Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- 39 (14.10.1921)
- Date
- 1921-10-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zahrgaag XXVI l S!s I Die nächste Nummer der „Jüdischen Volkszeitung" erscheint mit Rücksicht auf das 1 jubhüttenfest am 26. Oktober 1921. Politik und Jugend. Der Wert einer Anzahl von Menschen die sich zu einer Gemeinschaft oder einem Staate zusammengeschloffen haben, wird von der Umwelt danach bemeffen. inwieweit ediesem Staate gelingt, sich gegenüber seinen Nachbarn in Positur zu setzen, den anderen zu imponieren und Machtvorteile zu ergattern. Dafür prägte man das schöne Wort: Politik, [ die Kunst. das Möglichste zu erreichen. Die letzten hundert Jahre mit ihren Erfindungen haben | die Böller und Staaten der ganzen Welt einander näher gebracht; eS wurden virtschasiliche Fäden geknüpft, erwachte oder künstlich hervorgerufene Bedürsniffe führten zu engeren Beziehungen und eS entstand der zweite Abschützungtwert der Umwelt: inwieweit eine Menschengemeinschaft oder bester gesagt ein Staat den umliegenden Staaten nützt, d. h feine Produkte oder seine Bedürsniffe den anderen Staaten zum Wohle gereicht. War Staatspolitik früher eine Frage de- Prestige«, eine Machtfrage ungestillten Ehrgeize«. Neide« usw., so ist m de« letzten Jahrduudert dieWirtschafirfrage hinzugetreten. Hl«, wie auf allen Gebieten, herrscht ein Schwanken. I »in Wirtel, der nur deswegen entstehen konnte, weil wir; Menschen selbst in fortschreitender Entwickelung uns einem Weudepunkte in unserer Entwicklung nähern. Idealismus — Materialismus. Herz — Gehirn. Gefühl — Verstand, diese Gegensätze losten sich für jedes, menschliche Gebiet heute aufzeigen. Politik gemeinhin gibt es heute nicht. Jeder Staat, der heute nur Prestige-Polilik treibt, hat schwere Erfchütte» rungen zu gewärtigen. SS gibt «ur Welt-Politik. Die Entschlüffe eine« jeden Staate« find schwerwiegend und entscheidend für die ganze Welt. Wenn heute Südamerika leine Grenze» infolge innerer Unruhen oder al« Repressalie gegenüber einem anderen Staate für die Ausfuhr von Mais und Getreide sperrt, bedeutet dies Hauste auf dem Getreidemarkte in Berlin, ein Aufschnellen der Futtermittel- und Getreidepreise in Deutschland und damit verbunden eine Steigerung sämtlicher NahrungSmittel-reise, und so fort. Wenn der König von Schweden sich infolge der Wahlen genötigt sieht, dem Führer der Sozialdemokraten in Schweden die Bildung eines neuen Kabinett« anzuvertrauen. so löst dieser Vorgang in Amerika an der Börse ein Fallen der schwedischen Krone aus und zieht eine ganze Reihe wirtschaftlicher Maßnahmen in Schweden und den umliegenden Ländern nach sich. Man könnte ein» Anzahl der in jeder Nummer einer beliebigen Zeitung erscheinenden Nachrichten als Muster onfühven und an ihnen Nachweisen, wie ein an sich kleines Geschehnis sich bis zur weltpolitischen Wirkung auSreift. In Genf tagt der Völkerbund, der Bund der Nationen. Die Weltgeschichte, die er sich zu machen einbildet, sie ist überall dort von Erfolg gekrönt, wo es klugen Vermittlern gelingt; die Prestige-Politik der einzelnen Völker im Einklang mit ihren wirtschaftlichen resp. vellpolit jchen Erforforderuisten zu bringen. Dort, wo der Vermittler nur von Machtgebanken sich leiten läßt, tritt früher oder später ein Debocle, ein unüberbrückbarer Zwiespalt »it neuen Differenzen, neuen Zänkereien, ein. D» letzten Jahre haben der Welt eine Umwertung der Werte gebracht, deren Auswirkung selbst heute noch nicht übersihen werden kann. U» so beschämender »st die Tatsache, daß in diesem Wirbel der Ereigniffe so wenige Konstanten wirken; beschämend di« Tatsache, daß Laufende von Menschen, die sich Schöpfer und Leiter dünken, nicht dir Kraft besitzen, sich aus sich selbst zu besinnen, sondern in einer kindisch anmntenden Hikflofigsett sich treibe« loste«, getragen von de» Gedanken: Schütze Deine Haut! oder: Mao kommen, was da wolle! Scklche Katastrophen, we.m auch nicht in dieser schreck» haften Größe, hat die Menschheit zu wiederhölten Malen zu durchleben gehabt. Ost entstand den vom Schicksal getroststen Staaten oder Völkern in einer zielbewu^en begeisterungssahigen Jugend ein neuer Born zu neuer Blüte, oder aber sie gingen, aus Mangel an diesem einzigen Erneuerungsstoff, zu Grunde. Au» diesen großumriffenen Darlegungen ,ist wohl zu ersehen, daß die Erfaffung der nLchstltegenden Geschehnisse und ihre Wertung für bte Gemeinde, die Provinz, den Staat und darüber hinaus vor allem eine gewiffe Schulung erfordert. dazu genügt bei weitem nicht mehr die Mangelhaste oberflächlich« Bildung, die einseitigen Werturteile, die unserer Jugend mtt dem üblichen Aeigefingerdrohen beigebrschl werden, und die die Gedanken in künstliche Wände sperren. Feuilleton. Himmel unb Erde. BetrachNmg zum kSocheriLbfchmn Die ehrfurchigebietenden Lage find vorbetgegangen. Auch der Niedrigste und Geringste unter uns hat einen Hauch der Ewigkeit verspürt. Wir fühlten das Wehen des göttlichen Geiste« tu unserer Seele. Unser Auge sah den Himmel osten, unser H».rz schwelgte in Seligkeit- Wir fühlten uns unserem Daten un Himmel nähe, wir standen ä-- ihm gleichsam von Angesicht zu Angesicht gegenüber. .Horchet auf. ihr Himmel, und ich will reden', da« war die Losung dieser erhabenen Woche. Unser Blick war sehnsuchtsvoll zur Höhe gewandt, unser Wort schwang sich empor. Die Pforten der Barmherzigkeit waren geöffnet. Wir hielten innige, traute, hemmungslose Zwiesprache mit dem Göttlichen. Unerschöpflich sprudelte der Quell unseres Gebetes, aus dem durch da- Wunder der göttlichen Güte esprengtem Fel» unseres in Schuld verhärteten Herzens. Kit lautem Lob und Preis, den Engeln gleich, gehoben durch das beseligende Gefühl wiedergewonnener Reinh« und Unschuld, schloffen wir den großen Tag. Siebenmal durch sieben Himmel schallte unser Jubelruf: .Der Ewige ist Gott'. Aber der Himmel ist Gottes Himmel, und den Menschenkindern hat er die Erde gegeben! Wir schauten den himmelischen Glanz, wir sonnten uns an den Strahlen der göttlichen Gnade. Doch nun gilt es zur Erde zurück» chren. uns im Irdischen wieder zurechtzufinden. .Und vernehme die Erde die Worte meines Munde»' ist nunmehr die Losung des durch Buße und Sühne «««- \ geborenen Menschen. Es gilt, den Abglanz des Himmel» zur Ertde zu tragen, den Widerschein des Göttlichen im Irdischen zu verbreiten. Wir feiern eia Erntefest. Wir sammeln den Erdenerttag unserer himmlischen Saat. Gewandelt erscheint uns die Welt. Wir haben erkannt. Nicht ist es uns gegeben. Stolzes. Festes und Nagende« hinieden zu bauen. In schwanker, lustiger Hütte zu wohnen ist unser Teil, von Stürmen uabrauft. von den Elementen umtost, froh. wenn nur gewöhnliche» Winde ftandhält der schlichte Bau. Im Schatten des Leides tzu leben ist unser Los nicht ist überwiegende» Sonneasein dem Menschensohne verliehen. Und doch bannen wir den unreine, Gedanken aus unserer Seele, als ob wir am» widerstandslos dem Tode und dem Verhängnis verfallen. In eigener bescheidener Hütte lebt ein jeder den ihm verliehenen Lebensteil. Er schmückt und ziert den gottaeschenktvn Bau mit den Früchten seine» Neiße» und seiner Kunst. Er teilt die Hütte mit seinen Lieben und steht im Geiste in der Mitte der stvhen und einträchtigen Familie heilige Gäste weilen, die Geister der Ahnen seine» Dolkrs. Auf der Erde vergißt er den Himmel nicht m»d blickt sehnsuchtsvoll empor zu den ewigen Sternen. So vereinigt sich. i» Leben des Juden Himmel und Erbe. So leben wir gemäß dem Spruch: Horchet auf. ihr Himmel, und ich will reden, und e» vernehme die Erbe die Worte 'meines Mnndes. Itch Tikwoh. Die «Rjüdische 34-1«. Fast in jedem Volle ist di« Fra» durch ihr» fonfn- , native Natur die taten» der alte» Tradition. di« Erhattrrru der oo» de» Larstchm» Ittnwnauam Lrlluch« unb Sitten unk die jlldisch« gfaoa >a»r i» der Mp. Ichlafieichrit. die ihr die Umstünde aasMmp». erst recht Man Hai. zum Neil mit Erfolg, di» Juaend in de» Tienst der Prrstige-Palttik de» Sinai«» gestrlll. Da» ging ja weif, dost di« Jugend der gan»en Welt — gleich welcher Ration und Kanlesslon — iawgrrislh erklärte: Wir wallen van Politik nicht» misten! Die« mar und ist die 8»lg« davon. dost man versucht hatte, di« grasten wirtschaftlich loiiale» Prodi«m«, di» st» die eigentliche Ursache de» Weltkriege« waren, durch Much^ und Prestige-Politik zu Illen. Die Jugend aber — und da« gilt besonder» sllr dl» jtldtsch» Jugend — möge da« Kind nicht mit de» Bad« autschlUkm. Zwischen den Bblkern wird e» immer ein Verhandd» geben müsten. t* wird unter den Vbtleru immer Purtaim geben. Jede Partei wird bestrebt sein, ihr Bramamm lui Geltung ju bringe». Schliestl bi« jlldilm« Jagmch sich von der ja notwendigen Vorbildung sllr diesen JtaaOf iwische» den Parteien au«, so wirb jene Partei bull in die Hnnd bekommen die die »eist»» Schlag warte ta ihr Programm »ufnlmmi. ihr wird e« gelinge», »» h» Stich- und Wahltagen die Mast« mtt sich p> rristru. Die Politik, die mtt Inden in Bastlau. tu fink« oder sonstwo j» treiben haben «erd«», wird BhUMlMt wird Wirtschaft«-. Fi,a»>- oder Sajialpvlittl im Amuch» Maststabe sein. In dieser Politik gibt e» keim Schl»^ warte, gibt e« nur wertutteil«. «rschllpft au» laugmlirtg»» Studium der Verholtniste, und Liken. Wahrhafte. seg«u»reich« Palittt verlangt nicht schöpferlich« Menschen, sondern auch Arbeiter, fie Md aber auch durch Iah« sortmsetzte kmoslautr - Sa* nllgt M, wen» der Meist»!, dar au daa schasst, bot Freund Hei» adderusr». lriurn keinen gartsetzer de» Baue« hat, oder nur S sei» Serk foitgusetzen versuchen« Wir haben in 8MU» grast» jlldlsche ■afgcM M erfllllrn. Di» Jugend oder erlltrt, st» »oll« BOT PalllU nicht» misten und vermechselt in eine» Ate« Partetpalttil mit dem grvsten Werke .de» Wlederausdan Deutschlaadl und de» jlldischen Volke». In nnendlichen vitkuffionen wirst D«ri»»rfichaast getrieben. .Man stellt sich aus irgeud et»«» ein'. Mm diese lllgnrrisch« Phrase lautet, «an^edatttert, eemllat aast verwirft und schltestt di« Augen vor der Wirstlchsttt, dt« immer drohender Einknst begehrt. Jüdische Jugend. Augen ausl Nicht Pattrl sondern Weltpalttik im Dienst» de» jlldischen Dolde» } Programm! Nicht selistjllchtia» Deriunerlichuui geschlostenen Zirkeln, soridern pasttive werdend« >qeu»an arbeit! ro»p«r. » ta*- trn. wo» ihr an geistigem aast sittidchiN ,t von Ahn and Umhn llderkommen mar. Di» Jlldia srllherrr Generationen hat sich s» echt nah rocht »l» Ktast ' ihr«» Volk»« gesllhli. hat dr» Zusammenhatt attt st»» grasten Gemetnschast detoustt »der nnbewasti I ständig gesrstigt. Sprach« und Brauch, < . Utagtkwn, alle« wurde amgttt wie Muttrr : mutter e» getan, und bau dem Kestiagafpeisegetdel l rrligidsen Innenleben ward kein« Admeichuag da» jlldischen Brauch' gedttldet. Da» blieb der EntmiSuxg de» groststlldttschm ZrdmG s». Di» I Wandlung kam mtt dem Eintritt der Frau ial Beuchst,! leben unb st> kam Mtt jener sprunghaften Pldttlichkttst Ma l der jlldilchen Seele «i»a> ist. Die «roststadülllliu ha» mV I einem Schlag« auf^hdrt. jtdisch P» sein. Sie Maat M»! ein Anal: Genau und in allen Stllttr» s, zu stla all»» die ander»». Da fie. di« drei ad«, »ach vim stnalstll» Sprachen spricht, kein Wart hedrllisch versteht, ist Ihr Wchtag j dast ihr jlldischer Brauch olllli, fnmt gatlielbau. hetmiß» . «schilftiger Veflistanhett. Sie ist jmllrmt sllr > mtt sie schwärmt ist iitteraattaaal r «uglische »der »»»»lisch» Wcheallart! bieme der Jadausthaft bestehe» sllr st, gruadsttzlich alchstst Kaust erwettea dir eptrem-deatichea ktichttaWM thäl n> der Interesse »der doch nur jene Kllustler. dt» »u« _ der christliche» Legende geschkast habe». Da dm Zag aeH-l de« Sllde» dach «a sehr mich „ieatrlischea gede uttt werden waitte. h»d die »njllstjsch, Jgdl» fegt! desOTder» «velirla sllr hi» Nmtlanhm mch I ihr« Kiadrr Si»m», Gast» odm J»mllarg m> kann, spricht di« llederaatt oaal» »immri sch, '»mm st» nntzs ODOtf w®- dwNst«ewASü «b HWÜsAtzSSS wird sehr »bel Mrawrks. Die zahllisea Jlldiuuen meide» e, tagstüch. der Lcksach, ihm.