Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- 36 (16.9.1921)
- Date
- 1921-09-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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6. Sevtember 1921. Indische Dolkr-eitunt,. «Mt» G Jfe. W, direkt vom Heimatlande au» in einer ununterbrochenen Meise nach Lanada erfolgen muß. Diese Vorschrift bezieht sich aut alle Passagiere, einerlei mit welcher Gesellsckast sie nach Canada fahren, oder in welchem Hafen ste sich einschifsen. Die Cunadapassagiere sollten sich demgemäß von dem Vertreter der Schiffahrtsgesellschaft im Einschiffungshafen iw Falle de» Umtausche» von Schiff»kartenau»we>sungen gegen Sckifftkarle bescheinigen lasten, daß eine ununterbrochene Reise vom Heimatland au» vorlregt. Zu bemerken ist noch, daß in ganz besonderen Füllen «ine Einreisebewilllgung »on Hol. I Obed Smith. Superintendent of Emigration sor Eanada. 1 Regent Street. London, erteilt werden kan?.. Genaue Auskunft gibt der Hilfsvewin der deutschen Juden. Berlin. Steglitzerffr. 12. Die Wilnaer Frage im Jüdischen Rationalrat von Litauen. Au» Wilna wird UN» berichtet: In der letzten Sitzung de» Jüdischen Nationalrates für Litauen erstattete der Vorfftzende Dr Rosenbaum einen Bericht über die Wilnaer Frage und führte aus. daß die Frage für die Juden nicht cl9 Bürger Litauen-, sondern vielleicht noch mehr als Iuden wichtig sei. Ohne Wilna find die Juden sowohl absolut als auch im Verhältnis zur übrigen Bevölkerung zu schwach. Daß das Gebiet von Ailna zu Litauen gehören wird. ist. wie Dr Roienbaum ausführt, fast de» schloffene Sache. Es ist nur die Frage, wie sich die Beziehungen zwischen den beiden Teilen Litauen« und zwischen Litauen und Polen gestalten werden. Ueber die Verhältnisse der Juden in Litauen selbst äußerte sich Dr. Rosenbaum dahin, daß das Verhältnis in ver letzten Zeit ein wenig verschärft wurde, da die Rückwanderer au» Rußland einen Strom von Antlfemllismu» mitgebracht Hütten, und da ferner die Polen, welche -sich in Litauen den Juden gegenüber feindlich verhallen, aus gewiffen pol.tischen Gründen fip bemühen. Feindschaft zwischen den Jude' und Litauern zu süen. Ueberdies habe die junge litauische Regierung wührend ihrer Kon« sotidieiung die allen Beamten verwenden muffen, welche den Antisemitismus vom zaristischen Regime geerbt haben. Wen» Litauen tatsächlich.ein Staat von freien Bürgern werden wird, dann wird ffch sowohl die allgemeine Loge als auch die der Juden verbeffern. Nach der Richtung arbeitet jetzt die Konstitutionökommijfion de» litauischen SezN, deren Arveil allerdings noch längere Zeit in Anspruch nehmen wird- Ueber das innere jüdische Leben in Litauen teilte Dr. Rosenbaum einige erfreulich« Erscheinungen mit. Di« Gemeindesteuer ist fast überall durchgeführt, und die Juden zahlen freiwillig, ohne Zwangsmittel. Die Hilfsarbeil de» Joint in Litauen geht jetzt zum System der konstruktiven Hilfe über. Tie jüdische Bevölkerung steht io lebhafter Beziehung zu ihren Gemeindeverwaltungen. An den jüdischen Gemeindewahlen haben auch die Arbeiter teil» genommen. Die Juden haben aber auch an den Wahlen in die Stadtverwaltung lebhaften Anteil genommen. Die Gründungsarbeit der jüdischen Zentralbank steht vor dem Abschluß. ____ der den der Eröffnungssitzung weit übertraf, wurden die Männer begrüßt, die in den letzten schweren Jahren da» Schiff de» Zionismus gelenkt hatten. Aber alle» wurde übertroffen durch die Kundgebung, die Dr. Weizmann empfing und noch mehr durch die. die jetntt Rede folgte. €l war 12 llhr nacht», al» Weizmann begann und 1*/« Uhr. al» er seine Ausführungen schloß Mit heiliger Still« lauschte man seinen Dorten, von denen ein jede» wohl überlegt erschien. Da» Ganze ein Kunstwerk in diplomatischer und rhetorischer Beziehung Geschickte und kluge Wort, hatten Usfischkin und Sokolow gegen ihre Kritiker gefunden. Ader Weizmann übertraf sie weit. Schon immer war er einer der besten Redner tfei Kongresse gewesen. Doch früher übte er selbst Kritik. Diesmal hatte er den Kritikern zu erwidern. Aber auch diese Rede wurde zu einer Anklagerede, di« fich gegen da» jüdische Volk richtete, da» seine PVcht noch nicht nfftfit hat. .Ich habe alle* gegeben, was rin Mann geben kann Hebt Ihr ei« Zehntel dessen — gebt Maaffer de» Leben»!' Der Zauber, der von dies« geistvollen, liebenswürdigen, sympathischen Persönlichkeit ausgehl und die jeden, der mit ihm in Berührung kommt, für sich ein» nimmt, wirkte in dieser ttefernsten Mitternachtsstunde gewaltig aus die Anwesenden und ließ alle verstehen, warum es gerade id« gelungen war. Münner wie Aotzd George. Balfour und Churchill für sei»« Ideen z» gewinnen. Mau empfindet, hier spricht eine große Persönlichkeit, ein in fich Gesestigler. ein Mann von Geist, von hohe« Verstand, aber auch von Herz und Demut. ... Die gewaltige kkundgebnng. die seinen Worten folgte, läßt fich nicht schildern. Da» muß man milerlebt haben. Diese Erschütterung und doch auch freudige Erregung tat fich kund. Immer wieder nnd Wieder Händeklatschen und die Rufe: .Hedad Weizmann! Jechi Weizmann!' und schließlich der Gelang der .Hatikwah'. So klang die gewattige Kundgebung au». ... hs. Deutsches Reich .Berlin. James Simon, der verdienstvolle Bor. fitzende de» Hilfsverein» der deutschen Juden, wird am 17. September 70 Jahre alt. James Simon ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Berliner Gesellschaft und persönlicher freund Wilhelm» II.. der durch seine großzügige Förderung wiffenschaftlicher und philantropi'cher Bestrebungen fich einen ehrenvollen Platz im deutschen Geistesleben erworben hat. Seit über 80 Jahren steht James Simon auch im Mittelpunkt der jüdischen Wohl» sahrtsbestrebungen. Er betätigte fich zuerst im Vorstand de» jüdischen Kurhospital» zu Kolderg. da» seiner Initiative den prächtigen Neubau verdankt. Auch im Verein für jüdische Ferienkolonien hat James Simon eine rege Tätigkeit entfaltet. Im Jahre 1901 begründet, er gemeinsam mit Dr. Paul Nathan den Hilssverem der deutschen Juden zur Uinerftühung der ausländischen Juden, der in Osteuropa, besonder» aber im Orient ein segens» reiche» Liebeswerk entfaltete. Außerdem fitzt James Simon im Berwaltungsrat der Jewish Eolonisation Affociafion und zahlreicher lokaler jüdischer Wohlfahrt»- einrichtungen in Berlin. Iame» Snnvn ist al» seinfinniger Sammler hervorragender .Bildwerke bekannt. Sein besondere» Interesse gilt dem oorderafiattfchen Orient. Gemeinsam mit dem Prinzen Heinrich zu Schoeitoich-Earolath begründete er die Deutsche Orient» Gesellschaft, welche da« bedeutendste Ausgrabung» Unternehmen der ganzen Welt geworden ist und lehr Verdienst» lrche» ln Mesopotamien. Palästina und Aegypten geleistet hat Die Zahl seiner Aemter in der allgemeinen Wohlfahrtspflege ist Legion. Iame» Simon, dem 19t0 anläßlich de» Jubiläum» der Universität Berlin der Ehrendottor verliehen wurde, erfreut fich der größten körperlichen und geistigen Rüstigkeit. Möge ihm. der feine Kräfte und fein Vermögen in den Dienst der All» geme.nheit stellt, ein lange» und gesegnete» Leben deschieden fein. Berlin. Fünf Zvglmge vom Reichenheimschea Waisenhaus« hrerselbst. welche zur Erholung im Jüdischen Kur» Hospital in Kolberg weilten, unternahmen eine Fahn in einem kleinen Ruderboote, da» auf offener See kenterte. sodaß alle Insaffen in» Wasser fielen. Ein Lotsenkutter rettete sie. Einer der Geretteten, der fünfzehnjährige Heinz Rawes von hier, welcher von Unwohlsein befallen, sich über da» Fahrzeug lehnte, verlor da» Gleichgewicht, stürzte in die Dellen hinab und fan j hier seinen Tod. Dststeldars. Wie es in Borkum ausfieht. Die Düsseldorfer Lokalzeitung veröffentlicht eine längere Zu» schrift über die Verhältnrffe m Borkum. Wir entnehmen diesem interessanten Bericht die folgend« Ausführungen: ..Borkwm ist die Domäne derjenigen Germanen, die die deutsche Reichskorre au» dem Dcä heraußziehen wolle«, indem sie da» Borkum-Lied, die Wacht am Rhein und Deutschland. Deutschland über alle» stündlich je einmal Über die Meereswogen brüllen und Menschen insultieren uod verprügeln. die ste für Juden halten." Sonst find sie aber kein bißchen bester in ihrer Lebensführung al» die protzigsten Krieg»gewinnker au» Berlin W und Frankfurt am Main. Es wird in Borkum nicht weniger Sekt gesoffen, nicht weniger mit Lausendmarkscheinen herum» geworse«. nicht weniger Ehebruch getrieben, al» in jedem anderen Badeort auch Da» bestätigen mir alle, die dort gewesen sind. Geuau wie in Karlsbad und in Baden» Baden protzt einer vor dem andern, übertrisst einer den andern im Gkbausqeden. E» find diesetben Leute, die 1914 gerast und geschäumt haben vor Kneasbegeisteruag und Knegswut und im Frühjahr 1918 schon in der Etappe gelandet waren, oder sogleich in einer Humanitären Organisation einen kugelsicheren Unterstand fanden, oder überhaupt unabkömmlich gewesen find, vom ersten Tage au. Da« waren 1914 die lautesten Schreier und ste find e» heute nach sieben Jahren noch. Blauer!uh ist da» gewissenlose chauvinistische Getue in Borkum nur deshalb, weü da» Ausland die Helden ernster nimmt al» di« Deutsche» selbst, di« diese Schreier und ihre Drahtzieher besser kennen. Gerade jetzt, wo zum ersten Mal etliche Dichte antschieden für die Lebeasnotweadigkeiten Deutsch» lands «ttiretm, mache« sich die Rationalisten zu Borkum lästiger al» jemals zuvor. Darin liegt ihre Schädlichtrtt, daß sie unseren Feinden Stoff zu Sankttonen und Re* pressaliea liefern. Hindenbnr» Herr und Frau Rabbiner Dr. Kaatz find durch Verleihung de» .Schlesischen Adler-Ordea»' ausgezeichnet worden ZEpelbnrg. Hier verschied der Kaufmann Herr Isaak Salomon im best» Mannesatter. Ueber 39 Jahre war der D-rstorbeae Mitglied der Repräsentanten- Versammlung und hat stet» em warme» Interesse für die Angelegeaheiten der Israelitischen Gemeinde entgegengebracht. Da» überaus große Lrichengesolge gab Zeugnis von der Veliebtheit und Wertfchütznng de» Dahi»» geschiedenen. _ Lokales. Repräsent > tea Versammlung Breslau, 11- Gtfitmin 1M1. In Sodom, Io «jabU ein alter Midrasch, führte über einen leichten Kluß eine Brücke. Wer über dies« Brücke mit einent Wagen fahren mOte. der hatte 4 Galten als Brückenzoll za entrichten; »er aber den Fluß direkt dnrchqaerte, der mußte dafür 8 Gulden MjaMt». Da« klingt etwa» schildbürgerisch; oder H hatte eine sehr »eist» ad ig« Bedeutungman «»Ne die Bewohner der Gtndt Btnift*“ taffen, Don den Einrichtungen der Gemeinde »bglrchst diel Gebrauch zu machen. Auf einem ander, Standpunkt» scheinen der Borsto^d der Synagogen,emeind« 8n*b» und dir Synagogenlommisston derNeuen Synagoge zu stehen; wer häufiger in die «ynago«, geht und di» rite’ eilen Einrichtungen her Gemeinde fleißiger benutzt al» da» «ligib» gleichgültigere Gemeindemitglied. der müsse dafür auch medr bezahlen Drühald.beantragt» der Lorstanb bei der Nepräsentanlen ■ Berfammluug, da eine Erhöhung der Preis« für sämtliche Synagogenplätze erforderlich iß, in der Storchsynagog« di« Preis« gegen di» Friedenspreis» um 100*/., in der Neuen Synagoge aber nur um M-/» tu erhbhe». Die Beratung dieser Borloge »ah» Mt meiste 3<tt der Neprcksentackrn-Versammlung in A espeuch und man war wohl einstimmig der Ansicht, daß Krimmb. bi! nicht durch ein« erhihie Steuer bestraft werden dtlm. Allerdings wollte da» der Vorstand auch nicht; er »AM nur, so «rllätb sein Berlreter, bi« Einnahmen für Mi Plütze in beiden Synagogen gleich «stalirn, dabei vevgaß er aber, daß die Neue Sdnaqag« suft dreimal so »8» Sitzplätze hat wie die Alb Synagoge. nämlich J7V7 Hege» 1091, und daß man von einem kleineren Ott»ülMmt nicht »erlangen und erwarte» kann, daß er dagseld» ans» bringt wie rin dreimal grdßerer Organismus, Deshalb war es verständig oon der Nepräsentäutrn - Brrfammbrng gehandelt, daß ste die Borlage de» Vorstandes dahin M» änderte, in beiden Synagogen gleich müßig M» SMn> Preise NM 100*/« gegen bt« Fri^ensneiele s» erhbhen Auch sonst hatte der Vorstand bin», glücklich«» Tag. Eine Vorlage, welche die »kosten für den GhtiüftistzstO, betras, »ußb an ihn »Ulück »erwtesrn Wirde», Da» Boistand hatte beantragt, die nach nngedeckten Kost« H»E Ehrensriedhof« tosel und die Kosten der Ermetteruag des de» Kriedhoss behufs Belegung mit Gräbst eklen i» Vstcht »on etwa lr»d00 MI »u d-wllllgen, Db Versammlung lehnte die Semilllgung junüchft ab, »eil st, nicht, hi, Kosten tllr den Ehrensriedhof mit denen de» allgemtt»»» Kriedhoss oermenge" wollte, sondern klar sehen Mf, »iE hoch der Ehrensriedhoi di» Breslauer Gemeind« zu steh» kommt. Der Vorstand wird der Beriammlnn, demnach te ein« ne« Bortag« sttr den Ehrenfriedhas und de» atzt» gemeinen Friedhos Cosel unterbreiten müssen. Im übrrae» verweisen wir auf den nachstehenden «G? sllhrlichen Bericht, l)r, ScM. Zum ersten Mal noch den kommerferieu fanb »ist« eia« bffeatllch« Sitzung der tzirprüsenianbnnersammtnng, statt. Vor Ciniritt in dt« Tagesordnung gehachi» H»A vorsttzende Pwf, Dr, Wohlaner in «arm» ststmi« ds» Dank« des kür^ich »erstorben«» Herr, Haesilsrichsml Mugdan, der »trb Inh« als Mitglied des vaistnnhack der Gemeind« «ertdolle Dienste gckeistet dutte. Geh men wnrde Herr Lmtsgerichtsral Dr. mechnitz begrüßt nnd der Versammlung domestelll, der seit kurze» dt« <t«>« «ine» Herwaltungsdirekeors an der hiestg» GtzwatzagM». Gemein»» dekbitet. Di« Herren Eduard Sachs Usttz Prof, Sohlauer sprachen Herr» Dr. Kechnitz, »em dm Bus »on »ußergemthnliche« Tttchtigkeit darange». ihr »ales Vertrauen aus und beioubn, daß Herr D«. K. »shrenh der kur»»» Zeit seiner Lstigheit schan hallmis di» Er» warinngen gerechtfertigt habe, db mau in ihn gssetzt bb. Ins Anbag de» Herr» Pros, vohlaner »uch» bismlass««, Herrn Dr, bi. gtgtn db disderrge G«»fia»e»t»>t in t« Versammlung >n» Wort komme» »» lasst», Herr Gr. M sprach der Versammlung seine» Druck »u« stzr d»I in stst» gesetzte Verbauen Ult legb sckne Gründe tznr, bewogen hätte», sein» ausfichtsmich» nnd db hiestg« anzunehme». Neben der Kenntnlff« pi ermsitern «nb seine «raauisi kette» ansznnütze», sei eü^aor aüe» sei» I sein« Arbeit piu, de» Dienst seimr Glan Außer de» tb Pnnkte» der «in« EGgab» der regnlbrung batressend, Sb ütermbfe» mit demvemerb», daß Me der der Not des,Vmmch»sttz«>»E Verfchüste ans db GestnltsaMstmis nehmrge. Dm GetzelMkmnmtwbm mnrds» fl mich» M« GchreiG» der AuMchsttiMMtz» NN» d» lecke dm Venen vtznag^e. Me viWtst, ndetin Gan de» Pnn»« im Ainisickckinst »«»» «GM Dedatb angenowmeni iverschbüe« Aawändnnge» gmechch «rntckba. nnd Mttmammi «-»«-»»». 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