Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- 39 (14.10.1921)
- Date
- 1921-10-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Jh. 39 feite 2. Irdische SJoIttjething 14. Okloder 1991. Die Leide« der Zudea im Gebiet von Homel. Offiztele Gerichte an M Joint Dißribntion üommittee i» Ne» Hort. Das Gebiet von Homel ift, seit es die Banden de- Balachowicz heimgesucht haben, bi« heute noch nickt zur Ruhe gekommen. Die Uebersülle auf die jüdischen Städte «nd Städtchen »erden durch Banden, welch« auch heute die Gegend unsicher machen, hervorgerufen, lleber den «egenwärtigen Zustand der jüdischen Bevölkerung in diesen Gäieten unterrichten die Dokumente, welche der Vertreter des Joint, S. Koldowsky. von seiner Reise durch jene« Gebiet nach New Jork gebracht hat. in ebenso anschaulicher wie erschütternder Weise. Einige Daten feie« herausgehoben. Das Bandenunwesen ist am stärksten in den Bezirken Homel. Reschitza und Gorodmantz. Dort wird die jüdische Bevölkerung geradezu ausgerottet. die nichtjüdische bleibt stets verschont. Bon der Sowjetregierung geschieht nichts. Ganze Gemeinden flüchteten in die größeren Städte. So wchnt jetzt dir ganze jüdisch« Gemeinde von Eholmitschi. etwa 1000 Personen, in Reschitza. Im Rayon von Mosyr ,st die Lage geradezu furchtbar. In Mosyr selbst wurde die ganze jüdische Bevölkerung von 11000 Personen durch die fortwährenden Pogrome «sgeplüntiert. 33 Juden wurden in der letzten Zeit er« »ordet. über 300 Frauen vergewaltigt, darunter acht Wöchnerinnen. In der Kolonie Red!», welche 30 jüdische Höfe besitzt, wurden sämtliche Gutsgebäud« zerstört, das wrnze Inventar geraubt und drei Juden getötet. Dasselbe Gild bietet die Kolonie Tscheremischeja. welch« acht jüdische H-se besitzt. In-gesnmt Wurde» i» Bezirk Mosyr 30560 Inden geplündert. »ehr als 300 getötet, üder MO Krauen vergewaltigt, all dies o»ch der Ep »che de» Valachmvtrz. Im Bezirk Bobruisk haben die Juden insbesondere dnrch Bandenüberkälle im März 1921 gelitten Dort wurden namentlich auf den Dörfern gegen die Juden Untaten aller Art verübt. Während im Bezirk Homel die Gauen» heute nicht mehr aktiven Anteil an den Banden- Überfällen auf Juden nehmen, ja sogar manchmal die Inden vor derartigen Uebersällen warnen, nehmen »m Gobnnsker Rayon die Bauern an den Raubzügen teil. Aus diesem Bezirk werden schauderhafte Details berichtet. Go kam in tat Dorf Bibotschki eine Bande, plünderte alle jüdischen Häuser, dann trieb sie alle Juden des Dorfes, etwa 40 an der Zahl, aus einen Platz zusammen nnd führten sie zum Fluß. Einen alten Mann, welcher den Banditen nicht schnell genug ging, erschoffen sie. den übrigen »ahmen sie Schuhe und Kleider weg und trieben Rt nn scharfen Frost weiter. Beim Flusse erschossen sie von Tobias Lipschitz. .die übrigen überließ man ihrem Schicksal. Sie stohen nach allen Seiten. 13 von ihnen knmeu in das Dorf Opis, fielen dort einer anderen Lande in die Hände und wurden alle bis auf einen erschlagen. In Chojniki wurden nach Aussage eines christlichen _ Arztes von einer Bande, welch« eine schwarze Kahne mit der Aufschrift: .Erschlagt di« Juden, rettet Rußland" trug. 76 Personen. darunter Kinder und alte Leute, erschlagen i die Bauern der Umgebung, welche schon mit Wagen »oarteten. plünderten sämtlich« jüdischen Läden aus und ermordeten nach dem Abzug der Banditen 25 Juden. Cb» paar Tage später kam Kavallerie der Roten Armee. »Ache sich jedoch an den Plünderungen beteiligte. Erst ckls Infanterie der Rvten Armee ankam. wurde es ruhiger. I» der Gegend von Krasnopolje wütet vom November »920 an bis zum heutigen Tage der Pogrom, dem die Hülste der Stadt durch Brand zum Oser fiel. Einige Dutzend I Tote sind zu beklagen; die Zahl der Flüchtlinge aus dieser Gegend geht in die Tausende. Daß der Pogrom aus brechen werde, war den Juden schon einige Tage vorher bekannt; sie wendeten sich an den Bezirkrsowjet um Nassen und Militär, bekamen aber nichts. Erst über Inter vention bei der Gouvernementsbehörde kam Militär; in zwischen aber war die halbe Stadt bereitverbrannt und 44 Tote konnten gezählt werden. Wie bekannt, hat der Bezirk Mosyr durch Balachowlcz schon seinerzeit furchtbar gelitten. In Mosyr war das Henken an der Tagesordnung. Dabei sah man nicht darauf, daß die Gehenkten sterben, und es gelang vielen von ihnen, sich zu retien; man zählt solcher in Mosyr über 200. Der Lnmp Sowistke». Der politische Oderherr der Balachowicz-Armee war jener Sawinkow. welcher heute judenfreundliche Pro klamationen erläßt, lieber seine Tätigkeit äußert sich der dem jüdischen Hilfskomitee in New Pork zugegangene offizielle Bericht folgendermaßen: Sawinkow erklärte in einer Versammlung, seine Armee plane, alle I»rden auszurotten, er werde das aber nicht zulasten. In Mosyr hielt sich Sawinkow zehn Taze lang auf. aber während der ganzen Zeit feiner Anwesenheit wurde gemordet und geplündert. Sofort nach seiner Ankunft berief er eine Versammlung der jüdischen Bevölkerung ein. es kam jedoch niemand, da die Juden sich in den Kellern versteckt hatten. Sawinkow verlegte daher die Versammlung auf den nächsten Tag und ließ die Juden mit Gewalt herbeiholen Sie wurden vor geladenen Gewehren herbeigetrieben, und Sawinkow gab seiner Freud« Ausdruck, die jüdische Bevölkerung von Mosyr noch lebend vor sich zu sehen. Er ersuchte, keine Meldungen über die Mord taten, welche aus den Krieg zurllckzusühren seien, in die westeuropäische Presse gelangen zu lassen. Durch solche Nachrichten werde da- Los der Juden und die Lage BalachowiczS nicht gebessert. Er wies dabei auf das Beispiel von Pinsk hin. wo es 86 jüdische Opfer gab. und als die Presse 90 meldete, die Juden dafür büßen mußten. Diese Drohung »var nur zu deutlich. Der Eigentümer des Hauses, in welchem Sawinkow wohnte, gab unter Eid an. daß Sawinkow in Mosyr von geraubten Gegenständen Beuteanteil erhielt. Dabei erklärte er immer, er sei kein Antisemit, -und gab zur Bekräftigung an. er habe eine jüdische Frau und in seiner Armee gebe es eine jüdische Abteilung. Menschliche Bestie». Bon dem. war Sawinkow- und Balachowicz' Banden verbrachen, gibt ein furchtbares Beispiel das .Kommunistenaericht" in Plotnica. Dort wurde die ganze jüdische Bevölkerung auf einen Platz zusammengetrieben, ein Feuer entzündet und ein großer Kessel aufgestellt. In diesen warf man einige Juden, oie buchstäblich gekocht wurden. Dann zwang man d»e übrigen, von der .Kommunistensuppe" zu kosten. Die Tage und Wochen der Sawinkow' Balachowicz-Episode waren die furchtbarsten für die jüdische Bevölkerung des ganzen Gebietes, aber sie ist auch seither nicht einen Augenblick zur Ruhe gekommen. Blitzlichter aus aller Welt. > - Folge. Immer und immer wieder betonen in deutschvölkischen Versammlungen gelehrte Herren mit und ohne Brillen, daß die Juden nie produktiv sein können. Sie würden natürlich noch viel aufgeregter sein, wollten Juden heute in größerer Zahl versuchen. Bauern zu werden. Sie «gsdörigkeit in irgendeiner Form Erwähnung zu tun. Da die ans .modern" eingestellte Dame um jeden Preis unliebsame» Erinnerungen ausweichen möchte, würde sie a» liebsten auch der jüdischen Küche Valet sagen. So weit reicht jedoch gewöhnlich der Idealismus ihres Gatten nicht. Hat die verirrte Jüdin soziale Interessen, so kommen für chr» Betätigung nur bedürftige, interkonfessionelle, manchmal sogar katholische Hilssverrine in Betracht. Spricht «an in Gegenwart dies« Gattung von Frauen von irgendwelchen jüdischen Bräuchen. Sitten. Interessen, so seufzen fier Ach Gott, wie rückständig doch die Leute sind — und fühlen sich hoch erhaben. So müht sich die Gute jahraus und jahrein, das Untilgbare auszulöschen. und steht dabei nicht, waalle anderen sehen: Wie lächerlich «nd vergeblich i'ir ganzes Beginnen ist. K. M Symbolische Namen. Haben Eie bemerkt, daß die Namen der Menschen m»t ihre« Beruf oder ihrer Bedeutung zusammenhängend Ist es nicht seltsam, daß der Träger de« Nobelpreises für die Förderung des Friede»»« ausgerechnet Dr. A. H. Fried hieß? Bei diese», kürzlich leider verstorbenen Pazifisten vwvahrheitete sich also das lateinisch« Sprichwort: „Nomen •tt omen“ Der Erfinder der Lichtspiele des Kinematographen hieß hieß 9h. A. Lumiörr. Der Finanzminister im Kabinett Giolitt». der für die Anssthnung Italiens mit Deutschland eintrat, hieß Signor Der deutsche Vizepräsident des böhmischen Parlaments heißt Dr. L. Ezech.; Der Besitzer des Puschkin-Museums in Paris trügt den Namen Onegin gerade wie der Held des berühmten Puschkin'schen Romans Die Vertretung Deutschlandan der zweiten Haager Friedenskonferenz, die 1907 stattfand, setzte sich zusammen auS den Herren Marschall. Kriege und Zorn. Es wird behauptet, daß Geheimrat Kriege und Professor Zorn weder kriegerisch gesinnt noch zornig gestimmt gewesen seien. Aber Exzellenz Marschall hatte, die Instruktion, im Namen Deutschlands gegen die obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit zu stimmen! Ich könnte die Beispiele leicht vermehren, aber schon die angeführten berühren unS seltsam. Auch OrtSbezeichnungen sind zuweilen »n diesem Sinne kennzeichnend. Die nördlichste deutsche Ansiedelung in Preußen — <uf jener Landzunge, die in den russischen R:esenle:b weit vorgestr>'ckt war. — hieß Do^s Nimmersatt! Der Teil des Hafens in Marseille, wo farbige Truppen »vährend des Krieges ausgeschifft wurden, heißt Quai de l’Abattoir. Alles nur Zufälligkeiten, gewiß, aber sie fallen auf. Outsider. („©afl« Narisiraljlg") Ei» P«ISßt,,.K»is«s»irl. «iu ttaUUKaa-Rctfcfto'l bor »tok eonfekr iß m «erläge .Lsjeled". Lhartonnw-rg, Dr»yst»str. tz. erschienen. dar «» gesLIiges «fuftrit aob einen für tot Meinen Sagtest. , - rr E" gen Gehall aas^ichuel a*b grmist nrfd) ia Ml f- % ang ftnbtn »ird. Spielen» gmiasoi tot kleine» Kr lief i» die Geaaraph« and foxbcftnbt itzti 3ütae' *. »anche geschichtliche Daten. m vervmwmg «»«ach» »i, toi - Heute, aerlieren ihre Schrecke», »taa £ f* ua Spie e 4 nt» Bla» Übersetze». Die lichagruptzier»« Lao»kane in k> U. n 9 Würfet» mw 6 faxtra Steinchea lernt stch arit l 'f r :■ gegebene» 9xfI5nr»fta leicht bandyabe»- Der Drei! 7 - 24 Mt., ist fern katigen ZeiwechsNarge» aagtaifffa. Verden sehr böse werden, denn eS »st gerade heute eia glänzendes Geschäft, Gutsbesitzer oder Bauer in deutschen Landen zu sein. Interessant wirtt darum folgende Meldung: Jüdische Lanbbanern i« Obeßaer Kreise. Dem Moskauer .Dmes" zufolge befinden sich in den 32 Dörfern und Flecken des Odeffaer Kreise- 2000 jüdische Familren. die sich ausschließlich mit Land. Wirtschaft beschäftigen und deren Aecker genau so gut wir dir der nichtjüdischen Landwirte bestellt sind. Die Juden find auch gute Gärtner und Tabakpstanzer. Sie leiden jedoch sehr an Inventarmangel. Es sei daher dringend geboten, einen Bodenfonds jür jüdische Kolonisation zu schaffen. Diese Kolonisation könne am besten' in den Gouvernement- Jekaterinoflaw und Tourien durchgesührt werden, sie »st da« beste Mittel zur Verhinderung d» jüdischen Auswanderung. Die Lüge von dem besonderen Wohlwollen, dessen sich die Juden in Sowjetrußland erfreuen, möge folgende Nachncht »llustrieren: Rigg. Hier eingetroffenen Nachrichten aus Moskau zufolge hat daS jüdische Departement im Volks« kommissariat für Mtionalitäten eine Konferenz der jüdischen Landarbeiter in Sowjetrußland einberufen. Die Konferenz be«bfichrigt wahrscheinlich. sich «it der schreckliche» der jüdischen Ö»U»te» in'SÜdrnßL»ntz j» bes«ssen, u« eine, Weg zn ihrer Nettnng v«r de» pollständigen Untergang zu finde». Aber weil schon da- Thema von dem .jüdisch-bolschewikischen Rußland" angeschnitten ist. diene hier eine Pressestimme au- Warschau: Si»d die Jude» B»lsche»ile> »der Monarchisten t Während daS natronaldemokratische Boulevard« blüttchen ,Gazeta Porana" noch »mmer unentwegt seinen Lesern austischt. daß die Juden in Polen und m der ganzen Welt den Bolschewismus machen und sogar die Telegramme unter dem Titel .Aus dem jüdisch-bolschewikrschen Rußland" druckt, hat sich daandere Warschauer Organ der polnischen Reaktion, die .Gazeta Warszawska". eine funkelnagelneue Melodie zur Hetz« gegen die Juden auSgedacht, wetche daS genaue Gegenteil von dem besagt, was daS Bruderblatt kündet: die .Gazeta Warszawska" erzählt ihren staunenden Lesern. daß die Juden die ganze monarchistische Bewegung führen. Sie schreibt: .Die Juden svielleicht ist das nicht allen bekannt), haben ihre Stellung in der russischen Politik geändert. Der Bolschewismus hat sich als nicht fähig erwiesen, Europa zu ruinieren und insbesondere (darum geht eS ja den Juden hauptsächlich) Polen von der Bildflüche verschwinden ^u lassen. Darum wurde beschlossen, die Monarchie »n Rußland. Deutschland und Oeflerreich- Ungarn auszurichten Diese Staaten sollen dann Polen wieder teilen. Für diesen Plan wird jetzt von den Juden bei uns alles in Bewegung gesetzt". Köstlich? Ob man nicht an Dr. Raumann herantreten und ihn ersuchen sollte, sofort ein Exemplär der .Killeberger" nach HauS Doorn zu senden, damit die .Weisen von Zion" vom Büchertisch verschwinden und durch eine entsprechende Reklamenoliz die deutschen Juden als .finanzielle und idealistische Bundesgenossen' für eine deutsche Monarchie zu gewinnen? Vorläufig rächt sich aber Polen natürlich an den Juden für die aberschlefifche Abstimmung: Warscha». Dir demobilisierten vberschlesischen Insurgenten (Schlonsaki) nahmen ihre Ueberfälle auf Juden wieder auf. Eine Anzahl dieser Exzedenten übersiel die jüdischen Reisenden auf dem Wiener Bahnhof in Lodz, welche unbarmherzig geschlagen und auSgeplündert wurden. Kein deutsches Blatt , bringt derartige Meldungen, denn, .der Jude hqt in Oberschlesien seine Pflicht 'getan, der Iud' kann gehest!" — UebrigenS werden wir über dieses oberschlesische RubnieSkapitel noch ausführlicher berichten. In unterrichtete» Kreisen schützt man den Rotmumlaus in Pole» aus ungefähr 150 Milliarden. Die polnische Regierung bemüht sich krampfhaft, sestzustellen. wieviel aut den Kopf deS in Polen lebenden Staatsbürgers eigentlich von dieser Summe entfällt — denn sonst kön i'e man nicht mrstehen. ivoi-um gerade jetzt Pol?n eine Volkszählung vornimmt! Natürlich w»rtz auch bei dieser.polnisch' vorgegangea. Wersch«». Der Klub der jüdischen Deputierten brachte eine Interpellation an den Minister de- Innern über die bei der jetzt staktfindenden Volkszählung mehrfach geübte Praxis gegen die Juden ein. In der Interpellation wird an der Hand von Tatsache», material dargrleat daß manche Behörden versuchen, die verfassungsmäßigen Rechte der Juden einzuschränken. So hat der Bürgermeiftor von Pultusk augeordnet, daß afle Zuven »n den Gollszählnngsbogen polnische Muttersprache und polnische Nattonalität angeben müssen. — Die Jntttpellgtion weist darauf hin. daß eine solche P»xis offenbar bezwecke, einen Feinere« (und daher weniger berückfichtigenswertrn) Stand der jüdischen Bevölkerung in Polen nachzuweisen Es ist doch viel einfacher für die pobnsch« Regierung, ein paar Pvgrönochen nach altbewährter Prrxis durch« zuführen, u« die Zahl der Jude« entsprechend z» ver-