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Jüdische Volkszeitung · 1915-08-06 · 32 (6.8.1915) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
21 (1915)
Issue
32 (6.8.1915)
Date
1915-08-06
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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31Mf<fa voNrMay. Rr. 52 Böm Kriegsschauplatz. Brnta, 6« >. »nt W». fatfoa«. Der LHtetr»t5i 90m O»gf«»» Dr. Herz, der sich noch i» Krankreich zu« Besuche der jüdischen Erlösten befindet, wurde vom Kommandanten der englischen Armee, Marschall Kreuch, empfangen. _ Sraatrrfd). Gekokte» tot: Unlrrimtnant Jacob Umfaller» «. Mascara itti Kperu): Joseph AoenAuo», Beuzimera (Schwiegerlohn trt Rabbiner« in Salta); Korporal Maurice Picard; Robert Cohen :. 28b. Jnf.-Reg. (bei Arras); »lph. Ri bau o. 53. Juf.-Reg.; die Zaaoe» Haddad von Rabeul (Tunis), Jacques Fitonsfi, Ibghi, >dr. Levy-Balenß, Mols« Nahon Osiris ». 18. Att.-Reg., I»l. Eebaoun, Sa«. Tidico, Mahlos Touati und Saadvnn. Satzlaa». Meter ei»c Mi«« jltn »nogemiefe» JUtcatotf*’ 3»>i- Moskauer Bitter «eiben, daß die gftamie jüdische Beoillerang aas de» Gonnernements 8rod- »o, Wilna and Warschau ausgemrefen ward«. Das bedeute den vollkommenen Ruin oo» 1200000 Juden. Ja Meterstori wurde» einige Lenke, »eii fie Jargo» sprachen, «it großer Geldstrafe belegt. Ja Kiew befindet sich eine große Anzahl galizsscher Jade», die als Geiseln mitgeführt wurden. Die bortige» Jaden nehmen sich der Arme, sehr hilsteich an. — Sämtliche jüdisch« Flüchtling«, die stch bisher i« Gouvernement Jekaterrnaslo« befanden, mußten nach de« Gouveraemeut Tambow überfiedeia. Pi» SaMMekdnch za,aalte, der jüdische» Iktchtlinge l» Antzland An lnrzem erscheint uatcr der Redaklio» von P. Sologud, L. Audrejew uad M. Gorki em Saauaelbuch oon Artikeln, Belletristik und Lyrik zugxaftea der jüdifcheu Heimatlosen mit de» Titel: »Für die Opfer des ^Krieges". Für da« Hammelbach haben außer den genaautm Jailiatoren noch viele berühmt« russische Setstistfieller Beitrüge geliefert. Meterstorg. Die Kommission für die Unterstützung der durch den Krieg io Rot geratene» Bad bin er teilt mit, daß ihr feit dem I. Zauaar bis Jaui 1915 di« Hamme oon 980.1b Rudel »o» den Beamten der Gemeinden zpgegaage» seien, aosgegeden wurde» aber 8790.92 Rubel. Es wird der Wunsch ausgedrütkt, daß die Hilf« in stärkere« Grad« wie bisher fortgesejt werde. Präsident ist Rabb. Dr. Ciseichadi in Petersburg. Met er» dar«. Da« Zeutvalkomitt für notleidend« Jude» hat beschisse», jeden Jude» mit S Prozeat feiner Ausgaben zu beftcueru. Biele Gonoeinemeit» habe» diesen Beschloß bereits aageaommen. I» Mosto» haben di« dortigen Inden bereit» eine Million Rubel für die »om Kriege geschädigte» Familien gesammelt. Im gaaze» zahle» 1814 Personen monatlich 71187 Rubel freiwillige Beitrüge. Msttaoa. Unter de» hierher geflüchtete» Jäte», die aus Kurland and Kpwno ausaewieseu wurde», befinden sich zahlreiche Menschen, die «or Schrecken wahnsinnig wurden. Marsch»» Der .Hazeflrah' schreibt: Die Einwohner verlassen maffenhast die Stadl. Fast alle Geschäfte fl»d geschlossen. Di« BenölkeiiUig verbringt beinahe den gaaze» Tag in den Kellern. Aüdtlch» Znoßeünng l, Marsch»» Die jüd. Gemeiad« hat eine Ausstellung von Zeichnuagca uud Handardeiten der Volksschüler eröffnet. Iate» nrsflscher Mokizeifchnrüe» Mi«», 29. Juli. DaS russische Blatt .Rasze Slowo' berichtet über da« verbrecherische Treiben der Öchrana spolltilche» Polizei: in Russisch-Polen: In Lomsha dennnjietten zwei Ageate» der Ochraaa e»eu Ktnewatographenbefitzer Namen» Eiseabiegel, daß sich «agedlich der ihm «in Telephon zu Spionagezweite» befände. Ciieubregei werbe verbairel Iy> Laust der kriegsgerichtlichen u»tcrha»dt«»g stell Ir es sich heraus, daß der Agent Cznpranyk den Telcphonappontt >» bi» Wohnung des Eisrnbiegel geschmuggelt »ad dann »oo ihm bes>i0N,be> für das Unterlaffe» der »»zeig« «erlangt halbe. Das Grricht ebnete die sofortige FreilaffungEssenbiegell a». »äheeud geoen (szupranok uud seine zwei Mitschuldigen die sirasgermheluche Uorettmhung erngeleitcl wurde. Bei der Hanptverhandlung w»>be aber zum Erstaunen des vorsißeilben Generals Eilendregel als .senge ans der Hast vorgefühlt. A»s di« Frag«, warn» brr Man» nicht enthaftet worden sel, erhielt der General die Amrneii. baß gegen Eiscnbiegel noch ei» zweiter Spionagexrozeß ilmtr Der General ließ die Hache »icht auf sich brühen und konstasterte, daß die Erzähl»»« oo» einem zweite, hstozcß stri erfunden war. Eisenbiegel wurde nun enthaftet. Zwei rwa den ichulbigen Agenten wurden zu je sechs Jahren Zwangsarbeit oeruNeilt. Im Lause der Berhaudloog wurde erwiese», daß aus die Anzeigen de» Ezupranyk allein seit Kriegsdeginn naht weniger als >7 jüdische Bürger gehüngl worben find. Die fieberhafte Seschästigkei« der verbrecherischen Bande war durch einen lm April d. Js. erlaffene» Befehl an di« Ochraaa, speziell nach jüdischen Spionen zn fahnde», angespornt worden. JH< £*it der »»» Gaklzle» »ach M»ßk«»d »rrschleppie» Geisel». .Kijewskaja Mysl' berichtet: Die Mitglieder der in Kiew eiagestoffeaen Abordnungen des Komitee« .Großbritannien. Pole» uud Galizien'(kesuchien das vom lokalen jüdischen Komitee für jüdische Auswanderer aui Galizien hergerichtete Lager, das in dem zu diesem Zwecke eigens gemietete» Hause Rr. 82 auf der KyrilowSkaja uutergebracht wurde. Die Abordnung besichtigte, nachdem fie sich mit der Hllseleistung für die Salizianer bekannt gemacht hatte, diesen Punkt zweimal. Di« Oerilichkest ist normaler Weise für zweihundett Menschen hergerichlet. Gleichwohl wurden dotthin in diesen Tagen über 2100 Eppairiierle geschafft. Eine solch« ungeheure Maff« kann das Gedünde nicht soffen, und man hat alle neu Eingeiroffenea im Garten de» Hause» in Zelte» und rasch hergerichteten hölzernen Baracken untergedracht. Die Abordnung hat dieses Lager besucht und dort über sechstansend Expatriierte getroffen. Unter ihnen find viele Kinder, Frauen und Greise. Dst Abordnung traf eine» 83jährigen Mann, der seit sechs Jahren gelühmt und der Möglichkeit beraubt ist, sich selbst zu bewegen. Auch zwei fast Hundertjährige trafen sie, einen 93 Jahre, den »»deren 92. Unter den Expatriierten gibt es einige Geistesstanke, einen von diese», der Anzeichen von Tollwut zeigte, mußte man im Kyrilowlpital isolieren. Unter den Geisteskranke» lenkt die Aufmerksamkeit aus sich ein Greis, der erst vor kurzem des »ersta»d«« beraubt wurde, schon nach seinem Eintreffen in Kiew, uad zwar aus folgender Ursache: Der Greis kam nach Kiew mit seiner Familie und der Familie seines Sohnes. Ars dem Wege crsuhr er, daß sei» iu Galizstn gebliebener Sohn zusüllig durch ein Schrapnell gelötet wurde. Die Rachricht traf dr» Greis fies, gleichwohl aber blieb er mutig uad teitte sein« mutige Stimmung auch der ganze» Familie mit. Ja Kiew verrichtete der Greis seiner Religon gemäß eine siebentügige Trauer. Allmählich schien er das Unglück zu vergeffe», da kam plttzlich mit einer neuen Parste sein Sohn nach Kiew. Den lebenden Sohn nahm der Greis für ei» Gespenst, und das erschütte>te ihn so, daß er den Lerftnnd verlor uad in stillen Irrsinn verfiel. Da« jüdisch« Komitee traf alle Maßnahmen, um die Gesunden von den Kranken zu isolieren und die Einschleppung m<ta Inf entfalt ia BOotm (BafüfdhPolea) oon Heswnt Zerkewoki, Krinoirwellrkprlegei»,m AotenKrenz. Nachts 2 Uhr gelangte u»ser Zug »ach tagelanger Fahrt aus dem Lahnhose des Ortes M. an und am »»deren Tage unternahmen ich uud mehrere Kameraden schon bei Morgengrauen einen kleinen Erkundiaungiweg. Soweit das Auge reicht, Schnee und Nebel. Doch bald teilt sich leßterer »nd wir sehen aus de« Kahrdamm lange Züge von Proviantkolonne» und Arstllerie, einzelne Meldereiter, Autos der höheren Stäbe, eine Abteilnug Armieruogssoldaten marschiert de» Wegs zu ihrer Arbeitsstätte. Troß der Muffe» überall Ord»«»>. Freundlich grüßen sie uns uud »ix stagen nach ihrem wohin und woher. Jenseits des Wegs prangt uns ei» Schild mit schw arz-weih-roier Einrahmung entgegen. I» »er Mitte ist in große» Buibstobe» .Deustche« Kaufhaus' zu lesen. Leider erlaubte die Zeit es nicht hinüber zu gehe». Wir lasten mit den Besuch für später »nd waudern zum Bahnhofsgebäude zurück. Angekomme», treffen wst auch schon a»d«re Kameraden, die hier stationiert find. Sie machen uns darauf »ofmerkfam, daß bald «er Pendelzug aus D. eintrifft und Kunde a»s der Heimat bringt. Zunft wird die »eue Feldpost srendig begrüßt, aber der Zug bringt auch etwas für alle Wartenden: .Deustche« Bier' und .Berliner Zeitungen'. Jeder »erfieht sich mindeften« mit einer Zeitung und frent sich, sie bei dem riesigen Ansturm überhaupt »och bekomme» zu haben; fodan, geht er seiner Beschüftigiug noch. Schnell habe ich mich mit einem Posener Kameraden angefnnndet, den ich bitte, mü mir »och unserem Appell durch den Ort j, »ander». Znm Zuge zurückgekehil trinke, wir »»fein Kaffee »nd warten den Tagesbefehl ab. Um 9 Uhr teilt der Znjzführer mit, daß der Innige Tag frei ist uud «orgen erst gelad,» wird. Schnell tteffe ich mich wieder mit de» Kameraden »nd wir wandern »un durch de« Ort. Hinter dem Bahnhof liegt der autgedrannle Güterschuppen »ad dahotter, in einem ehemals russischen Ltaatsgebünde, das einer unserer Wiener bei der Eroberung «st einer Bombe belegt hatte, ist ei» Feldlazarett untergedracht. Es ist da» einzige Gebtude, das nach dieser Seite zu überhaupt noch stehrngedkiebe» ist. Wir trinke» sodann im Bahnhofsgebäude eine, deustche» Schopp«,, den» wie mir mei» Begleiter oeifichett, ist noch 18 Uhr gewöhnlich das Bier alle. Der Kahrdamm ist nun schon nicht mehr so belebt; aber desto schmußiger. Damit die Fußgänger nicht zu lies in Schlamm untettauchen, find Steine zum llebcrgang gelegt. Wir spriuge» hinüber. In einem kleinen Sättchen ruhen nebeneinander gebettet deustche »nd rusfifche Soldaten. Sie fielen bei der Eroberung des Ortes und wurden hier zujammc» deerdiat. Do« nächste Gebäude ist die Schule. Dos jetzt als Ruffenlazarett dienende Haus wird gerade von der letzten „Einqnaniernng' geiäubert. Unser Kamerad führt hinein. Ucberall wirb gelüftet, gefegt und neues Ettoh gelegt. Es herrscht die größte Sauberkeit. Daneben liegt da« „Deustche Kaufhaus". Wir gehe» hinein. Natürlich ist es nur ein« Stube in der cs Bier, Harzerkäse, Wein, Konserve», Ansichtskarten, Schnürsenkel u.s.w. gibt. Da« Geschäft wird von deutschen Marketender» dettieben und erfteut fich, wie mir die Besitzerin freudestrahlend erzüblte, sehr lebhafte» Zusprach«. Ganz in der Nähe, in einem sehr schöne» Hause, ist die Ortskomwandantur untergebrachr. Die Hünser hi»ter der Landstraße find echt rusfisch, d. h. nur Erdgstchoß uud sehr schmutzig. Inzwischen war es Mittag geworden u»d wir Pilger» zum Zuge zurück. Rach dem Essen wollte» wir »ach dem s lew entfernten M. wandern. Doch mst dem Sandern w»rde e« nichts; denn wir blieben mit u»ser» Schaftstiefeln im Schlamm stecken und cnstchloffen un«, eiue» Wage» zu bitten, uns mitzunehmen So fuhren wir mit eine» Proviantwagen »der Stock »nd Stein bis zum Marktplatz de« Ortes. »1« wir au,steigen, werde» wir von Polenjuogen umringt, die un« einer den andern übcrlchrciend, die Straßburger Zeitung anbittc». Man wird bist« Kerlchen »»» 8—12 Jahre» »icht früher los, bi» man wenigstens ei»e Zeitung geka»st ha». Dan» ziehen fie ab, um fich aus er» »eues Opfer zu stürze,'. Am Markt herrichk reges Leben. Die Soldaten ha»d«l» mit de» Juden. In dem „Berliner Kaufhaus" ist immer zu tun; denn »usere Feldgrauen brauche» alle« Wigliche »nd Unmögliche, Auch die bestaunte Sehen». Würdigkeit des Ostens wollen wir besuche», eine Teestube. Roch langem Wühle» finde» wir einen ziemlich reinen Laden und gehen hinein. Bei einer hübschen, schwarzäugigen Polin bestellen wir nn« Tee und Gebäck. Letzteres ist sehr icht», doch der Tee Hai gar keinen Geschmack, d«her laffen wir uns von ansteckenden Krankhesten im Lager zu verhindern. B«' der Ankunft einer neuen Partie untersucht fie aufmerksam das medizinische Personal. Dorthin werden fie nur nach einem Bad« in einem besonders eingerichteten Hause gebracht, ihr« Sachen weiden desinfiziert and allen wird frische Wäsche gegeben. Dfe neue Partte bringt man sodann im Garten in Zelten unter, und wenn fich im Lause von einige» Tagen keine Krankheiten zeigen, kommen fie in die hölzernen Baracke» oder in die Wohnuogni. sAugenjcheinlich handelt cs fich um Inden, die mit Gewalt aus Galizien fortgeschleppt wurden.) Nachdem die Mitglieder der Delegation dieses Lager ausmerksam befichtigl hotten, begaben fie sich mit der.Präsidentin Fürstiu Barjatinikaja-Jaworskaja (einer früheren Petersburger Schauspielerin), um die Wohnungen zu besichtigen, in deuen die galizischen Intellektuellen untergedracht wurden. Für die Inlelligeuz haben die Berirclcr des jüdischen Komilees eine spezielle Wohnung bcigeftellt, in der fich Betten befinden. Unter den Bewohnern derselben befinden sich unter anderem einige hervorragend« österreichische Juden: der Nestor der Lemderger Universität Proseffor Beck, Mitglied des öfterreichischeu Reich«, rate«, der Bürgermeister der Stadt Zloczow, Di. Gold, der Präsident der jüdischen Kllltnsgemeinde in Lemberg Diamant, der bekannte Augenarzt Dr. S i o n, der Advokat A b e r b a ch und andere. (Alle mit Gewalt fortgeschleppt.) Die Unterbringung der Intelligenz ist sehr eng. In einem Zimmer find fünf bis sechs Mann. Der Rektor der Lembergcr Univerfität Beck wandte fich an die Fürstin Barjatiuskaja in ftanzdstscher Sprache mit der Bille, wenn möglich der Intelligenz zu helfe», daß ihr erlaubt werde, fich in großen Städten, wo es Bibliotheken gibt, anzuficdcln. Die Lekde» ,«» Aofefow. Bon den geflüchteten Einwohnern kehrten während der Beschießung der Stadt fünf Juden um, die in der Synagoge zurückgebliebenen ,S,sre Torolh' zu retten. Aus dem Rückwege schlug vor ihnen eine Granate ein uud alle fünf traf der Tod. Nach der Schlacht wurden sie alle 5 begraben. In einem anderen Grab neben ihnen die ö Sifrö Toroth. Ae»e jüd. Aeii»»ge» i» Mnßland. In Wilna erscheint seit kurzer Zeit die jüd. Zeitung .Das Boik', in Petrograd .Die Bolkiftimmc', in Odesia .Der freier Wort'. Bekanntlich find »Rowi Wofchod', die zionistische Zcitschnst .Raßwjet', die hebr. wifienschastl. Monalschrifl ,Hasch,loach', .Hazesira', ,Haint' und .Moment' verboten. Amerika. Z»»riü«»isthe )»de» keh«» die Liefern»« »«» M»»iii»» »» die P»k<»i« ad. Aus St. Louis meldet .The Hedrcw': George W. Heller, der Besitzer eines hiesigen Stahlwerke«, hat Anfang Juni eine» unbegrenzten Auftrag der frnuztßschen Reglern»» auf Schrapnells abgelehut. Die Bestellung hätte wöchentlich aus 90.000 Dollar gelautet. Mr. Heller lehnte den Susttag aus Oppofi. »ion gegen den Krieg ab. Eiuig« Tage früher hat ein anderer amerikanischer Jude aus deftelben stabt, Theodore Phillips, eine Bestellung im Werte von 900.000 Dollar« auf Maschinen zur Herstellung von Kartätschen abgelehnt. fftue F«te»feier für die gefallene» jüdische» Soldat«» i» Chicago. Eine Andacht sür die gefallenen jüdischen Krieger in Europa ist in Ehicago in lö Synagogen abgehaltm worden. Mehr als 25,000 Juden waren dabei anweiend. Biele Tausende mußten wegen Raummangel« umkehren. Die Sladlraddiner, welche diese Beranstaltungcn gttroffen haben, hielten warme Gedensteben. Ein Appell, die unglückliche» Familien der gefallenen Opser zu unterstütze», hat 10,000 Dollar eingebracht. spanischen Wein dazu geben. Die Polin ist sehr gesprächig und verfichcrt in fließendem Deutsch, lieber Deutsch« zu sein, als Russin. Sie erzählt uns von den Sitteu de« Landes uud was fie durch die russischen Soldaten haben erdulden muffen. Nach halbstündiger Raft gehen wir wieder über den Marktplatz an der schöne», unversehrte» Kirche vorbei in da« Mannfchastskafino. Hier sehen wir c,n echte« deutsches Kriegsbild. Hinter einer aasgehangenen Tür wi>d Bier eingeschenkt. Zwei Husaren hauen ans ci»em Klavier herum, während die übrigcu Feldgrauen aller Truppeugaltungcn aus Fässern sitzend oder umhcrstehend die neuesten Berichte lesen und die Naoierspiclende» Kameraden durch ihren Gesang begleiten. Sin schöne« Bild deuijcher Kameradschaft! Doch wir verlassen den Raum, denn man kann kaum vor Oualm seinen Nachbar erkenne». Unterwegs treffen wir einen Oberstabsarzt,, der uni nach dem Osfizierskafino sragt. Da wir ja selbst fremd find, können wir ihm keinen Bescheid geben, worauf er uns antwortet: „Na Jungs, Ihr wollt Berliner sein uud wißt nicht, wo cs deutsches Bier gibt!" Wir entschuldigen un», «ollen aber auch gern da« Osfizicrokafino in Feindesland besichtigen, und so gehe» wir in einigem Abstand hinter ihm her. In einem kleinen Häuschen verlchwindet er, wir warten einen Augenblick und gehen auch hinein. Hier geh, cs direkt vornehm zu. In mehreren Räumen stehen Tische uud Stühle. Der Fußboden ist sauber gescheuert, überhaupt das Ganze mach, einen recht appetitlichem Eindruck, »uf rinn» Schanktisch stehen alle möglichen Delikatessen vou Limonade bis Sekt, von »äse bis zum schönfteu Braten; es gibt Brötchen und Stullen mit Butter ohne Brotmarke». Eine Ordonnanz verwaltet das Amt eine» Kellner« und bedient uns mit Kaffee, ganz als wen» mau zu Hause ist. Es herrscht sröhliche Stimmung, überall find wir Berliner gern gesehene Gäste. Doch allmählich ist es Zeit geworden, daß auch wir wieder unfern Rückweg antretcn. Aus einer Kutsche, die gerade Platz für < Mann bietet, fahren wir 8 und 2 Insassen zum Bahnhos zurück mi, dem Gedanken eine» unvergeßlichen Tag iu Feindesland verlebt zu haben. Am andere» Morgen empfingen wir die Berwundelen aus den umliegenden Lazaretten und kehrten dann, einige Tage später in die Heimat zurück.

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