Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- 44 (25.11.1921)
- Date
- 1921-11-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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m WWWMW % Kr. 44. Kol- 2. Itdilch« SoUljritiuig 26. SeDmkt 1921. Der neueste Apostel der Assimilation. Bor einiger Zeit weilte der bekannte Obcrrabbiner der London« sephordischen Gemeinde. Dr. Gaster. in Breslau und benutzte diese Gelegenheit, um sich auch hier aus» schärfste gegen die zionistische Organisation auszusprechen, in der er einmal — vor noch gar nicht langer Zeit — einer der Führ« g'wesen ist. und der Führer immer hatte sei» »ollen, was allerding» ein vergebliche» Bemüh en war Da» Gleiche hat er zuvor in Rumänien getan, und die» hat den Üblen Eindruck, den sein ganzer Besuch in Rumänien, dem Lande, da» ihn einst schnöde vertrieb, hinterliest, nicht vermindert. Die rumänischen Juden empfingen ihn. al» er nach Rumänien kam. mit großen Ehreu. Glaubten sie doch, er komme al» Vorkämpfer ihnrr Rechte. Er hat sie bitter getäuscht und sie haben aaf dieser ihrer Enttäuschung kein Hehl gemacht. Jetzt deuützt der Ehacham Londoner D-rsammlung»tribün,n. v» gegen die nationalen Bestrebungen der rumänischen Juden Stellung zu nehmen, ihre Führer al» Schädlinge hinzustellen und ein Loblied auf die derzeitigen Ber- HÜtnisse in Rumänien zu fingen. Die» veranlaßte nun Herrn Morris Myer. der gleichfalls au» Rumänien stammt und auch heute noch rumänischer Staatsbürger ist. Dr. Gaster in Erinnerung zu rufen, dost er vor noch «och nicht langer Zeit mit der gleichen Wörme einen smur heutigen Stellungnahme entgegengesetzten Standpunkt »«fochten hat. Mr. Myer schreibt i» den .Bulletin»" : ,Dr. Gaster verurteilte e». daß die Juden Rumänien» für sich eigene Schulen und alle anderen Institutionen beanspruchen, welche einer nationalen Minderheit zustehen. Welch merkwürdige Wandlung haben d»e Ansichten Dr. Gaster» durchg-macht! E» war am Sonntag, den 4. Februar 1917, al» die Jüdische Dolkslrga zu Ehren ihre» neuen Präsidenten ein Bankett veranstallete. Dieser neue Präsident war Dr. Gaster. derselbe Dr- Gast«, der seinen Bericht üb« die Lage der Juden in Rumänien «stattete. Auf jenem Bankett sagte Dr Gaster: .Obgleich «ir die Arbeiten der Jüdischen Dolkslrga wohl» irfonit find. Hab« ich «ich ihr bi» heute nicht ang,schlossen, »eil ihr Programm nicht breit genug ist. <£» fehlt in ihm ein sehr »ichtiger Punkt: Die Schaffung eine» nationalen Heim» für di« Juden. Run hat die Vvlktkiga ihr Programm geändert und gerne schloß ich »ich ihr an.' Ferner führte Dr Gaster au»- .Die »tf«n die Juden die Möglichkeit haben, vor der Friedenskonferenz mit Forderungen aufzutteten. wen, st« fich nicht al» Ration bekennen wollen? Denn 100000 Montenegriner 4*. £4 k*« *rwmrF*o baden. al» Ration getrachtet zu «erden, dann haben die drei Millionen Juden Polen» Heichfall» va» Recht, al» Rationalität angesehen zu »erden, und dasselbe gilt auch für die Juden anderer Länder." Da» sagte Dr. Gaffir am 4. Februar 1917 in einer Rede, in welcher er gleichzeitig die Jewish Board of Deputi» und die Anglo Jewish Association wegen ihrer assimilatorischen Politik und weil fie sich mit der Forderung der Gleichberechtigung begnügen, angriff. Run Hot derselbe Dr. Gaster die assimilatorische Politik von Anfang bi» zu Ende fich zu eigen gemacht und regt sich darüber aus. daß die Juden Rumänien» Palästina als .unser Land" onffaffen und einige Schulen und all die übrigen Rechte einer nationalen Minderheit für fich in Anspruch nehmen. Ich Hab« nicht i« geringsten die Absicht, gegen Rumänien »der die gegenwärtige rumänische Rißirrvag auch nur ein böse» Bort zu sagen. Ich anerkenn» ebenso, daß die gegenwärtige rumänisch«- Regierung unvergleichlich befi« ist al» ihre Vorgänger, der Standpuntt jedoch, den Dr. Gaster einnimwt und den einige derzeit offizielle Persönlichkeiten in Rumänien teilen, ist durchaus falsch und schädlich, nicht nur für die rumänischen Juden, sondern für Rumänien selbst. D« nationale Standpunkt der großen Mehrheit der Juden in Rumänien und der Mehrheit der Juden in der ganzen Welt ist heute eine erledigte Socke. Er wurde durch die Balsour Deklaration und durch die Entscheidung von San Remo und zum Teile auch durch die Klauseln .über die Minderheitsrechte in den mit Rumänien. Polen und den übrigen mitteleuropäischen Staaten abgeschlossenen Friedensoerträgen auch international anerkannt. Diese Tatsache kann durch Worte, selbst durch Worte de» Chacham Tr. Gaster. nicht au» der Welt geschafft werden Er macht sich nur lüch«lich. wenn er die» versucht'. Er weiß e» auch selbst, daß seine Aeußerungen in Rumänien unter den Juden des Lande» einen Proteststurm entfeflelt haben Für Rumänien selbst ist der von Dr. Gaster eingenommene Standpunkt von großem Nachteil weil, wenn die rumänischen Juden nicht ai* eine besondere nationale Minderheit angesehen und behandelt werden, große Masten der Juden in Siebenbürgen, Mannaros und der Bukowina fich der ungarischen oder deutschen Minderheit schon alldem Grund« anschließen würden, weil sie deren Sprache beherrschen. Der rumänische Minister des Aeußeren Take Jonescu begreift die» vollkommen und hat sich vor neckt langer Zeit in diesem Sinne geäußert. Tokior Gaster sollte also sich nicht gegen die Forderungen der großen Mehrheit der Juden in Rumänien stellen und ihnen die Erreichung ihrer Fordirungen erschweren. Er trägt die Verantwortung dafür, wenn der große Kampf, den er persönlich viele Jahre hindurch für den Zionismus und für die nationalen Rechte der Juden geführt hat. hinsichtlich der rumänischen Juden vergeblich bleibt ' «ach Forderungen der Gegenwart anznpaff« geeignet sei. Die in Gilb« nnb Baouze nullt hierbei ausgeschaltet werden. Di» Rot der Feit hat n letzten Jab«* sogar zu» Holze «griffen; doch haben di« hierbei verwendeten Formen wenig Anklavg gesunde»; auch ästhetisch scheint mir Holz zur Aufnahm« »ine« brennenden Gegenk stonde» nicht eiwandfrei Ander» da» g,sch»i»dete Esten. Dieses war in ollen schweren Zeiten der gegebene Ersatz für edlere Metalle: Über seine künstlerischen Vorzüge ist wohl kaum ein Wort anzufügen. Der Chanukaleuchter. von Prot Tr.-^N.1 Alsreb «pro-«k.Breslau. . 'i! opüischer U l sich vor- Nt selbst in .... aueder al« Das di Kreise te» ' r;aC*:uu *' nehmlich d *a>ei..t ter ui-'-;' religiös w ./t Schmuckstück de» et Der Unterzeichnete er in Nummer 1! West" Menornb« taf^ " -n. * sieller. .”h. ...?!:>».a en -- J- West ft: , ..rc " belehr . <*: ^.-öst-ic Jntert :n. ,. diesem ' „ :..*«nU4«n ivegenftond zcllt;. der ja. mit dem erhebendsten Moment der Geschichte Israel» zusammenhängend, eigentlich in keinem jüdischen Hause fehlrn sollte. Der Verfasser war bei seinen Entwürfen von der Ansicht ausgigangen. daß dieses kunstgewerbliche Motiv, das zu allen Zeiten von jüdischen Künstlern gerne verarbeitet worden war. sich auch Wandlungen >m Geschmack« und In der hrer beigegebenen Abbildung bringt der Unter» zeichnete einen neuen Entwurf') zur Schau, deffen Ausführung in der Kunstgewerbeschule Breslau «folgte. rn der Klaffe de» Herrn Donka. der al» einer tar anerkanntesten Meister der neuzeitigen Kunsttchmiedearbeit bekannt ist Nachstehend seien kurz die künstlerischen Erwägungen wiedergegebin. die mich bei den drei Entwürfen leiteten. Nummer l zeigt eine rein zweckliche Form, die mit dem Urbild der Menorah wenig gemein hat. Die acht Lichter sitzen aus ebensoviel lotrechten Stützen, die sich sckmiedetechnisch klar und absatzweise au» dem Mittelteil entwickeln. Don den drei Mustern ist dieses zweifellos dasjenige, das rein technisch künstlerisch die beste Lösung zeigt. Nummer 2 und 3 sind dem Urbild de» siebenarmigen Leuchter» näher stehend. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Leuchter mit diesem Urmotive d»e begehrtesten sind. Man will mit dem Anblick des Ehanukaleuchter» auch die Erinnerung an den siebenarmigen Leuchter verknüpsen. der neuerdings immer mehr al» Symbol de» Judentum» anerkannt wird. Hat doch selbst der achtarmige Leuchter, den das Kunstgewerbe der Vorkriegszeit in ungezählten Stücken in Mischen Familien verbreitete, dort Anhang gesunden. Und doch ist gerade die Umwandlung der Siebenform in eine Achtsorm eine derbe Vergewaltigung, da nicht mehr zwei mal drei, sondern zwei mal vier Arm« verwendet sind und die Betonung der Mitte, die ästhetisch unerläßlich ist fnr+FAnt Der hi»r Vien icr Miltellck^ft iJi Knau» i<^rauat- Nummer 3 löst die , Frage einer Anordnung von acht Lampen auf sieben Stützen. Der Mittelschast ist hier *) Zwei andere Muster tconea nachstehend nur kurz beschnrbrn werden, da bereu Dredergab« fich leider als vnwnlich Orte» Den «enrred der -euchrer bat di« Jüdische »u-ßneMrdestube der Frau Dr. Freodenthal. Brettau 13. Voeiheftr. 11, stder-uommen. "Siehe den Inleratenleil dieser Nummer». halten- Die Derhältniffe brachten es naturgemäß mit sich fie die Sabbatruhe noch nicht streng beobachten konnten. Mch haben fie die diesbezüglichen zahlreichen Vorschriften und Bräuche der Juden noch nicht näher gekannt- Dazu kam, daß fie Gefahr liefen, al» Sabbataner erkannt zu »erden, wenn fie fich am Sabbat aunülliger Weise jeder Arbeit enthielten. Ein solcher Selbstverrat hätte aber auch die traurigsten Folgen für sie haben müffen. Darum fangen sie beim Ausgange des Ruhetage»: Wenn wir den Sabbat ganz nach deinem Willen. Genau nach dem Gesetze zu erfüllen Im Stand nicht waren; so vergib den Sündern. Verzeih e» gnädig allen deinen Kindern Zum Sabbat rüsteten fie fich mit *rbhlrchem Gesang, mit Gebet und Reinigung; fie badeten oder wuschen sich und gwgen in Hochzeitskleidern dem Tage entgegen, deffen . Feier fie offenöar nach der-bekc nnten jüdischen Auffaffung! al» seelische Hochzeit begingen- (Lecho daudi) Alliabbatlich j hatten sie gleich den Juden 3 Mal Gottesdienst, an welchem > sich da» ganze Volk beteiligte, .feine Männer, seine Frauen und schönen Jungfrauen und seiner Kinder Sstoren!" Sie beteten beim Sabbatemgang oder wie es in ihrem Gesangbuch« manchmal heißt .za Freitagszeit". sodann am Morgen de» Sabbat, jedoch mit Ausschluß des bei tan Juden üblichen Muffafgebete», ferner verrichteten sie das RachmittagSgebet. sowie nach Sonnenuntergang da» Gebet de» Sabbatausgang Mit jedem Gottesdienst war eine Belehrung, d. h. eine Erhörte oder Predigt verbunden, vor und nach welch« ein entsprechende» Lied gesungen wurde. Are Gebete scheinen fie schon damals dr« Gebetbuch« tar Juden entlehnt zu haben, denn schon -um diese Zeit kursierten unter ihnen ungarische Ueberseüungea tar wicht»««, jüdischen GetatstÜcke. Außerdea» sangen tauch wolawn, offenbar dir Bogaihi». 06 sie während Slaagjm»* und M Rachmittagsgottesdienß«» schon lim» «U|tUt Abschnitte au» tan Büchern Mose» DG«tüch vortasen. iß ungewiß. Enthaltung stan Arbeit »ch Goswätatuß biltawn atar nicht di» tnmigen Aowent» der Sabbatfeier Der Mensch heilige vor allem fich selber. ' dann den Sabbat des Herrn an diesem Tage: Halt fern durch Wahrheit, was gemeine«, fchmutz'ge» Streben. « Und Trotz und stolzer Hochmut scheid' au« deinem Leben. , Verherrlichung und Lob sollst Gott allein du geben.' | Zur Feier des Sabbats gehört auch! ..Forschen im Gesetze. Armen Speise geben. | Freud'ger. Sinn, ein froh Gemüt, ein nüchtern Leben: ' I F«ner daß der Men'ch in fich gehe und besser und j edler werde. .Bedenk welch' Sünden du begangen. War du d:e Wach' hast angelangen W>e du dem Irrtum anzehangen. Gefehlt in törichtem Derla7gen " Die fich au« ihrem alten Gesanzbucbe ergibt, haben die Sabbatarier auch das Neumondsfest andächtig bezangen. .das Gott elngej'tzt hat zur Bestimmung der Zeilen, die es in Monate teilt, in Wochen und m Tage". Ferner feierten sie die drei jüdischen Hauptsisie: daS Fest der ungesäuerten Kuchen. daS Wochen- und daS Hüttenfeft. für deren;edes sie mehrere Lieder hatten, welche die Geschichte und die Bedeutung de» betreffendes Festes besingen. Namentlich da» erste dieser Feste, das sie mit der ungarischen hebräischen Bezeichnung desselben einfach Pesah zu nennen pflegten, stand bei ihnen in großer Dnehrung. Sie aßen rvähiend desselben nur Ungesäuertes, obwohl fie selber nrcht mit den Juden aus Aegyvten gezogm waren Den ersten und siebenten Tag begingen sie als hohen Feiertag, die dazwischen liegenden Tage, die sie nach der wörtlichen Uebersetzung der bei tan Juden üblichen hebräischen Bezeichnung Chol hamotd, Wochentage tar Pesah nannten, al» HalbfeirrlaK. Die Emmenmg an die wunderbare Erlösung Israel» au» Aegypten bestärkt fie in ihrem Glauben an eine .noch köstlichere luttinftige Erlbsung". Am Reujahrttage fangen die Sabbatarttr: .W« in Wahrheit ein Reujahrshst mJk seine« Gotte weih'a. De» soL'L wie die Schrift es vorschrrita. tar erfir Tischri sein. * Den DerlöhnungStog nannten fie auch Kafteiung»tag Eine» ihrer ültrsten. für diesen Tag geschriebenen Lieder enthält unter anderem die folgenden Strophen, au» welchen die tiefste Zerknirschung un» entgegentönt: .Sei gnädig, stehen wir. auf daß wir Labsal finden: Elbarm' dich, löt' uns nicht, inmitten unsrer Sünden! Bekehrte Heiden find wir. woll' unS Gnade senden. Ist sie doch-endlos — laß sie auch zu uns fich wende, ' Es betet unsre Ee-l'. Doll bitt'rer Reu' erscheinen Zerknirscht vor deinem heil'gen throne wir m,? seinen. Und beten schluchzend um Vergebung unir^ Sünden. Erhöre unser Fleh'n. laß uns Verzeihung finden." Alle diese jüdischen Feste aber feierten sie. wre sie tar jeder Gelegenheit nachdrücklich betonen, schon deshalb, vde: vielleicht richtiger, zumeist deshalb, um damit die Lehre und da» Beispiel Jesus zu befolgen. Sie heiligten den Sabb.'t. w.il, wer das nicht tut. nicht .mit Christus des ewigen Leben-.! teilhaftig wird". Sie feierten das Paffab fest Israels .nach dem Befehle unsere» Christus" und das Hüttenfeft. wnl. wer e» begeht .auf Christus hn't" Derselbe jüdisch christliche Geist offenbart fich im den drei Grnbgesängen. deren gemeinsame Ueberschiitt lauter: Zeremonien und Lamentationen, mrt welchen die vor '^ott teuren Menschen, die Toten beweinen und begraben. Der erste dieser Grabgesünze: Der Tod des Körper», der Adam» wegen gekommen Über nn» Bringt un» viel bittre Schmerzen. Gevatter. Freunde, liebe Menschen, alle, die un» teuer find. Reißt er von unfern Herzen. hat eine entschieden christliche Färbung; er enthält zahlreiche Anführungen au» dem neu»» Testament. Die veita« letzten hingegen sind freie poeti'che Bearbeitung« jüdischer Grabgetate. A« HütRnseft sangen sie: Heut am HüReasefte. laßt un» gleich tan Juden. Armen helfen, daß in Lumpe». Untakleitat, jetzt wo schon der Sinter nahet. Keiner dlerd' in unser Mitte. Km», f**.»