Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 1 (1872)
- Issue
- N° 1. (3.1.1872)
- Date
- 1872-01-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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bedienen pflegen um ״bol Glück zu verbessernd und reich zu werben. Als eines derselben bezeichnet er die Heirath mit Jüdinnen. Die Stelle: lautet: ״die Jüdin ist eine fast un- «rschöpfliche Ressource, und ihre Einführung in die sogenannte große Welt stößt heute nicht niehr auf die Schwierigkeiten und Bedenken, die noch vor dreißig Jahren bei einem solchen Er- «igniß sich erhoben. Es war damals eben no!ch ein Ereigniß, während gegenwärtig die Verbindung geldbe^ürftiger Edelleute nnd geldbesitzender Jüdinnen ein von der Natur (d. h. wohl nach Darwin'scher Auffassung) gefordertes Verfahren zu sein scheint. Zu wessen Bestem derartige Verträge, die oft!zugleich Friedensschlüsse und Kriegserklärt »gen sind, ausschlagen, kann nur ein Blick hinter die Coulisser verrathen .... Pie Frage ist auch ziemlich gleichgültig, bou warum soll die Frau, die der Befriedigung der Eitelkeit rachgeht, ein lebhafteres Interesse ansprechen dürfen als der Mann, der die Heirath als Mittel, seine leere Börse zu fülle 1, benutzt? Der sittliche Werth Beider steht auf derselben Stuf!. Freilich sollte <in Vorgang, wie die Ehe des Majors v. £., der die Tochter eines! berühmten Musters von jüdischer!lbkunft (Meyerbeer's?) geheirathet hat, ein vernünftiges Mi dchen von der Nachfolge einer solchen Verbindung abschrecken. Es ist 'bekannt, haß er feine Frau mit sehr feinem Witze fein ״Portemonnaies nennt und dies auch den Kindern beigeb acht hat, die, wenn der Wagen zur Spazierfahrt gemeldet wird, den Vater fragen,: ״Kommt auch das Portemonnaie mit?'7 (diese bodenlose Gemeinheit stellt doch wohl diesmal den Mann unermeßlich tiefer als die Frau!) — Aber der bunte Krag :n und ־bie Aussicht, die Hofbälle besuchen zu dürfen, scheinet: Lockungen zu sein; denen die Herzen der Töchter Israel nicht zu widerstehen verinögen77. Es wäre uns sehr , lieb, wenn wir auch hier die Be- Hauptungen des ״Wissenden77 einfach abwelsen könnten; das geht jedoch nicht an; die Sache ist richtig! Aber was den Schlußsatz betrifft, so!paßt er doch nur agf solche Mädchen, die nur dem Namen nach ״Jüdinnen77 sintf, auf die Töchter reicher Juden, denen ihr Judenthum längst nichts mehr gilt. Giebt es auch Beispiele, daß ein im jüdischen Glauben erzogenes Mädchen, eine Tochter religiöser Juden, sich und ihre Ehre und ihre Religion um einen ״Kragsn und einen Hofball77 verkauft hat?! schwerlich; und das ist die Seite der Sache, die uns und unseren Lesern von Wichtigkeit ist! ״Revue iara&ite“ theilt aus einem! eben erschienenen Werke von E. Renait ״R6fonne intellectuelle“ folgende hübsche Stelle mit: ׳! Die Synagoge z»! Prag besitzt eine atze Legende, welche mir immer als ein frappantes Sinnbild vorgekommen ist. Ein Kabbalist des 16. Jahrhunderts hatte eine!vollkommene menschenähnliche Statur gtzuacht; (den bekannten ״Golem77 des ״hohenR. Löb7^) iitdem er ihr den unaussprechlichen Namen Gottes unter die Zunge, (in den Kopf) legst, verlieh er dem Menschenbilde sogar Vernunft, aber eine dünkte, unvollkommene, welche immer der Leitung bedurfte. So betfutzte, er die Figur als Diener zu häuslichen-Verrichtungen. A»n Sonnabend entnahm er ihr den wunderbaren Talisman, damit sie die heilige Ruhe beobachte. Einst hatte-er nun diese nothwendige Vorstchtsmaßregel vergessen^ Während man Gottesdienst hielt, hörte man im Ghetto e nen entsetzlichen Lärm; es war der Thon-Mensch, der alle( zerschlug und zerbrach. Man eilt herbei und bändigt ihn. Von dq an naHm man ihm für immer dtts Tetagtam«, uitb legte ihn tarier Schloß auf 8׳» Speicher der Synagoge, wo er noch zu sehe» ist. Ach, indem wir dem unförmlichen Wese», welcher. baS innere Licht nicht erleuchtet, einige Worte der Vernunft stammeln lehrten, glaubten!> wir einen Menschen aus ihm gemacht zn haben! An dem Tag«, da wir sie sich selbst überkaffen habe», ist die brutale Maschine in Unordnung gerachen und hat Unheil angerichtet; ich fürchte, wir muffen sie auf Jahrhunderte bei Seite! legen!77 Ja, setzt die Revue hinzu; sie hatten a«ch einen Scjiem unter der Zunge, von dem sie -Nichts verstaut^ die Ungeheuer der Commune. ׳ j ' Lnriosu«. L Die Manier einzelner jüdischer Zeitschriften, ihre Correspondenzen und' Abhandlungen, in dem mit Möglichst viel hebräischen oder chaldäischen Worten und Sätzen untermischte» ״Aeeoa-Vreevs-Stil" -zu schreiben, führt die gelahrte Unwkss»- heit zuweilen aufs Eis. -So schloß ein dieser Tage erschietstner ׳!Nekrolog über den Oberr. I. Ettlinger Mit den Worte»!: המקום ימלא הסרוננו♦ ,Der Redakteur hat die Phttffe Jassiren (affen. Sie soll aber nach dem Talmud (Berach. 16,j b.) nur in Beziehung auf pecuniäre Verluste (Vieh u. dergl.)!angewendet werden״ und diese Regel ist vollkommen vernünftige denn pecstniärer Schaden kann ersetzt werden^ aber ein großer Mann, ja jeder theurre Entschlafene ist unersetzlich. Es liegt also in jener Phrhsc,,dje gelehrt und^israelittsch77 auSft^usÄl, eine schthählichste Beleidigung. i Recenfionen. Kotzüt» Dil Ater. Kritische Beleuchtung der persische» Pentateuchübersetzung des Jakob b. Joseph Tavus, unter stetiger Rücksichtsnahme auf die ältesten Bibelversionen. Ei« Beitrag zur Geschichte der Bibelexegese. Leipzig und Heidüberg. Winter. 1871. (370 S-). Tavus, dessen Ptntateuchübersetzung das,Object dies« 370 Heile« staiken, sehr gelehrtes Abhandlung ist, ist ein Zeitgenosse R: Joseph Aarv's, lebte also ij» sechszehnten Jahrhundert. Verdient nun eine sa junge Peutateuchversion eine so!ausführliche Besprechung? und wozu di« Rücksicht«- nähme aus die ältesten Bibelverfionen bei einer so spätgeborenen? .,Dies« Fragen werden um so dringende?, wenn wir erfahren, daß Tavus zum allergrößten Theil von Vnkelo«) Saadia», Raschi und Jb» «fr, abhängig ist. Ter Verfasser sagt (wir hätten bald gesagt ״fingt") zwar: ״Ja pon dies Ruhmes Aureole, die durch so viele Jahrhunderte dir llebersetzung des OnkeloS umstrahlte, muß schon aus dem Grunde ein Schimmer aus die Übersetzung des Tavus fallen, weil sich diese auf Schritt und Tritt von der ersten beeinflussen ließ." Aber «enn e» uns gestattet ist, den poettschen Schmelz von dieser Redeblume abzustreisen, so bedeutet dieser Satz nichts anderes, als: der Ruhm des Plagiator« wächst mit der Größe des Plagiats »nd des plagiirlen Autors — und da» läßt sich im Ernste doch wohl nicht! festhalten. (Bon einem Plagiat kann aber bei einer Uebersetzung doch keine Red« sein! Red). Gfletzt «S schrieb« Zemans über eine jüdisch-deutsche stebersetzung.der fünf Bücher Mojes ungefähr vierhundert Seilen großes Format und vergliche eine solch« Verfion mit Septuaginta, Peschito, Samaritaner, Aquila u. s. w., die der llebetsetzer nicht dem tstamen nach gekannt, würde eine solche Arbeit nicht den Scherz mehr ^ls die Kritik all« Bibelkundigen herausfordern? Dem Berfasser sind diese Bedenke» nicht entgangen, alür sie find ihm, wie es scheint;, erst nachdem sein Buch fertig ^war, eingesallen. Er erörtert sie ausführlich in einer. Nicht ohne Geist und poettschen Anflug geschriebenen Borred«; nur geht es ihm,"wie manchen andern Bibelforschern, die Frag« sinhgescheidter wie die Antworten, Tsic Frage: wozu 370 Seiten über Tavus? \ X