Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- 35 (17.9.1920)
- Date
- 1920-09-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Und dir Schiffsleute ftrchteten sich und warfen olle» entbehrlich« Gerät in» Waffer, um da» Schiff zu erleichtern- Dann schrien ste rin jeglicher zu seine« Gotte am Hilfe. 3oab aber war in» Schiff hinabgegangen und schlief dort ein. Da trat der Schifisherr zu ihm und sprach: Wo» schläfst bar Stehe auf und rufe deinen Gatt »u. ob »ielleicht er nn» Helsen kann. Die Schiffsleute aber sprachen unter «inonber: Kommt, »ii «ollen losen, daß wir erfahren, durch westen Schult biefe« Unglück über nnk gelo«»en ist»! mir dies, Frage, wenn irgend «im dann nur nach einem Schuldig,». bet für bas Unglück, unter dem die Gesamtheit leibet, oeront»örtlich gemocht «erben soll. Und da» Merkwürdige ist, baß niemand die Schuld bei sich selbst, sondern gerodhnltch immer bei andern sucht. r Besonder» na» Juden klingt dies« Frage nur zu de kann». Seit »ir unsere Wanderung durch die Welt angetreten haben, gelt st« un» unaushärlich in drn Ohren. Wo auch immer in brr Welt, und aa» auch immer sich ereignen mag. immer sollen »ir Juden an allem schuld fein. Gerate in unseren Lagen sehen wir »ieber diese trourige Wahrheit in entsetzlicher Weise. Wir müffen an allem Mißgeschick de» Bolle» schuld sein. Wir sollen den Krieg heransbeschiaoren habe«, obgleich jeder weiß, baß die Juten in Friedenszeiten auch nicht den geringsten Linstuß ans die Regierung» kreis, in Rußland ober Deutschlant hatten. Wir sollen aber andererfeit» auch die Urheber de« schmachoollen Frieden» sein. Wir sollen einerseit» die Vertreter der kapitalistischen Weltorbnung sein und anderer seit» die Schuld am Bolschew »mu» tragen. «» ist gan, unmdglich. alle Verbrechen auszuzählen. an denen wir schuld sein sollen. Denn wa, auch nur pitssiert. wir smd daran schuld. Nun ist e» ja gewiß sehr bequem, die Schuld nur b«, Andern za suchen und die eigenen Hände in Unschuld zu waschen. Aber eine Bestaun, de» lluglück» wird hierdurch niemal» herbeigesthrt. Bielmehr muß man oor alle« di« Schuld bei stch selbst suchen, und dann ist tatsächlich die Frage: durch westen Schuld ist diese« Unglück über un» gekommen, mm heilbringender Wirkung. Denn der Mansch fall sich besten bewußt sein, daß er mit seinem eigen«« Lun gleichzeitig auch der Gesellschaft «erantworUich ist, daß er durch dasselbe nicht nur sich, sondern auch die Gesamtheit schädig. In sehr sinnreicher Weise per» anschaulicht die» sckgeild« Geschichte: Einst fuhr eine Rrisegesellschast aus eine» Schiffe. Da begann einer der Reisenden den Boden de» Schiste« an dem »an ihm gemieteten Platze zu dnrchbohrrn. .Stal flachst du bo?" riesen ihm seine Gefährten zu! .Ich bohre ja nur', gab jener zur Antwort, .an meine« Platze; der Platz gehdrt ja «ir.' »der da» Schiff geht ja darüber zu Grande, riefen ihm bi« Ändern entsetzt zu! So gibt e» heule leider noch sehr Niel», die den Baden aus he« ste stehen, durchbohren. Gewiß arbeitet hierdurch jeder zunächst nur an seine« eigenen Verderben. Aber das Schiff geht darüber zu Grund», das anaerantwortliche Lreiben jener Einzelnen wirkt zerstbeend aus den Gesamtbau der Gesellschaft eia, die Gesamtheit geht so durch die Schuld des Einzelnen zu Grunde. Diesem Gedanken will UN» da» Judentum durch den Jan« Kippur vor allem nahe bringeg. indem es »an jede« oon un« »erlangt, daß er Sühne briag«, .für sich, sein Hau« und di« gesamte Gemeinschaft Israel»'. Klarer kann der innige Zusammenhang zwischen de» Leben de» Einzelnen nad der Gesamtheit nicht zu» Ausdruck gebracht werden. * Solange die Welt aber bei der alten Gewohnheit bleibt, die Schuld immer nur bei Andern zu suchen, gerät'si, immer tiefer in» verderben, wird .der Untergang bt» Abendland««' immer mehr beschleunigt Da» sollten sich »or allem die Antisemiten gesagt sein lasten, di« glanben, die Well retten zu kbnnen, indem sie alle Schuld immer nur den Andern, UN» Juden ansbsrden. Erst wenn jeder einmal damit Ernst macht, di» Schuld oor alle» bei sich selbst zu suchen, kann ein Heilmittel für unser« kranke Zeit gesunden Verden. Oe. kt. kt. > Ar«ßrr»Aßeo BresltVer PersSÄNMtk»WStMtfUifr. Unter den Beantwortern der Ilmfrag«, di« der von Dr. Brun» Will« geleitete' .Lolkskraftbund' über de» Antisemititmu» oeranstallet und unter dem Lite! .Deutschen Geist und Judenhaß' herausgigeben hat. befinden sich auch einige Aeußeruugm Breslauer Persbulichlichkrn zur JudeNsrage. Wir stellen vor allem die merkwürdige Antwort hierher, die der Prosestor der Geschjcht« an der Unidersitüt Breslau, Dr. 8. Kaufmann erteilt hat. Er schreibt: .Tiefe dedauernlwerte Hetze wird nicht überwnuden werden, bis sich die vaterländisch gesinnten Deutschen jüdischen Glauben» entschließen, zornig (t) »Njueikeuuen und zu beklagen : l. Daß leider i« Krieg« der Prozentsatz »er sich dem Kampfe Entziehenden bei den Juden Häher war al« bei den übrigen Deutschen. 2. Daß unter den Agitatoren, welch» den deutsche» Stand untergruben und Nn» in die gegenwärtig« Rat gestürzt haben, di« Zahl der Juden erschreckend groß ist. 8. Daß di« Gewalttaten in München meist »an ausländischen Juden gegen deutsch« Bürger veranlaßt worden find. ä. Daß di« unheilvoA« Wirksamkeit der Cohn und Genossen, welch« mll russische» Geld« in Deutschland die Renitution anzettelten, illcht vergessen werten kan», ü. Daß der llntersnchungtaus» schuß gegen Hinheuburg Ludendarst us». vor»legend au» Juden bestand ' Wir w Indern un» über diese mehr al» nrntwürdige Stellungnahme Prosester Kaufmann» zu jüdischen Fragen wejter nicht, da uu» seine skeptische Haltung dem Inden» tum gqzenüber au» den Lagen des Beilitprozeste» »och frisch in Erinnerung ist. Es würde zu »eit führen, wenn wir u»» im einzelnen aus die Widerlegung der aus allerlei unrichtigen und schiefen Boraulsetzuiigen beruhenden Wett, urteile > de« Pros. Kauft« »nn eiulassen wollten. In de« Buche selbst findet man nicht wenige Auslastungen, die direkt aus eine Widerlegung btß von Vorurteilen nicht freien Standpunkt« de» Breslauer Historiker» hinauslauseu. E« sei hier vor allem aus die Antwort de» Breslauer Pastor» Lk. thcoL Moering hingewieseu. Pastor Moering findet sehr überzeugend« Worte zur Kennzeichnung der gegenüber den Juden augewaudten am. prechtsertigtm Verallgemeinerung. indem er daraus hinweist, baß dir Handlangen der Inden viel strenger beobachtet werden^ »l» die der Nichtjnden. und schließt sein« beherzigen,werten »etrachtnugen mit den Sätzen: .Ich dektmps« den Antisemitiäma«. Der Kamps wird erleichäert, wenn die Juden ihn UN» Nichtjnden sbalaste» und durch strenge Zucht iu ihren Reihen dieAngriffsslächen verkleneer» Aus den Urteilen van Pnlitiia». disich ans das Entschudenste ge^u den Antisemitismu« und den Judenhaß aulfprecheu. seien al» besonder« demerkeuswerst di« Zatzvtz XXVI solgenden Stellen Mstdiamaehe,. Der dem Hentw» i »ehdrende tzkHerun^prqwent von Oberschlestm V»I fttzreibt: .Dan Jndenhaß m-biete« schon Ma christld Nächstenliebe' Der Relchsschatzmdristeaa.». «athein .«ine «evistan dm nneettzch^ichm, FriedenaveetrnG»! da» dentsch».Ball aar uheffin. wenn t* ihm .amrnlisch» Eradertmmn' zu aeachmi. DmAn drück» ans aber «ns dos nickwla» Nivm» dm hemb schlißt M an», da» wir dl» SWN»at»i«,dm > »iedeegewinnen. Damit whk B pa schwiesbm »I am vatnland. Ihm «ntmmnzntatm ist die vstickt jede« Deallck»' Büigermeistei Dr-Trentin»Breslau ««innert» War, dm de «UMin Gutzkows .Urial Aeasta'- Bo«, da» selbst erfahr«», hat. »ie weh bi« . Int. wftd «rüüm nicht aat “"STHerr Prof. Kansman, nach üektüm objektiver Aenßmnn», seinen «nndpaMt »ach nach : Rmifion »ntagllhep iaird t. Sehaltsoerhtltsiße der jüdischst» rS«N»t»det«UUte» iA vderschleßck».^ Da Vorsitzende de« Vorstandes der« Kbniglhskl» b. -6-, Jichlant «asterlt». baokiuswertei West«der «ntzade nntnpeam. diel Frage der Vmcknn, da «e^llsoechwn«, da st ssr dmt Bmirt hm Verbandes b« > VDa«chri^ aadea takmebs-AMschn»^ grbßeren Vezieksgeweiudea gesandt »nd ei» nahm« veranlaßt. In FMtzmde« pbrn ait ihm I nn» dieser Drnkschrfft: I. Die Nntlnge da fttdischeu Gemeindebmmten i offenkundige. Dn» Uiuknmmen eutipricht in " ben hochgesteiaaten Preis« da Angestelltm find, um mll ihren Idilnen. zum grüßten Lest euftneder Schult« z» stünz». ata dl» llatristttzaa. in Auspruch za nehme». Elm Aendernng diesG > baren unb nnwürditz« Jnstnnbe» ist «im: Psticht da j bdischen Gemeinden, die biah« ihm! bar ben traurigen Znstsndm naschlnstm hoben »nd I «da se»>r sich tmigan, da» «insach» Gebat dm f Geeechtigkeft mmckübm ihrea Vmmbm m asüVm. II. Reich, «aat nah Kammnam hode» die i uub Besoldnn, ihr« Bmarte» »och bea i oahsüniste» rückiairkend »am t. April Ist itttjdL <) Die veomlrn fi»b l^enaltnHich nnb, bnMgt angestckt. d, Die ves oldUaa sM» sich ml '1. au» be» Grundgehalt, bps für all« Be»n»i»n MechG Kategeii, ^eich ist, st Mr OrGznlaa-, die Ach nach! Kostifiziernug de» batreffnidm AackVivM riestet, ll. Lrueruugsmlage^znr Zeit dü *U de» meunbgehakws ■ da Ortaznsooe bedagead. III. G, ist eia- Gherapsttch« b« jübtschm i ihtt» BfOMssty tzg^sfaL^ GdEiMMr« r»! ihr»» staubesgemährn »bm aalmenmg ' berussswudim» Beemlentnm ist dl« fest» «emeiaben. Dm benische Jnbeninm kann uM I da Verpflichtung. Pie M »am sei« G-mei ‘ Hai, nicht entziehen, ahm stch selbst nM Wa_ schsdimn. Da jüdische «emeindcheam«, maß salas f abhtngigieit mgenüba tm mchfilnden » ) rilMagJ Gemeindetsrpaichnsten wahren kbnn-n. Ar darf nichts gleichartigen Sinnt»- nn» Kanmumlbenmwu zumal die ritneAe desenssshrung einen erhöhten ' erfordert. IV. Die maß« Babäute de» deutsche,! da Berbnub ba daelsche» Juben. da D. I. < ■ t -t. 1._ l-H«.«-/!. E.-» ..«■ * - *- CMJQO Mt VDEfMlpfcht VCWilMMMSi pM dieser Finge väüig »echagt. Auch da G«"' Badand bewahrt in diesa Frag« «im Znrsckhallnug; a scheint M nicht »r »nmb , bi« Jnllintim zu evgmism, well e« stch n« hfm ■ Iniarffen hnnbelt. Es hat dem dentschm R ' »ich, nckchniwt, daß »ei dmtsch, Nichtechmch > lich» GihnAsnnstiim, n^z so>ch«a» mt tUfi mit Energie veifochi.