Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- 36 (16.9.1921)
- Date
- 1921-09-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 86. Seite 2 Jtttfd* Dolk-zettung. 16. September 1921. Sti jmann; Wenn Sir glauben, bafe vir uni dazu heraegebe» habe«, aliAgenten der englischen i mperalistischen Politik ia Palästina und im nahen Osten zu fungieren, fo bauen Sie auf einer falschen Grundlage Palästina ist für England vom strategischen, vom militärischen Standpunkt nutzlos. und diejenigen, die sich eingebildet haben, daß wir. das ist das jüdische Palästina, absolut notwendig sind für den Lebensnerv Englands, den Suezkanal. haben sich geirrt; vielleicht verstehen die englischen Strategen ihr eiqenes Jntereffe nickt, das ist möglich. Aber das ist ihre Meinung. Wenn Sie heute die Vertreter der englischen Marine und der englischen Armee fragen, so werden Sie von hundert Antworten 95 gegen das Beibehalten von Palästina bekommen. Also bilden Sie sich nicht ein. die Beschützer des Suezkanali zu se»n Dafür hat England anderweitig gesorgt. Und nun z»r Araberfrage. Es scheint, als ob dieser Kongreß die Araber entdeckt Hütte. >A Noch im Jahre 1918, als wir nach Palästina kamen. y setzten wir uns mit den Arabern in Verbindung. Nach? «einer Ueberzeugung kann die Zusammenarbeit mit den Arabern auf zwei großen Linien geschehen: aus der Linie des ökonomischen Zusammenwirkens in Palästina und auf \ der Liuie des kulturellen Zusammenwirkens in Palästina und auf der Linie des kulturellen Zusammenwirkens in den > großen Kulturzentren der Arbeit. Nur noch einige Dort« zur Ich habe hier eine Karte, in dieser Karte ist der von unS 8° besessene Loden rot markiert. Nach der Meinung unserer k' Experten soll es aus diesen Ländern möglich sein, die r Sanguiniker sagen SCO000, die weniger Optimistischen k sagen 1000"0 Leute anzufiedeln. Wenn Sie 10f‘ü00 f ßrutf auf diesen Gebieten verankern, so ist der Nerv f.' Palästinas, der Jordan und die Küste, jüdisch, und damit \ Palästina jüdisch. Das ist der Kernpunkt des Problem-. ► 06 es drei Millionen kostet oder ackt Millionen, da« muß ' ia den nächsten drei bis fünf Jahren gemocht werden l Das ist der Zrntralpunkt der Ausgabe, die dieser Kongreß sich stellen muß. Ich Hab« nie hineingeredei in Gebiete, f welche ich nicht verstanden habe, aber ei haben andere in f «rin Gebiet hineingeredet, welches fie nicht verstanden .. haben DaS hat zu Reibungen und zu Fehlern geführt. \ Jetzt ist es das erstemal, daß der Kongreß eine legale, mit der ganzen Autorität ausgestattete Leitung wählen wird; Sorgt dafür, daß diese Leitung keine Messerstiche m den Rücken bekommt, dann werdet Ihr auf dem nächsten Konr greß mit Recht von dieser Leitung größere Taten verlangen ‘r Rauen. Ich wünsche, daß diese große Taten auch geschehen ° Rügen. (Langandauernder, stürmischer Verfall. Ter Kongreß erhebt sich und fingt .Hatikwah' ) In der letzten Plenarsitzung verlas Nahum Sokolow ei» Telegramm, welches öer englische Kolonialsekretär ' Churchill an den Präsidenten der zionistischen Weltorganisation, Dr. Weizmann, gesandt hat In dem Telegramm heißt es wörtlich: .Uedermitteln Sie bitte dem Kongreß die herzlichsten Wünsche von Seiner Majestät Regierung, die zuversichtlich glaubt, daß Ihre Bemühungen. Palästina als ein blühendes und glückliches Land wieder t aufznbauen, wo Juden und Araber in gleicher Weise an der Sicherung des gemeinsamen Gedeihens zusammen- «betten, von Erfolg gekrönt sein werden." Tie »«Nische La«ds«a»»fchaft. Wir hören noch, daß die deutsche Landsmannschaft sich konstituiert hat. Sie umfaßt alle „allgemein" zionistischen Delegierten aus Deutschland (die keinem Sonderverband angehören) sowie die AC-Mitglieder aus Deutschland. Zum Vorsitzenden wurde Felix Rosendlüth. zum Stellvertreter Hugo Schachtel gewählt Zum Vertreter un Permarienzausschuß wurde gleichfalls Rosenblüth bestimmt. Karlsba». Ter Zionistentongreß. der am 11. September schließen sollte, muß vom um einige Tage verlängert werden, da die Arbeiten in den Kommiffionen. besonders zur Ausarbeitung eines neuen Arbeitsprogramms für Palästina und zur Bestimmung einer arbeitsfähigeren neuen Leitung (Exekutive), in der ihm zur Verfügung stehenden Zeit nicht beendet werden konnten. fts Ostjuden in Deutschland. Um mannigfachen Vorurteilen, die auch heute noch bei manchen wohlmeinenden Westjuden in Deutschland verbreitet sind, entgegenzutreten. ist eS notwendig, wenn man über Ostjuden in Deutschland sprechen will, nachdrücklich aus ein Moment hinzuwrisen. daS schon allein geeignet ist. eine gerechtfertigtere Beurteilung der Lstjut^nfrage in Deutschland herdeizusühren. Es ist dies der Umstand, daß das ostjüdisch« Menschenmaterial, das in den Kriegsjahrrn and in den Pogromjahren 1919 und 1920 nach Deutsch' land gekommen ist. ein gänzlich anderes darstellt, als die vor dem Kriege zum Teil nur zu berechtigt als .Schnorrer" berüchtigten Wanderarmen. Tu Entstehungsgeschichte der Lstjudensiedlung in Deutschland seit dem Jahre 1914 gibt uns über diese Verschiebung in der Art der nach Deutschland gekommenen Ostjuden eine Aufklärung Zunächst kamen die jüdischen Arbeiter, die. zum Teil gezwungen, zum anderen Teil aus freien Arbeitsvertrag hin, in der deutschen Kriegsindustrie arbeiteten. Don ihnen ging ein Teil nach Kriegsende zurück, ein ander.r Teil blieb hier, und auch von den Zurückgegangenen kehrte ein gewisiec Prozentsatz, nachdem er die heimische Industrie teilweise zerstört fand, nach Deutschland zurück Auch die neue Einwanderung in dem Pogromjahre 1919 und dem Kriegsjahre 1920 bestand aus jungen, arbeitsfähigen und arbeitswilligen Menschen, die sich den Gewalttaten bei der Aushebung zur polnischen Armee und den Gewalttaten rm Heeresdienst selber gegen die jüdischen Soldaten zu entziehen suchten. Sie alle, in der Heimat oft Bürgersöhne, oft gelernte Arbeiter der Lodzer Textilindustrie, suchten m Deutschland Arbeit, nicht Wohltätigkeit- Tine dritte Kategorie endlich sind diejenigen, die. nach Ueberi'ee auswandernd, in Deutschland einige Monate Zuflucht suchten, bis die die Auswanderung heute so sehr erschwerenden Formalitäten von Amerika auS ibre Erledigung gefunden hatten. Auch der größte Teil dieser Turchwanderer hat sich in der Zeit seines Aufenthaltes produktiv im deutschen Wirtschaftsleben betätigt. Das Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands hat in eigenartig zusammenhängender Weise den politisch-konsularischen Schutz der jüdischen Arbeiter in Deutschland und ihre sozialfürsorgerische Betreuung übernommen. In der Tat sind diese beiden Zweige der Fürsorgetätigkeit bei den eigenartigen Verhältnissen des ostjüdischen Arbeiters in Deutschland garnicht zu trennen. Don der Dettretuag seines HeimalsstaatrS. besonders Polen, cjt preiSgegeben. durch die Ungeklärtheit der staatsrechtlichen Verhältnisse rm nahen Osten oft Überhaupt ohne jeden konsularischen Schutz, als .Staatenloser'. war der jüdische Arbeiter an sich der Willkür und dem Anttsea.itis. mus unserer Polizeiorgane preisgegeben. Treueste sorgfältigste Arbeit, d-e Anerkennung und der gute Wille seine- Arbeitgebers konnten ihn oft nicht auf seiner Arbeitsstelle halten. So kam es. daß zahlreiche ostjüdische Arbeiter gegen ihren Willen gezwungen waren, bie Großstädte, wo fie doch leichter Unterschlupf vor den Verfolgungen und Schikanen finden konnten, aufzusuchen. Ta griff das Arbeiterfürsorgeamt ein. Es gelang angesichts der besonderen Derhältniffe der ostjüdischen Arbeiter, die Anerkennung dieser besonderen Lage durch entsprechende ministerielle Verfügungen zu erreichen. So konnte das Arbeiterfürsorgeamt. finanziell besonders durch amerikanische Gelder dazu instand gesetzt, daran gehen, die Dezentralisierung der ostjüdischen Arbeiter von den Großstädten fort, insbesondere in die Jndustriebezirke hinern. vorzunehmen. Der Verbindung zwischen konsularisch-politischer Tätigkeit und sozialer Fürsorge, die für den plötzlich arbeitslos Gewordenen durch Gewährung von Unterkunft und Beköstigung für erne gewisse Zeit, durch Gewährung von Relfezuschüffen nach ihm nachgewiesenen Arbeitsstellen einfprang. die für Arbeiter Arbetterwohnungen in Baraken schuf, billige und gute Arbeiterküchen errichtete, ist es zu danken, wenn von den heute in Deutschland befindlichen, seit 1919 zugewanderten und hrergebliebenen höchstens 60000 Ostjuden wohl über 35 000 im Lande vezentralmert. in der deut'chen Industrie arbeiten und nur noch etwa 20 -25000 in Berlin sich besinden. Die gesamte deutsche Judenheit kann mit Stolz aus das Vorhandensein einer jüdischen Arbeiterschaft in Deutschland Hinweisen. Das ganze geleistete Werk ist aber, das muß gesagt werden, schwer bedroht, da die bisher vom American Jomt Tistributions Committee zur Verfügung gestellten Subver.ttonrn eingestellt worden sind. Höchste Anstrengung der deutschen Judenheit ist erforderlich, um danotwendige Werk weilerzuführen. Aus aller Welt. Bestimmungen über die Einwanderung nach Canada. Perionen. die nach Canada einwandern wollen, müffen einen Paß ihres Heimatlandes haben und eine Geldsumme im Werte von 250 Dollars canadifcher Währung bei sich führen, außer den Mitteln für die Bahnfahrt bis zum Reiseziel. Sie müssen die Reife direkt von ihrem Heimatlande antreten und in ununterbrochener Fahrt mit dort gekauften oder in Canada bezahlten Schiffskarten (prepaids) ausführen; sie müffen körperlich und geistig vollkommen gesund, moralisch einwandfrei sein, irgend eine Sorache zu lesen verstehen, die genaue Adresse einer Person in Canada besitzen. zu der sie sich begeben wollen. Es ist dabei zu bemerken, daß die canadischen Einwanderungsvorschriften durch administrative Bestimmüngen lederzeit geändert werden können Von besonderer Tragweite für die jüdischen Einwanderer nach Canada ist die Bestimmung, drß die wahrst . 18 Kronen ein einfaches, aber gutes und gut sättigendes V .Kongreßmenu" 6ot. ^.Schalom uberacha" auch unseren . * Breslauer Landsleuten Badt. dir ihn für unB entdeckten) Dich das chaffidische Lokal von Fachler ist gut. reinlich, «tcht pl teuer und gab auch .Delegierten-Rabatt" Also ‘ sind auch die Koscheren durchaus nicht verhungert, und «ancher andere aß mit ihnen — der Billigkeit wegen — jtnb war sehr zukrieden. III. Kongretztqve«. Groß ist die Zahl der palästinensischen Delegation Darunter eine ganze Anzahl, deren Gesichter fo ganz denen der deutschen Bauern gleichen, vom Wetter gebräunt, mit den Leinen Runen und Fältchen, dre so ckarakteristisck für den Landarbeiter find. Alles an ihnen z-igt den Bruern. Euch ihr Anzug entspricht dem. Stilwidrig wirkte, als einer in einem Schillerhemd aus feinerem Stoff auftauchte. Aber doch find fie anders als der Durchschnitt des deutschen Lauern. Kommt eS zur Debatte, dann ,eigt sicke der Intellektualismus, der in ihnen geblieben ,st .Am haarrz" paßt nicht als Bezeichnung für fie in des Wortes übertragener Bedeutung. Unentschieden bliebe, ob der Dickschädel, der sich bei manchen von ihnen unlrebiam bemerkbar machte, bäuerisch oder jüdisch ist. Hochintereffante Typen find unter den Milrachim. Einige von den Rabbinern sehen wunderbar au-; mit ihren durchgeistigten Gesichtern, ihren Würde gebenden Bärten. Ehrfurcht gebietende Gestalten. Auf der »ur* Promenade fällt ein Rabbi aus. der emer der größten Talmudisten sein soll, aber nicht zu den Delegierten cedött. Dunkelblonde Locken umwallen das Haupt, sein säude-.l ch. besonders an den Schläfen ausgekämmt. als wolle der fromme Mann mit dem schönen Haar kokettieren Ein fümoser jüdischer Typus ist auch der oben schon genannte atte Dominrtz. So sieht Schildkcaut. den Shylock d rrnib aus, nur liegt «ehr Güte in den Zügen Alles wunderbare Vorwürfe für unsere Maler. Aber es , scheint fast, als ob der bekannteste von ihnen dafür gar kern Auge hat. Ihn erfüllt und erregt beim Kongreß viel zu sehr die Politik — — — IV. Rede» de« Ssigreß Zionistenkongreffe find wahrlich nicht, wie manche zu glauben scheinen. Bergnügungsangelegenheiten. Zwar umgibt jeden Kongreß und ganz besonders diesen, ein große- Programm von Sonder-Deranstaltungrn. Aber fie find mebr für die Kongreßgäste. die ja wohl auch ein Vierfaches der Delegierten au-macken. als für diese. Wenn die Delegierten ihre Miffion nur ein wenig ernst nehmen, bleibt ihnen kaum Zeit für die Teilnahme an Veranstaltungen wie dem Turntag und so ernsten Darbietungen- Wie die Vorträge von Buber und Brod. Lia Rosen- Bibelvorlesung, hebräisches Meeting, geschweige denn palästinensische Kinovorführungen. Lichtbilder Vorträge, oder gar Lieder-Abende. Festkommene und dergleichen. Nicht zu vergeffen den Fußball-Match. Auch so was gabs llnd doch find alle diese Veranstaltungen gut besucht wenn sie nicht gerade mit großen Momenten im Kongreß kollidieren, deren Zeitpunkt nie vorherzusehrn ist. So hat man leider auch keine Zeit, die schöne Natur von Karlsbad zu genießen. Ohnedies ist die Zeit mrist doppelt und dreifach besetzt durch Plenar-, Kommifflons- und landsmannschaftliche Sitzungen und Zusammenkünfte von Sonderinterrffenten. Aber bei einem Parlament, das nur so selten und nur für so kurze Zeit zusammentritt. ist eS , leider nicht anders möglich. Es ist reichlich anstrengend . V. Ziouiftifche Dibibenbe». Es ist klar, daß der Aufbau Palästinas weiter wäre. | stünde für diele ungeheure Aufgabe mehr Geld zur Verfügung, als dies der ffall ist. und würde die ganze Judenheit schon ihre Pflicht erkannt und erfüllt haben, am Ausbau Crez Israels mitzuarbeiten und damit der, klassischen Beweis zu liefern, duß die Juden nicht bloS ern destruktives, sondern ein produktive- Element noch heute find. D:eS zu beweisen liegt rm Jntereffe aller Juden, wie sie auch sonst zum Zionismus stehen, kann unmöglich allein Äu'gibe der Zionisten fein, dürfen die Nichlzionisten ihnen nicht überlaffen- Wehe auch ihnen, wenn eS mißlänge. Sie.alle müffen ehestens und schnellstens ihren altbiblischen Maaffer. den Zehnten, dazu beisteuern. Manch einer, der schon früher sich an zionistischen Institutionen beteiligt h-.tt. wird jetzt schon ernen ganz materiellen Vorteil davon hal»«n. Die .Palestine Land Development Comp " zahlt jetzt 6"/» Dividend« in englischer Währung Man wird also für ferne für di» man einst zwanzig Mark bezahlt«, jetzt etwa 19 Mark Dividende erhalten. Und die .Jüdische Kolonialbank' zahlt 5%, also etwa 15'/, Mark Allerdings find beide in England domizilierende Gesellschaften. Noch beffer werden voraus sichtlich die Genossenschaftler der Palästina »Immobiliengefellschasten wegkommen. VI. 81» jrifcrt Moment. Höhepunkt des zionistischen KongreffeS pflegt der Ab» schluß der Debatte über den Bericht zu sein, wenn die oder der Führer auf die Kritik antworten, die ihre Arbeit gefunden bat und das Absolutorium erteilt werden soll. Die Kritik i,t stets eine sehr fckarfe und war diesmal besonders scharf. In der Nachtfitzung. die am Montag Abend begann, sprachen die Führer der Bewegung- Haus und Galerien waren übervoll- In atemloser Spannurm horchte man auf das. was Usfifchkin. dann Sokolow und schließlich Werzmann zu sagen hatten. Daß Ujfichkm. der große Propagandist für das Hebräische jiddisch sprach, zeigte, wie sehr es darauf ankam, von allen verstauchen zu werden. Sokolow sprach in einem eigenen Idiom, das zwischen Deutsch und Jiddisch stand. .«an nennt es .KongreAeutsch". Weizmann sprach deutsch. Mtt Jubel»