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Jüdische Volkszeitung · 1915-11-12 · 47 (12.11.1915) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
21 (1915)
Issue
47 (12.11.1915)
Date
1915-11-12
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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amtdK volKMxg. Sr. *7 Bom Kriegsschauplatz. Brtslan, d«» )2. Hoombtr (915. vir h«ili-e» Stätt«. Dtt Äoiinlid) Türkische Botschatt bnantint auf da» entschiedenste die i» der euplischrr, Presse vertffeuttichte» snsschen Racheichten Über die Zustände aa den Heiligen Stdltra, denen Öe die Klöster in Aernlale« i» Kaserne» «mgeutaudett sei» Retruien ans dem Leibe,g exerzieren, nnd ani dem Berg »an Golpatba Lchützrugräben aiisgehobru sei» solle». Diele Rachrichieu sied in bdewilliper Absicht verbreitet worden, sowohl ühriften wie Israeliten üben weiter in voller Freiheit ihre religiile» Andachten an«, sie haben sreiwillig einige Schulgebäude zu Hospitälern umgcwandeU. Bon der Wahrheil dieser Behaupiongen kann sich jeder an Ort und Stelle »der,engen - _ ZraAtrrich Der zleff« ,»» Akkre» Drei «in» gekale». All» Pari» wird über die Schweig gemeldet, daß der Neffe von Aisred Dreysue, Sohn de» au« der DrcpsnS-Affaire bekannten Wathieu Dreyftt«. auf de» Schlachtseide den Tod gesunden Hai. Der erst 2« Jahre alte Unteile»i»a»t Emile Treysa« hatte mit großer Tapierkeit in Flandern gekämpst. da« Pülilärverdieuft. kreuz und die Ehrenlegion eiworbe». Alfred Drepsu«selbst steh: al» Odrrftleutuaul auch i« Felde. ftgUuft. .A«de» werde» »ichl kfttaU*. Ja 6fr Lo»doner jüviftbeq Zeitung „The jewish World' vom 20. Oktober 1915 ist zu Itftn: .Ein erstaunliches Ereignis tr»g sich i» Leeds zu. wo der Besitzer des .Grand Restaurant" »erbot, daß de« Sergeanten Jffy Smith, dc« Hitler de« Biktoria.Lr-.uzes. Erfrischungen dargereicht «erden, «it der Begründung. daß in feinen Räumen Anden nicht bedient werden dürfen. Sergeant Smith worbe nämlich durch einen nichtjüdifchea Lameraden, den er zufällig traf, aufgefordett «it ihm eine Erfrischung einzunehmen. Auf feine EtiÄderung, daß er Abstinenzler sei. veranlaßte ihn fein Freund, sich in ein Cass zu begeben. Da das Grand Restaurant nahe war, beschlossensie. dorthinein zu gehen. Aber einer der Kellner lehnte die Bedienung der Sergeanten ad «il dem Bemerken, daß es in diese« Lokale »erboten sei. Juden etwas varzoreichen. Der darauf hinzugerufeae Eigentümer erklärte dre Handlungsweise de» Kellners für berechtigt, da er nur nach feine», des Chefs. Instruktionen handle.. Er fügte hinzu, daß der Bedienung de« $mm de», brr augenscheinlich kein Jude sei. nichts i« Wege stehe. Die Gemeinde ist uatürlich über die« Ereignis sehr erzürnt." Kein Wunder, daß di« englischen Juden darüber empört sind, besonders darüber, daß selbst da» Viktoria «Kreuz, die höchste englische Lapferkeitsauszeichnung. die de« jüdischen Ser. geanten von dem König selbst angetzeftet worden ist» den Inden «Acht vor dieser. Beleidigung schützen konnte, uod stellen es nun 1» dar. daß nicht der Jude, sondern de» Lönigi Uniform, verbeklagenswert 'verletzt worden sei. Die ..Jevish World" fordert den „Board Depnties". die gesetzliche Vertretung der Judenschaft ans. ernstliche Schritte gegen diese Beschimpfung zn unteraetzmeu. .Ein anderer Fall: ..Unter dem Romen ..John Brilon" veröffentlicht ei» Jouraa» ilst in den „Sunday Chrouicle" verschiedene Artikel. In der letzten Nummer »endet er sich gegen Lord Readiog. den obersten Rrchter England«, der in der bekannten Anleihsmisfion im Auf» trage der englischen Regierung noch Amerika gefahren ist. Früher hieß er bekaantlwh Jsaac Rufu». — John Britoir tchreidt: Er sei zwar kein Antisemit. — au« dieser Einschränkung merkt «an schon, wo er hinaus will — aber er wünschte zu wissen, ob Lord Reading sich in Amerika bemühen würde, cinen rulernatioualeu GenLtshos zu errichten, der tatsächlich unseren schmalen Gewinn abichaffen würde, und sühn fort: Ich la« irgendwo eine offizielle «bleugoung. Ich glaube, sie kam von Lord Reading. Ich gebe darauf nichts Wir alle rnnoenl uns daran, wre Lord Reading in der Kammer aufstaud und leugnete, daß er etwa« mir Marcom-Actiou zu tun hatte. Man kann auf Lord Reading« Vprte nur insoweit etwa» geben, als sie ihm in den Kram paffen. Er hat weder die Traditionen noch die Sinnesart eine« englischen Gentleman;'. Die .Jewish World* bemerkt dazu, wie weit mag e» mit de« Patriotismus de« »John Brilon", der kein Anttsemit »st. her sei», wenn er den Zeitpunkt, da der oberste Richter Englande in einer schwierigen Mission für fern Vaterland mit eine« .»enirolen Staate verhandelt. für geeignet hält. Lord Reading l» aozugieifen. »nd fügt ^binzu. wir ziehe» die Traditionen und die Sinnesart eine« Lord Readiog der eines „Eoglilcheu Geuttemcni' von der Art de» Angreifer» vor. — I» derlelben Nummer bringt sie unter der Uederfchrift: 58i< sich da« Gill verbreitet folgende Rot'z: E« braucht nicht lange Zeit antisemitische« G>st zu verbleiten, besonder» da« in der Heimat fabrizierte. Letzte Woche fand linc Versammlung der Boulogner Handel», kammer starr, auf der ein Herr Ward folgende« sagte: ..Hier gibt ee Händler — Juden, die mit irgend eine« Feinde Sag* laod» Gtschälte machen. Man muß zu verhindern' suchen, daß Waren zu Neutralen versandt werden, die sie daun nuferen Feinden amtier sendci Die Zeitung demerkt dazu: E» find viele Nichtjuden entdeckt worden, die ebenfalls mit dem Feind Handel treiben. Wenn aber cm Jude dabei ist. werden alle dafür verantwortlich gemacht. Die alte Geschichte. — So weit da« Autisemittsche. Wa» das allgemein Jüdische betnfft, dürste eiue Begebenheit Intereffe finden, die sich, wie e« scheint, am Lersöhnungefest der eine« Gottesdienste, der i» Pariliouiheater flott» fand, ercignetc. Während der größte» Andacht erschien unter Führung de» Lord Mayor eine thcanalisch autgeputzte Gefelltchafr, ein Heir Lrpton aennt sie eine Schau, and unterbrach den Gottesdienst, uahrscheinlich zu Rekrutiernugszweckeu. Da. rod natürlich eine fürchterliche Entrüstung in Israel. — Am 17. Oktober fand eine Berfammluug de« .Maar» »f P<9»ttc»' statt, in der befchloffe» wurde, ausländische Angelegenheiten vertraulich zu behandeln. Wahrscheinlich handelte e» sich u« die russischen Greuel. Herr B. S. Strauß lenkte die Aufmerksamkeit auf de» neuen Armeebckehl. daß Söhne, die nicht in England geboren, nicht zum Heeresdienst zugelaffen werden fallen. Ht, Missionare entfalten i» E»gland eine große Gammeltätigkeit für die uvtleidenden russischen Juden und halten den jetzigen Zeitpunkt zu reger Miffionstättgkeit unter ihnen für geeignet. Eine solche Bewegung soll ja auch hier bestehen, und man sollte auch hier wie in England, der Sache Aufmerksamkeit schenken. — Erwähnt mag noch ein Liptrag de« HlaHßtner» pt. Strantz werden, der es wagte, zu erklären, daß die Kenntnis fremder Sprachen den internationalen guten Willen uod Brüderlichkeit der Menschheit Hervorrufen und stärkt und die Völker befähigt, einander bester zu verstehen deshalb muß man fremde Sprache» lernen und zitierte den Ausspruch Göthe»: „Eine zweite Sprache erlerne», heißt eine zweite Seele empfangen". Ein Wagnis in jetziger Zeit. — Die Aeppekinfurcht in de» Synagoge» Verspätet eingelaufene amerikanisch-jüdische Blätter bringen eine Londoner Meldung, wonach am letzten Kolaidre-Adend die Frauengalerien sämtlich« Londoner Synagogen geschloffen bleiben wußten und auch in den Männerabteilungen ganz besondere Borfichtsmaßregel» getroffen und eia strenge« lleberfülluogsverbot erlassen wurde. Die Polizei hat diese Maßnahmen mit der Befürchtung begründet, daß ein eventueller Zeppelinangriff während de« Koluidre-Gottesdieustes eine Panik Hervorrufen könnte, deren Folgen unabsehbar waren. Gleichzeitig wird au« London gemeldet, daß der Lord-Mayor von London in voller Amtsuniform am Jom-Lippur in einer Synagoge in Whitechapel erschienen sei und eine Ansprache an die Versammelten hielt. Der Lord-Mayor erklärte, daß er über die schreckliche Lage der Jode» in Rußland genau informiert sei und sprach die Bereitwilligkeit aus, die Bemühungen wegen Beschaffung eines Hilfsfonds für die russischen Juden mü aller ihm zu Gebote stehende» Macht zu fördern. Wichtiger wäre es allerdings gewesen, wenn der Lord-Mayor von London erklärt hätte, seine sicherlich nicht geringe Macht dafür zu verwenden, daß die russischen Greuel gegen die Juden ein Ende nehmen, daß ihnen endlich die Menschenrechte zugcfichen «erden, dann wäre die Beschaffuneioes Hilfsfonds überflüssig. Sotzlaad. Afti<tli»<»eke»» i» Nach .Rußtoje slowo' fiodet in Aren (in dreittigigerjKongrcß non elf Gouvernementsiemftroo« des tzüdweftgediete» statt. Die als Führer der Flüchtlinge tätigen Agenten der Eemstwa« schildern die Lage der Flüchtlinge furchtbar und find eutpdn öder die Behandlung durch die Eiscnbahndehirden. Die Fiüchllingszüge fahre» durchs die Lei» pfieguagsstaiionen durch uu» hatten, ganz noch der Laune derBahudeamien, auf einer ernigtWerst meiter liegenden Station. Das für die Flüchtlinge vvrberetteie Effe» bleibt undennßt, während die Flüchttinge hungern. Sehr oft werde» schmutzige Kohlen- oder Befiügelwagcn für die Flüchttinge gestellt ohne Heizung oder Beleuchtung. Die Züge fahre» regelmäßig ohne Adsahrtfignal weiter, diele, Hauptsächlich Kinder, bleiben zurück. Mau muß besondere Kinderzüge bilden, die aber nie die Ettern medr erreichen. Die Polizei treibt die Flüchtlinge mit Gewalt aus den Wäldern, wo diese vorübergehend Unterkunft in Laubhütten fände». Um die Ftüchtlingc zum verlasse» der Wälder zu zwingen wurden dies« in Brand gesteckt. Go ertläre» fich die vielen Brandwunden, die man bei den Flüchtlingen trifft, die .au«, gcräiichert' worden sind. Die .kielle» }«*(«' der }*»» »US Petersburg wird unterm 20. August geweidet: Der Zar erschöpft fich tu immer wcilergehenden Liedesbeaeiien gegen seine .sieden Inden'. S» ist eben ein Befehl ergangen, sämtliche männlichen und weiblichen Juden, die nach Kriegsausbruch an» dem feindlichen Auslande nach den weftruffischen Gouvernements zuiückgekehrt find, nach Ostfibiriea abznfchicbeii. Ein weiterer Beseht schreibt vor. alle galtzische» Juden, die nach der rusfischen Besetzung Galizien« nach Rußland gekommen waren, nach Galiziea zarückzntrciben. Ter ehmalige Gouvernkur van Tarnopol ist mit dreier etwa» schwierigen Maßnaiime detrant worden. Rnch der rusfischen Belegung GntiFens war der berüchtigte ruififche Lischaf Eulogius donchu nicht nur als Oberhirle der rusfischen stürde, sondein »IS Propagator für da« wahre Ruffentum innerhalb der galrzischen Slawen abgesondi worden. In dieser Eigen sch att Holle er amtlich de» gatizitche» Slawen angedotcn, nach Rußland auöznwanbern, w. den eingewanderten Biüdeen die bei den Deniich-Rnffen kanfiszierlen Ländere,»» gratis ndcttaffcn werden sollte», »egen 100,000 gatizitche Bauer» folgte, diesem »ersackenden Ruse und begäbe, fich na« Rußland, nachdem fie mit dem Bischof Eulogin« dadidgehende sarMelle Verträge adgrschloffe» hatten. Run die Rüsten ans «altzien vertried-m Ware», hatte die russische Regieruug keiaea Grund mehr, rie lieben galizischen Brüder weiter zu beachten, die mittlerweile um Kiew herum in der Erwarrung der kpnstSzirten deuischen Ländereien vor Hunger starben. Da« Dilemma wurde echt rusfisch gelöst: soebeu ist au« Petersburg nach Kiew die amtliche Weisung gelangt, die' veriranenssetigen gnliziichen Bauern kurzerhand nach Sibirien abzuschiedea. Daß diese ialomontsch« »nticherdmig die Unterfchrift de« Fürsten Schttcherdotow. de« Innenministers «ei neuesten sogenanittc» rusfischen paiiiischen Frühling«, trägt, macht di« Sache noch desondee« pckanl. NumS»ien. ^»»nnrsHe Znden-etzer a» Bodenfräse. MntzareK. 29. Oktober. Der beim Zusammenstoß des Militär» mit den Dcmonfkrünlcn am letzten Sonntag Getötete ist ein I7jähri-er Bukarester Jude, der zufällig in da« Getriebe hinein^raten war. Es ist den begeisterten Vierverbands, fteunden offenbar peioltch, daß es nicht ein Rumäne aus Siebenbürgen oder der Bukowina war. das Agitattonsmaterial wäre bedeutend wirkungsvoller gewesen. Endlich habe» sie fich aber auch damit abgefunden nnd für den Getöteten eine Sammluug eingeleitet, aus deren Erlös Kränze für das Grab und eine Unterstützung für die Familie bestritten werden sollen. Zum Leichenbegängnis erschienen auf dem Friedhof einige hundert siebenbürglicher Hetzer, die sonst als Judenfreffer bekannt find. Sie vertrieben die ausgestellten Wachen und veranstalteten am Grabe des Opfereine Totenfeier nach ihrer Art mit irredentiftischen Reden. Die Mitglieder der Föderation für nationale Einheit haben übrigens beschlossen, ihre Agitation ,,bi« zum Erfolg^.fortzufepeu, und werden demnächst das Land dearbkNken. nachdem fie in der Stadt so böse abgefahreck find. Es ist kaum ein Zweifel, daß fie auch dort nicht viel holen werden, zumal da die fortschreitenden Ereiguifse Rumänien immer hellsichtiger machen für den Wert der Stunde. Türkei. 3U»V«rt. Der Redakteur de« .Tag" Hermann Bernstein hat auf seine Anfrage vom tükischen Generalisfismus Euver Pascha einen Brief erhalten, in welchem er oie Tapferkeit und Treue der jüdischen Soldaten in der türkischen Armee rühmt. _ Amerika. Ae» Vorß Am 3. Oktober fand im Hotel Astor eine vom ..Indäpent Order Bene Brith" eiuberufene Konferenz zur Erötterung der Kongreßfrage statt. An der Beratung nahmen 22 Delegierte jüdischer Organisationen iu Amerika teil. Es sollte vor allem eine Einigkeit erzielt werden zwischen der auf dem Kongreßstandpunkt stehenden Majorität der armerikanisch. jüdischen Organisationen und dem „American-Iewish Tomitee", daan der Koaferenzidee festhält. Die Presse war von den Beratungen ausgeschlossen, und Lonis Marschall. der Präsident der ..American Jewish Comitee". griff diese sehr scharf an. wegen ihrer Stellungnahme zu« Aneg und zu den jüdischen Fragen überhaupt. Louis Brandts trat in einer längeren Rede für die Kongreßidee ein. Die Verhandlungen kamen nich t zum Adschluffe. Der Preffe wurde folgender Bericht zugestellt: ..Die Konferenz war einer freien Diskussion über die Vorzüge und die Nachteile eines Kongreffes oder einer Konferenz und über die Tunlichkeit beider Plünc gewidmet. Sämtliche Redner waren darin einig, daß die Juden dieses Landes im richtigen Moment mit vereinigten Kräften der in Betracht kommende« Autorität — einer naliouale« oder internationalen — die fundamentale Forderung unterbreiten, man möge den Juden gleiche bürgerliche, politische und religiöse Rechte io denjenigen Ländern gewähren, wo fie bisher noch nicht im Besitz dieser Rechte find. Die Konferenz Hot einen bestimmten Beschluß nicht gefaßt, und es ist der allgemeine Wunsch der Anwesenden, daß eine zweite Beratung stattfiader. Gei« Schluß der Lonferenz ist durch Abstimmung festgestelt worben, daß die Verhandlungen bloß bis auf weiteres vertagt werben. D«a Vorsitzenden steht das Recht zu, die Konferenz zu jeder Zeit wieder einzudrrufen'Es scheint, daß die Kongreßidee damit ihren Todesstoß erhalten hat. infolge der tiefen Kluft, die zwischen den BeNreter-i der jüdischen Gesellschaft fich aufgetan hat. -stoß H. KltziS gegen Untztand. Die ,Times^ gab kürzlich in einer Labelmeloung ihres Rewyorker BerichterstatterS eine scheinbar wörtliche Erklärung Jacob H. Schiffs wieder. Danach habe deffen Firma Kuhn. Loeb u. Eo. eine Beteiligung an der Ententeanlerhe abge lehnt, weil man ihr die verlangte Zusicherung verweigert habe, daß die russische Regierung nicht« von dem Gelbe erhalte. Dc» jetzt vorliegende Original der Erklärung deckt sich wünlich mit der .Times'- Meldung. Rur fehlt folgende Einschaltung hinter den Worten die .russische Regierung': ..gegen deren Unmenschlichkeirev sämtliche Mitglieder meiner Firma von j-'her ihre Stimmen erhoben haben". Wer hat den Satz aus zarter Rüchfichtnahme auf russische Gefühle unterschlagen t Der Korrespondent, der Zensor oder die Londoner Redaklion? hettere Ecke. — Die gnt getnftele Wotznnng. Dem ..Simplizissimu«' entnehmen wir folgende Anekdote: Bor wenigen Tagen war's erst, als die Oesterrcicher nach Hanen Kämpfen als Sieger über die Ruffen in das ostgalizifche Städrchen B. einzogen. Bald nachdem fich die Soldaten tut* quartiert hatten, gab der Kommandant Befehl, es sei festzustcleo, was für Schäden der Ruffe während seiner länge.eit äuMescitheit angeftiftet hatte. Ein Oberleutnant kam dabei mit leinen Leuten vor ein Haus, das übel zugerichlet war. Kein Stein auf dem andern; bloß die Firmatafet ..Moses Schlemmer. Agentur" war unversehrt. vor dem Haufe stand ein Jude, der filj schüttelte vor Lachen. Der Offizier war entrüstet ad solcher Schadenfreude und fuhr den Juden an : ..Was gibt's denn da zu lachen worauf der Jude ganz unterwürfig entgegnet: ..Verzeihung, Herr Oberleulnant. Sie möchten grad so lachen wie ich. wenn Sie den Brick gekriegt hätten, den ich in Händen Hab'. Schreibt mir der Mose« Schlemmer, der nach Wien geflüchtet ist. er werde bald nach Hause kommen, ich soll ihm einstweüen die Wohnung gut lüften". — Antzknnd i» Geldnöte». Heute, wo Rußland wieder auf der Suche nach Geld ist. erinnert man sich gern eines guten Witzes eines jüdischen'Fiaauzmannes. Als vor Jahren Witte rnfflfcher Finanzmiuister war, kam er nach Berlin wegen einer Anleihe. In einer Konferenz der angesehensten Geldgrößen mit dem Vertreter Rußlands war der bekannte geistreiche Ge- Heime Lommerzicnrat Max Goldberger der Wortführer, und er machte dem Minister gr?ße Schwierigkeiten wegen der Garantien. Etwa« gereizt wendete fich der Minitter an Goldberger mit der Bemerkung: ..Herr Geheimrat. wir brauchen eineu Geldborger und keinen Sslbberger'. Der geistvolle Soldberger aawonete: „Exzellenz, wenn Eie nur Buchstaben und Silben zu versetzen haben, so wird auS der Anleihe kaum etwas werden '.

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