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Jüdische Volkszeitung · 1915-10-29 · 45 (29.10.1915) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
21 (1915)
Issue
45 (29.10.1915)
Date
1915-10-29
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Vom Kriegsschauplatz. ZSdisch« volkrjtttuig. _Breton, Sr» 29. Cttobtr >-iS._ Ststerreich. Mit *tt flintu 9*»fnrtrit»»i(*<if< wurde der Fähnrich i. 6. R. Viktor Lkrein. Lohn de« Wiener Hof* und Gerichl-advokaten Dr Alfred Lkrein. für eine kühne Waffentat auf dem russische» Kriegsschauplatz. Er hatte am II. August durch feine Geistesgegenwart. Entschlossenheit und Tapferkeik das Signal zu einem allgemeinen Angriff seine- Regimentes auf eine ruffische Stellung gegeben, der die Eroberung eine» feindlichen Stützpunktes zur Folge hatte. Fähn lich Lkrein. der mit vier Mann feine« Zuges al» erster in einen ruffifchen Lchützengraden eingebrungen war. machte dabei leibst zwanzig Gefangene Tattaren) und erbeutete große Muaitionsmengen. preimat «»gezelchuet wurde Ingenieur Jakob Sichoer, Reserveleutnant. Signum laudis. erhielt er vor 4 Monaten, letzt d. fild. Perdienstkreuz und d. Eiserne Kreuz, er ist seil Ausbruch de« Kriege« ununterbrochen i« Felde. gescheut eine« Anlarenoterste« fir eine StzNagoge Die au« Rylrcgyhaza gemeldet wird, hat der Huiarenobern Akufiu« Nagy der dortigen israelitischen Reiigionsgemeinde ein mtereffavte« (beschenk gewidmet. Zn einer verwüsteten Ortschaft ,n Russisch-Polen kam unter den Trümmern der eingestürzten Synagoge ein großer silberner Armleuchter zum Vorschein. weichen der Lderst in Begleitung eines im warmen Tone gehaltenen Schreiben« de« Gemeindepräsidenten Mathias Kun übermittelte. Der Leuchter wurde im Ryiregyhazaer Tewpe. üatergebracht und der Kultusoorstand votierte in einer seiner jüngst ndgehaltene» Sitzungen Sem Husarenoberst Ragy für sein srenndlicheS patriotlsche« Gedenken protokollarisch den Dank. Ln-lanv. M« A»»,» i» ATitie »ach d«» .Journal b< @»neof* kämpfen in England« Heeren 20000 Juden. Für Deutsch« land — heißt es weiter — kämpfen 50 000, für Oesterreich Ungarn «ehr al« 170^000, für Rußland 350 000 Jaden Das serbische Heer soll 25 000 Juden zählen. Etwa« ganz Besondere« aber hat da« englische Herr: e» ist rin Freiwilligen* korps, da« ausschließlich au« Juden besteht und von jüdischen Offizieren in hebräischer Sprache befehligt wird. Gebildet wurde dat Korps au« zionistische» Kolonisten, die angeblich aus Palästina nach Aegypten geflüchtet sind, weit sie nicht unter den Türken kämpfen wollten: sie haben sich an den Dardanellen sehr bewährt, so daß Sir Zan Hamilton in einem Bnefe ihnen hohe« Lod spendete. Die Schlacht M £***, wobei dir Engländer gegen die Drnlschenkämpfteu. hat 16 jüdische Opfer auf Leitender Engländer gekostet, darunter ei« Capitata, 2 Leutnants und 3 Unterleutnants. Etwa 60 jüdische Soldatm wurden verwundet. Rnfttonft. Die .Rowoje Wremja'meldet: Pie MerSande der Htechte» veröffentlichen in der russischen Preste eine Entschließung, m der gefordertwird: Uaterlaffung aller Reformen dis zum Ende de» Kriege«, da sämtliche Kräfte für die Kriegführung erforder* lich seren; Vertagung der Iudensrage, da ihre Behandlung die Bplksmaffen erregen könnte: Verweigerung einer Amnestie, insdesondcre mit Rücksicht auf die Streikbewegung iu den Munitioaefadriken; Ablehnung der Mimflerverantwottlichken. die nur Vermurung hervordringea könnte; Ausstattung der Regierung mit besondere» weitestgehenden Vollmachten, um mit eiserner Festigkeit alle« zur 8«rbereitung de« Liege« durchzuführe»; Kampf gegen die Teuerung und das Deutschtum; militärische Organisation aller Fabriken. Die ganze liberale Presse ist empört über die ofs^:: zutage tretende Reaktion and spricht dieser Entschließung jede Bedeutung ad, da die Massen kei»e«weg« hinter ihr stä:: ... In Regierungskreisen verlautet, daß die Duma nicht früher al» am 3. Dezember eiaderufcn wird, da sie jetzt gar?.t<st« zu tun hätte und sich nur mit Interpellationen und unnützer Kritik beschäftigen n»o dadurch oe« Lande schaden würde. Mallen-Znswetsange». Trotz der jüngst erfolgten ieU> weise» Aufhebung de« Ansiedlungsrayon« beginnt man die Zvdeu wieder aus vielen Orten auszuweiien. Au« Kiew lverden sogar solche Juden ausgewtefen. die vorher WobnreLt batten. Auch in Wlabrwostok'und an anderen One» ist mit der Massenaußwetsung von Juden begönne» worden. Ein jeder Gouverneur und Polizeiminister ist scheinbar davon überzengt, daß er sich dadurch ein Recht auf Beförderung erwirbt. Kiew. Der .Djen" erfährt. dag die Militärbehörden vom l6. d. M. an verboten habe», daß Inden, die früher in Kiew gewohnt haben, später al» am oben genaanlen Datum zur Stadt zugelaffen. weiden. Die Ankunft neuer Einwohner jüdischen Glauben« ist vollkommen verboten. Die Polizeibehörden in Ate» haben, wie die .Birshewiju Wjedomosri' erfährt, eine neue gegen die jüdische Bevölkerung gerichtete Verfügung erlassen nach der bi« mt «eitere« keine jüdischen Flüchtlinge mehr in Kiew zugelaffen »erden. Außerdem haben alle jüdischen Familien, die sich noch in Kiew auf* hätten. darunter auch die Kouflrutr nster Gilde und die Akademiker. die Aufforderung erhalten. die Ltadt binnen 14 Tage., zu ve» lassen. A»be»»itzla»bt»»ge« Die Moskauer jüdssche G.» mein de bekam Mitteilung aus Briaa«k. daß. al« ein Zug m,t jüdischen Flüchtlingen in der Station Schers ch i n » k a j a anka», die dort ansässigen Juden de», Fluchtlingen Eßwaren dringen wollten, jedoch auf Weisung de« Stationsvorstehers von den Stativnsdieneru und Schaffnern schroff weggejagi wurden. DieSchaffnerwarfe» die Eßwaren aus de.n Bodeu und zertrampelten sie. obwohl der Zug voll schmachlevde r Flüchtlinge war. die vergeblich um Esten flehten. Eine Jüdin bot. hinausgelaffen zu werden um Esten zu kaufen. Eie erhielt zur Anwort, daß nach höhere« Befehl die jüdischen Flüchtlinge nicht von ihre» Glanbensgenofsen gespeist werden dürfen; daß die Flüchtlinge Esten kaufen wollen glaube «an nicht. Biele Flüchtlinge erkrankten im Zuge schwer wegen Hungers Die Kinder sterblichkeit ist groß. In Zwano we*jöo«nese n sk werden aurisemit* tische Aufrufe gedruckt und verbreitet. Da« örtliche Antisemit* tenorga» „Zwanowsky Liftok' fordert offen zu Po* gromenauf. A«de» werde« »lcht z»ßeLaffe». Zn Rußland ist zum ersten Male der Zude Leinslein als Vertreter des Handels in den Reichsrat gewählt worden. Run meldet .Ru-koje Slowo*: Die Dahl Leinsteins wird anaulielt. denn nach der Verordnung Kaiser Nikolaus I. dürfen Personen jüdischer Herkunft veröden erwähnten Institution nicht angehören. Aries einernfstfche» Gefangene». Aus New -iork wird uns die Abschrift eine« Briefe« übersandt, den ein in deutsche Gefangenschaft geratener russischer L a n i t ä t «s o l d a t dorrdin gerichtet hat. Der Vlies lautet: .Ohrdruf, Lazarett. x. September 1015. Ich benachrichtige Dich, daß ich mich lebend und gesund in Deutschland in Gefangenschaft befinde. Ich war durch einen Bajonettstich in den Arm verwundet. Augenblicklich bin ich gesund. * In Gefangenschaft geriet ich am 23. Juli zwischen oe» Städte» Makowesch und PultaSk, ungefähr 70 Werst von Warschau entfernt, und nun kann ich wohl sagen, daß für mich alles beendet ist. Ich nahm nn den Kämpftm als Krankenpfleger bei der Kompagnie te,l, eia volle« Jahr hindurch bis auf wenige Tage. Alles das zu beschreiben, wa» ich erlebt habe und weste» ich Zeuge war. bin ich nicht imstande. Ich kann nur eins sagen: -aß e« schrecklich war. Ich mußte sowohl physische wie moralische Leiden ertragen, und jede Minute erwanen. in Stücke zerrissen oder zum Krüppel zu werben. Aber mehr al« durch irgend etwas Andere« litt ich al- Jude durch -asuagerechte Verhalten friedlichen pol* nischr» Juden gegenüber, mit welchen unsere Soldaten ungestraft Spott trieben. Ich kam von Warschau nach Warta, und überall hörte ich arme Juden heulen. Schonung gab e« für Niemand e n. Mädchen und auch beschützte Frauen wurden vergewaltigt. Wir rückte» in One ein, audenen Deutsche zurückgewichen waren. Ich Hütte nicht eine Klage über dieDeuts ch e n. Sie verhielten sich zu unseren Bewohnern sehr gut, während unsere Kosaken sich bemühten, das zu zeigen, worin sse allein tüchtig waren. Ich kann Dir nrcht alle« berichten, was ich sah und hörte. Wein, auch Nikolai Nikolajewitsch dem amerikanischen Korrespondenten auf dessen Frage: .Ist es richtig, daß es in Polen zur Zeit uusere« Heranrücken- Pogrome (Plünderungen) gegeben half' antwortete, daß es nicht wahr sei. so kann ich Drr doch bestätigen, daß Pogrome unter den Juden wirklich staklfaaden, obgleich sie bei Gelegenheit auch die Polen nicht verschonte». Die Lage ist bet un» z» Hause sehr schlimm. Ueber die Meinen habe ich seit drei Monaten keine Nachricht. Ueber mich erfahren sie auch sobald nicht». Fenja. wenn Du die Möglichkeit hast, so sende mir ein Postpaket mit Eßwaren. hauptsächlich Zwieback und Geld, da ich von Hause ichwerlich etwa» erhalle, weil »an in Rußland'' Pakete mit Eßwaren für uu» nicht an* nimmt. Emstweilen wünsche ,ch D,r alle« Gute. Ich bin »och immer Krankenpfleger im Lazarett bei russische» Verwundeten. Gruß an Moise« und die Kinder. Schreibe möglichst öfters.' Amerika. Fhicatz». Dr« diesjährigen jüdischen Neujihiiftst wurde durch den Weltkrieg ei» dejonder» er« st Hafter Charakter verliehen. Strenggläubige Israeliten hauen ersucht, -aß r» den Synagogen für ihre Glauden»genoffen in den vom Krieg betroffenen Ländern Europa» besondere Gebete gesprochen werden. Am Iom-Kippar wurde in alle» Synagogen für nvtleidende südliche Familien in den Kneglländern gespendet. B-rei« sind sitze. l.000.000 L. von eine» jüdischen llnterstützungskomitee zusammcagedeachr. man erwartet, kaß der ersehnte Buß* und Bettag eine gleich große Summe fänden wohltätigen Zweck ergeben hat. In t>:n Predigten ward auf den Krieg und die Beteiligung o»n )«raeltten an drese« hingewiese» »nd auch die Hoffnnng de» Judentums auf einen baldigen Friede» erörtert. vir drei «ritgrmaulhtlvtii. Al« de» Sommer« Herrlichkeit schon zu Ende neigte. Und der Wälder grüne« Laub sich zu »elfen zeigte. Hl« de» Landmann» Erntesegen Freudig lachte ihm entgegen, Zog a« heiteren Friedenshimmel Plötzlich auf ein Kriegsgctümmel. Im Osten, Westen. Süden, Rorde». Sammelten sich Kriegeshorden, Wollte» deutsche Macht bezwingen. Deutsche Heere niederringen. Dar der Plan auch fein ersonnen. Ist er doch in nichtzerronnen. Denn dre deutsche Heeresmacht Hält auch im Frieden treu die Dacht England mit dem gierigen Rache». D«llt Deutschland längst den Garau» machen. Sann seit Jahren hin und her. Ob zu Laude oder Meer. Unserer Flotte sp.ach Eword Gray. Kommt keine Macht -cr Welt gleich bei, Doch bester wär'e, wir schlagen zu Lande, Die verrohte Bardarenbande. Den» ihre Macht und ihre Heere. Vergrößern sich »ie Saud am Meere. Dachse» un» noch über n Kops. Und nehm' unS schließlich selbst beim Schopf. Eward Gray schritt bald zur Tat. Berief schnell ei»' Ministerrat, Und dieser faßte die Idee, Grey spricht mal mit Poincaro. Der ist auf Deutschland längst schon hitzig Bon wegen damals anno 70, Zurück verlangen sie Straßburg. Metz, Und woll'n dafür Revanche jetzt. Der König gibt Gray seinen «oegen Und er dampft ab auf Meereswrzen Al« er in Frankreich allgekommen. Heißt man ihn herzlich sehr willkommen. Man ladet ihn sein zu« Festdiner Da spricht Freund Poiucarü: „Au mot» arai“, wa» Sie mir bringen. Da» hör' ich schon in den Ohren klingen. Bit wollen Deutschland ganz vernichten? Da» deutsche Heer zu Grunde richten? „II »aci.-s parat“ ich hav sie dick. Denn unser Elsaß muß zurück. Wir wollen die Deutschen schon zerzausen. Kommen wir mal rein erst nach MuhlhSusen. Dann ist'« nicht weit mehr nach Berlin, Und da wird Guillaume Augen ziehn, Er wird sich kurzer Hand ergeben. Und bitten um stin junges Leben. Doch lieber Freund da fällt mir ein. Wir zwei werd'n doch zu wenig sein. Wir müssen ,ehn nach einem Dritten. Den nehmen wir dann in die Mitten. Die war - denn mit Freund Nicolau». Der schlägt die Deutschen allein schon raus. Er hat ei» große» Millionenheer. Dagegen einen Dalles sehr. Und wenn er auch ist Wilhelms Beller, Die Sache macht sich umio netter. Leim Krieg hört die Msschpoche auf. Und Nicolaus Verzicht' auch drauf. Denn dicke Freundschaft waren sie nie. Bald sprachen sie Du. bald sprachen sie Sie. Gesagt, getan und eins. zwei, drei, Fuhren Poincarö und Mistre Gray. Nach Petrograd zum Nieolau«. Und traftn ihn auch grad zn Hau». Er heißt sie deioe sehr willkommen. Und al« er dann von ihn' vernommen. Um wa« sich die Geschichte dreht. Sprach er dem trauten t£tea töte: Die Sache, die ist ganz famos. Und mir ist alles taute rnvrne ekose. Ich kann, zwar bin rch der Zar Allein nicht handeln immerdar. Da muß ich erst Ricolajevicz fragen. Wa» der wird zu der Sache sagen. Der sirhrr da« Zepter in oer Hand Und ist dekauot :m ganzen Land. Ich bin al« Puppe ja nur hier Uni steh' a!» Zar nur auf Papier. Daß er sagt eher ja wie nein. Darauf könnt ihr v^rsich^l 'ein. Denn lange schon gefällt'» ihm nicht.' Daß in Deutschland man nicht slavisch spricht, Er will schon lang die deutsche Raste Zusommenbringen an slavische Masse. Dann ferner muß ich euch noch sagen. Ich kai n den Dalles uichl ertragen. Der schon seit Jahren rmmerza Mich quä.r und martert ohne Ruh! Ich had' zwar ein Millioueubeer Doch fehlt « an Rudeln deftomehr. Pourcar^ und Mistie Giay Sie tuscheln sich wa« in« Ohr die zwei Und endlich spricht Poinen/-: Die Sack., ist gemacht, an fait. Wir dringen dir ganz „ach Belieben Milliarden sechie und auch sieben, Lei uns ist alle« ja im Loth Und nirgends herrscht Bedrangni«. Not, Wrr haben, wa« zum Krieg gehört. Ein tapfere» Heer, wa« sich bewährt. Was 70 sicher hält' gewonnen. War Napoleon nichr gelangen genoinmen. Der Zar und Nicotojewicz tagen: Hol'» der Teufel, gut wir wagen. Und schnell wird cm Vertrag gemacht. Daß jeder treu und fest halt Dacht. Und keiner Frieoen schließt allein. Soadcru nur zusammen gemein. Und diese edle Dasieuichast. Gewcibt wird sie nstr Reden'aft. Zum Schluß gibt« noch ei> Dunki drauf. Und ser'ig war der Waffenkauf. Da» Ndschiednehmen nahm kern Ende. Sie reichte» sich nochmal« die Hände, Und alle Worte haben geschriee» Auf Wiedersehen bald in Berlin Gustav Lewy. Mir bitte» a»sere Are«»de die . Zadifch, chpot»»- zeit»»»' überall m Lokale» und auf den Nah»tz-fe», in L^ctzale». Hotels. Deka-rauts. 3ttfU»tcr», Vereine» und Tage» \n v,rt«»§e«. a»ch {* 2Utt- Hrte» ■«» A»ra»K»lte».

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