Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volkszeitung · 1919-01-10 · 2 (10.1.1919) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
25 (1919)
Issue
2 (10.1.1919)
Date
1919-01-10
Page
Seite 6 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/6682508-6377570-6450431--1115-4850892
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

91c. 1 Gote 6. Iüdttche BsO*»Ktimg- 10. Januar 1010. 1 . CHtfll U. G. BetfenbUnggg wogen Ctnfauf« een Metallen n fftfem. Hiatei fette er Gelegenheit mtt hervorragenden Industriellen amb Finanzleuten zu sprechen und er schildert «bs*bie Lähmung des Unternehmungsgeistes, welche «folge der Rationalisierung tzou Handel und Industrie entstanden ist. Mit sichere» Blick greift er auch einige Momentbilder «Ns de» Strafenleben heraus, berichtet »der die Lage der js Proletarier» gewordenen ehemaligen Bemittelten, welche unter der Herrschaft der neuen ..Freiheit" ein Sklaven, leben fftfetn. Ehemalige Generäle, hohe Beamte und vssiziere fristen ihr Dasein als Kutscher. Boten und Zmttmgsderküufer ein früherer Minister muß die Strafe fr»», um nicht zu verhungern, Raubanfälle. Morde und Dndfehle sind an der Tagesordnung und dabei herrscht »ach in manchen Kreisen der Beamtenschaft die schlimmste Korruption. As Aufsichtsbeamter einer Großbank fungiert «in achtzehnjähriger Jüngling, und in eine« Hospital «nß sich ein bekannter Professor von der früheren Mäscher«, welche die Aufsicht führt, abkanzeln lafse«. Dabei hot bas Geld jede Kaufkraft verloren, svdaß alle« zu« Leben Notwendige nur zu Phantasiepreisen erhältlich ist. Auch das jüdische Proletariat befindet sich im Lager der Voftchewisten. was ja angesichts der schlimmen Be« drückuns unter der früheren zaristischen Herrschaft nicht wunderlich erscheint. Die anschaulichen Schilderungen des bosschewistischen Rußland titanot uns in Deutschland al« abschreckendes Beispiel diene». Deshalb verdient auch die Broschüre die weiteste Verbreitung. H | Kleine Lhronik | Jadealos 8m f)n.3cn«rB. Cfejtm war mit seinem Frühstück zu End« und machte sich daran, seinen Geschäften nachzugehen. Er war eine he. knochige Gestalt, hielt sich etwas gebeugt, und in nem ganzen Wesen spiegelt sich seine gerückte Gemütsstimmung wieder. Und fürwahr, er hotte auch Grund hierzu! Dar doch sein Tagewerk kein leichtes, nnd feine täglichen l^efchäftswege von Spott und Demut begleitet. Jeder glaubte sich berechtigt, den Trödlerjuden verhöhnen und ihm geringschützend b^egnen zu dürfen. Um leben zu Ünnen. seine Familie zu ernähren ließ er stillschweigend all den Hohn, all diese stichelnden Redensarten über sich ergehen. In des Lebens harter Schule fette er gelernt seine Gefühle zu beherrschen und niemand ahnte, daß hinter diesem schäbigen Kaftan ein warmes Herz schlüge, daß dieser seinen Trödlerpack schleppend« Mann seelisch wett «ehr als unter dem Kampf um» Dasein leche. Er war wohl ein Proletarier, aber nicht in «telleftueller Beziehung. Einst hatte er gute Zeiten gesehen, fette in pohlstand gettbt. war ein Mann von Einfluß gewesen, dessen Stimme im Rat seiner Gemeinde etwas pilt, aber jetzt gehört all dies der Geschichte an. nun er verarmt war. Und doch waren seine sonstigen Interessen in nichts gemindert — Jetzt ergreift der bereits 60 jährige feinen Stock, verabschiedet sich von seiner'Familie, legt seine Hand beim Verlassen des Zimmers auf die Mesusoh und tritt die Wanderung an. Weit vom Städchen führt ihn der Weg. Hie und da öffnet sich ein Fenster und der Trödler wird gerufen. Ehasim steigt treppauf, treppab.s bietet seine Daren an. aber der heutige Tag scheint für ihn ohne jeden Erfolg verlaufen zu wollen, denn er kann nirgends handelseinig werden. Müde und abgehetzt will er schon den Heimweg antreten. denn der Freitag geht bereits zur Ruhe. Kälte und Hunger haben ihn ermattet und Hoffnungslosigkeit drückt ihn noch mehr nieder. Noch einen Äugenblick zögert er am Hause des gräflichen Schlosses, wo er schon io manches ge- und verkauft hat. Äuch diesesmal war sein Änpochen nicht vergeblich Man verkauft idm einen von früher kaum getragenen Rock. Cbajim darf sich von diesem Einkauf guten Erfolg versprechen und wandert leichten Herzens der Heimat zu. Rückt doch die Ruhe des Sabbatfe entgegen. Im Iudengäßchen werden die Kaufläden geschloffen, das rege Treiben verstummt und der Ruhetag hält feinen Einzug. Luch Lhajims Wohnung atmet die Stille des Sabbaths. Der Hausherr tritt ein und entledigt sich seiner Last, noch wenige Minuten und ihn umsügt die deseeügendc Freude des Festtag». 24 Stunden ist Chajim ein anderer Mensch, eine zweite, neue Seele eignet ihn und läßt alle kleinen und großen Sorgen de« Älltages verschwinden. Rur zu schnell geht die Spanne der Ruhe vorüber Nach Hawdoloh betrachtet Ehasim den Rock und entdeckt in ihm eine Brieftasche mit überreichem Inhalt .Fünfhundert Rubel"! Er Lnnte ruhig und zufrieden seine Tage verleben, wäre wieder geachtet und schließlich würde der reiche Graf den Verlust garnicht verspüren. Er kämpft mit sich einen harten Kampf. Kür und Wider jagen einander in seinem Hirn. Soll ich. soll ich nicht! Und schließlich siegt in ihm der gute Trieb. Rein und tausendmal nein! Er ist arm, aber ehrlich und will niemandem Unrecht tun. Gleich am nächste« Morgen wird er dem Grasen Brieftasche mit Inhalt uneder zuftellen Die ganze Nacht kann Ehajtm nicht schlafen. Die Brieftasche unter seinem Kopfkissen lastet ihm Zentnerschwer aus der Brust und er kann keinen Schlaf finden. Er verläßt frühmorgens seine Wohnung, macht sich auf den Weg und die frische, kalt« Morgenluft wirft beruhigend auf seine »och immer versprengten Lebensgeister. Ehastm wird dem Grasen gemeldet, dem er die Brieftasche einhändigte. Der Graf vermochte anfänglich seine Überraschung nicht zu unterdrücken, schnellte von seine» Sitze empor, gewann aber bald seine Haltnng wieder. „€« ist schön von ihm. daß er mir mein Eigentum zurüHiellt. denn bei Le^eo. ssas<gleichen ist «an uich< daran gewöhnt. Dar wirklich kein größerer der Tasche?“ Ehajim erbleichte. Worte konnte er für die Gesinnung des Grafen nicht finden. Der Graf bemerkte seine Aufregung und. sich stolz aufrichtend, meinte er: .Dergeffe.ee nur nicht, vor wem er steht. Finderlohn kann er nicht beanspruchen, denn die Tasche war ja nicht verloren. Hier sind 2 Rubel." Jetzt richtete sich Chajim stolz empor und mtt verächttich zorniger Miene schleudert er de« Grasen das Geld vor die Füße und mit den Worten: .Almosen verlangt der Jude nicht", verließ er das Zimmer. — Dieses schlichte Erlebnis erzählte mir ein aller Landsturmmann, der es von emem Freunde Lhajims erfahren hatte, als er in deffen Hause im Quartier lag. Es sollte manche vo» denen, die so schnell über unsere östlichen Glaubensbrüder aburteilen, etwas nachdenklich stimmen. Z» de« Arttkel in »nsere» Hanptblntt. „Der jüdische Kongreß in Amerika". Wir «üffen »er Wiener .jüdischen Zeitung" die Lernntwortnns für die hier wieder,egedene. Bemerk »»ge, über laste,. Dir Sa«riff« ,e,t, Mt StUayfit Mt uHmuln Statt««« im a«M«tm*. atlcht sich „hl ,khr «*| »»trttichischt Sttfttihffft M|tt|t«, U««m att I« »itstt StnOftati«tTa«t (tt«t*attf kilitta. f<|t|t> ttttt« aft, att t* ..ch M, jttHtjt« Orytvfftttnr« ftit tiityrr Stil ttschittz,. f»r ttst ft«itiM tln jtMIcht» «rtift i, Mt SaltVhMfrtft rt«. DieSrk»ktt*n. „Permenpha“-Brillengläser I geben von der Mitte bis zu« Rande gletebmftJHfs WM. I Optiker Garai, Albnebtstruse I. -1 Kostüme — Mäntel — Röcke Plüsch- und Samt-Mäntel Mädchenmäntel zu enorm billigen Preisen Damenmäntelfabrik E. Breslauer UbrMkbtr. 5159 — Riig — Schaiedtbrtek« F. R. Luge, VuMtuhm j Jankarnstras*« 14 Künstlerkonzert •Mgcffikrt *•« 4er MitMen HiakipcM« Sonntag von 12-t2 Uhr: PrU-KtiurtlwkooMrt. Samson Und CO •f »iMtanraw». AdlMhiMn 0 yit«blir<m»a bekannt ptt Amfthniag, prompte Bedienung. LMtinus a<l4cra «a riwratcku I» J—3 Ms Bckust Mllige PreiM. VwiiOSamwawctiioO.—ehdom»et» lacht Niieabtlligst Samson O Co , BKdMrpUtz 20. TifebM 4389. Aidieliw SSrfcn mt atattfind. Sonntag von frth 10 Ubr d» nachm. 3 Uhr: werktags von 0—5 Uhr Jldtoehw Tolkskita (TojnbM-Halh) Aatoaieastrame 15, Portal 7 lat an zock«« 1—ffc Dienetag and HneneretM; WOO 8—U»’’ ftr jedermann anentgeitlich geöffnet Soeben erKhleatw: DIR II0K1SIDS, sin IMIN m um oBfiiRisiTio, DR. 8. B5BSSTIIN. Herau»gefeben vom Kopenhagen« Rurwu der Zioaiatlachen Organisation. INHALT: 1. Der jüdische Pmhet^g«danbe in seiner geschichtlichen Entriegelung. — 11. Die Eatacbeidungsepoche des judeateras un 19 Jahrhundert — III. Der Zionismus als die nationalsoziale Erneuerung des Judentums. — IV. Der Zionismus als der Maehtfaktor der organisierte» ludenbeit. — V. Der Zionismus im Lichte dsr internationalen Demokratie, — VI. PaRstiaa im Procmee der sozial politistben Wiodergebnrt. PREIS KR. 1.— Beetelleegeu sind /u richten aa de»: KOPENHAOENER BUREAU DER ZIONISTISCHEN ORGANISATION KOPFNHAOEN : HYSKENSTAEDE 10 Die Altbekleidungsstelle Rieg 48 erteilt nach wie vor eine Ahfahebooeheinigeeg zur Erlangung eines BedaHaocbelaee auf I Paar n«u« Schuh« ohne Prtfnnf de» Bwderle bei Abgabe von 2 Paar tragfihigen Schaben, deren Sehlen im Odenk od. ia der Vorderflhche aus Leder bestehen. Annahme werktiglieh von '/,10— 1 n. '/f4—5 Uhr -'t 1 Rnzug oder Paletot rauB, am die Haltbarkeit zn erhalten, gut verarbeitet sein, wenn er gewendet wird- Diese Sorgfalt wird in eigens hierzu eingencht^n Werkstätten durch die Pinna: Pariser ft StrasMer, Ohunor buwmo Nr. a? OoUono Erono, lolcpbo» -ns angewendot Bestellscheine für Mazzoth. Wie in den Vonahren werden auch in diesem Jahre MazZOtfa durch die Händler oder die Bäckereien an die Verbraucher IHIT gCggn bt- ^laubi^e Bcstellochwine und nach Rückgabe der auf die Peetwocbe entfallenden Brotmarken geliefert. Die B—teHochcine sind bei den Marzothhindlcrn oder de, BAckerelcn au entnehmen und nach Auofflllung un» zur Beglaubige»^ vorzulcgen. Die Beglaubigung erfolgt für die Geraemdemitglieder, deren Name, mit den Buchstaben beginnen: A und B C, D und E F und G H und J K Montag, Dienstag. Mittwoch. Donnerstag, 16. Freitag. 17. 13. Januar L Montag, 20. Januar 14. .. M, N und O Dienstag, 21 P und R Mittwoch. 22. „ S, Sch, St Donnentag, 23. .. T. U.V, W.Z Freitag, 24. .. Vormittags 9 bi» 1 Uhr Im Sitzungszimmer I, Wall Straße 0 Hienu ist der grase Bezugsschein ffir Lebensaittei «hzsbringca. Die beglaubigten Bestellscheine müssen voo des Verbrauchers sofort aa die Mazzothhaadler oder die Backereien zurück gegeben werden. Breslau, den 7. Januar IQtO Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Deutsche demokratische Partei Jünglinge and junge Midehen können sich durch VertoUung Ton Fllgblättern in den Hausern in dankenswert. Wese für die Partei betätigen Zahlreiche Meldungen sofort und dringend erbeten bei dem Zentralbureau, Königstr. 3)4 Riegner’s Hotel, I. Stock und den Zweigstellen: MatthiaMtr. 96, Berliner/ Platz 1a, Gribscheneratr. 67, Kaiser Wilhelm/ Strasse 74, Klosterstr. 30—32, Junkernstr. 17 Arleliusstr. 34. Soldatenbureau:Junkernstr. 13J geöffnet Wochentags 2—4>j, Uhr nachmittags, f

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.