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Jüdische Volkszeitung · 1916-04-27 · 18 (27.4.1916) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
22 (1916)
Issue
18 (27.4.1916)
Date
1916-04-27
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Alls. feindlichen Ländern. Milch« Polbyton» , —Brwfaa, de, 4- Mal ,916 1UFrahM(, 25. Spril. 801 rinn neutralen PeriSnlichkril, »it im-auf nagt 5o iftoelitilchen »llianz London und Pari« bejnchte, erfahr« ich folg»,»««: .Du sch»erzlich« Ueberroschnng, die 'mir in den bcide» EntenlehnnptstLdten »nlril geworden, ist di«, daß die franziiiichr und nrgitsch« Regierung «ik der Petersburger eine SdwnLuug getroffen hat, kraft »eichn di< ,n» Juni d. Z all« wehriLhigen rnffljchen llniwandnn <»ooon etwa SS Prozenl Juden find) in ihre Heimat jnrnikoeftindt »erden «äffen. Kür unsere »auden«genoffen, die Rußland und Polen al« Bertler uer. ließen, n« sich i« gastfreien Frankreich und England eine neue Eriften» ja begründen, ifi dieser llkkoro der Perbündetei, ein furchidarn Schlag. Maßgebende Perionen »erwendcien sich tu London für die «nwandner ihre Suftrengaagen brachren oder keinen Erfolg. In England inhrlen Rabbiner eine scharfe Polemik gegen die Regiernngoorgane, besonder« gegen den brili. scheu Botschafler Sir Bnchaaan, um den hartherzigen Plan zu bektmpfen. Sa» nutzte e« ihnen 1 Sech« Rabbiner wurden ihre« Amte» enthoben darunter befanden sich sehr geschützie, von ihren Gemrinden-verehNe Männer. Den jüdischen Zeitungen fitzt die Zensur ebenso i« Racken wie den Mitarbeitern de« Ladaur Leader. Lersammlnngen wurden untersagt, Juden, die fich in Gesprichen gegen da« anglo-rusfisch« Bündni« äußer» kommen vor «en Richter und büßen ihre llnvorfichtigkrii mit Sesängni«. Zurzeit linnte die rnsfische Heeredleitnng au« England allern an 80 000 diensttauglich« Kieinruffe» und Polen erhalten, fall« der Kontrakt in voller iluddehnung in Kraft tritt. Pon zuständiger englischer Seile wird mir jedoch mftgeteilt, daß'man fich vorerst darauf dejchrtnken werde, die Juden rusfifcher Rationalität von 18 di» SO Jahren einzntziehen. Später, wahrscheinlich >m September, soll die >lter««renz< di» auf di« 12jährigen anegedednt werden. Da» Sekanntweide» der Pereindarung führte natürlich ein« »»«»anderung der mit >u«Iiefernug Bedrohten nach klmcrika Herdei. Seit Unfang Februar erhalten die Leute keine Reiftpäffe mehr; wie e« scheint, läßt man die Juden nicht mehr an Lau». Lon verfchiedenen Seilen wurden Gerüchte »erdiriler, daß die llnsmanderer.deutsch« Agenten' find. Und unter diesem Borwand« vätweigert man ihnen da« vetrelen amerikanischen Boden». Biele wenden fich Zach Brafilien, suchen Beschäftigung tU Landarbeiter. Zweigstellen der ffraelitifchen Allianz demühen fich, den Plitlelosen Beidienst zu verschaffen, aber da« Eiend. nuter den au« England geflüchteten rusfijcheu Emigranten ist sehr groß. Sie gesagt, die. Londoner Regln nnß läßt jetzt keinen mehr hinan«. Denn e« werden bereit« für die llutlieferung der Unglücklichen die Rußland au« tiefstem Herzen Haffen, groß« Borberritungen getroffen. Die zum Soffendienst Sezwnngrnen befürchten die denkbar schlechleftc Behau«, lang im Zarenheer. Sie bezeichnen fich al» da« »billigste Kanonenfutter.' Ob die englisch« Regierung für die zurückbleiteuden Familien zu sorgen gedenft, weiß ich nicht. Bit- Her. verlautete darübet nicht«. San glaubt, daß Sammellager für die »rmen gejchaffen werden. . . Na» nun Frankreich anbelrisft, so stehen dort die Dinge noch mel schlimme,. S« glückt der Pariser Regierung durch Plachenschaften, deren Riedrigkeit ich nicht de« näheren schildern mbchte, den Widerstand einiger für di« rusfischen Emigranten plädierenden Politiker und Zeitung«!,ule zu besiegen. Die Listen der zur llutlieferung Bestimmten find fix und fertig. Ohne einSortde« Mitleid«, ohne die liifiste menschliche Regung wild man einige lausend auf den in Marseille vor Anker liegenden Tran«. ponschiffen einladen. Dafür ließ doch Rußland riue Divifion nach Frankreich kommen, dafürgeht e» jetzt milden Sestmächlen b-«an« Snhe. Da« gat Briand den Gegnern der Zwaogerekrulicrung russischer Flüchtlinge zn dedenken, und alle moralischen Bedenken schwanden dahin. Leider erftärten fich auch die einflußreichsten Mitglieder der Alliance für außerstand«, die harte Beiordnung zu bekämpfen. Sie viele Haffer de« Zari««u», »er russischen Sillknrheirjchafi werden die Republik verlaffen muffen? Wohl 85di» 10 000, Sie lebten in Frankreich al« fleißige Aideiter, die zur Anfrechleihaltung de« Kleinhandel« wesentlich beitrugen. Frankreich wir» ihren Verlust empfindlich spüren. Da' ja dekann« ist, daß der Anlisemiiiem,« in Frankreich zurzeit im Steigen begriffen ist, so billigt die Oeffentlichkeil mit einer merklichen Schadenfreude den »blrantport der Ruffen. Ich selbst Hirte, von einem Pariler Deputierten die Sorte g , liniere Lenle wunderten, fich seil langer Zeit, daß die rusfischen Flüchtlinge nngefltn ihrem Berus uachgehen kinuen. während wi, alle unsere Männer in« Feld schicken. Die sollen in ihre Heimat.' Man merkt, wie hartherzig der F.anzose ist. E, wild fich der entsetzlichen Leiden, die da« Judentum in Rußland 'erdulden mußt« und noch erduldet, nicht erinnern. Seine Krieplwui nnterdrückt in ihm jede humane Regung.'. . . zrmürrich jlbllche» rufsisihe» Zerzte i» kr Armee Unter btt Uederschrist.Ist e» wahr-' erzählt -je ,Humanit ,Al» du serbisch« Armee fich auflöste wünschte« mehrere russische Aerzte. di« fich in Serbie» engagiert hstteo, i, der fraazöfischeu Arme« weiter zu dienen. Der frauzsfische Minister annvottete hreraus: .»nrkpeechend den » Luschen der russische, Regierung werden die orthodoxen Ruffen in der ftauzösische, »r»«e zugelaffe»; die politischen Flüchtlinge werden, je nach de» einzelne, Fall, zugelaffe, oder nicht; die rufst scheu Juden köunen i» keiue» Fall aufgeuommen werden.' A»«dd». Die israelitische Gemeinde in Liverpool hat ihre, Rabbiner Harn», der »ehr al» 20 Zähre sei, Amt de« Neidete, weil er fich mißbillige»- über den Krieg uud da» r»ßlisch.rusfische Büadm» ao-lieh. seine» Amtes eutsetzt, weil er erklärt hat. baß .die jüdische Lehre de» Sruudsatz. Laffea zin Vetteidtauug England» tu der gegenwärtigen Krise zu erheben, widerstrebe'. Dieser Beschluß har iu weiteste« Kreisen Englands, I sowohl stdtschea al» christlicheu. die ih» als etue» Eingriff i, I die svewtffensfreiheit betrachten, Widerspruch erregt, obwohl bei alle» Berteidiguuge» des Rabbiner» die Ansicht zum Ausdnck kommt, daß »an mit de« Standpunkt des Reo. I Harrinicht einverstanden fei. Besondere Beachtung verdienen die Briefe d« Pfarrerau der Hope Str«l Free Church in Liverpool, Reo. Dr. Stanley. A. Mellor. V. A. PH. D. uno des Pfarrers Dr. Walter Walsh D. D. Beide erklären, dag e» schimpflich für die Nachkommen von Micha uud Zetaiah fei, einem kirchlichen Beamten dadurch den Mund zu schließen, daß man ihn, der sonst qhne Fehler sei, wegen von ihm geäußenG G^wifseasbedenken brotlos zu mache» suche. Trotz des Versuches des Vorsitzenden t:x Liverpools jäd. Gemeinde. ihre Handtuuqswei'e als berechtigt zu verteidigen, ist doch die Folge der allgemeinen Bewegunz, daß Rev. Harriwieder in fein Nun eingesetzt »ortu'.i ist. Doch herrscht großer Unwillen über den Chics Rabbi. wert er fich noch »icht über den Fall geäußert habe, obwohl er die Geveralaufficht über sämtliche Raddinate hat uno e>st kürzlich fich tu London eia ähnlicher Fall ereignet har. wo der Betroffene, Rabbiner Dr. Höckmann freiwillig resignierte. Hie „&*Un‘ uud der Mititurbieufl. Fünfzig Angehörige de» jüdischen Priesterstammes , Cohen' in EaglaiG Hades, wie der .Nieuwe Rotterdamjche Couraat' nach dem .Z.w ih Ehronicle' mitteilt, i » Leeds eine Deriammlung gchalreu, um gegen eine Eik.ärung des Ober Rabbiners zu prolestierrn. der sich für die Erlaubtheit -es Kriegsdienste» für die Lngeybrigen diese» StamMeS ausgesprochen har. In der Versammlung in Leeds war »an ziemlich einig darüber, daß der Lber-Rabdiner da» Gesetz unrichtig aufgelegt habe. Man wußte eine ganze Anzahl von stellen im Talmud zu nennen, in denen der Ein» tritt von Mitgliedern de» jüdischen Priesterstammes in ein kricg« führendes Heer verboten ist. Die Versammlung beschloß, gegen die Haltung de» Ober«Rabbiners zu protestieren und za er« Näreu. daß die Mitglieder des jüdischen PriestcrstammeS keine Freistellung von dem Hceresdienst im aUgemeiaen verlangen, wohl aber freigestellt zu norden toün'chen vom Dienst auf dem Schlachtfelde. Zn der Dcrfpmmlung wurde ein Brief des örtliche« ,B:iö Di7ll' verlesen, itz welchem diese» hohe jüdische Kollegium zu erkennen gab. daß der Ober-Rabdiaer die Frage nicht genügend durchdacht habe. Rach dem Talmud darf ein .Cohen', selbst wenn er einen Menschen ohue Absicht gctül-'t haf. nicht länger die Funktionen eines Pri.'sters erfüllen, und er verliert auch noch andere Vorrechte. Der Talmud sagt, daß der .Cohen', der aus eine solche Weise einen anderen Mcnfcheu getötet Hut. nicht mehr du» jüdische Dolk s'g ren darf. Rutzs«nd. , Her Meitze« viele. Viel Gute» wurde bisher über die Tätigkeit der jn-ischen Hi-fskomttees gesagt. Umso schmerflich-r ist e». aus den Berrchttn de- Gpezialkorrrspoudenten der ,Ze>o. Redelj', LetsLinjki zu erfahren welch schreckliche Zustände er itf den Herbergen für j'idiiche Flüchtlinge in einer großen Stadt Zeattal Rußlanös linnen gelernt hat. Zn einem fleinen Zimmer mit einem winzigen Dachfenster hausen 20 Personen. In einer anderen Herberge herrscht eine solche Kälte, daß die Flüchtlinge die Oberkleider nicmolr ablegen können. Die .beste' Herberge nach Bezeichnuoa der Mitglieds r des dortigen Hilf-komitces selbst ist diejenige, in der in zwei kleinen Zimmern L4 Menschen zusammengepfercht sind. Die Wände fi ro schwarz vor Fench. tigkeir, Männer und Frauen, junge Burschen uud Mädcheu schlafen kurchci-andrr, unglaublich zusammengebräugt. Die Kranken werden von den Gesunden mcht iieiiert. Die L^t in birien Herb.rgen ist so entschlich, daß sie für einen Me>rschm unerträglich ist. Für die Kinder wird keine Vorsorge getraze-.. Während drei Monareo — bemerkt Lrtschinski — hat das Kotulkce <t* nicht zustande geiklacht einen Kinderhort oder eine schule zu errichten. Diese Tatsachen find beschämend und sollte fich das Husskom'tee etwamehr um d:e Sache bekümmern. — Der Stadthauptmaau von Petrograd hat angeordnet, daß die Polizei einen Bericht über sämtliche bestehenden Setrei»e« Ko«miffiovekonr»re zu erstatten hat. Zn demselben muffen Angaben über Me Konteffion und? Rationalität der Inhaver und der Angestellten und die Sründungk'zrit angegeben sein. — Da» Ministerium hat aogeor^net. daß den Zuben keine Polizei« ousweise adverlangt werden dürfen in denjen gen Städten, wo sie jetzt außerhalb des Anfieölungsrayonß provisorisch wohnen. — Auf dem Grabe des kürzlich der stordene:!'Chirurgen Paw«"» hielt RechtSunwalt Srusenberg eine. Rede, in der er da» unvergeßliche Verdienst Pawlowö während dc» Beilis-Prozcffe» in begeisterten W>:teu pries : .Ich kam. um von seinem goldene < Herze» Zeuaois abzulegen. Zck. bringe ihm einen Gruß oo-r MiLronen Menschen fremder Rarionalirär. uur derctwillen er Berieumduugea a„f fich geladen hat. Cr folgte meine» ersten Rufe, gab seine große Prapis auf, um zum Bcilis-Proz.ß j'i eilen Er diente der Gerechtigkeit, obwohl er wußte, daß man ihn verleumde, werde. A.i ftiae» Grabe schwöre ich gegen« über reiri?n schmutzigen Verleumdern, daß er nicht uur jegtiche» Honorar für seine Arbeit obgelehnt, sondern fich geweigert hat. selbst die Reisespelen zurückoergütet zu erhalten. . Ituchtttuge i« Kißirie». Bisher gelang es der Moskauer jüdischen Hils-geielljchast »ach 'uiendlichen Schwierigkeiten, den Aufenthaltsort von insgesamt 2yb*200 jüdiichci^ Flüchtlingen festzustellen. Die Zahl der noch nicht ermittelten und viellercht auch nie zu ermittelnden jüdischen Flüchtlinge wiro von dem Komitee alF weit größer angeiehen. Zu und der Irkutsk wurden für die Flüchtlinge allmählich 109 hölzerne Baracken erricht« Da» Elend dieser Menschen hat allerdings auch nach Errichtung dieser notdürftigen lluterkünfte nicht aufgehön. Da es fich meistens um Leute vom Laub und um ungelernte Arbeiter Haubelt, so bestehe» große Schwierigkeiten, die Leute zu be. schästigen. Die Erwachsenen können wegen Mangels au warmer Kleidung und an Schuhiverk nicht einmal al» Schneeschauster verwendet werden. Aus demselben Grunde könneu die Kiadcr di« Schulen nicht besuchen. Obgleich die Zahl ocr nach Zrkutst verbrachten Flüchttruge kaum die Hälfte der Bevölkerungozahl der Stabt ausmacht, übersteigt doch die Zahl de. Erkrankungen, unter den neben Erkälrungskraurheiten vor alle« Epidemien wie Scharlach, Typhus, Dysenterie eiue Rolle llr. 18 . spiele«, die Krankheitöziffer der eina"'cffenen Bevölkerung von Zrkut-k'um ein mehrfaches. Da für ps'nischr -mrd jüdische Flüchtlinge in Irkutsk Hlis-oereiae o?rnrnoen sin-, so ist für diese angeblich etwas besser ge'orgl ali fü ö:e übrizen. Ruffische Z-itungen berichten, daß die auf administrativem Dege nach Rarym-(nördlich von Tomsk), Zer'chlckten — e« handelt fich hauptsächlich um Deutsche una Zuden au» den westlichen und baltrschen Provinzen — erst in der letzten Zeit, ge^e» Ende des Sinrers. die ihnen üderwiesenen 4 b.S b Rubel für die Person zur Beschaffung von Vintrrkletdung erhalten haben. Noch immer werden privrte Geldsendungen entweder überhaupt nicht zugelaffen oder nur in ganz kleinen Beträgen ausgezahlt. Die j-dem Verschickten zustehenden 7 Rubel 70 Kopeken monatlich für B.'lchaffang von Lebensmittela reichte» unter den j-'y'g^n Teurun isoerhältnlffen selbst für die geringsten Ansprüche nicht au». D:e Ve.sch cklen hatten anfangs die Absicht, eigene Läden und Warenlager anzulegen sowie gemeinsame SoelsranstaUen zu eröffnen, aber die Erlaubnis dazu wurde ihnen v.rweigert. Alle- Gesuche der Verschickten, ihnen etwamehr Dew'gungSfieihett za gewähren, damit sie imstande seien, durch Arb-n' etwa» Geld zu o.ndienen und einander durch Zuammenb?gung ihrer Mittel gegenseitig Hilfe zu gewähren, würben vom Gouverneur von TomSk abschlägig bejchlesen. Hie Nulleugreuet in Guliziea. Von Herrn I. Labiuer, Lehrer an der Baron Hirsch'ichen Schule in Zdorow. Galizien, erhalten wir ein Schreiben, in welchem die mehr als einjährige Schreckensherrschaft der Raffen in dieser Stadt in ergreifender Weise geschildert «rrb. Za dem Schreiben heißt es: ,B»r dem Einfälle der Ruffen hatte» fest alle Einwohuer, auch der Leiter uud die anderen Lehrer der Barou yirschschen Gchule, die Stadt verlaffen. Ich blieb zurück, um das Schulhau» wie auch mein eigenes, der Schale gegenüberliegendes Hru» soweit als möglich vor Verheerung za schützen. Das gelang mir auch dis zui» Rückzuz de» Feindes. Di aber wurde auch ich arg mltgeilommea. 3m I. Zuli 1915 drang Oberleutnant Solowi. Gehilfe dedamaligen Etappenkomman^aateu Kapitäns Äolski. an der Spitze seiner mit Spitzhacken und anderen Einbrecherwerkzeuzen ausgerüsteten Kosaken in mein Haus ein. das sie nun aom Dichboo-'N bis zum Keller a.Sruudten. M.'in Schwiegerlohu, Samuel Roth Manusakuirwo'euhäudler. der in meinem Hause wohnt u,:d s-i .e Waren t t ct.urn Kellermagazin verwahrt und dieses zug.m.iuert hatte, kam sadei am schlimmsten weg. Seine sämtlichen Kiren im Ä7rte oun 50M bis »000 K. wurde'! teils geplündert. t.'!s v.'rnichl t. Kapitäne und andere Oisiziere nahmen an Mtfcn Ptündrrungen teil und ließen die b 'ft.m und teuersten Tn he nnd Seideuwaren für sich und für ihre Frauen oder Mailr.ffen wegiragen. Der Genbormerie- Wachtmeister Hroezko und einige andere machten fich an» geftohlen.'r tt'nst.'r Leinwand Sttefelseyen. Zh selbst wurde verha'tel nn» sollte gemeinsam mit unserem, am Tage vorher festgenommenen Dri*c,ib&uer als Geisel naa) Sidrrieu geschleppt werden. Die Raffen, d e e» jedoch nur ruf ein Lösegeld abgesehen hatten, begonnen alsbald mit uns persönlich zu verhandeln, und sie verlangten von uns je tausend Rudel. Ich blieb aber stn dhatt. uno diesem Verhalten hulcn wir es zu danken, daß wir nach fünftägiger Haft um ein bedeutead geringere» Lösegeld mied.r freiqelaffe.r wurden.' Kaleiße» and Zudeatroge Man schr>.:bt )er DeulschTN Orientkorrespondenz: Nachrichten an» dem nentralcn Ansln 'de zufolge haben die Vertreter amerikanischer Großbanken, o-e kürzlich in der ruffffchen Haupt' stadl weilten, der r.tffischen R.'gierung erklärt, daß eine Begebung der ruffiichen Aalerhr nur möglich wäre gegen die bindende Zusage der Negierung aut ioiottige Änderung der Iudeugffetzgebnng. Es miq wohl i«*in, dag die geichäftSgewaadtea amerikanischen Zankiciö nne so.'che Bedingung gcftellk haben, daß es ihnen aber e-nst damit gew.'ien ist. wrro man niemand einrcden können. Erst in allerneueitcr Zeit hat die Duma bei der Zuterpellanon zweier Abgeordneten über die Iudeairage iu rücksichtslosester Werfe zun» AnSdruck gebracht, oa»; an eiae Aeadi'ruug der die S'aatsdnrgerrechlc der Znven beschränkenden Gesetze gar nicht zu denken ist. Dre Anwesenheit der amerikani'chcn Finanzlcute in P terödurg . ürsre vielmehr den Zweck gehabt haben, fich an Ort ' -ö Stelle einmal vom Finanzminister genaue Auk'chlnffe über Rußlands Finauzla»;« geben zu lassen. Und was sie dabei ersahen haben, erklärt es vollständig, wenn sie für oie G.'wahru.rg einer neue« Anleihe unannehmbare Bedingungen stellten, um ihre rein aus geschäftlichen Gründen berudenoe Ablehnung zu verschleiern. Denn das amerikanische fiapiral pfl.g: nicht seuimental zu sein, wenn ein q ire» G.'schätt zu mach n rst. So hatte man auch bei Kriegsdegin:, keine Bedenken m den Vereinigten Staaten. Rußland ti.it Anleihe von lOOM.ll-onenMark zu gewähren, ohne oaber irge.aowelche Bedingungen z igunsteo de Zuden zu stellen. I^zm-schr i sind aber 17, Jahre ins Land gegangen und Rußlands Finanzlage hat lich so gestaltet, daß die vor- . sichtigen G.'schästSleute aus der Union keinerlei Garantien mehr für die Sicherheit ihrer Gelder :n russischen Anleihen erblicken. Denn der Finanrmittifter kann ihnen n:cht verheimlicht haben, daß der einer Knegskosteniast von täglich ti5 Millionen Mark Rußland vor d^r Unmöglichkeit stehl. oie Mittel zur weiteren FortfAhruaq des Krieges unter normalen Bedingungen zu bef«haff«n. Da» wirtichafnich völlig ausgepumpte Land ist selbst nicht mehr imstande, innere' Anleihen aufzudringen und von dem reichen Letbündelen England find nur die notwendigsten Mittel zur Abwendung eines Sonderfrieden» za erreichen, und auch diese Borschüffe müssen dei der zuuehmcaden Geldnot in England-bald »in Ende nehmen. Die amerikanischen Finanz. . icute dürften fich u. a: auch Aufschlüsse erbeten haben über den Umfang ] de» Notenumlaufs der russischen LiaalSdank. Uad wenn Cie/ dabei erfahren haben, daß der ungedeckte Roreaumkauf feil Kriea»beginn um medr als 8 Milliaroen Mark angewachsen ist uno demnächst nm weitere vier Mlliarden anwach'en soll, dann wird ihnen degieiflicherweise die Neigung vergangen l'sin in diese Misere ihr gute» Geld hmeiaz»ftecken. E» war also »icht die Zu.-eugeietzgeduug. sondern ver drohende Staot»« bankerott, woran die ruffiiche Anleihe i» Amerika gescheüert ist.

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