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Jüdische Volkszeitung · 1920-04-30 · 15 (30.4.1920) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
26 (1920)
Issue
15 (30.4.1920)
Date
1920-04-30
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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30. L»rü 1920 3»bif*« Jb. 16. «Mk » Rundschau. M«ffe»rr»e»»»»g jüdischer Uetarr? Berlin. 21 Hprit. Tie Deutsche Zeitung erläßt folgenden Warnung-rus: Rack einem von der Preußischen Lande-oersammlung om 3. Juli v. I gefaßten Beschluß soll die Lande-jufilz« Verwaltung künftig die Ernennung von Notaren nickt mehr nach Gutdünken vornehmen, sondern jeder Anwalt den nicht besondere Bedenken vorliegen, soll ein Recht aus Ernennung haben, wenn er einen Dienst von 15 Jahren zurückgelegt hit und an seinem gegenwärtigen GiJ Mindestens frtt 10 Je' - ansäßio ist. Nun bat diesem Beschluß der preußische Ju,u, ".rnister jetzt ,n einer Denkschrift an die Landesoersammlung ,,n Kernpunkt zugestimmt, aber eine Reihe von Bedenken erhoben und aoSgesührt. daß der Beschluß praktische Bedeutung nur für die großen und mittleren Städte hatte, da in den klemm Städten und aus dem Lande die Rechtsanwälte bereitnach kürzester Zeit Notare wurden Nach einer zahlenmäßigen Zusammenstellung wurde in einer Reibe von Städten (Breslau. Frankfurt a. M-. Hannover. Esten) die Zahl der Notare sehr stark vermehrt werden, vor allem m Berlin (Einschließlich Eharlottenburg), wo zu den bereit» rund 400 Notaren 336 neue Notare hinzukommen würden. Wenn der Herr Juüizmmi'ler Griahren von einer derartigen Vermehrung für die RechlSrstege befurchtet und d,e Enticheidunq im Einzelsall sich Vorbehalten will, s» möchten wrr aus eine von ihm vielleicht nicht erkannte oder absichtlich nickt beachtete Gefahr Hinweisen. die von dem früheren Justlzuniiisier Brseler :m Jahre 1001 auf die Frage des inzwischen vkrstorbeuen frelsinnigen Adgeordneten Landgcrichtsrals Peltafohn über die Zurücksetzung der jüdischen Rechtsanwälte m Berlin und Polen der der Ernmnung zu Notaren gelegentlich der Beratung de» JustizhaudbaUs ganz klar erkannt und m 'olgendcn Sätzen ^uSgesprock,en worden ist: ..Unter den ui Berlin ansä'sigen L5I Rechtsanwälten deiinderl sich 526 jüdische, also etwa drei Fünftel iümt.icher Anwärter gehören dem jüdischen Glauben (Raste) an. Unter deii 176 Notaren befinden fick 65 züdi'che. allo etwas über em Drittel. Ter Projpnttatz der jüdischen Bevölkerung zur G^iamtbevölkerung beträgt (in Berlin) 5,14. Wenn er nach den Grund» sttzen de4 .^errn Peltajohn ginge, w-nn die Ernennung der Notare, gleichviel ob e» judi'che oder christliche sind, in einer Stadt wie Berlin sich lediglich nach dem Prozentsatz und den« Dienstalter richtet, dann mcuie Herren würden wir nach lu Jahren vielleicht kaum noch rmen chnstlichen Notar in Berlm haben, und das ist ein Zustand. für den ich di, Beranwortung nicht würde übernehmen können' -hoffentlich lcheut sich auch der jetzige Justizminister vor dieser Verantwortung und dewabrt Preußen allgemein vor werterer Berjudung ferner Rechtspstege. meint die .Deutsche Zeitung'. Urne pblitische P»gr,mc. Berlin. 21. April. Flüchtlinge au4 Lsigalijitn. dre vor wenigen Tagen aus den Gegenden von Kolomeo, Brodh und Tarnopol nach Wien gelangt sind, berichten über furchtbare Ausschreitungen der in Ostgalizien zum Kampfe mit den Bol -..w.s:. ^u/ammengezogenen polnischen Truppe». Die;? .n »ngen richten sich ausschließlich gegen Juden ii! am«. In den meisten Städten und Stüt? Pogrome statt. Die polnischen Soldaten plün - -n Auge» ihrer Kommandanten. Da» berüc... li »-^.schneiden. ein Hauptspaß der Truppen de- E 1er. wird neuerdrngpraktiziert. Die angesl ^den und Ukrainer werden in Rudeln zusam. - und zu den niedrigsten Zwangsarbeiten angehi der» häufig sind Sederfälle auf Gotte». Häuser. die Gläubigen mit Gewalt zu Arbeite» hinter . eholt werden. So überfielen Haller: truvper . t .Im Kolome» die Hauptfynagoge und trieben ' ..chem Lfiergebei versammelten Juden zusamm ) ngen für zum Lerladen von Krieg»» gerät. - rkommnisse spielten sich in Brodh und in der H on Brody ob. Bisher find viele Mordta.e» vorgekommen. Zahlreiche Einwohner stüchten in« Ungewiste. ü«s verjubele c>e»tschlaod. Berlin. 2l. April. Man höre und staune. Nicht nur Kaiser Milhelm, sondern auch Matthias Erzberger ist — jüdischer Abstammung. Der .Deutschen Zeitung" ,st eS Vorbehalten geblieben, diese ebenso wichtige wie interestante Entdeckung zu machen Sie läßt sich au» Stuttgart berichten: ..E» ,si doch merkwürdig, mtt welcher Gewandtheit Erzderger einen Schleier über seine Abstammung zu ziehen verstanden hat. und noch merkwürdiger, daß die Presse dem nicht näher nachgegangen ist. So hieß e». Matthias Erzderger» Familie stamme von Salzburgischen Emigranten ab. jn Salzburg mögen die Vorfahren ja wohl mal gewesen sein — aber Emigranten — ungefähr so. wie der ga'.rzische Jude auch ein Emigrant ist. Die Borfahren hießen zoohl Herzberger. ehe st» fromme Katholiken wurden." Wir wisien nicht, bemerkt die .Reue Berliner Mittag»» zeitung'. der wir diese Notiz entnehmen, wa» wir mehr bewundern sollten, dre jüdische List, wie der Erzderger sein g)erkcmmen za verbergen wußte, oder die jüdische Spitz» sindigkctt. mit der die „Deutsche Zeitung" hinter seine Schliche kam Wir man «acht. Wien, 10. April. Die antisemitischen .Wiener Stimmen" brachten dieser Tage folgende aufreizende Notiz: .Ern gezüchtigter Judenbengel. Ern Leser sichreibt un». nach dem Begräbnisse de» Prinzen Alois Lichtenstein ging ich mit dem Domprediger Bauer durch de» Volk-» garten. Da begegnete un» ein feister Jude, der zu seinem Hunde so laut, daß e» Leute in der Nähe hören konnten, sagte: „Da schau her. den kannst beißen, da kriegst einmal ein Piafsenfleisch!" Daraufhin stellte ich den Frechling. hielt ihm eine Standrede und versetzt« ihm zwei schallende Ohrfeigen. Dann ließ ich ihn durch einen herdeigeholteu Wachmann arretieren. Die Szene erregte große- Aufsehen und e» hätte nicht viel gefehlt, daß der Jude gelyncht worden wäre." Wie der riomstische Vertreter im Wiener Parlament. Abgeordneter Stricker, mitteilt, hat er sofort nach dem Erscheinen dieser hetzerischen Sensationsmeldung Rach» forfchungen «-»»geleitet und durch Vernehmung von Per» absolut freien Staat nehmen; denn nur in einem solchen! «nd durch einen solchen ließen sich unsere nationalen Ideale ' verwirklichen. An jenem Abend war er von der Gr.' ökr zionistischen Idee durchdrungen und sprach eigent« sanattfchor. als der rabiateste Zionist. ,uo. Kuh,',,. I $d|«B?vtriknnft und Av>»" ' Da» Judentum >§, b*- * Seit viele Darst»"- liefert. , ...» alt die -*« »<unft ist. beweisen .-zeit Schon in Alexandrien. ' ...lumelzung de» Mischen Geiste» mit dem ^.,u)em Kuliurelement am innigsten vollzog, trat zum erstenmal em jüdisä'er Dramatiker namens Ezekilv» auf. der ei» den Auszug au» Aegypten behandelnde» Drama schrieb. Bekannt ist ferner der jüdische Schauspieler Ali» thro». der Liebling de» Kaiser» Rero und seiner Gemahlin Poppäa. durch den Josephus Flaviu» der Poppäo bekannt wurde, Kerner soll e» tm Altertum euu jüdische Schauspielerin oder Tänzerrn na men« Faust,na gegeben haben. In einer alten Schrift findet sich die Abdildung de» Decke!» einer Graburne, der mrt drei szenischen Larven geschmückt ist. Tie Abbildung läßt deutlich erkennen, daß die Larven em weibliche» Gesicht darstellen. In der Schrift heißt eS: Der Deckel bildet ein längliche» Oval, auf besten rechter Seite eine viereckige Tafel angebracht ist: auf der Tafel ließt man (in griechischer Sprache) die Inschrift: .Hier liegt Faustina." Darunter befindet sich da» Dort Schalom in hebräischen Buchstaben und da» Bild eine» Palmzweiae». de» fiebenarmigen Leuchter» und de» Salbhorn». Daß die Verstorbene eine Schauspielerin «der Tänzerrn gewesen ist. läßt sich au» dem Embleme der Schauiw»" ist. den szenischen Larven, nicht bezweifeln, ^d ^' nt t * Iüdi» gewesen ist. zeigt da» Wort Scho tr.: ie dabei stehenden Symbol« offenbar. »«» c- Er-.- Deutsch und Rachel haben also Ahnen, die tr 6<,< K-la-Ebe» Rml ruhe». Hug« K«l»»: Die Hesch««. Vhtttsgt'chkchit. Berlaq 4. varih. (Sin, oad -npzig I.-S20. Name von Hugo balu» al» Lyriker ist weit nv seine Gedichte gehören mit zu den Schönsten. >derne Literatur hervorgtbracht hat. sie «erden und Innigkeit de» Empfinden» kaum von übertrosten. E» ist jedoch stet» ein gefährlich wenn der Lyriker da» Gebiet der Prosa» erzä-. weil er damit den sicheren Boden unter den . *• So I 5 der dem vorliegenden Bändchen, da» schön au. - . den in Wien erschienen ist. Hugo Salu» bea-.l - ' ihm aus den ihm wohlbekannten Boden de» : i tta. Er versteht e» mit der chm ngrnen Gab, .» - > i: " ng vergangener Tage vor unseren^ Augen wiedf; n - ' asten. Wir glauben mrt ihm aus dem alleh'NuroiL. rger Kriedhof wieder zu wandeln und genii-'-/ . n. - wmung einer FrLhlmgßnacht m jener Stätte -n?. Die Handlung aLerd«» blerbt nur scheme.5^" j. er Talmudschüler Dn»ch. der sich in dre Tv>^' . 'eistrr». iu Eva verliebt, er gewinnt nicht so " r rnter den Händen de» Dichter», dem e» nm t 't liegt. Körper und Menschen zu schaffen. Manch schöne» Wort < Judentum findet sich m der kleinen, anspruchslo n ^. . i. so etwa, wenn er sagt, daß da» Geheimm: - > . Stimme», die von Generation zu Generation u' n. ,.rte Pietät gegen die Eltern ist. Manch andere» £>«rt ist vielleicht anfechtbarer, aber wir wolle» mit dem Derjaster Über religiöse Aussastungen an dieser Stelle nicht rechte«. Trotz aller Einwendungen sind wir ihm dankbar für die wundersame Stimmung, in die er nu» emzufemgeu versteht und legen da» Buch mit dem Gefühl einer schbn durch träumten Stunde au» der Hand. Dr. W. C sonen. welche Zeugen dB «eschilderten Austritte« und dey Arretierung waren. rmtonMfni salgende» festgestrlt: Der rohe Mensch, welcher tatsächlich seine» Hund i» der geschilderten Leise apostrophierte, ist kei» Jude, sondern ein waschechter Arier deutscher Rationalität «ch Christ. Er heißt Ludwig Petwaidee und ist MitarbeitU und langjähriger Parlament»drrichierstatter der dentschö nationalen radauontlsemitifchen .Ostdeutschen Rundscha»* und mehrerer ebensolcher Hetzblätter in der Provinz. Welch verlogener und gemeiner Geselle der .fcfft' der Stimmen" ist. geht darau» hervor, daß der Wachmann die unter anüsemitischen Rufen auf den Dev hafteten losstürmeuden Passanten mi! den Dorten: .Aber da» ist ja kein Jude, sondern ein Christi' von Gewalt« tete» abzuhalten bestrebt war. Der famose Kronzeu« der ..Wieyer Stimmen" hat da» gehört und trotzdem seine» infamen Brief dom .feisten Juden" geschrieben. Attische» jede« i» DttAprß. Budapest. 21. April. Die Sektion für Zeremonialangelegenheiten hat folgende neue Aersügungen erlaffen: 1. Getteßdienste für die Frauen. E» ist ein« wichtige Aufgabe, die jüdische Krau wieder für die AeUgio«, für den Tempel zurückzuerobern. Kann e» doch heut» leider nicht «ehr bezweisett werden, daß die in Verbindung mit der Jrreligiositüt »uftonchenbrn Uebelstände. besonder» die Taufen, in erster Reihe auf die Entfremdung der jüdischen Frauen vom Tempel zurückzuführen find. Eg gilt, die jüdischen. Frauen 'und ihre Gesellschaft auf d« Bahnen der Anhänglichkeit an da» Judentum zurückg» führen und hierzu bildet der Tempel da» zweckentspreche»dst» Mittel . . Dieser großen Ausgabe dienen die Sonder» Gotteüüievfte für bu Frauen. SHeft Gottesdienste werde» zwischen Peffach und Schewuoth jeden Samßtag u» 5 Uhr nachmittag» im Tempel in der Tadrkgaff» al» vollständige, mit Predigt verbundene Mmchagotte»dt««st« abgehalten und sollen stufenweise auch aus dre übrige« Tempel ausgedehnt werden. 2. Ramrnserteilung für neugeborene Mädche». Diese soll in der Leise erfolaen. daß an jede» Reu«o«d* verkündenden Schaboth die Mütter und die betreffendest Familien im Tempel erscheine« »nd die Ramenserteil»»» vor der Thora, von einer Festrede und einem Mischeberach de» Rabbi gefolgt, erfolgen soll. Diese Verfügung, die dazu geeignet sein dürfte, eine größere Anzahl von Familw» i« Tempel zu vereinigen, wird unverzüglich in sämtliche» Tempeln eingeführt. 3. Di« Jugend-Gottesdienste. Die bisher sch«« bewährte Institutw» to Iu«Md-G«t1«»die«st, f«I 1« tat Leise erweitert werden, daß in den Lehranstalt« der Gemeinde für die Knaben irden Freitag und Feiert««' Abend, am Vorabend von Chanuka und Puri» M|* ständige Abendgottesdienste. jeden Sam»tng und Feiertag vollständige obligatorische Muffaph-Vottesdienste mit doller Thomvorlesung und Predigt, an jenen Tagen, an de»« der Unterricht auch nachmittag» erfolgt nach den Sch«l» stunde» überdies M.ncha» und Maanv-Gotlesdienste ab» gehalten werben. Für Mädchen findet jeden Samstag ein vollständiger Muffaph»Got1e«dienst mit Vorlesung eines Teile» der Wochensidra und mit Erhortatton statt. Die Gottesdienste werden unter Führung der ReligionslMer von einem tüchtigen Val-Kore geleitet werden, den Sh« stellen die Zöglinge in ihrer Gesamtheit bei. Diese G«tV>» dienfte sollen systematisch für alle, auch staattiche Schul« besuchende Kinder eingeführt »erden, sodaß dann n^ezj« 12000 Kinder an diesen Gottesdiensten teilnehmen »erste«. Di» i« «,,»»». Budapest. 1b. April. An» Budapest wird gemeldet: Rach dev. durchschlage»» den Siege der studentischen Vrachialformattonen Uber di« völlig schutzlosen jüdischen Konunilttone» und nachdem eg nunmehr gelungen ist. Tausende jüdischer Studenten ihres Rechtes auf die Lernfrerheit zu berauben und au» de» Lande zu treiben, geht e» jetzt an die Vertreibung der jüdischen Universitätsprofrssoren und der chrtstlst" Hochschullehrer, die sich durch liberale Haltung « gemacht haben Unter de« Drrcke dieser Aaittt nunmehr der Rektor der Unwersträt der GeschtchO. . Dr. Hemnch Marczoli. einen Juden, .üb I«te«ße bis Ausrechterhaltuag der Orbnuaa währe»d der denoeüM" beginnende» Vorlesung" ausgchndert. um sei« Le«p» lanbung anzusucheu. Eia anderer jüdischer UninastWst» > profeffor, Dr. Bernhard Alexander, der stch bereiG » . unMwillige« Urlanb in der SchMch bestechet, ha» mehr sein Gesuch om Versetzung in «en danernd« Msthß« stand übersandt._ ftMMtm «l» ««kHwt M. > in M nn^n La,» i» SmW« Sai^tlMt^wabnig bcc ftkräl S nwÜn kl«»de Srnttfim um Prllßtnitni i wart». n kenn Uwfn^nl tat Wfnk< 1 M SotfenNmrtjltAn C. L. 9<yni» pa > .Lu S«acnl>nfammlm, timmt in Pri»M» lalfung tsn §tau»* jm Ctclfatg« (■ D«i Btüm btut, b«| |gf«d kü ' iitkiira fein, an ftc bu ttbinfa <tz Cnlfnyim M (taimn, |*i mcht bk' jUt«H Dk rtmppUlt f "

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