Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- 35 (17.9.1920)
- Date
- 1920-09-17
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Jfc. 16 6«k 2 3*kiM* 9o«»ta(. V. E» ii daker utBmktg, ki* gugc fb ku »- «iin»krit i» N»k tu brrngni- Txr ttntetjniknrt« glaubt Stm ktirtMtn 3«b«ifanu rinn ©imft z» nsttfcn. anra (T im (Ottügenkni fpoft auf ktt JtotUge der jkklschm Biainkctmatni ktiaetft unk rinn Anteil an dir jRdffch» •nuutbni ricktrt. ihn Sch^digkeit >-!»n. liachbenieklang. H« ist zu rrmtym, ad rt nicht möglich ifl. dnrch einen »^«gerechte» Znsannnenschlnff aller -emeiaden eine Hils«- gkß, ftr teiflnngdichkate Semeinden zu schaffen t, sei sernerflin daraus ki»ge»iesen. d»k sich in viele» Gemeinde» «in« Zahl »on anslLndischen (BlnubtnSgntofftn hgiiktt. kie keine Aultugdeitidge trotz günstiger Ler- > , «Dgeutzlage leiste» Ader auch sie koken wie an den Wechten, so »» den Pflichten der Wemeindeangetzingen chllzuiiikmi» Wenn ste die chinrichiungen der Temeinde in Anspruch debmen. ist t* ihre seldfloerfländliche Pflicht i» Perhtzüuil zu ihrer ileiftungekrait den Slai der .. Gemeind! z» stärke» > Der Unterzeichnete gibt sich der Hoffnung bih. dag der Appell, den er »n die jtdischen Gemeinden Lderschlesien» richtet, nicht ungehört »erhallen wird. sondern kafe gtzeral ou Gemeindekollegien, ihrer Pflicht eingedeak. kiese michtige »ngeie^nheil, die eine Ledenosrage fttr di, Mkischea Gemeindedeamten ist. in besriedigender Weise ordnen Merken zur Ehr« de» Judentum» gez. Kosterlitz, Rundschau. Lir Kea«teotz««litat »ec j»»ische» Ge«ei»debea«ren. Berlin, 16. September. Der Poilzegeräfident ju Berlin hat in ferner Eigenschost als Vertreter der Ausstchlsdetzörde der jüdischen Gemeinde zu BerUN auf eine diesbezügliche Abfrage entßchieden. daß die Gemeindebeamteu der jüdischen 'semeirrde z» Berlin der Ordnung vom 12. Februar 1910 und dazu . «Dnngenen Nachträge als »ffentliche Beamte im Sinne de- Betriebsrätegesetzes zelten und daher nicht als Arbeitnehmer im Srnue des BetnebSrütegesetze« gelten können. Gist erfreulich,, daß endlich eine klare Enzschridung dir Stellung der jüüljchcn Gemeindebeamten regelt. K«»K»»Ki,»Irrung drr„Mrlzjzei Pir»««i« - Klfsingen. 1». September. Der rm Jahre 15S4 von dem bekannten Mischen Korscher Luzzatto und einigen seiner Zeitgenossen ge« eudele wiffenschaftliche Verein .Mekizei Nirbamim'. der die Ausgabe gestellt hat. wertvolle hedrtische Manu-« Ritzte zu vertstentUcher.. hat nun. nach mehrmaliger unsoeiwilliger Unterbreit uug seiner Tätigkeit, die wissenstdasUiche Arbeit »ieöer ausgenommen Am 1. August 1920 traten folgende Vorstandsmitglieder zu einer Sitzung in Ktffmgen zusammen: Der Präsident Professor Simonsen ^Kopenhagen). Vizepräsident Professor Frei mann (Franken). der Schriftsiihrer Dc. Poznansky (Warschau) und »anenkooptierte Lorffandsmitglle» Lberrabbmcr Dr. Ehaje« (Dien). Unter anderem würde beschlossen. schon i» Apbeitsjahr 1920/21 au die Fortsetzung der bereittstgonnenen Publikationen trotz der außerordentlich drückenden ^»anziellen Lage des Berems heran zutreten sowie den Druck gcutt Arbeiten vorzubereiten. tzs dürften schon in diesem folgende Anke erscheinen: Die Fortsetzung de- .Midrasch hagadol', Gorlsetzung de- .Aabja', die Autobiographie Aprlm» .Maagol Tor^ unb her Kommeatar -u .Taharoth V Außer dem an Stelle hell »erstorbene« Gekehrten Abraham Epstein al- Vertreter Oesterreichkooptierteu Oberrabbi »er Dr. Ehaje- »urdenInoch folgende Her«« in de« Äu-schuß gewühlt: Dr. Ehru» Adler »l- Aachfalger deverstorbenen Professor Gchechter (Aew Pork). dann Professor Ellbogen <Berlin» und E. Seligmann (Amsterdam). Freunde der illduchen Wiffenschast können ihren Beitritt, der ste zu» tostenlosrn Bezug der Publikationen der Anstalt berechtigt, anmelden. Christ «n» |b»c. Düsseldors. 14. September. In der letzten gesprengten Versammlung de4 Schutz« und Trutzbundesollte über die 2»rdenfrage' und ihre gesetzliche Ltsuag gesprochen werden. Eine .gesetzliche Regelung' rft erfolgt, denn nach dem klaren Wortlaut iwserer jetzigen Denassung sind die Juden »ölig gleichberechtigt. haben dieselben Pflichten, aber auch' dieselbe. Rechte wie AnSerog'Üubige. Mithin gibt e4 keine Judennoge! — Eine weitere Forderung ist Abschaffung oder Verbot der jüdischen Gesetze und ihren Lehren. — Der nch. ob Jude oder Christ, strafbar macht, wird nach unser« deutschen Strafgesetzbuch adgeurteilt Oder gibt es noch ein jüdisches, für uns «aßgebende- Slrajgesetzbuch? Wie die Juden zu ihrem Gört beten oder ihre religiösen Zeremonien verrichten, geht niemand etwaan. Die Juden bekümmern sich auch Nicht daru«. wie die CH. jsteu ihre Religion ausübrn. Gibt er Verbrechen oder Vergehen, die nicht ebenso von Ltziisten. als auch »on Juden begangen werden? Wenn;emand einen Juden nicht leiden mag. fo ist bat seine Privatsache. Vlan soll aber nicht verallgrmeinerii. oder will man etwa oehuupten. er gäbe keine anständigen Juden? Es ließe sich noch durch »icleS sagen, wie unsinnig verwürsiich gerade jetzt in unserer jo schwierigen Lage ungerechtfertigte Angriffe gegen deutsche Juden find, die deutsch sein «ollen. .^ic jiikilchea Ke»i»tei« in Aca-tzalk». Posen. 14 September Man schreibt un4: Durch die polittichen Derhültniffe sind außerordentliche Deränderungen in den Spnago-rngemernden un'erer Provinz vorgekommeu. Die Wohlhabenden verlassen »affenhaft ihren Wohnort und suchen Zuflucht in Deutschland, «eist in Berlin. Die Zurückbleibenden find nicht imstande. die Institutionen finanziell zu erhalten, und eben dadurch werden die 4?ultusdeamte» und Zehrer genötigt, de« Daiiderstab zu ergreifen. ' -- Amte ergraute muffen außerhalb des Lande» Änstellui.^ e-chen (dre nicht leicht zu finden ist) und psufionierte Lehrer wachen-, ja «onate» | lang warten, ehe die Vorgesetzte Behörde ihre Ruhegehälter geregelt hat. Die Kultu-deomten find schlimm daran; ihnen bietet sich in seltensten Fällen ein Stellenwechsel. Sit ttihtu der J»&(n in ttHgaligien. Wien, lo. September. Äbjiehende Truppen, Rekruten und hauptsächlich die Petljura-Armre. die »on den Resten der Tenikin-Armee ergänzt wird, treiben m Oftgalizien ihr Unwesen, daß man des Lebens nicht sicher ist. Die Truppen rauben und morde«, weun «an sich widttketzt. Rekruten »ache»-ha- Paßiere« der Straße «nstcher. detrurckn ziehe« sie *n nue» Geschäft inandere und demoliere», »al ihnen unter die Hände kommt. Gar oft auch ereigne» sich Fälle, daß au« dem fahrenden Auge Juden herau-geworfen werde» uud dabe, den Tod finden. Diese» ^gzeffen ist ma» nirge»denergisch entgeqengetreten. Daärgste ist die Petlsura-Armee? — Er wurde diesiw letzten-ein Abschnitt südlich und »brdlich de« Dnjestr übergeben, und die Befetzung begann mit Morden und Plündern in den besetzten Gedletrn- So sollen Etanislau. Kakusz. Delathn us». ganz au-geraubt sein. In Stani-lau find zwölf ange» sehene Kauftevte (natürlich Juden) ermordet worden, in einer andere» benachbarten Ortschaft sogar zwonzig. Kein Wunder, daß infolge, der geschaffenen Lage die Juden auf verschiedenen Wegen da- Land veriaffen, waaber nur unter uagebeuren Schwiengkeiteu und »st m,t Leben«, gesahr geschehen kan». Sir U»t »er gnlinichrn La»»i«rr. Zürich, IS. September. van der Agudar J'llroel Lemberg geht dem Zentral- Büro der Agudaß Jisroel Zürich ein Schreiben zu. ou« dem die surwtbare Rot zu ersehen ist. in welcher sich unter den neuen verworrenen Berhültniffen besonderdie Rabbiner Ofigalizien« befinden. Sind schon vom Jahre 1914 her Rabbinerfamilien — deren Gemeinden bi« aus den heutigen Tag Überhaupt nicht mehr existieren — ,n Lemberg unter den erbärmlichsten Umstanden ansäffig. so gesellen sich zu diesen jetzt tagtäglich noch neue Flüchtlinge, sodaß die Stadt Lemlerg heute schon nnige zwanzig RabdinersamUien beherbergt. die. von ihren Gemeinden ganz abgeschnitten, ganz mittellos sind. Die Schonung der Autorität unserer Thora erlaubt^ uns nicht, die Rabbiner der Schmach der Bettelei auszusetzen. Die Summen auszubringen, die zur Erhaltung dieser heute schon großen unv tügUch zuncbmenden Zahl der Rabbinerfamilien unter den in <^al»zien herrschenden LmfiLnden erforderlich find, ist schlechthin unmöglich und »nß daher aus auswärtige Hilfe gerechnet werden. Die Aguda; Jirroel in Frankfurt a. ». nimmt gern Spenden zu diesem Zwecke entgegen.! Aus dem Reiche; Berli». Dre Amt-einjührung und Berpstlchtung der neugewähUen Gemeindeältesien leitete die letzte Sitzung der Repräsentantenversammlung ein. Geheimer Regierung-ral Dr. Minden begrüßte die neuen Gerueindevcrstrher mit einer Ansprache, «n der er zunächst dem Danke der Versammlung an die auSgeschikdenen Borstand-mitglieder Dr. Leilchchi^'eld. Dr. JustlM»e- ‘Äagnai, Baurat Marcuse und Loose Au-druck gab. die eine Wiederwahl in den Gemeindevorstarch abgelehnt haben. Hieraus widmete er den wiederbezw. neugewählte» Gemeindeältesten herzliche Worte. Ein Programm und die Aufgaben der Eemeiudeverwaltunz ausführlich darznlegen. erübrigt sich, weil erst »or wenig Wochen c>er Vorsitzende der Reprüseiitintenversammlung bei dcr Einführung der neugewühlten Rcpläjentuntenvecsommiung ein solches ein» gehend entwickelt hat. Der Verlauf der Sitzung gestaltete sich zu einer Ekrung kür den Vorsitzenden der ll^epräsen» tantenversammiung. Geheimrat Dr. Minden, der am 31. Juli fein 70. Lebensjahr vollendete. Der stell» L^uchdeiprechunA. Aetzvd« tznlc»: 8m 0»»«». Brrlaq Erich Reitz, verlin I'-ro Daß Jehud» Halevi ein wesentlicher Bestandteil der dmschen Weltliteratur ist. war den Gebildeten wohl stets Wffctmt. aber wie r4^so oft mit Büchern zu gehen pflegt, ist da« Maß. in dem über sie gesprowen wird, nicht da«, i» de« sie gelesen werden. Die meisten Dichter würden »»hl. wenn sie e4 noch könnten, da« bekannte Dort gttierrn: .Wir wollen weniger gelobt, doch häufiger H^lofe» sein". Wenn Jehuda Haleoi auch schon vorder in- Deutsche. E stbertragen worden ist. so ist e4 doch keiner der bisherigen Übersetzungen so ganz gelungen. nn« zu streck-en. Darum ist der Versuch einer neuen Uebertragung, den Emil Bernhard — unter diesem Pseudonym verbirgt sich der Bonner Rabbiner Emil Cohn - zu begrüßen. Die A»fgabe war nicht leicht, denn in gleicher Weife gehört zu ihr ein hoh:« dichterisches Feingefühl und eine sehr gründfirfx Kenntnis der hebräischen Sprache. Beides 'and sich i» dem Genannten in glücklicher Weise »ereinigt. So ist «in Werk -entstanden, das eine neue Bereicherung der deutschen Literatur darstellt und uni. die wir leider nicht «ehr die Sprache der Väter in dem Maffe beherrschen, wie vir sie beherrschen sollten, nun auch lein Führer zu Jehuda Halevr selbst ist. In acht große Gruppen gliedert der Uederjeher dar T Gch«ffev Jehuda HalesiS: Gott. Israel. Liede. Frs»rnd» stchaft. Leben—Leiden i-Dichten. Zion. Ta« Meer. Letzt- Lage. Don welchcr Gewalt des Empfindens Pnd die GvtteSlieder des großen jüdischen DiLterL aus der H»nifchen Periode. In ihnen lebt Gott -"d spricht zu mn« «it der' ganzen Urgewalt seines 2c|;i: ■. Gedichte zu befp^che« und eine Analyse von ihnen zu Heben, ist eigentlich eine Aufgal>e. di« man weit von sich -»eisen sollte, denn Gedichte muß man lesen und selbst erleben und die Utunde. in der man zu den Gedichten Jehuda Halevis in Bernhardstimmungsvoller Ueberfetzung greisen wird, ist sicher eine Stunde inneren Gewinns. Und wir. die wir al- Juden chnen gegenüder treten, vir werden aus ihnen auch die Kraft schöpfen, daß die Zukunft de- Judentumtrotz aller Kämpse und Verfolgungen der Gegenwart doch noch eine graße sein kann und sein muß: >. Sonn' und Mond im Wechsel der Geschlechter. ~ Tag und Nacht als ew'ge Wächter. So steht ewig Jakob« Same; > Gottes Linke mag sie lasten. Gottes Rechte wnd sie soffen: Ew'ge« Volk, das ist u.id dlc... rhr Name. Ueber die Zioaide des Tichtertz zu sprechen, ist unnötig. Die Sehnsucht nach dem Lande der Väter ist wohl nie wieder in solcher Reinheir ausgesprochen worden alan dieser Sttlle. Die Lehnsi.cht nach Zion ist ja auch dir einzige Möglichlert, die dem Inder oai Leben in der Gegenw-irt noch ermöglicht. In dem Augenblick, wo die Judenheit die Erfüllung ihre« Traumes m greifbarer Nähe sieht, grühen wir den Tochter. dH vor fernen Jahr» hunderteir ihm ttassischen Hu.-druck geg^cn hat. Dr W. C. Hm Ausfluß an die Bu^brsprechung laden wir noch einige Proben der Ticdtlunsi halevis in der tteoertragung von E. Bernhard folgen: Knechte der Zeit — Knechte -er Knechte! Ater der Freie, der einzig Rechte. — Auch ejn Knecht — dienet dem Herrn. Döhle sich jeder feinen Teil! Mtin teil aber und Heil — Spricht mein Herz — bleibet der Herr. Im Orient ifl mein Herz, im Okzident Am letzten Saum, verträume ich die Stunden. Kann Trank und Speise,, noch so süß mir munden? Kann ich Gelübde, kann ich Schwüre halte«. Solange Zion siegt in Rom« Gewalten? Läßt mich Arabien nicht l« Kercker kümmern? Und wa« ist Spanien« reichste )lur Wo« ist sie vor dem Staube nur Auf Zions — Zion» Trümmern? Freue dich vor deinen, Nächsten lieble Laune lasse 'chwrnden Und du wirst das Herz der Weisen And den Rat der Klugen stndefi! Sei nicht schlecht und sei nicht dumm. Auch nicht allzusehr gerechte. Und erreichen wirst du alle« Wa« dein Herz sich wünschen möchte. v»« jüdische» Petlag»»rsr«. Der ..Jüdische Verlag" u»d der ,Welt-Verlag' in Berlin haben sich zu r Arbeitsgemeinschaft vereinigt, um in großzügigster Dene allm Aufgaben des jüdische« Verlagswesens gerecht .zu werde». Der Welt-Lerlag wird auch weiterhin besonders die jüdischliterarischen Leistungen ,m deutschen Sprachgebiet pflegen. Dr. Martin.Büber hat die ob 'rische Leitung der beiden Verlage übernommen kob Klatzkin die h^riische #6* teilung im )erlag. ffür dm Einzelvertrieb der Bücher wur *r Gesellschaft, die bereit« in Berlin D 1a. Kne '53 eine Buchhandlung hat. gebildet. DaS Direkt Gesamtimtemchmen« bilden: Dr. Buber. Tr -i, Dr. Krojanker, Alwin Löwen« thal und 4 --erg.