Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- 38 (18.9.1914)
- Date
- 1914-09-18
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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38Mfdx volkzeitimg Vom Kriegsschauplatz. vrerlau. de, »8. September |9(4llr. 38 «rfterreich-Uagarii. Pr 5«U« Zs<tn>»s, <L»>«>i|»i|in>KlRn); br»t ln Ad»oü«te»ks»mer. einer der heivorragendi st» Männer und führenden Geister des Lemberger Zudentums. der. ' 53 Jahre olr. fti als Kriegsfreiwilliger zum Eiotrüt in das Heer gemeldet hat, ist in einer der letzten Schlachten auf dem ostgalizischen Kriegsschauplätze gefallen. A» drei Inge» vom ^»ftnlexifitu z»m Iekbmetzet Kriegspresscq «anier, 8. September.! Der Jnfameilft Julius Reif des 31. Infanterieregiments (ein Hondelsgehilfe aus Mährisch Schönberg) hat sich durch; eine Reihe von Heldentaten hervorgetan. Am 24. August eilte; er im Gefecht bei Euchodol allein der 3. Kompagnie voraus.! entfernte die feindlichen Distanzpflöcke und nah« an der Spitze! feiner Kameraden im Sturm die feindlichen Strunzen. Er! wurde sofort zum Korporal ernannt. 8m 27,^August hielt Reis allein mst zwölf Mann im j heftigsten Feindesfrmr aus. 8m nächsten Tage führte er. mit j einem Zugskommando betraut, den Zug taktisch richtig gegen j die feindliche Stellung und trug wesentlich zurZurückdrängung. des ItctatM bet. Mit siebzig Manu griff er hundert Rüsten j au. stach erst den feiudlichen Kommandanten nieder und jagte! dir Hälfte des Feindes in die Flucht, nachdem er die übrigen! gelötet hatte.; Später ging er auf eine Anhöhe vor, wo vier feindliche Maschineugewehr.Abteilvngen aufgestellt waren, nah« der» \ Bedeckung gefangen und erbeutete die Maschinengewehre. > Reif wurde zum Feldwebel befördert und für die höchste ' Auszeichnung für Unteroffiziere vorgeschlagen. j Pl« jüdische» Hffntzßnder t» «Kriege. Der Kommandant 1 des jüdischen Pfadfinderbuude« in Galizien Dr. A. F. Wasch,tz velsendet die nachfolgende Mitteilung: Dreißig jüdische Pfad« I fipder haben sich freiwillig io den Dienst des .Roten Kreuzes' in Lemberg gestellt. Davon find sieben bereit, anss Schlachtfeld zu gehen, »m die Lerwnndete» nach der Schlacht aufzulesen. Der Rest versteht den Dienst in den Lemberger Spitälern, Hauptsäcklich in de« jüdischen Spital, welchezur Aufnahme und Verpflegung von 70 Verwundeten bestimmt »st. 20 jüdische Pfad« finder find gleichfalls in den Dienst der Rettungsstation in Lemberg getreten und find berufen, nach Absolvierung des Pfleger« kursns den Transport der Verwunderen vom Bahnhofe in die Spitäler zu besorgen. Eine ganze Abteilung jüdischer Pfad« finder arbeitet permament auf de« Lemberger Bahnhof, wo fie den Labdtenst für die Reservisten versieht. Sine andere Sbteiluug ist zu de» polnischen Schütze« kommandiert nod versieht j doN Oldonuanzdienste. Dos Kommando erinnert die jüdischen j Pfadfinder vereine in den Galizischen Provinzftädteu daran, daß s auch ihn»- jetzt die Pflicht obliegt, sich zum Dienste zu melden.! Pfadfinder, welche in ihren Wohnorten zu KriegSleiftuugen keine Gelegenheit ha''». habe» die Pflicht, fich de» Landwirten in der Umgednng ihres Wohnortes zu Feldarbeiten zur ver. jüdischer Pfqdfioder aus kembera Feldarbeit» bet de» benach« darten kleineren Landwirten versieht. Die Lemberger jüdische ' Pfotfivdetmannschaft besteht jetzt aus >97 Mitgliedern. Eine drnIwSrdige Sze», » ^Lemb.rg Der Duickzug unserer Truppen durch Lemberg gestaltete sich zu einer imposant» Kundgebung der Begeisterung der jüdische» Bevölkerung ' von Lemberg für '-die österretchisch-ungarische Armee. Den in den! Krieg ziehenden Soldaten wurden in den Straße», die zum 1 größten Teile von Jud.n bewohnt find, die herzlichste Aufnahme bereitet. Sowohl die Offiziere, als auch die Mannschaft waren von diesen patriotischen Kundgebungen der jüdischen Bevölkerung auftiefste gerührt. Aus allen Gängen und Fenstern tönte es ünuntertnochen hervor: ..He«l der Armee! Hoch Oesterreich! "! Jüdische Mädchen reichten de» durchmarschrereuden Soldaten , Zigarren, Zigaretten rnö Erfrischunge». Arme jüdische Höker« weiber vencrllcn ihren ganzen Vorrat an Gebäck und Ödst unter die Mannschaft, ohne auch rur einen Heller hierfür an« nehmen in wollen. Ein Jude, der ein kleine- Zuckerlgeschäft de« j trieb, widmete ein ganze« Kislchen mit Schokolade. Der Durch« marsch der Soldaten geriet auf einige Minuten ins Stocken, > . während welcher die patriotische« Kundgebungen ihren Höhe- . Punkt eiÄtchten. Ein Jude, duffen Rame nicht vermerkt wird. ' sprang öuf einen Wogen und dielt von dort an die Soldaten : eine extewporicit, kurze aber schwungvolle Ansprache, in welcher 1 er die Soldaten zum Kampfe aufmuvterte, chreu Dass» Er« - folg nünlchte und ichließlich ein dreimalige« Hoch auf den Kaiser , ausdrachite. Offiziere und Mannschaft folutierlev und der Eia« druck diezcr Szer.e war so mächtig, daß ein Oberst fich ge«! drängt füllst?. -an dir versammelte jüdische Bevölkerung folgende! Worte jfu lilteu : . Heften Dank für Ihre patriotische Kund« gebung für Kaiser und Armee. Der heizltche Empfang, den Sie uns hier bereitet Hoden, n»b mir und unserer Mannschaft ewig ln Erinvening bleib,n. Heil der jüdischen Einwohnerschaft von Lemberg.' Ktzristticher Hlflzier und ,K»tt«»'j«dcn. In einem Budapefter Spital liegt ein verwundeter unga« > iilch,r Jägeroffizier. Derselbe erzählt: ,22 Stunden lag ich schwer verwundet am Raube eines Waldes in Ga.'iztcn. Auf das fortwährende gewaltige Wiehern meines treuen Rost.'s kamen endlich aus weiter Ferne zwei galizische .Kafian'judru herbei und beugten sich über mich. Rte noch war ein menschliches-Antlitz so lieblich wie diese zwei sonder« baren, erbarmungevollen alten Jude«. Sofort liefen fie. Hüfe < zu bringen, brachten mehrere Glau'oensgenoss», mit welchen zusammen fie mich nach Lemberg trugen. Rebst der Treue > «eine« Pferdes habe ich mein Leben diesen alten .Kaftao'judcn zu »erdpnken. > Knerüe,»,,» jüdischer -iriegrtüchtigüeit. j General Brndermann erbat fich vom jüdischen Juogschützen. korps drei Reiter für die schwierige Aufgabe des Erkundung-« ' dieusteK Ei» russischer cheuerut durch eiue» Audeu gesteLt. In de« Orte Tomaschow an der galizischen Grenze hat : ei« verräterischer Bauer eine« rusfischeu General bei fich ver- > borgen gehalten. Ein Jude hat der Gendarmerie davon die Anzeige erstattet; diese drang in dabetreffende Haus ein und es kam zu einem Handgemenge, wobei der General erschossen wurde. Per Ssierreichisch-uußnrische Sieg sei Krasuiü »ud die Aadeu NusKsch-^skens. Der Sieg von Krasaik erregte allgemeine Freude in Rusfisch«Poleu und wurde namentlich von den Juden mit Jude! begrüßt. Die Angst vor den Raffen lastet auf den Ge« mütern wie ein Schreckgespenst, nun winde d,e Seele plötzlich von der Furcht befreit. Und der Jub-l kannte keine Grenz». Polnische Juden mit grauem Haar, Männer mit gebogenem Röcken und zitternder Hand tanzten einander umarmend, einen wilden Tanz im Straßenstaub. Dann stellten fie fich zu« sammen und begannen uralte Lieder zu singe». Plötzlich in. rouienen ste alle daS heilige Gebtt: Vnssan« Tok«?f (.Der Tag des Gerichtes ist gekommen'). Ein Telegramm vom nisfijch-galizisch» Kriegeschauplitz lautet: Während dcS Schlachtglümmcls find die Inden bcttnd in den Synagogen versammelt. Ein aus Galizien verwundet heimgekebrtcr Hauptmann de« richtet: Die jüdtfchen Soldaten in der russisch» Armee schießen nicht auf unsere Truppen. Bei manchen findet man alle >50 Patronen. Sie ergeben fich gefangen, indem fie unsere Truppen hochleben lassen. Arodtz Ich batte Gelegenheit, mit einem Flüchtling zu spreche», der aus Brody in Galizien h,er eiugetroffen ist. .Ankommende Kosaken beschossen d,e Stadt. Als keine Antwort auf ihre Schöffe kam. zoe.en fie in B,oby cin. Kaum dort aagelangt. suchten sie fich einen Vorwand, um zu plündern. Sie behaupteten, ein Mädchen habe nach »hnen geschossen, und fie fingen an, an ihr Zerstörungswerk zu gehen. I« Vorbeimarsch schesien fie in jede Wobnung hinein. Es gab viele Tote und Verwundete in den Häuiern. Auch brannten fie hundert Häuser zu Asche. Dann plünderten sie die jü« bischen Häuser. Ihnen gesellte fich der Mod von Brody zu, und es gab einen regelrechten Pogrom. Als am Sonnabend untere Truppen erschienen, verließen die Ko'attn nach zwer» tägiger Schreckenshirrschast ohne Schuß schleunigst die Stadt. Achnlich erging es ande en Orten dis znm Eintreffen der Unsrigen. Nutzland. .Meine ließe» Anden " k. >V. Mosüa,. Hier tagte eine Versammlung der Dcrtrettl oller rulfischen Städte, die über mit dem Krieg im Zutammcohong steh« ade Fragen verhandelte. In der Debatte lenkte ein Teilnehmer die Susmtrksamkcil auf die trostlose Loge der von der Westgrerze flüchtenden Familien. Der Bürger« meiste.' von Petersburg, Graf I. Tolstoi, demnkte. hiervon würde« am schwersten die jüdischen Familien betloff.n, die l«» Recht hält«», in-Petersburg zu wchocn.^ Als ein Bei« e ttV.MK'.'.Pull uh. ein füdisrher Kaufmann aus eine« der westlichen Gouvernements. ttfien Hauü zu Militärzwecken verwendet worden war. Lcmr drei Söhne stehen bei den Fahnen. Er selbst konnte in Petersburg bleiben, aber bezngl ch seiner hierzu nicht berechtigten drei minderjährigen Kinder wurde die Ausn»eisung Vinnen drei Tage» angeordnet. Erst nach längeren Verhandlungen mit dem Oberftadthauptmann wurde der Fall deigetegt. Graf Tolstoi bemerkte jedoch,, im russischen Heere stehe» 350 000 jüdische Soldaten, und deren Angehörige» könne dasselbe begegnen, wie dem erwähnten Juden. Man müffe also irgendwelche Maßnahmen zur Milderuog der harren Anwendung deö Gesetzcs über die jüdische Aufiedlungsgrenze treffe». (In dieser Be« Ziehung ist schon Erhebliches geleistet worden. Es ist nämlich «in Aufruf de- Zaren an ferne lieben Juden verbreitet word.n und hat augenblicklich den Erfolg gehabt, daß die Kosakcn sich über die Joden hermachte«.) Da» Marche» »o» de» .Netze» A»de«' Ucber die Lage der Juden in Rußland erhalten wir von vorzüglrch informierter Seite ein Situatiousbild. daS im Hinblick auf die in Amerika zirkulierenden Nachrichten besonders rakeresfiercn dürfte.- Der Lügenscldzug der alliierten Mächte, der mit so großem Erfolge im Gegensätze zum «chlachtfeldzuge geiühit wiro, be« wiikle rS. daß man außerhalb Rußlands an eine bereits er« felgte Brfferuvg der rechtlosen Loge der russischen Juden glaubte. Es tauchte sogar in sehr bestimmten Formen das Märchen von einem Manifest de- Zaren .an feine lieben Juden' auf. Es scheint von nisfischen Agenten speziell für kos Ausland fabriziert worden zu sein. In Rußland selbst weiß man nicht das geringste davon. Namentlich in Amerika gibt man fich dem Glauben hin, daß die politisch« Gletchstellung der Juden eiue bereits vollzogeve Tatsache fei. Alle diese Annahmen entbehren jeder tatsächlichen Grundlage. "Im Gegenteil: Die Lage der rusfischeu Juden hat fich infolge des Kriege-noch hundertfach verschlechtert. Alle mittelalterlichen Härten und Grausamkeiten, die die Juden« gesrtzgebung in Rußland mit fich führt, ttetengegenwärtig doppelt scharf hervor. Der Aofiedluugsrayon besteht nach wie vor. Sogar jetzt werden zahllose jüdische Familien aus ihren Heimat-- orten, die von der korrupten rusfischert Polizei als außerhalb des Rayons liegend gedeuirt werden, auSgewiesen. Während der Krieg an der östlichen Grenze, dem Hanptfitze der juvischeu Bevölkerung, tobt, während 350 000 diS 400 000 jüdische Soldaten für das .Väterchen Pogrom' kämpfen, wnden ihre An« gehörigen außerhalb des Rayon» nicht geduldet. Än den alten Orten köuuen fie nicht bleiben, in- Innere be- Reiches dürfen sie nicht kommen. Als Rußland vom Eingreifen Englandin den Krieg noch nicht völlig überzeugt war, trug fich die Regierung mit derJdee, den Anfiedlungsrayon aufzuhebrn und noch ein paar andere liberale Reformen zu versprechen, un auf die liberale öffentliche Meinung unzuwirken. Dies erwies fich aber nderftüsfig, den» England beeilte fich, seine» Beschluß au das Kosakeutum kundzugebeu. ..England hat leider zu früh ja gesagt' — seufzte mancher fsrtschrittliche Rufie. 330 000 jüdische Soldaten stehen im russischen Heere, wie der Bürgermecster von Petersburg. Graf Tolstoi, auf dem russischen Städtetage in Moskau bemerkte. Iletzer Dedran-nider Autze, i« Hfslen tz»rch die Fk»ffe» erzählt ein Warschauer Zahnarzt, dem eglückte, die Grenzen zu nberschrelten. Anfang August kam es in Warschau zu antisemitischen Unruhen, die voa Russen inszeniert wurden. In der Vorstadt Prags wurden einige Jude» gelötet und zahlreiche jüdische Geschäfte geplündert. Die Exzeffe dauerten jedoch nur einitzeTage. Dagegen vadmen in Skierniwiece uud Bialla die unti'emitischen Unruhen einen giößeren Umfang an. In Skierniwiece wurden einige Hundert Juden von russischen Soldaten eimordet. Pl»e» Lass »•» naiver Lartzarei erzählt FürstUruffov in seinen .Erinnerungen', die soeben in der Deutschen Verlag-, anstalt, Stuttgart, erschienen sind: .Einer meiner nächsten Mitarbeiter in Beffarobien. der älteste Rat der Gouvernementsverwaltung. von R— n, ein Mann von sehr gutmütigen Charakter, war vor zwanzig Jahren auunem Dragonerreqiment zu de« Posten eines Psliz.imeistersin Z-mail üdergegangen und mußte eines TageS als Exckutivdeamrer der Hinrichtung eines jüdischen Verbrechers beiwohnen. Der BcrurteUte hing .die bestimmte Zahl von Minute!« und wurde dann vom Galgen herunter ge« nowmen, worauf der Arzt seinen Tod konstatieren sollte. Aber da zeigte fich. daß man vergefieu hotte, den langen dichten Bart de- Juden adzuschneiden. und Dank diesem Umstand hat die zugezogene Schlinge ihm wohl das Bewußtsein geraubt, aber nicht den Tob herdetgekühn. .Stellen sie sich meine Lage vor', erzählte R —n .der Dr. sagte mir. derJude würde in fünf Minuten wiedcr zu fich kommen.' Was war zu tun? Ihn ein ein zweites Mal aufzuhängen, ging nicht gzit au. uud ich mußte doch da- Todesurteil vollstiecken.' — .WaS habm S.e dennge« tan?"" fragte ich. und ich erhielt die denkwürdige Antwort: .Ich habe ihn schnell begraben taffen, bevor er wieder za sich kam.' <Üad die.Staatsdürgerztg.' druckt dies mit Behagen ohne Komentar ab ) Spitzel u«d Spione. Eigenartige Euthüllunqen bringt die .Jüdische Rund, schau' über die Ärr und Weise, wie Rußland in Deutschland Sp onenoienste verrichten ließ. In Be»Un wurde danach unter Billigung der deutschen Regierung ein Bureau unterhalten, dessen Leiter 36000 Mk. Jahresgehall erhielt, um, wie eö'hieß, die .staatsgefährlichen' Russen und Deutschen zu überwachen. In Wnklichkcitwar aber dre Bespitzelung dieser .staat-gefährlichen' Elemente nur Nebensache, und die Hauptsache bildete die AuS. kundschaftung militärischer Geheimnisse. Das zitierte Blatt schreibt: .Deutschland (gemeint ist natürlich die deutsche Re« gieruug) war arglos geuug. zu g'auden, daß dieser Ueber« wachungsdienst die einzige Aufgabe der russischen Auslands. Polizei war. Es ließ fich bereden, daß die genaue Beobachtung der.unruhigen" Elemente letzten Endes im Interesse des mooarchifchen Pnvzips überhaupt lag. Erft allmählich wurden die AuE^»HEM"uä) widerwillig — sehend. Mqn sah, ’nnbwittoumb' biTTTflflSir &PJU& Wirtu*» ®U ljuui > ihr: kleinen Heller, die für gutes Geld arbeiteten. Aber erst der Prozeß gegen den Sergeanten Pohl, der die Zeichnungen des Forts Boyen verkaufte, ließ keinen Zweifel, daß die Zentrale der Auskundschaftung und des Verrats im Herzen des Reiche» war. Der russische Militärattache Bazaroff. dem nach seiner Stellung Verlraueu cntgcgertgebracht wurde, besorgte die schwieligen Geshäne in höhst eigener Person. Botschaft und Konsulat hatten eben ihre Mission: unter dem Vorwände, die russischen und monarchischen Interessen zu schützen, emen vielge-! gliederten Apparat der Spionage arbeiten zu lassen. Die Menge ' der Spitzel war nun erklärt: man hatte sie nicht für die Be- . wachung nötig. Sre waren die Spione. Deutschland ist groß u d offenherzig. Oa gab eö viel zu spionieren. Man brauchte viele — Spitzel. _ England. Sanfltpiff gegen den Krieg. Toudon, 28. August. Auf Umwegen erfährt man aus London, baß der bekannte ■ Schriftsteller und Führer der ,J:wish Territorial Organisation' ' Israel Zangwill, am Befchl der Regierung verhaftet wurde. Zangwill, der von den Zionistelikougtessen aus als glühender englischer Patriot bekannt ist. den ja dieser Patriotismus ' zum Austritt aus der ziovlstifcheu Partei (wegen ihrer Ablehnung des Uganda-Projekte) veranlaßt hat. ist ern scharfer Gegner des! Krieges. Er weiß sich darin mit den Besten der Ration einig,! so auch mit dem früheren Minister John Buras, der nach Ausbruch > de» Krieges aus dem Kabinette ausgetreten ist. Roch am 14. August sprach diestr vor einer großen Versammlung in der! A'.dcrthaU und fand die schärfsten Warte gegen Edward Grey > und seine Politik, die England an den Abgrund führe. Die Rede machte im ganzen Lande den tiefsten Eindruck, da sie auf Grund historischer Tatsachen dem englischen Volke eine recht düstere Prognose stellt. Die inzwischen täglich mehr bekannt werdcudm deutschen Siege, die selbst die ruffeafreundliche Times nicht mehr unterschlagen kann, und die Riederlage der englischen Truppen verleihen den Prophezeiung» Burns eiue rrhühte Bedeutung und sichern ihm eine immer größere Anhängerschaft. Daß auch der impulsive Zangwill unter diese wahrhaften Patriot» gehen würde, war vorauszusehea. Mit dem ihm eigenen Pathos gab er in Dort und Schnft, in an« gesehen» Zeitungen wie in öffentlichen Versammlungen seiner Empörung darüber Ausdruck, daß das freie England dem barbarischen Zarismus unter die Arme greife. Sowohl in London, wie in Leeds fanden Maffenmeeting» statt geg» den Klieg, in den» Zangwill sehr scharf geg» die Regierung hervottrat. Das sollte ihm nicht besonders gut bekomme». Da man fich an d» Größeren, an John BurnS. noch nicht heranwagt, soll eder jüdische Schriftsteller auch für dies» büßen und vorerst hinter Schloß und Riegel bleiben. Die Bewegung gegen den Krieg greift immer tiefer und dreüer fich. daß es der Regierung angst und ' Fall fühlt fie sich beruhigter, und Bedeutung eine- ~