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Jüdische Volkszeitung · 1921-09-02 · 34 (2.9.1921) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
27 (1921)
Issue
34 (2.9.1921)
Date
1921-09-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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WjfcheDMMlW f ■ ■ ■■ ■ — ■ ■■’ i Cu .^RL'lche v»N«vNm»" f-toftfiiit »schenülch an |fbno Ar,,tag an» Uno durch die Po». «>, aoch durch die Gefch4tt»»ellr za» Preise »ov ' »ierreltttriich vik 4.60 dezo^n, »erden, dei Ldhotang in der GeichLftrchr», Btt. 4.^6. Einzeln, -eammer 40 Pt Schriftleitnng >,d Verlag: Fernsprecher Niug 801S. •tWWttl*: Fernsprecher 9H»| 872. |*»rr*t der Aesch^tZPrl« 10-4, der C^ctfOU. H«rt>fc JMl I % and Xenttttfug 11 — 1 Uhr. Unzeige, lan «4 lHShMni derechn^. Lai VHIbnrtR der «chwechoNr»« Mir kaGet Dv ga»il>c—yiy» 46 ff. — BeiMibechkiuug tarife*«* Schristleitung und Verlag in Bre-lau. Kaiser Wilhelmstraße L/7. — Zuschriften sind dorthin zu richten. Geschäftsstelle: §. Lilirnseld. G m. b. £>., Bretlau I, Schweidnitzerstraße 37 — $ftt die »it Ra»e, gezefthmtr» AnffÜtze, welche die persönliche Meiunag de» verfaffers zu« AnSbruck dri»-e». übernimmt die Schriftleitnng „r die preßgefetzltche VerantwOrtnng. ' Nr. 34 Sre»lau, den 2. Septcmber2,92,. 3«krf«a( XXVII K se re Hl r it it. er en en bi- Slimmungsbiiver vom 12. Zionisteukongreß in Karlsbad. Unterwegs. Bii TreLden ist noch Alltag Anderwird eS. wenn man in Dresden in den Berliner D-Zug einsteigt. In allen Wagen gibt e- Wiedersehen. Schon trifft man Einzelne, die man 8 Jahre, seit dem letzten Kongreß, nicht mehr gesehen hat. Man steht an den Fenstern, bewundert die schöne Landschaft an der Elbe, tauscht Erinnerungen aus Schnell vergeht die Zeit bian die tscheckische Grenze. Auch hier gehl alles schmerzlos. Die Beamten wissen, wohin und zu welchem Zwei?« man fährt. Aus der tschechischen Strecke füllt aus, daß man kein Wort tschechisch Hort. Nur der Schaffner frügt tschechisch und deutsch nach der Zugestieqenen. I, ftarltbik. In Karlsbad auf dem Bahnhof ein gut sunktwnierender Ordnerdieust. Der Wohnungtznachwei« hat gut vor» gearbeitet. Aus dem Wege zur Stadt steht man schon hie und da blauweiße Fahnen wehen. In den Auslagen Gegenstände mit hebräischen Inschriften. Man nähert sich den Kuranlagen und steht sich immer mehr in ein jüdische» Milieu versetzt. Mindesten» vier Fünftel der Leute, die man trifft, sind offenbar unsere» Stamme» Am Abend im Tempel: eine Fülle, wie man sie daheim höchsten» an den hohen Feiertagen steht. ‘ Kein Sitzplatz ist leer. Hinter de» Sitzreihen stauen sich die & halbe und dreiviertel Stunden. ohne daß ei«e Kellnerin auch nur die Bestellung anfnimmt. unb manch« verlassen da- Lokal, um in anderen weniger koscheren den Hunger zu stillen. Am Morgen aus der Kurpromenade kommt man nur langsam vonvärt». Au» den Reihe» der trinkend und plaudernd promenierenden Scharen tönen einen olle bekannten und unbekannten sprachen entgegen. Aber dem Stamme nach derselbe Eindruck wie am Abend zuvor. Wadabei unwillkürlich auffällt. ist. daß die Vertreterinnen de» zarten Geschlecht», die wohl die Hälfte der Kurgäste au-machen. so wenig zart erscheinen: unglaublich viel mißgestaltete. verunstaltete Figuren, meist unschöne Gesichter, zudeoi verschminkt und verpudert Wirklich schöne Krauen und junge Mädchen steht man nur ganz vereinzelt Im Gewühl dieser Menschen, aus den Degen zu den Frühstücksstätten. zu Pupp, zu Sanssouci, zum Posthof und weiter hinaus trifft man imme^ mehr Freunde und Gesinnungsgenossen. Je länger ma» sich nicht gesehen, desto größer die Kreude de» Wiedersehen» Manchen haben die Jahre der Kr«g»zeit viel älter gemacht. Andere erscheinen unverändert frisch und jung — wenigsten» äußerlich. Bold ist man mitten in den Debatten über die Kragen, die den Kongreß beschäftigen werden, über die Araberfrage. die Frage der jüdischen Legion, die Siedlungsfonnen. die Ehaluzim. die Genoffenschaften in Ersz Jisrarl. die kom. wende -eitunz u. s. f. Die Palästinenser und andere, die eben in Palästina waren, bericht« Über die Stimmung und die Arbeiten im Lande, von dem wa» geschehen, und wa» nicht geschehen. So geht e» den ganzen Tag. Bet» «tSrachi. Für den Nachmittag ist ein Dortrag de» bekannten Mi-rachs'Führer». Rabbiner R e i n e» . angesetzt. Da» Publikum, da» stch einfindet, ist nicht zu groß Der Tag ist zu schön. Man bleibt lieber im Freien. Der Redner spricht jiddisch. E» ist aber fast Deutsch, untermischt «it hebräischen und teilweise latei»ischen Zitaten. I« aaneea etwa» zu breit angelegt, zu weitschweifig. Ich» «stell: Oppoptlqp «gen dir. Logiousido«. ^Juterevaater Seift aii genau dackewe, Bcnfttmntg. bk «tt ca Bmfefaa ia der Unterhaltung ein Uptipode des Redners. Dr. Maffiasahn vom Jaffa« hebräische» Gymnasium, zum Ausdruck gebracht hatte. Zu« Schluß der Rede ein leidenschaftlicher Appell de» Redner» für den Keren hajeffod. Nicht bloß Master, nicht bloß ein Zehntel, sondern ein Mertel, ein Dritte! und «ehr besten, wa» man im Kriege und durch den Krieg erworben, soll man zum Aufbau Lrrz Jißrael» hingeben. . . . Am Abend ist eine geschloffene Sitzung de» Misrachi. eine Vorberatung für die ersten Wahlen zur Konstituierung de» Kongreffe». 9UtUM(ffsM’Sat»8t. Am Sonntag beginnt die N.-F'Tagung; zu« erst« Male eine gut vorbereitete Versammlung der «ntettuaft» männer de» Keren Kajemeth (Jüdischer Nalionalfands). Die Tagung wird mit einer hebräischen Aussprache Äffisch» kin'r und erner deutschen Pros Warburg's erüffnck. In ha» Präsidium wurde» di« Direktor« de» N 'F. gewählt. Ferner Rabbiner Slotnik«Ka»ada. Schachtel'Bremuu and Pollak-Haag. Pros, varburg. Nathan Groß. Letter des N.'F.«Hauptbüro» und Agronom Vettinger-Iernsalo» berichteten über die Entwimung des Keren KajeiweG. insbesondere fett de» letzt« Kongreß (1918), über die Eingänge und die Investierungen in Erez Itsrael. Awh einen kürzer« gedruckten Bericht erhielt« die Tellneßn«. Die Gesa«t.E«günae de« N.-F. fett seiner Srü«nn> betrag« ca. 80 Million« Franc». Zn d« letzten Iahe« ist aus den Ländern mit entwerteter Botntu «bwesonM eingegana«. wie aus den« mit guter Valnto. D» lsnd« liche Besitz beträgt jetzt 7» 000 Dunam lei, Lnnn» — Vn ha). der ftütische Besitz eine MM« Qnadrat gie. (etwa 600000 qm), von besonderer Bedeut»« stad hk letzt« Erwerbung«, gvoße Komplexe. Malul und llwris, die eine großzügige skgtegische Kolonisation ermägüch«. Oettinger geht mtt besonderer Husführkichtett ans di» vaumpflanzung« ein (ehemalige ^velbsunnpeade', ktzt .Vaumspenoe'j. Große vaumanlag« st« durch o« Krieg zerstärt worden. Jetzt stad wieder m 600000 »äwwe. M «ndLfftzhTväM üMpff«^ ßiaHch fÜrfit «MM«. In der Diskussion fritifierte Lgrono« Ltzk d« bis» Lehrsarm« des R^E. i» er verufsaashtld«« sei« vetüttguag »««««. Nachmittag« soll die Tobatte fortgesetzt werd«. Auch Hapoel-Hazair and Studentenorgantsatioa« hah« am Sonntag ihre Konferenz« begonmn. k>». Feuilleton. Lrgen und Fluch. Beirachvmg zvm MochenablchniN TIK", Für den modernen Mmschen find die Worte Segen md Fluch nur etwa» Leere» und Konventionelle» Der "».U« für ihn nur eine weihevolle Geste, der Fluch eine inperarnentvolle Aeußerung de» Haffe». Wie er den such nicht fürchiel. sondern eher die hinter ihm stch verrg«de Ohnmacht, durch die Rot zu schaden, verlacht, so zlaubt er auch nicht durch d« Segen irgendwie in seinem stlÜcke und Wohlsein gefördert zu werden. .Semem auf pmas Reale gehend« Sinn ist Segen der Reichtum und h, fluch die Armut. »ob Der Mensch ftüherer Jahrhunderte, der sich noch ganz Zeb t der Abhängigkeit von dunklen und unerklärten Mächten Hy IHUe. sah m Segen und Fluch etwa» Geheimnirvolle» la ad im Beiborgen« Wirkende». Die bloßen «orte de» toi *g«s und de» Kluche». wkim fit von demn gesvroch« x I uubfn, bie dazu berufen und berechtigt naren. wurd« tat an ihm mit Freuden begrüßt oder mit Grauen gefürchtet. it r scheut b« Fluch der Arm« und ließ ihn nicht un« ,ok rschenkt von seiner Tür und fühlte stch beglückt durch kiMin« Segenswunsch. Er war defesten Glauben», daß i weg« und Kluch da» Schicksal des M«schen in weitgblsthsudem Maße beeinstuffm konnten, rapsi. Die heilige Schrift nimmt zwischen diesen beiden EMnschanungen eine gewiffe Mittetstellung ein. Segen und ^«Uuch ist ihr zunächst etwa» Innerliche», da» aber gewiffe ^ßere Vorgänge zur Folge hat. Der erste Segen, welcher der Schöpfung dem Menschen zu Teil antb> lautet: fruchtbar und mehret euch und füllet die Ettie und focht sie. Die Vermehrung der Mensch« und bie fochung der Erde durch sie können sowohl freudige schmerzliche Empfindung« Hervorruf«. Der Leg« ~ idet also nicht da», wa» wir gewöhnlich Glück zu t pflegen, da wir un» da» Glück ja nur mit .indunaen der Lust verburünn denken. Der Segen den Mmschen besteht darin, daß er seine götttiche Bestimmung auf Erden erfüllt. Diese besteht in der Er. Haltung seiner Art, in der Unterjochung und Überwindung de» Irdischen. Also auch hier schon sehen wir. daß Segen Gehorsam gegen da» göttliche Gebot bedeutet Da» ist auch der Segen, der i« Hanse der Patriarch« von Vater auf Sohn übergeht. Sie soll« hüt« dm Weg de» Ewigen. Recht und Gerechligkett zu üben. Dieser Segen wird dem Volke Israel vorgrlegt mit dm Worten: Siehe, ich lege euch heute vor Eeg« und Kluch. Segen ist es. wenn ihr höret aus die Gebote be» Ewige«, und Fluch, wenn ihr aus seine Gebote nicht höret. De» Menschen Bestimmung aus Erd« ist e». Gotte» Gebote zu erfüll«. Wer sie erfüllt, der hat den Segm. dm inner« Seg«. der in dem Gefühle erfüllter Pflicht besteht. Diesen inneren Segen kann ihm niemand Aehmm. Da aber die göMichen Gebote da» Ziel Hab«, den Mmschm tüchtig und tzeeignrt für da» Leb« zu orachm. so trag« sie auch meist dazu bet. daß derjmige. welcher sie befolgt. Glück hat aus sei»«m Lebenswege. W«n zuweilen dem inner« Glücke da» äußere nicht zur Seile steht so trifft da» dm wahrhaft Frommen nicht, best« innere» Glück sich oft durch den Mangel de» äußer« erhöht, indem er so erst die Unendlichkeit de» inner« Glücke» gegmüber der Flüchftakeit und Dergäoglichkeit de» äußer« schätz« lernt, »nm wir die Inkongruenz zwischm innere» und äußere» Glück so häustg zum Angriffspunll fttr uns« gotteslmgnrrffch« Zweifel mach«, so beweis« wir damit nur. daß wir noch mit allzuviel Erdmschwere behaftet find und nicht begreif«, wie eine Stunde innerer Seligkeit alle» sogeuaunte irdisch« Glück aufwi-gt. . Vielleicht ist gerade unsere Zeit, die aus der eiu« Seite wohl den Triumph de» kraffestea Material»»«»« gebar« hat. aus der ander« Seite aber durch die schnell« Wandelbarkeit de» äußer« Glückes die Men^m zwingt, sich einen anderen Maßstab für da» Glück zu fucheu. dazu bestimmt, un» zu lehren, worin brr »ah« 6*8« besteht. Vielleicht werde« wir unzu de» VeM»t«is de» Weis« durchring«, daß wir alle«, wes »>s wahrhaft eig« sein fotf bei uu» und in »ns trag» wßff« Für den einzeln« Jndm uud für da» jüdische Voll Abt e» nur ein» Seg». da« ist der Gchorsn» ßeg« Gotte» Gebot, und nur ein« Kluch. das ist der Üw» gehorsam. Wenn diefec Gedanke die Grundlage bÜdck für Schule und Haus, für Gemeinde und V,sfsv*sf»»»lMS dann werd« wir in Wahrheit gesegnet fei» von alwt Nation« lv« Tlkwoh. verfall «ad Lafstte«. ««t Dr, gill( C. g» jvyche» Verla, erlchelZl nfa, «Md» touMt dw «Mi M Mm 1111 rrijimnm Md Itllittir. ta Uaqa w ira g.mttiiT ißt VerMg»», Der Lrprll in de» SkmOtaitf i» CMm: H«t Nicht da» osfijirie Judentum «Ich t» »ar>»e» Jadehmrdeet n» die altjitdischen Neil« »Ampft, M M Ächt ch» «i» du ^iorftLideu, dtaddirreva, Lahmri, chcheiUmImi, dl« ffir tr« Erhalt»», U^d fnuataa, ta Ärmlich Mhit Hat nicht die Prymmmmsahr laasäche a»v|chi»et, hl» chr ««,» lLagft Mqi|fM hatte, t Hat »der d^ Sehe, »ich« Rtobi tmitä ui M» dt» vethMmi, »»a dee grähehr mitttl 0*t, mR mit HMsa»m» Mt tzmchmt tonfoM mlbn «Hathit mch SttlmMit. ttftjlo fit tckt „tdtm reli,id|t» »d »atiaWtlt» »It». Ste altm Ichchft ei, »smcht« Saldttu». 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