zu wollen. Die Neuzett führte ebenso -um Wtzfall der jüdischen IuriSdittion in Civll - Prozeßsachen, ha fast den ganz« השן משפט ebenso außer Kraft gesetzt, wi! die Opfergefrtze «. dergl. nur noch theoretisch gelernt weiden. Der Staat will (und kann) ein besonderes Rechtspr ichen durch jüdische Rechtsgelehrte nach den Normen des ה-in דין nicht mehr dulden (abgeseheu natürlich vom etwa na< sgefuchtrm Schiedsrichterspruch«). So hat es aufgehört, den!, ^»ir find, waS auch über Rechtsuchen בפני ערכאות ש"נ gesl igt ist, nicht im mindesten verpflichtet, Gut und Blut dafür einzusetzen. Diese Beispiele genügen. . Wir erkenne!; an ihnen, daß ' fich allerdings sehr bÄeutende Reform« im Judenthum volli zog« a haben, aber nicht so, daß .Juden fich erdreistet hätten, ein titelchen des Thoragesetzes aufzuheben, sondern dadurch,! daß der göttlich« Gesetzgeber selbst die Umstände herbeigeführt i hat, welch« jene Aufhebung nach den Normen des Gesetzes j sckbf «Ü fich gebracht haben. Wenn daher M. Mendelssohn, wie bekannt, den Canon aufgestellt hat, daß da» von Gott gegel eue Gesetz nur durch einen von Gott selbst ausgehenden Act virder aufgehoben werden könne, so ist dies vollkommen rtthti!, man hat es nur mißverstanden (oder Mendelssohn selbst 1 mag in dies« Jrrthum verfallen sein), wenn man geglaubt shat, es wüssr eine neue Offeubarung durch Propheten oder Zeich» und Wunder stattfinden. . Nein, die durch Gott geleitet» Geschichte der Mrnschheü und die mtt ihr zusammen- Und «n ihr abhäugend« Geschuhte Israels hat Veränderungen, Refor ueu des Thoragesetzes herbeigeführt, und so steht die Ber« jtigung derselbe» außer allem Zweifel, führt aber nicht im m ndesten dahin, daß wir ein Recht hätten, nach unser« Guts nden, nach unsrer Ansicht über Zeitgeist und dessen' Erfori «rniffe, Reformm am Gottesgesetze vorzunehmen.!8»rkönnm es nun.wohl unfern Lesern überlassen selbst zu prüfen, oder vielmehr'sich davon zu überzeugen, wie das von 8 ott Herbeigeführte auch stets zu Fortschritten, zum Wegfall v n wirklich nicht mehr Zettgemäßen geführt hat. Einen Uebert eter des Sabbathgesrtzes an Leib und Leben zu strafen, würde z. B. gewiß nicht mehr zeitgemäß sein, aber wir Juden haben das Betreffende nicht abrogirt, ״Gott in der Geschichte" hä^ rS gethan. ־ ך - ■״" ▼״ N. ־•t 1 *fangטבעי(•״« Natur, Wesen, wird qualitativ auf- I ״ 1םכעו-^ייwas ist seine Natur?" wie natura tt". — Am deutlichsten»zeigt sich der Zusa. «ten Begriffe in den Partikeln und Conjunc.. " ist nichts anderes, als ״ פשםaus dem N» Sache" folgend; vom Stamme ״ סיןfestst«. d die temporelle Conjunction כיון (vergl. i׳t 'mudsschen causa! כיון, ferner das vsrbuw rbsichtigen", gebildet. In gleicher ״זי״יי .*׳ erklären. Es kommt von ״ אול—יאלfest, stark sein" bedeutet, also eS-^ , j, wird aber in weiterer Bildung auf d»>. causale Derhältniß übertragen, ״ פן אולאvon An,^...^!״ פvorne" und ״ ׳הואילwährend" und ״weil", entsprechend dem lateinischen quum; wie auch das deutsche ״weil" von ״weilen" kommt und im Altdeutschen (süddeutschs-provinziell noch jetzt) als temporelle Conjunction gebrascht wird. Mau wird bei diesem sichtbarem Zusammenhang der Grundbegriffe an Lpiuora und die Jdentitätsphilosophen erinnert, aber schon Aristoteles sagt (Metaphysik cap. 3 von den Principien): ״Es giebt aber vier Arten von Ursachen; die erste nennen wir das Sein und das Wesen, denn das Warum wird zuletzt auf den Begriff der Sache zurückgeführt"... und (Physik, Buch IL cap. 7[.) 'Epyßxca Sk tä tpte itc ■tö §v roXX&uc ״Die drei Principien weichen zumeist auf eine zurückgeführt, denn das Wesen und Warum ist Eins. Der Anfang der Bewegung aber stimmt mit dem Wesen überein." öl. F. I Z.1. Journal-Revue. Pie I«de« in Kngtand. Die Ernennung des Herrn Jessel zum Solicitor-General, also zu einem Mitgliede des englischen Ministeriums, veranlaßt das in N.-Aork erscheinende Blatt ״Jew. Messenger" zu folgender Betrachtung: ״das Ereigniß, ist ein so starker Beweis für die Liberalität der englischen Regierung, daß wir uns bewogen fühlen zu untersuchen, woher unfl seit wann diese Veränderung in den Maßregeln der englischen Staatslenker ihren Ursprung genommen habe, und wtt kommen zu dem Schlüsse, daß sie sich von deoi Zeitpunkte herschreibt, als der verstorbene Goldsmit (Sir Isaak Lyon), den Kampf für die Sache der Juden aufnahm.**) Dieser Mann wußte, daß er, obwohl Jude, zugleich Engländer sei, und daß seine Religion ihn durchaus nicht hindere, an allem, was die Wohlfahrt seines Geburtslandes betreffe, theilzunehmen. Wir erinnern uns genau seiner ersten Besprechung mit Lord Brougham und andern über die Emanzipation seiner Glaubrnsgeuosten, in der er in beredter Weise und mit den triftigsten Gründen darlegte, daß das seinem Stamme zugefügte Unrecht ein Flecken an dem englischen Wapprnschildr sei. Wir erinnern uns auch, wie er für einen Plan besserer Erziehung der armen Israeliten einttat und die Nothwendigkeit darlegte, das Heranwachsende Geschlecht so vorzubereiten, daß es dm Anforderungen der Zukunft entsprechen könne. In jener Zeit — es sind etwa 40 Jahr seitdem verflossen — wurden *) Sollte das Wort פקום in der fraglichen Mischna nicht einfach mit ״Raum" zu übersetze» sein? ״welcher Raum ist für diese« Gebot? d. h. welche Berechtigung, welche Stellung hat es?" (Red.) —) Koldsmidt schrick seine Abhandlung an viril disabilities of fhe Jew8 im Jahre 1830.