Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- 34 (2.9.1921)
- Date
- 1921-09-02
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«ril« 2 St. 84 Die Doppethivrichtung eines Zudeofreffers. Ein deutsch-völkischer Führer — Tinterist sein Name — leider ist er kein Genie, .wie der bekannte Pädagog. nach dem in Dresden eine Straße benannt ist — hat einen schaurig-schönen, etwa» schlüpfrigen, aber echt .deutschnationalen" Roman geschrieben. .Die Sunde wider da» Blut", der von allen christlichen Jungfrauen verschlungen wrrd. SchHi ist der .Dichter" beinah« auf die Höhe der Unsterblichkeit uns de» deutfch-völkrschen (Maul )Helbentums hinauigeNettert, da erscheint soeben im Verlage von Weh land — Berlin N 11$ — eine Broschüre des gleich» namigen Verfasser», bte den Titel führt: .Tie Sünde wider den gesunden Menschenverstand. Eine Auseinandersetzung mit Artur Dinter." Herr Wehland ist der Herausgeber der .Deutsch-völkischen Monatshefte", einer der Radikalisten der Radikalen m Berlin, ein ..Mann der Tat" und von unbestrittener Autorität. Seine Schrift bedeutet geradezu eine Hinrichtung TinterS. weil selbst der fanatiichte Dinterfreund wrrd zugeben müssen, daß eine Beeinflussung von jüdischer Seite bei dem Jvdentöter Wehland ausgeschlossen ist. Und weshalb bekämpft Weyland seinen großen deutschvölkischen Genossen auf Tod und Leben? Weil Tinter. der da kam. um die Fahne des Hakenkreuzes hochzuhalten, sich nicht nur al» ein vollkommen utopischer Phantast lächerlichster Form entpuppt hat. sondern auch Dinge begangen hat. dre mit seinen idealen Ambitionen auch nicht im entferntesten in Einklang zu bringen find. Dre Schlußabrechnung Weylands ist vernichtend für den armen Sünder Tinter. .Semmelblondes Gewinsel der verkehrten Thronen", .geradezu lächerliche sachliche Begründung seiner Judengegnerschaft". charakterloser Weiberheld, der in den Armen seiner Freundin schmachtet und durch diese vollkommen zu einem okkultistischen Phantasten geworden ist", prasselt nur so aus den .Dichter" hernieder, und zum Schluffe wird gefordert: absolute Ablehnung und Entfernung dieses Manne» aus unfern Reihen, der die deutsch-völkische Bewegung zum Tummelplatz der Gedanken eines Tollhäuslers gemacht hat. der uns die Kampffreudigkeit nehmen will. Aber ein Unglück kommt selten allein; im selben Augen blick, wo der Raffenbiologe Dinter obigen negativen Bruderkuß empfing, wurde er von einem Gelehrter von Ruf. Professor Lenz, abgeschüttelt, der sich in dem soeben erschienenen 13. Band. 2. bis 4. Heft des wissenschaftlich allseitig anerkannten .Archivs für Rassen- und Gesellschaftsbiologie" mit dem Roman Artur Dinters beschäftigt. Lenz macht in dieser Kritik kein Hehl daraus, daß er alles andere al» ein Judenfreund ist Aber er sagt: Dinter. der über Rassenbiologie ausklären wolle, bedürfe dieser Aufklärung zu allererst, und er tritt den Beweis hierfür an. indem er die Einzelheiten des Romans durchgeht. Wie ist die Erblichkeitttheorie DinterS in den Kreisen seiner Romanleser als der Weisheit letzten Endes ausgenommen worden? Lenz erklärt demgegenüber, hinter habe eine haltlose Annahnie als Grundgedanken jeules Buch» und al» Waffe gegen da» Judentum benutzt. Tie Wissenschaft, habe längst mit dem öden Aberglauben aufgeräumt, daß die Befruchtung eines Weibchens durch ein Männchen auf eine spätere Befruchtung desselben Weibchens durch ein J anderes Männchen nachwirken könne Damit falle von! _Irdische DolSzeitung vornherein die Behauptung einer allgemeinen Vergiftung des germanischen Blutes durch die Juden in sich zusammen. Spöttisch weist Lenz darauf hin. daß der Held de» Tinterschen Romans ein Germanen-Urbild fein solle. Er sei aber ein hysterischer Psychopath, eine Zusammensetzung aus Unfähigkeit, zwischen Tatsachen und Illusionen zu unterscheiden, aus dilrttantenhaster Ueberheblichkeit. abergläubischer Einbildungskraft und antisemitischem Verfolgungswahn. Tie phantastische Seelenwanderungslehre Dinters ist nach Lenz ganz unwissenschaftlich, die Wahrheiten der Rassenlehre würden durch Dinters Buch kowpromitiert. Lenz kommt zu dem Linker zerschmetternden Schluß, daß an sich richtige rassenbiologische Gedanken geradezu ihren Wert verlieren, wenn sie durch Dinters Mund gehen, daß Dmter» Buch eine- Sünde wider den Geist des Germanentums sei. Diese Doppelhinrichtung Dinters. die in der wissenschaftlichen Literatur noch mehrere Seitenstacke findet wird von der deutsch völkischen Presse völlig unterdrückt. Und so findet die Beerdigung des großen Ariers Dinter durchaus in der Stille statt. Man will damit vergessen machen, daß das TrauerhauS der deutsch völkische Schutz- und Trutz bund ist. Mögen die christlichen Jungfrauen den Roman weiter lesen —- ec bleibt eine .Sünde wider Vernunft und guten'Geschmack". Aus aller Well. WeizmannS Verhandlungen mit der englischen Regierung. Der politische Korrespondent des .Zewish Chronicle" berichtet: Die erneuten Bemühungen der zionistischen Führer, von der Regierung eine klare und bestimmte Erklärung ihrer Politik in bezug aus den Zionismus zu erlangen, haben zu einer wichtigen Unterredung zwischen Dr Dei,- mann und dem Premierminister geführt. Der Präsident der Zronisnschen Weltorganisation hatte vor kurzem eine Unterredung mit Lloyd George in der Wohnung Minister Balsours Außer den erwähnten Persönlichkeiten war auch Churchill anwesend. General SmutS hatte gleichfalls seine Anwesenheit in Aussicht gestellt, war aber am Kommen verhindert. Tie Unterredung dauerte eine be trächliche Zeit, und in ihrem Verlaufe erstattete Weizmann ein ausjührliches Erpoiä. in welchem er die zionrstitchen Forderungen in Palästina vorlegte. Er schilderte die gegenwärtige unbefriedigend« Lage im Lande und betonte die Notwendigkeit, daß die Regierung sowohl in ihren Erklärungen als auch in ihren Taten eine Politik verfolge, die mit dem wahren Sinn der Balsour - Deklaration in größerer Uebereinstimmung steht. Wie ich höre, hat er auch betont, welche große Gefahr in einem welteren Aufschub der Bestätigung de» Mandates liegt und verlangt, daß bte Verwaltung Palästina» in ihrer Politik mehr Klarheit und Entschlossenheit in bezug auf die zukünftige Rolle der Juden in Palästina zeige. Die anwefenden Minister beteiligten sich lebhaft an der Diskussion, in», besondere der Kolonialminister. und Lloyd George gab Weizmann die Versicherung, daß das Kabinett allem, was er gesagt hat. die größte Aufmerksamkeit widmen wird. 2. September 1-21 General Le Roud — ein Jude! Unter dieser Spitzmarke schreibt die antisemitische ^Hallesche Ztg." vom 10. August: .Wie uns von einer Seite, die in Oberschlesien über ausgezeichnete Beziehungen verfügt, auf da» Bestimmteste versichert wird, entstammt der General Le Rond der jüdischen Kaufmannsfamilie Rund, die in Gleiwitz (am Markt) noch heute ein Zigarrengeschäft betreibt" Hieran knüpft da» antisemitische Organ die Bemerkung: .Bisher glaubte man deutscherieits. diese französische Hoffnung nur auf die erbitterte Deutschfeindlichkeit und die bodenlose Rücksichtslosigkeit de» französtfchen General» stützen zu können. Jetzt errät man. daß er auch deshalb nach Oderschlesien gesandt wurde, weil er dort Verwandte besitzt, von denen man annahm, daß sie seine Ortskenntnis durch zweckdienliche Jnformalionen zur Erreichung de« französischen Zieles noch unterstützen würden, und man weiß jetzt vor allem, worauf seine eigenartige Deutschfeindlichkeit sich gründet". Au» dieser Fabel erklärt sich auch die deutschfeindliche Abstimmung der oberschlesischen Juden. Saarbrücke». Herr Dr. Siegfried Alerander au» Lobsenz in Posen, zuletzt in Cöthen in Anhalt, wurde einstimmig zum Rabbiner der Shnagozengememde des Kreise« Saarbrücken gewählt. Herr Dr. A hat daS Amt am 1. September d. I.. also noch vor den hohen Feier« tagen, angetreien. N»rsch„. Am Bande tolafjfi de, Lodz »litten die rettenden Juden von einer Bonde Zwilchen überfallen und blutig gelchlagen. Ihr Reisegepäck wurde geraubt. Viele von den Juden wurden verwunder und deren Bärte abgeschniiten. AehnUche schwere Au». iLreitungen ereigneten sich auch aus der Bahnstrecke Krakau— LrMaie. ©ie aal New gemeldet wird, wurde dort an* lrßl'ch de» «1 jährigen SchnfffkLeriübilLuw« Rubin Biamin's ein Iubiläumekomitee zur Herausgabe von 30 Bänden der au»gewä-lten Lchnften des Jubilar» unter feiner eigenen Redaktion gegründet. Ne» Port. Unter grotea. über »»et Lage sich erstreckenden Feierlichkeiten fand hier die offizielle Umbenennung der..Delanrey Straße" in .Schiff Parkwaq" staii zum Ludeken de» jüdischen Philanthropen Jakob Schiss. Dir Festrede wurde »an Major Hylan gedalten. New A»rk. Dir in Detroit tagende Stoi oention der sozialistischen Partei nahm eine Reihe von scharfen ftotrftrefolutionen an gegen die Judenverfolgungen m Europa sowie gegen den Versuch. Lorch ilerpflantung de» Lmisemiri»mu» »ach Amerika die gleiche blutrünstige Pogrompolilik auch don zu kulnvieren. In einer werteren Resolution wird dem Völkerbund »orgewsrfen, den blutigen Juden« morden in Osteuropa gleichgülirz rugefehen zu haben Araber an» Hebron haben den Direktor de» rrziehang». Departement» der Zionist Lommiffion gebeten, ihren Rinder» den Besuch der hebräischen Ortsschule zu erlauben. Sie begeüoden ihren Antrag mit einem Hinweis aus die hohe Vedeutuag der hebräischen Sprache. RiederlaffungSmöglichkeiten i» Hirfchderg t. Schl, für 2 Aerzte und 1 Rechtsanwalt. tAürführliche Auskunft erterlt Herr Max Behrend in Hirschberg). in Riesky O.-L. für einen Zahnarzt. (Nähere Auskunft erteilt Herr Max Kupferberg. Görlitz. Mühlberg 1 2. in Lenzen a. Elbe für einen Rechtsanwalt. (Nähere Auskunft erteilt Herr Erich Kreide. Lenzen), in Gotha für einen Zahnarzt (Nähere Auskunft durch Herr Tr. Knoche. München. Leopoldstr. 38). (Bezugnahme auf die ^Jüdische Vvaszeitung" erwünscht.) die Analogie ihre» Sckicksal» mit dem der Westjuden darzulegen. aber eine» gehört festgehalten: .Ein Volk, da» von Moies bi» zu den Propheten, bi» Hillel und Jesu» von Nazareth, von Spinoza bis Mendelssohn, und Heinrich Heine bis Karl Marx und Lombroso. mit soviel Wirklichkeit und Glanz dem menschlichen Geist und der Zivilisation diente, hat sein» letzten Worte noch nicht gesprochen", glaubte bereit» 10t 1 A. Dalensi» in den »Dokumente des Fortschritts" prophezeien zu können. Und weiter heißt es dort: »Aus dem Boden feiner Väter physisch neugeboren und der Verwirklichung eine» alten durch die soziale Gerechtigkeit verjüngten Ideals nachstrebend, wird es der Menschheit ohne Zweifel eine- Tage» umso schönere und eigenartigere Früchte bieten als sie auf den gesegneten Feldern der Freiheit gereift werden." Heine meinte. Gott verläßt überhaupt kein Volk und wenn ein Volk au» Ermüdung oder Faulheit einschläft, so bestelle er ihm seine Dicker, die verborgen in irgendeiner Abgeschiedenheit ihre auftüttelnde Stunde erwarten. Und wirklich, in den Jahren, in denen die Zersetzung da» europäische Judentum erfaßte, entstand eine nationale Bewegung, welche du Juden von den Einwirkungen der eurrpäis«Nn Einflüsse befreren. die normale soziale Struktur und die jüdische Kultur im Lande der Väter erneuern und dort die sichernde Erhaltung der jüdischen Art bewerkstelligen will. Und ein gesunde» jüdisches Volk wird werden, allerdings abseits von den Trümmern dieser Judenheit und diese Judenheit verachtend. Diese Pseudojudenhert mit ihrer unjüdischen Politik, mit dem Bruderkrieg aller gegen alle, der Unzahl der religiösen Richtungen, der Nationalen, der Fremdgebürtigen. Diese absterbende Judenheit mit unverbesserlichem, fast verbrecherischem Optimismus jener wie ein Morphiumrausch-Deliriettnden oder der im praktischen Pessimismus und im ZyniSmu» Frohlockende, die real das finkend« Schiff verlassen. Diese demoralisierte Judenheit. deren Mitläufer im 3abtffrenti»mu» nur den Sinn auf da» eigene Wohl. Nt vmrf tob di» Genüsse de» Leben» gerichtet haben. Wie im JahrmarklStrubel treiben unverständige Millionäre. schwerfälliger Mittelstand, flatterhafte Juden in Ghetto^urcht. Angst vor Pogromen, das ganze Unglück einer annormalen Geschichte und eine» unnatürlichen Lebens. Und so bleibt das unglückliche Häuflein der deutschen Juden, schaffenslustig und wiffenSdurfiig, von Erfolgen gesegnet und von Neid und Mißgunst verfolgt.^ Und ihrem Tun und Leben scheint die alte verklärende Sonne, unbekümmert um die Frage: Ob ihre Gemeinschaft erfolgreich dieses Jahrtausend durchsegeln wird zum sicheren Port, oder ob es me ein Wrack auf hohem Meer nach vielen glücklichen und schweren Fahrten, von allen Wellen und Winden getrieben, zuletzt ziel- und zwecklos umherpeitscht, sich mühselig über Wasser hält, bis die Fluten über das lecke Schiss *zusammem'chtagen. Warum der Teufel rin Jude ist. Der .Zwiebetflsch". München, veröffentlicht folgende Satire: Zer teufel — eit jtde nacüwer» von seballian knarr Ter teufel ist ein jude. Diese wahrheil läßt sich be> In allen hexen- und 1eufel»sagen finden wir die Tatiache ' daß der teufel ' wie auch die hexen / durchein Pentagramm serngehalten werden können. DaS Pentagramm ist 1. im kürfchnerichen konverfationslerikon nicht angegeben / 2. ein Zeichen / an einem von fünf punkten beginnend / das / von Punkt zu Punkt geführt am ersten punkte wieder anlangend nirgends ein ende ergibt f also unendlich ist / und ein siege! oder ausdruck für die Unendlichkeit. Der teufel / ebenso die hexen / laufen vor dem Pentagramm davon / wa» meine ganze Weisheit über den Haufen werfen könnte / sei e» beim nicht / daß da» Hakenkreuz da» ausgemachte gegenteil de» Pentagramm» wäre. Dos Hakenkreuz ist da» ausgemachte gegenteil de» Pentagramm». Nicht sachlich / nein / nur bildlich genommen, gedach Nr teufel nimmt die fache ja auch nur bildlich denn eR weicht dem Bilde au» / nicht dem / was eS auibrücft. Wiche eR dem / was es außdrückr j aus / so würde eR nicht existieren / denn der Unendlichkeit weicht selbst kein teufel nicht au». Nun aber weiß ich au» zuverlässiger quelle / nämlich au» reiner Vernunft / daß eR vicht existiert f eR weicht auf diese raffinierte weise der Unendlichkeit auS- Da eR also die sache nur bildlich nimmt ( aber daS / was sie ausdruckt / dem bildlichen doch vorzieht / indem eR nicht existiert / jedoch / wie ich gleich beweisen werde / ein jude ist / so muß eR al» nichtexiftrert negativ angenommen werden und daher / al» negativer Posten aus die andere feite gebracht positiv werdend / da» Hakenkreuz anerkennen / nämlich sich unauSweichbar mit ihm summieren. Da» Hakenkreuz ist in diesem erempel positiv / denn eS existiert! leider. Also: — teufel 4- Hakenkreuz Resultat: teufel 4- Hakenkreuz. nun dürfte mancher grübler ftagen / wa» auf der anderen seile der gleichung übrig bleibt, immer mußt du grübeln / g tbleck nichts bleibt! der teuf^ ist / zu einem Hakenkreuz addiert / daher / wie jede» wesen mit einem Hakenkreuz / ein antisemit. wer oder waS? der teufel. Aber eR existiert ja nicht, wie kann ein antisemit existieren f der nicht existiert, unausdenkbar, als ein antisemit muß eR existiere«, wie hätte sonst der antisemitirmuS sinn? beweismaterial: völkischer beobachtrr! der teufel aber existiert nicht. wer meine rechnung verstarrben muß nun «utrot zugeben / daß der teufet ein ist / wenn eR ein jude ist. Da der teufel nicht exestiert ( ist eR ein jude / den« der völkische beobachter existi-r^ da der teufel nun ein jude ist / ist eR ein antisemit ' denn nicht» 4nicht» (teufel 4anttsemitiSmu») ist ja — nicht» / wie bereit» bewiesen, hiermit wäre sestgestellt I daß auch der antisemitismu» gleich nicht» ist. Der völkische beobachter hat also augenblicklich sein scheinen rinznstellen.