Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- 29 (19.7.1916)
- Date
- 1916-07-19
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«Ir in btffn« Jfnipft, kcr nf mr. Sur BeK Mi ffeinbe» nn|geju-«it(ru ist, dir Empfind»»» .sichtlichen Stolzes' für andere Kämpfer ädrig habpe, all f8i aafeee braven bratschen Heide» »ad dere» Lerdöndetr». Dabei verschweig! übrigrn- Herr » — daß Genera! <Bt. kein Deutscher, sonder» in Aoftralie» geboren ist, scho» vor de» Kriege alt Offizier in australischen Diensten gestanden n»d e« i»solgedeste» mich bei Ansdrnch de« Kriege« wie jeder andere Offizier sstr seine Pflicht gehalten hat, sich zur versügnng zu stellen, Line Erfindung ist auch, daß der General gegen Deutschland kämpft, davon fleht nicht« i» unser» Berichte, Da« Gegenteil ist uni dekanul', — Ein Gefühl der Beschämung beschleicht u»«, wenn wir in einer Zeit, in der e» nur Deutsche geben soll, sehen missen' mit »eichen ^vornehmen' Waffen der Burgfriede verletzt wird. Da kdnnen wir auch hier nur wieder zu mser» Kaiser a»sschauen, der jüngst erst wieder bei» Besuche der Feldgeistlichen seiner berechtigte» EntrSftu»g Auidenck gegeben hat über da« ' Gezü»ke i» Lande, Wir' sollen zosamwenhalte» gegen unsere , Feinde, Dr, L. Reustad». Bllltl), fctic Million r»Rischer Inden gefallen. Die Ba«ler Nachrichten »elde» mittelbar au« Peterkdnrg: Der dijetsch schreibt, daß eiaellllilio» Inden ihr Blut für den Zaren hergegeben Hütte, Die Mitteilung de« Rjetseh lüßt Rüekschltffe zu aus die <esa»«»erliste tzioßland«, wen« schon die Juden allein »it einer Mllion Lerluste angeführt werden, Pan fl len» »er rnffische» Inden, Chikago ll^Jnni 1916. - .Lieber Bester! Da« Schicksal unserer Glauden«gen»ffe» s xt» Rußland, na»entl!ch derjenige», die fich der großen Echoe ' der Flüchtlinge au« Polen »ehr »der »euiger zwangsweise zugesellt haben, spottet geradezu jeder Beschreibung, Recht- und besitzlos, hilflos der Willkür untergeordneter Polizeiorgane preisgegeben, von Orten, wo sie zeitweise flch niedergelassen, »ach kurzer Zeit »erjagt, sterben sie, zu Tausenden, Kinder unter vier Jahren gibt es kaum noch, ebenso wie auch die »eisten Leute über 60 Jahre den Etrtlpaze» des -Wanderlebens, dem Hunger und Seuchen erlege» sind. Doch nicht uur diese Aermste» der >i«en, auch die geflüchteten Polen, die von chrr» Gütern zwangsweise entfernte, Bauer» deutscher llbstammung und die aus Ostpreußen ansang« de« Kriege« mitgeschleppten Geiseln leide» sürchtettiche Rot; von den ans Ostpreußen »ttgeschleppten m Diele «fuhr, »Rein «OOö;'M| fln» »ehr aH SO*/,’, »ns Grund dieser Berichte haben wir nun beschlösse», all ufere Glonbensgenoffen ausjusorderr, unr denjenigen Prifiteuttchaftskandwote, zu »nterstitzen, der flch feierlich verpflichtet, hier mit der ganze» Autorität der ll. S. einzugreifen, ferner werden zurzeit llaterschrffle» gesammelt, um an Wüso» die Forderuag z» stelle», die Gewährung der Anleihe an Rußland von der Beseitigung dieser Mißsttnde abhängig zu machen. Sin gewisses Zwang ist ja doch da« eftezige Mittel, um die Kttegführenden znr Hnmanüüt z» zwingen, und wir find dafür die geeignetste als einzige neutrale Großmacht,' Pi« Ilnflenherrschoft in »er zsnllowin«, Gurahumora ist bis auf die nakteu Mauern »iedergebrannt, Luch der dorttge Jutentempel fiel den Klammen zum Raube, Gurahumora liegt so weit vou der rumünischen Grenze entfernt, daß die Feuerwehr von Bnrdujkni nicht helfen kostnte, Ei» Teil der Bevölkerung von Gurahumora kampiert im Freien, der andere ist geflohen Die Ruflen Hausen furchtbar in der Bukowina; sie brenne» und sengen, wo sie hinkommen, Lllll ixt Sorilldsn. Komtur, Po» Hleprisrntontentollegin» »er Pentfih- Asroekitische» Gemeinde hielt eine Sitzung unter dem Vorsitz des Herrn LIfred -Lisser ab, Angenommen wurde ei» Lntrug de« Gemeindevorflande« best, Deckung deS Fehlbetrages der Lbrechming 1914: Nachdem die Lbrechnung der Depofitenkaffe milder Etistunaen für das Jahr 1914 die Genehmigung der Gemeindebehörden gefunden hat, beanttagt der Vorstand zum Zwecke der Deckung des Fehlbetrages, au» dem Ueberschuß de« Reservefonds der Depofitenkaffe einen Bettag von 35 000 M, zu entnehmen. Der Fehlbetrag stellt fich aus 34 980 M, Der Lattag des Vorstandes betr. Bewilligung der Teuerung«. Zulagen für die Lehrkräfte der Jir. Töchterschule wurde in geheimer Sitzung beraten und angenommen, Molshoge», (Regbz, Caffel). (Anssdsn», einer K,»a,ogengemeinde j Die Eynagogengemeinde in Oberliftiagen ist aufgelöst »nt dem Bezftke der.Eynagogengemeinde in Breun a zugeteilt worden. Kiff« l. K. »m 10, Juli feierte der I, Vorsteher der hiefigen Gemeinde, Herr Julius Laginsky seinen 70. Bedortstag. Obwohl er diest» Tag, unu allen ihm zugedachien Ehrungen zu entgehen, im Kreise seiner in Hamburg lebenden Kinder oerbrochie, liefe» ttotzdem von allen Seiten Glück- ]aXRuBI kn 1 hohe» Wertschätzimg. deren flch Herr B7 erfmut."_ ist es seine aufrichtige Frömmigkeit und sein großer Verdienst um das Wohl der Gemeinde, durch da« er flch die Lchtnng aller erworben hat. Möge» ihm noch viele Jahre eines segensreichen Wirken» an der Sette seiner edlen Gattin befchiedea fein, Skadniischtt. Ln der llniverfität Aronllfnrl o. M. haben fich vr, phil, Ernst Teichmann für Biologie der pathogenen Protozoev, Dr, med, et phil, nat. Leo Adler für Pharmakologie habilitiert. Kaue». Aerkin Die Lorfitzende der Obermänninnen dp Lhrwra- Kadilcha' zu Berlin, Frau Malwine Nelken, hielt am 30, Juni d, I, <29. Eiwan) auf dem Friedhof in Weißensee am Grabe ihrer Verwandten einen Nachruf, Ls ist dies da» erste Mal, daß einer Frau vom Bemeinde-Bbrstand die Erlaubnis erteilt wnrde, an dem Grabe eine« Verstorbene» zu reden, Frau Nelken hat in schlichten Worte» die Vorzüge und Eharaftereigenschaflen der Verstorbenen hervorgehoben und aus die leidtragende» Verwandten und Freunde der Verstorbenen mit ihrer zu Herze:> gehenden Rede tiefe» Eindruck gemacht, Alagv-F^olroanv Am Montag, den 3, d, M,, wurde hier die Radbinersgattin Fr. Ignatz Schweiger im Liter von 66 Jahren unter großer Teilnahme zu Grabe getragen, ein Muster der Frömmigkeit und Wohltätigkeit, Bei ihren Mahlzeiten wurden stets arme Talmudjünger und Gelehrte gespeist, Eie hatte da« Glück, ihre zahlreichen Kinder nicht nur versorgt, sondern in vornehmen geschäftliche» Stellungen zu sehen, 45 Jahre wirkte fie segensreich an der Seite ihres gelehrten Gatten, der Rabbiner« Ignatz Schweiger, An der Bahre widmete er ihr einen warmen Nachruf, Dann sprach ihr ältester Sohn Dr, Alois Schweiger, Rabbiner aus Erl a u, in ergreifenden Worten, Ihr 2. Sohn, Dr, Albert Schweiger, Rabbiner in Kremsier, war als Feldrabbiner an der Front verhindert, ihr die letzte Ehre zu erweisen, Kinder und Enkel, sowie die ganze Gemeinde umstanden die Bahre und ttugen die Edle zur letzten Ruhestätte, Aur der Zusttzverwaltung. Zkpkietze» der Charatter als Geh, Justizrat dem Amtsgerichtsrat Dr, Eugen MuSkat in Waldenburg Letzi« wusch. -Dumps brütend lag die heiße Jnlisoune auf dem blanken Schief», ans den rote» Ziegeldächer» der schmucken Häuschen, drückende Schwüle in den sauböte» Straße» des kleine» Städtchens, just zvie vor zwei Jahre» und doch so anders! Damals lag tiefe Rnhe über den friedlichen Bewohnern, die noch nicht de« - nahen Weltenkrieges dachten; henke waren auch hier immer wieder eifrig schwatzende Gruppen beisammen, die fich über die Siegesmeldungen unserer braven Truppen berichteten, gelddriefe austauschten, van verwundete» Angehörigen Besteche hatte» und üeue erwarteten, heute aber besonders in Aufregung waren. Rußland und Dntischland hatte» wieder einmal waftenunsähig Gewordene, hilflose Krüppel arGgetauschl, und gnr viele Ware» begiettg. unter) ihnen Bekannte oder gar Angehörige zu finden, denn auch aus dem kteinen Städtchen war mancher z» den Lerwißten gezählt, de» mau hoffte, solcher Art vielleicht noch wieder zu sehöi. Es war Samttag nachmittag. Auch die Gemeinde hatte ziemlich bedeutende Verluste «ad beklagte manchen Gefallenen oder sonst in des Vaterlandes Dienst nur allzu früh Gestorbenen; oder auch ei» Vermißter zählte zu de» Ihre», der Sohn der Witwe draußen im letzten Hä»t«n, der Frau de« feit laugen Jahren tote» Tewpeldiener«. Tffoden saß sie in ihrem Neinen Stübchen, i« alten Lehnstuhl am Fenster, die müden Augen vom Weinen gerötet und geschwächt, die arbettsharten Hände gefaltet. Bald find« zwei Jahre! poei Jahre—od er noch lebt— Jakob — ach, wenn ich ihn nnr »och einmal segne» könnt' — dann möchte ich gerne de« Herrn Ruf folgen!' sagte fie leise vor fich hin; e« war ihre ständige Rede die lange Zeit, und immer tiefer wurzelte der Wunsch, »och einmal die Hände anf de« Sohne« Haupt lege» zu können. Früh verwaist, ei» Siebenjähriger, war ihr Jakob doppel an» Her, gewachsen, war fie ihm doch Vater und Mutter gewese». Der Knabe hatte ei» empfindsames Gemüt, upd der stamme Sinn des Elternhauses spiegelte fich in des Kindes Seele, mus der fich mit wirklicher Inbrunst das Seeleogebet für den verstorbeven Vater wie alle anderen unserer heilige» Gebete rangen. Eifrig pflegte d e Mutter de« Kindes Gemüt, stählte leinen Eharakter und erzog ihn zu einem gute», brauchbaren Menschen, zu einem glanbenktrene» Israeliten, In der Gemeinde- ' schule «or er einer der fleißigsten »nd begabttfte», wenn auch einer der ärmsten Schüler, der nur zu oft des Lehrer« Lob erulcke. So wurde ihm als Brrmizwah, am Ende der Schulzett, der Schule Prei«, der ihm ermöglichte, die heiß ersehnte Lehrzeit bei dem benachtatten Tischler zu heginnen. Der alte Meister mochte den stinken Znngen gar gern leiden, der geschickt und anstellig war, während der Schulzeit in seinen Freistunde» ein kleiner Gehilfe war, während seine Mutter ihrem Verdienst nachging. Sie verrichtete Wachen an Kranken- und Sterbebetten and tat, den Abgeschiedenen de» letzte» Liebesdienst: durch Ihr sanftes, mildes Wesen, dnrch Ihre Bescheidenheit und 'Hilfsbereitschaft besah fie der Gemeinde Zuneigung und wurde überall steundlich willkommen geheißen, und der Ungeduldigste Kranke fand Ruhe, dp tiefst gebeugte Letdttogende Ergebung durch chren Zuspruch-, Jakob hatte feine Lehrzeit beendet.und war »ach den Mttiltrjahre» bei de» Reit»» in der Refideuz, wie dir Stallee stolz berichtete, heimgekehrt, zurück an seinen atte» Arbeitsplatz und war auch bei seinem frühere» Meister gar freundlich tewill kommt worden, hatte da sein Brot, fei» gute« Lutkommen für fich und sei» Mülterleiu gefunden, btt »»»mehr daheim blieb, «eil eben Jakob fetaer Mutter die geübte Mutterliebe durch treue Kindelliebe vergelten wallte. > Da brach der Ktteg au»; der Kaiser ries: die Nacht des Sadaths vor Tischo de iw hatte fich über die lauschende, zitternde Erde gesenkt, als auch Jakob hinausziehen, sein Mitterlein verlosten mußte. Unter Lachen hatte er ihre Tränen sottgeküßt, fie aus eint baldiges Wiedersehen vertröstest— in seinem Herze» »ars tief weh; lkber dp Muttp wollte er noch in letztp Stunde keine« Schmerz dp eiten: so weinte p iuaplich und schien heitp nach außen. Nit dp Muttp Segen ging p; fie hatte ihm die zitlterude Hand aus sein dunkles Locftnhaor gelegt, ihn sonst gestreichelt, gar zärtlich geküßt und rief ihm »och einmal nach: ,Der Herr segne Dich und verlasse Dich nicht!» Dann war p die Treppe hinuntergeeilt; von drunten winkte p noch einen Abschiedsgruß, um dann, seinp, Trinen srettn Lauf lastend, zum Bahnhof zu eilen, denn es hohe Zeit, uad Pünktlichkeit'war de« Soldaten erste Pflicht An jedem Freitagmorgen brachte der Bnesbole des Neinen Kreisstidchens dp Muttp den tteuen Sobbathgruß, den fie innig an fich drückte, mit heißen Küsten bedeckte, immer -und immp wiedp las, um ihn schließlich in die alte Truhe, wo auch die Brautbriese ausbewahtt lagen, einzuschließen. Am heiligen Jaum-Ha-Kippur war», säst hätte fie fich — das erste Mal in ihrem langen Leben — verspätet, blieb M Sohnes Brief aus. Es war dp Vorabend zu dem Sabbath allp Sadbathe, und freundliche Rachdarn trösteten fie, meinten, die Post könne fich vpzdgett haben, und wen» fie andern Abends nach Hause käme, würde fie sicher vym Jakob bewillkommt wpdeu, just als ob p noch heim war, als od p fie an die Stätte Gotte« begleitet, mit ihe Bersöhuung erfleht, mit ihr Bersöhuung und Vergebung seinp Sünden gesunden hätte. Mit Inbrunst betete fie zu Sott, flehte fie um Schutz, tum glückliche Heimkehr für den Sohn; oftmals rannen heiße Trinen übp die bleichen, abgezehtten Wangen, und sestp, sestp stampfte fie die Hände zusammen; ein Schauer und Zittern psaßte ihren müden Körper; fernab schweiften dann die Ge^ danken hin zum spnen Sohn«, hin zum guten Ort, wo der Batp ruhie, besten Segen dem Kiade zu« Talisman» wpden sollte, Rie war wiedp eine Nachricht gekommen, keine Spur des Vermißte» zu finde», Mit heiß geweinten, müden Augen wälzte fich die arme Frau nachts aus ihrem einsamen Lagp, lat fie ihre Tagesardeii daheim, nähte fie eifrig Sterbekleider »her hielt tteuc Talenwacht, Immp «ehr aber zog fie fich zurück, und ihre einzig«! Gänge führten fie nun nur noch ins Gotteshaus odp hinaus züm guten Ott, wo fie dem loten Run» ihr Hpzeleit Nagte, als wäre p noch bei ihr,, könnte ihr die Last des Kummers fragen Helsen, Bereitwillige Nachbar», dp alle Tischlpmttftor, dp pnstige Lehrer Jakobi, viele Angesehene dp kleinen Gemeinde halse» ihr bei den Nach, svrschungen — vergeben-! Rur rin schwacher Fingerzweig fand fich; dach die Spur aiug rasch vploren, Ei» Kampad hatte Jakob draußen im Osten von einp Kugel getroffen finken sehen, wußle aber nicht, war er gefallen, war er in« Lazarett gekommen. Das Regiment stürmte vorwärts, den fliehende» Ruffp, nach, fie in de» vor dp Front tiegevden See treibend, wo viele da» Wellengrab fanden, und so blieb gae maacher Kamerad zurück — tot oder verwundet vielleicht auch, weil eben dnrch die LePvnndnng hilflos geworden, in Gefangenschuft gpaten, , So »st die arme Rnttp von Beiwuvdrlenodp Gefangt neu austausch Hirte, belebte sich: ihre Hoffnung, uod immp medp sprach fie den Wunsch aus, nur »och einmal ihre Hand; ans de« Sohne« Hanpt lege» zn! könne». Vor einem halben Jahre hatte fie ei» hitziges Neroeufifbp ans ei» wocheniange» Krmilen. lagp geworfen, das fie ntzr halb genesen, säst pbllnbtt innd völlig enistästtt »pließ, so daß fie, meist o» ihren Stuhl gebannt war, außer die mitleidige» HauSgeuoffen drunten sühnen fie in da« kleine Gättchen, wo fie in dp schaittgen Fliedplanhe manche Stunde vpbrachte. Der Nachfolger ihre» seligen Mannes, dp Tempeldiener, kam täglich zu ihr, ihr ans dem Buch dp Bücher, aber auch audem Kreisbltttche» vorznlesen, und mit Ungeduld ermattete fie täglich fei» Kommen, Auch heute war er bei ihr, hatte ihr vorgelesen und bettchtet, daß wiedp ein Gefangenaustausch schwer Berwundttp erfolgt wäre, und daß die Sermften schon in Deutschland avgekommen, auf dem Wege zur Hpmat seien, .Ach' meinte fie, ,wär' doch mein Jakob bei, freilich — ein armer Krüppel»,— ich könnt ihm nimmp helfen — ahp die Hände ansr Haupt ihm legen — ihn segnen wollt ich — und dann gern stpben! Gelt, Ihr täi Luch de« Krüppels Jakob« annebmen'? Dp alte Mann suchte fie zu tristen und sagte ihr, fie wiffe ja gar nicht, ob dp Jakob rin Gefangener und noch dazu ein vettrüppelter wäre; auch nach dem Ktteg kämen gesunde Gefangene zurück, und vou seinen 70er Kampaden wären gar viele noch httmgckehrt, Lr sah aus die llhr, die letfe tickte und fuhr erschrocken auf; ,'s ist Minchahzeil» und ich muß gehen', sagte p, auf die alte Frau schauend, die plötzlich von dem Sitz sich Phöben hatte und zum Fenstp hinaus z» lehen schien aus dai Gpänsch in dp Sstaße horchend, so daß sie gar nicht bemerkte, ali er ihre Hand zum Abschied drückte und .Auf Wiedersehen' murmelnd htnausging. Aus dp baiben Treppe kam ihm die Halbblinde »ach ge» Pit und ritt: .Meter! Meip! mein Jakob! mein Krüppel!' und erschrocken wandte P fich um, nahm die Zitternde schonend bei der Hand und führte fie zurück zu ihrem Sitz. .Liebe Muttp, habt Ihr ihn denn gesehen, Ihr mit Euren ichwacheu Auge»? Doch — p wandte fich zum Gehen — die Pflicht ruft mich! Ich werde Euch drunten die Lene heraukfehicken; Ihr leid heut wieder seltsam pregt-nun ja — 's ist wieder der Sabbat vor Tischo —Be-Aw!' sprach p im Hinausgehen, Da hörte p Schritte die Treppe hmauflommen, müde, schwpe Schritte, auch feste MLnnerlttlte, und er sah den Kops Lenes, die Hinauffehaule und ihm zuries: .Du mttn. dp Jakob, der arm' Krüppel, die arm' Muttp!' Unwillig drehte fich der Begleiter nach bP Schwätzerin um, seinen Schützling uur noch sestp, wie zättlich, stützend, dem die Worte wie Reffpstiche waren — er ttzpllle nicht bedauert sein — dem deutschen Vaterland Hütte p sein Bestes ^geopfert — es war Pflicht —Gesundheit Krust — fie waren dahin — auch Dank wollte P nicht — nur sein Mütterlein noch einmal sehe». Da waren fie oben augelangt, und dp alte Freund, seinp Pflicht vpgeffend, stau» wie eestartt durch die Uehepaschung des plötzlichen Wiederftheus, fich aber rasch sammelnd, reichte p Jakob beide Hände und rief: .Gesegnet in, Namen Gottes und willkommen daheim!' Er sühtte den Wankenden mit seine« Begleiftr zu dp in ihrem Lehnstuhl sanft eiugeschlummerteu Frau, die jählings aus dem Schlafe fuhr, ichuell das Geschehene begnff und zttternd ihre Arme um de« Sohne» Hals schlang, Gefich! an Geficht geschmiegt, mischten fich ihre heißen Zähren, und segnend legte fie dan» dft Hände aus ihres Jakobs Haupt — ihr letzter Wunsch! Jakob. bP völlig HUflose war von seinem Führer In die Ecke de« Sofas saust gedeltei und ftammelie nur immp wieder .MnttPl Matter,' Wie von alter Kraft brsplt, stand diese jetzt wiedp vor ihm legte ihm »och einmal die tteuen Hände aus das gedkeichte Lockenhaar und sprach zitterub: .Dp Hep segne und behüte Dich!' Dann war es mit ihrer Selbstdeherrschuug vorbei; sie sank vor den Sohn i» die Knie, legte ihr müde« Haupt anf seine» Schoß, bedeckte seine Hände mit heiße» Küsse», hexechte noch einmal: .»ott — segne — Dich!' «ntseeft lag fie »or de« armen Krüppels Füßen, Olga Landau, Dresdem