Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- 48 (27.12.1918)
- Date
- 1918-12-27
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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St. 48. «eite S. Swq». 27. Dezember 1918. 3«Mg« brt Nützliche» Ableben« M ^nuiirbrl ist in kt* Erschein«» tiefe« Stattet ent llnierbrechuAg lingr trete». Sunu^t ist di« .Jüdisch« SoUfgeita», raaakere Hänbe ftlet gegangen ak Buk in kam Mi> tiegmken Format ag«miftig Beiter erscheiwe». Mir kitten deztzaltz unser« Leser, da das Abonnement jetzt akUaft. um fmnibl UMgetzenke lunetttt e»tmeker kei der Post ■ oder durch dirette Bestellung kei der Unterzeichneten: Geschäft «strüe «.Ich« das Blatt d»rch di« Post -Überreifen wird- Der Bezugkpoei« fgr das Bierleljahr beträgt MI. 1.80, ftir das gange zatzr MI. 7,—. skr km VesteÜnng srri Hau« berechnet gie Post vierteljstzrlich 12 Pfennige. «eschtstSsteste der Ztdische» BoUBeitnng. Sechtsamoalt Or. Apsel eingeleitet, der die ungesetzliche Behandlung der Juden im alte» Deutschland einer scharfen ftriti! unterlag. I» der Stunde der Sat des Vaterlandes Ballen die deutsche» Juden noch «»mal ale« Vergangene vergessen, «der. selkst in dieser.'Zeit erhebt sich eine neue Juden. hetze, die sogar mit Pogrome» droht. Segen körperliche Angriffe werden wir UN« zu schützen wissen, gegen die Verletzung unserer %eiIiafUn Gefühle oder gikt es .nur de» Appell an da« Semiffe» unserer ondersglöukigen Mitbürger, an. die politischen Organisationen und eventuell an da« Sewiffe» der zivilisierten Welt- Air wollen heute öffentlich bekunden, daß wir als Se» Präsentanten de« deutschen Judentum« nur bewußte und aufrichtige Männer und Frauen anerkennen unkzjede Verantwortung für die Taten und Aeußerungen solcher Politiker ablehnen. die nur durch de» Zufall der Geburt dem Judentum angehörrn. aber innerlich nicht«, mit ihm zu tun haben wolle:. Wie müffen un« aber auch verbitten, daß man auch heute wieder durch Judenzödlungen seststellt. wie viele Inden inst den verschiedenen Parteien an der Spitze stehen. Wir Juden habe» kein Jntereffe daran, daß viele Juden au politisch hervorragenden Stellen stehe». Wir vertrauen bei den bevorstehenden Wahlen gern unseren andersgläubige» Mitbürgern, aber nur solchen, die für die »olle und restlose Gleichbetechtigung ♦ der deutstchen Inden eintrete». Von de» politische» Parteien erwarten wir, daß st« nur solch« «ba»- didaten ansstellen werden, deren Wahl ausrechte jüdische Wühler ohne Gewfssenskonflilte zustimmen können! Für die Dentsch-Demokratis chePartei erklärte Ehefredaveur De. Johanne» Balhgen. daß seine Partei für! die Bleichheit aller Bürger ei», hitt nnd^dtshalb^auch für die Juden alle staatsbürgerlichen Stätte fordert. Reichstagsabgeordneter Davids ahn stützt seine AtessLhrungen aus da» sozialdemokratische Parteipogramm, daß keinch Basten oder Klassennnler» schiede« anerkennt-''Die Eozialdetnokratie ist nnmer energisch für die «echte der deutschen Juden eingetreten. Antisemitische Entgleisungen einzelner Sozialdemokraten, die bei unpassenden «elegenheilen gedankenlos antisemitische Sedensarten benutzen, dürfen die Juden im eigenen Interest« nicht der Sozialdemokratie in die Schuhe schieben. Jeder Jnde. der ehrlich gegen sich und da» Judentum ist. muß die durch die Revolution geschaffene Entwicklung mit Freude» begrüße», weil die erfolgreiche Arbeit der Sozialdemokratie ihm die BükgeroÄte verbürgt. Oberbürgermeister D ominicus-Echineberg lobte mit warmenzWorten die Leistnngen der Jude» für da« allgemeine Wohl und verurteilte die Pogromhetze- Die Juden sollte» sich prüsen. ob sie nicht der Verstimmung. die i» deustchen Volke gegen ste besteht, durch manche bedauerliche Erscheinungen Vorschub geleistet hatten. Die denstchen Jude» sollten au» der jetzigen Lage die Lehre ziehen und in Zukunft in berechtigter Abwehr gegen derartige Beschuldigungen ihr Verhallen so einrichlen, daß nicht ei» Schatten ans sie füllt. Zu diesem Ziele führen zwei «ege: die Inden mösten fax die Erhaltung der Ordnung im öffentlichen Wirstchaftslebe» eintreten und fich «in dieser schweren Zeit in nationaler Beziehung al» besonder« zuvrrlüsfig erweisen und ganz im deutschnationale» Sinne arbeiten. Segen diese Susfithrungen. die von der Berfainmung mit Unruhe ansgenommen wurde», polemisterle Herr Kurt Blumenseld. Für die Selbstwertung der Juden find die Aurführungen de« Vorredner» geradezu ttzpisch» der ihnen ihre Leisdingen im östintlichen Leben bescheinigt, aber hinzufügt. daß fie ihr verhalten io einrichlen »äffen, daß sie dem Antisemrtismu« leinen Borwand liesern. Air dürfe» UN« in Zukunft nicht mehr mit einzelne» Parteien identifiziere», sondern mösten an alle Parteien mit bestimmten jüdischen Forderungen herani.elen. hinter denen alle Jude» geschloffen stehen. För die Zentriunsparlei iprach Geheimer Segierungdral De. Jtschert, M. d.A .» Da« Zentrum ist stet« für die Gleichberechtigung der Juden eingetreten und hat immer gegen den Aniisemifismu» Stellung genommen. , Heikefei Minister de« Innern Or. Breilenseld erklärt, daß die neue Negierung e« sich zur Nichlfchnur gemacht hat. alle jene Sondermaßnahme» z» beseitigen, die die Juden schlechter stellte» als andere Börger. Oberbürgermeister Dominien« hatte gewiffe Wünsche al« Boroussetzww für die Ausnahme der Inden in da» Bürgertum geäußert. Wir finden diese Mahnung an die Juden zur Ordnung ebenso überflüssig, wie die Forderung eine« gesteigerte» Sationalgeslthl«. Ich will gerade von dieser Stelle au« ei» Appell an da« deutsche Judentum richte», sich auch international zu ketütigen. denn da« Judentum aller Länder ist berufen, die Brücke öder die furchtbare Blust zu schlagen, die der Krieg geeisten hat. Syndiku» Or. Holländer bedauert, daß die Parteien der antisemitischen Agitation nicht die genügende Beachtung schenke». Fräulein Or. Berliner bedauerte die allgemein geübte Praxi« der politischen Parteien, bei der Vergebung von Parteiämtern »nd Mandaten immer ängstlich zu frage», ob nicht schon zu viel Juden an leitenden Stellen in der Partei stehen. Diese Art Judenzählung muß im neuen Deustchlund aufhdren. Der Vorsitzende Or. Apsel beschloß unter allgemeinem Peisoll die Veranstaltung mit der erfreulichen Konstatierung, daß die Vertreter der großen deutschen Parteien und der derzeitige preußische Minister de« Innern fich rückhaltlos sür die volle bürgerliche Gleichberechtigung der Juden in Deutschland ausgesprochen haben. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ ♦ _ . a a , ♦ ♦ Aus öer Reidjsbauptftaöt * Berlin. Xtfmif Kt deutsche» $it»t|r». Die Zionistische Bereinigung für Deutschland hat für den 25., 26. und 27. Dezember eine ordentliche Delegienen- Tagung in dem Kaisersaal der .Rheingolds" in Berlin (Beklevuestraße) einberufen. Für die Tagung, welch« wegen des Anteil» der deutschen Zionisten an der zio» nWschen Weltbewegung und wegen de» Aufbaues des jüdischen Palästina von außerordentlicher politischer Bedeutung »st. find drei Hauptreferate der Führer der deutschen Zionisten. Dr. Hantke. Kurt Blumenfeld und Richard Lichtheim über .Die zionistisch« Entwicklung". .Die zionistische Arbeit in Deutschland", .Der Ausbau de» jüdischen Palästina" angesetzt. Berlin. Der alsJnterpretgeistlicherundwttUicher Munk afltcmcm geschützte LHsüantor MagmP Davldsohn veranstaltete nn großen Saale der Hochschule Mustk einen vohlgelungenm Lieder« u«d Balladen» Abend. Die Darbietungen des beliebten Sängers wurden durch Haydns ..-Schöpfung" eingeleitel, der die ganze Art des Künstlers zu einer glücklichen Inter» pretation verhalf. Die kraftvolle Fülle der Stimmmittel, deren dramatische Ausdruckssähigkeit höchste» Lob verdient, kam auch in den folgenden Stücken des reich angelegten Programmzu voller Geltung; das gut gefüllte Haus dankte de« Künstler durch lebhaften Beifall und erzwang am Schluffe durch stürmische Ovationen noch eine Zugabe. Aus dem Reiche Leidig. Eine svzialistische Prete-nersa»»l»»H gegen tzie Jnbenpvgreme in Palen nntz Galizien ver» anstaltete die hiesige jüdisch-iozialistuche Arbeitergruppe. Rach eine« Geserat des Mitgliedes des hiesigen Arbeiter» und Soldatenrat«- Ryssel wurde folgende Entschließung gefaßt: .Die im Städtischen Kaufhause versammelten jüdischen und deutschen Arbeiter und Arbei» terinnen. Bürger und Bürgerinnen der Stadt Leipzig erheben stammenden Protest gegen dre Unmenschlichen Judenpogrome in Galizien und Polen, die von den reaktionären chauvenistischen Elementen Polens systematisch organisiert wurden. Die herrschende Klrque der Polen, in t-tlicher Angst um ihre Macht, sucht den Ansturm der Bolksmosten abzuwehren, indem sie den nationalen Haß aufpeiticht. W»r sind überzeugt, daß die polnischen Arbeilermasten bald erkennen «erden. wo ihr wahrer Feind sitzt nird sich nitftf mehr zum Werkzeug reaktionärer und oertziechensiher Elemente mißbrauchen lasten werde». Dan der frlmntm# ansgehend.. daß nur der internationale Kampf oller Unterdrückten gegen alle Unterdrücker ohae Unterschieb der Rationalität imstande ist. die runterlich-kapttolistliche Herrschaft zu brechen und damit auch iHkt nationalen Bedrückung den Baden zu entziehe»!, fordern in* Brr* sammelten die polnischen iozml,st,scheu Pariere» ans. mit aller Kraft sich gegen bük ant,teuflische« Orgien zu »enden und den gernernsamen Kampf ver polnischen und jüdischen Arbeiterinasten für den Soz»ol,«mns zu organisieren." DlfUMulion wurde e« „stimm,g angenommen. Mngdebnrg. Dir Stell,»- der btstzerige» Natt»- nalltbernlen z»r Jnbenfrage beschäftigte den Rationalliberalen Verein ao seluem letzte» Disknsfionsobend. Ban den rechtsstehenden Mitgliedern der Partei wurde anch die Judenfrage in die Debatte gezogen. Generalsekretär Dalebow erhob Protest gegen die gehässige Form dieser Anftage und »arnte ans das dringendne davor, eine antisemitische Bewegung auch nur rm geringsten. und sei es auch nnr durch stillschweigende Anerinmnng. zu unterstützen. Eine solche Bewegung sei um deswillen außerordentlich gefährlich, weil, erst einmal entstammt, niemand «ehr imstande wäre, ihre» Wüten Einhalt zu gebieten und dann sowohl Christen wie Juden unter dem einmal entfachten Fanatismus zu leiden haben würden. Einen eigenartige,, Vorschlag «achte Studienrat Rommel, der die Schaffung sogenannter Judengruppen in der Partei befürwortete. Cr verwies daraus, daß in den deutschen Juden sehr viel Idealismus ungenützt ruhe, der jetzt, richtig angefaßt, sehr gute Früchte tragen könnte. Wir glaube», daß die Magdeburger Juden sich sür dies«» neue politische Ghetto energisch bedanken werden. .Nichts gelernt und nichts vergeffen" muß diese» Kirchturmpolitikern auch weiter ins Stammbuch geschrieben werben. Elberfeld. Eine Prstestressintta« gegen die Rassenhetze in Dentschland faßte eine in der Stadthalle tagende jüdische Massenversammlung, die sich mit den Prvgromen in Galizien und Polen beschäftigte. Nachdem Vertreter beider Richtungen der Sozialdemokratie gesprochen hatten, wurde folgende Entschließung einstimmig angenommm: ..Die in der Etadthalle in Elberfeld versammeltm Bürger der Stadt sind über die furchtbaren Prvgrome in Polen und Westaalizien. mit denen das polnische Volk seine neu« Freiheit befleckt hat. tief erschüttert und empört. Sie fordeän von den demokrattschen Regierungen der Kulturftnoten und von der Demokratie Polens, dem von Größenwahn und eraltierte« Chauvinismus verübte« Verbrechen Einhalt zu tzebieten und für die Ansprüche der polnischen Judenhert auf bürgerliche und nationale Gleichberechtigung einzutreten. Don der Demokratie und der Regierung im neuen Deutschland fordern sie die schärfsten Maßnahmen gegen die gewissenlosen Verhetzer des Volkes, die unter dem Decknamen geachteter Korporationen und allseits verehrter Männer die Wut des getäuschten und belogenen Volkes über den von ihnen geschürten und geführten Krieg ablenken wollen auf das jüdische Element im Staate, dastets mit Gut und Blut bereit gewesen ist. für die Ehre eines freien Deutschlands in die Schranken zu treteei^ Bnrmen. Z» »er Ksrbernng einer bessnbere« Vertretung »er bentschen Jnben auf dem Friedenskongreß. die ein Gegengewicht gegen die von den Zionisten geforderte Gesamtvertretung der Judenheit ^6eneral-A^äg?^^M^r^^E^^^^, aus der^ dortigen Ortsgruppe des Centralvereins deutHher Staatsbürger jüdischen Glaubens geschrieben: ..Die schwerwiegende Mehrzahl der deutschen Jude» hat sich mit aller Entschiedenheit dafür ausgesprochen, daß die deutschen Juden auf dem Friedenskongreß nur durch die Vertreter des deutschen Volkes vertreten werden und für fich keine anderen Forderungen stellen, als für das deutsche Volk gestellt werden. Sie detvnlen ferner, daß die Forderung der deutschen Juden nach tatsächlicher Gleichstellung in Deutschland lediglich vor der deutschen Regierung zu erörtern wäre, nicht aber auf dem internationalen Friedenskongreß München. AntisrmitiswnS in ZentrnmSkreisei. In der Zentrum-Presse und in den offiziellen Aufrufen der sogenannten Bayerischen Dolkspartei flies Zentrum!) werden die Juden umschmeichelt, um fie zum Vertritt in die neue schwarze Partei zu veranlaffen. die ohne Unterschied der Konfession alle gutgesinnten Bürger — Katholiken. Protestanten und Juden — umfaßen will. In einer Rede im Bischofstzof zu Regensburg am 29. November d. Js. haben dagegen nach dem Zeugnis des fortschrittlichen Parteisekretärs B. Eßenfelder, die Gründer der Bayerischen Dolkspartei. Dr. Hei» und Dr. Echlittenbauer scharf gegen die Juden losgezogen. Allen Ableugnungen Dr. Heims gegenüber hüll Herr Estenfelder seine Behauptung, daß Dr. Hei» wie auch Dr. Schlittenbauer bei jener Gelegenheit Hetz- Worte gegen die Juden sprachen, al» Ohrenzeuge vollinhaltlrch aufrecht. offmj Sürzbnrg. Eine Erklärung des Bürgermeisters. In der letzten MagistratSfitzung stand die Frage der antifemittschen Hetzversuche gegen die jüdischen Mitbürger zur Beratung. Bürgermeister Gries» teilt« hierzu m der Maglstratsfitzung mit: „Ein Teil unserer israelitischen Bevölkerung befürchtet Ausfchreituge«. selbst Prvgrome. Aus Grund von Besprechungen mit beiden Teilen, mit Teilen, von denen «an annehmen könnte, daß sie sich gegenüberstehen. erkläre ich Ich halte meine Hand ins Feuer, solche Ausschreitu^ sind nicht beabsichttgt. Ich mache darauf auf» daß Plünderungen oder Gewalttätigketten un! Vnlksgrrichte fallen, die arbeiten schnell. Dert hat die guten Eigefchaften. insbesondre den willen und die Hingabe an das Gaum, aufs Hb, fingert, er war ab'r auch der Nährboden für schlim» Eigenschaften.. Die Habsucht wohnt nicht bloß der Stadt, fie ist auch auf dem Lande zu Haus, sw ist ist auch nicht die Eiaenart einer Rasse. Die jüdische Sittenlehre ist in diese» Punkte s» rein und so streng wie die christyche. In seine» bekannten Lehrgedicht schildert Lesstng m ..Raths«"? i