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Jüdische Volkszeitung · 1914-08-21 · 34 (21.8.1914) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
20 (1914)
Issue
34 (21.8.1914)
Date
1914-08-21
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Der kaiserliche Bettag. Mische PolftyitBHfl._;_Bteslan, den 2s sy>4 Nr. S4 Dert»». Di« jüdische Gemeind« hielt am Bettag in ihre« fämtlichen 8 Synagoge» feierliche» Gottesdienst ab. der um 12 Uhr begann und überall den gleichen erhebenden Verlauf nah«. Tie Gotteshäuser waren überfüllt; für die ins Feld ziehenden jüdischen Soldaten waren Plätze ^serviert. Nach einem Orgelvoripiel aus dem Gebet am Borabend des Versöhnung»' tagesangen Vo»beter und Gemeinde drei Strophen des 130. Pfal«» ,Lu« der Tief« rufe ich Dich o. Herr Dan» folgte die Predigt 'ctx Rabbiner, deren Namen wir bereits in vor letzter Nr. 'genannt haben, worauf die Bunde-lade geöffnet und ihr die Thoy» entnommen wurde. Mit der Gebelsrolle in der Hand sprachen die Rabbiner das Hebet für den Landesvater und das Heer. Ter He'ang des Liedes .Heil Dir i« Siegerkranz' ' folgte, und abermaliges Ligelfpiel beendete die cruste Feier. Berlin Tie ch a s s i d i s ch eG e m e i a d e Knejfeth Js» § roe l. (üfefiiatinfti. 37. veranstaltete Saddath ui.d Sonntag nach. ' mittag 2 Uhr Gottesdienste mit Pfalmgebet für einen glücklichen Erfolg Deutschlands und Oisterrrichs in ihren Kriegen. | Die fephardifchen Juden. zumeist türkisches Staatsangehörige. hrelun einen Kriegsgottesdienft ab. iu dem sie bin Eieg für die deutschen und verbündeten Waffen erflehten. Bei dieser Gelegenheit fand auch eine Sammlung firr die bedürft,gen Familien der Emdervfeaea Halt, deren Erträgnis der Stodtverwaltung Brrlln» üderwielra wurde. — Au jüu l'icheu Privct-Synagogen wurde beim Sabbath- . Goltecdi^ st des Krieges gedacht. Tie Predrger sprachen das Kaifergebel und erflehte« den Segen für Heer und Vaterland. Die Erstürmung von Lüttich wurde uls das erste Zeichen von Gott gepriesen. der seinen Schutz — wie es in der Bibel heißt — noch niemals denen vertagt hat. die für eine gerechte Sache kämpfe». Zahlreiche jüdische Soldaten wohnten dem Gottesdienst bei. Strebten. Ein außeiorbentlicher feierlicher Gottesdienst mit Predigt fand anläßlich des Krieges in der hefigen Synagoge statt. ' Ebenso fanden in derProv.woisr.t^emeiudenfiod. Bittgottes« gottesdienste für den Sieg unteres Heere» statt. Vir muffen uns au» Platzmangel mit dieser Mitteilung begnügen. S»i»b»rg. Nachdem derrirS am Sonntag ein Gotte»- dienst für die zum Heere Berufene» stattgesundcn hat. wurde auch Miltwyt) der Benag durch einen Gottesdienst in der Synagoge ui t2'j, Uhr mittags begangen. Außerdem sollen von jetzt an bei jedem Sabbath Gottesdienste, Freitagabend und Sabbaihmorgen, Gebete für einen glücklichen LuSgaug de» Kampfes und für die zum Felde AuSgezogeneo gesprochen tyerden. frftttt. Tie hiesige Synagogengemeind«. die schon am Sonntag abend einen Bittgottesdienst adgehalteu hatte, hielt heute vormittag abermals eine sehr er hebend« Feier ab. die «it der Nationalhymne ausklang. Die ganze Gemeinde j war au dem Gottesdienst beteiligt. . Lannsver Der Vorstand der SyaagoLku-Gemcinde übersendet uns das Programm de» Bitt-Gotte-dlenfteS. den dieG«. «rinde an de« außerordentlichen Buß-u. Betrag am Mitwoch. den 5.8. vormittag» 10'/, Uhr inderSynagoge abgehalten hat. Nach Ühorgelang : .Der Herr ist mein Hirr'(P,'alm 23) erfolgte Rezitation de» Bußgedel» .Kommet laffer un» zu Gott zurückkehren') durch deu Boidrtrr bei aeüffuetrr Lade mit anschließende« Ehor. Dann hielt Landradb. Dr. Gronemann t.t Predigt mir Gebet.. Schluß.Chor: .König.Psalm' (nach Psalm 21) beendete die Feier. Ser Ktitt ch«ttesdte»ff z» Hannsoer bildere ein histori. fcheS Ereignis; erne Fülle von Menschen, wie sie die Synagoge (die im September 187t) während des deutsch französischen Krieges eingcweidt wurde« niemals gesehen hat, war im Gottes« Hause erschienen. Der prachrvoll durchgesührte Chorgesaug deS Psalmes .Auch wenn ich im Tale des Todesfchattens. gehe, fürchteich kein Leid, denn der H.rr ist der mir', und der durch den Borbetcr vorgetrageue Trauergcsang des bekannt.n Bußgcbets .Kommtt, laffet uns zu Gott zurückkehren, er allein kann uns retten, er schlägt Bunten und heilet sie. wieder" sibten eine gewaltige Wirkung au« Die höchst eindruckvolle Predigt schloß mit einem Gebet für den Eieg der deutschen Waffen; mit dem an hohen Feiertagen üblichen Gemeindegcsang .In deine Hand ich stet» befehle, schlaf ich und wach ich, merne Seele, und meinen Leid vertrau ich Dir, ich bange nicht Gott ist mit mir' wurde die erhebende Feier beendet. Das König!. i^al uison Kommando hatte die dienstabkömmlichen jüdischen Mannschaften zur Feier befohlen. -«de». In der Synagoge wurde Sonnabend nach dem Morgengottttdienst ein Bittgottesdienst abgehalten, bestehend aus Pfalmgebetcn und Predigt. Landradb. Dr. Hoffman» batic al' T,xt IrsaiassO' gewählt: .Das Gras verwelkt, die Blume verblüht. aber das Wort Gottes besteht ewiglich." Das Gra» sei eia Vergleich für daö Emporblühen von Landwirtlchaft. Handel und Industrie, während die Blume »it den Errungenschaften, aus dem Gebiete der schönen Künste und Diffenschaften zu vergleichen sei. All dies fei plötzlich still gelegt, alles ruht, und sei dem Verderben preisgcgeben. Uebrig ist das Wort Gottes, das iu diesen schweren Zeilen ein Trost sei; von Gott nur könnte Hille kommen. Nach dem Laisergebet und einc» Gebete für die zum Kampf ausgezogene Armee folgte noch Pl. 121. Im Iugendgoltesdienft am Sonnadendnach. mittag schilderte der Lanüradbinrr den Kinder» die ernste Lage, in der sich unser Vaterlavd jetzt befinde. Er ermahnte, die Kinder besonder« jetzt bescheiden zu sein und zufrieden müdem, was ihre Eltern ihnen in den schweren Zeiten da rreicheu können. Sonntag» 9 Uhr vo,mittags fand wiederum ein Bittgottesdienst statt, an dem die jüdischen Soldaten teilnahmeu. Der Gottesdienst wurde eingelcitel mit den Psalmen : 3. 20, 25. 27, 144. Darauf hielt der Landrabbincr unter Zugrundelegung der Worte Iosua» .Sech stark und ftandhaf». fürchtet euch nicht und verzaget nicht', eine zündende Ansprache an die Soldaten. Dir kämpfen für eine gerechte Sache, deshalb wird Gott «ft uns sein und uns in der Not detstehe». Mit de« üblichen Kaisergcbete und einem erhebenden Gebete um de» Beistand Gottes für unsere Armee, schloß die Predigt. Psalm 121 wurde gebetet, worauf die Feier mit Gesang schloß. Am Sonntag abend fand in der S y - j noge ein stark besuchter Gottesbünst statt, der dem Rabb.! Dr. Micha 1 Sky rine ergreifend.' Ansprache hielt, in der er der in» Feld ziehenden Mannschaften gedachte und den ' Segen Gotte» auf die deutschen Waffen herabflehte. AranLsnrt ». M. Der größte Trauertag der Zudenheit, > der Tag der Zerstörung Jerusalems und damit der Deinichtung! deS jüdischen Reiche« gab der Asr. ReligionSgesellschaft Veran-! laffung. beim Abendgottesdienste der so ernsten Stunde des ^.deutschen Vaterlandes zu gedenken. RabdiuatSaff. Posen! sprach Ln ^«druck-vollen Worten; auf unserer Seite stehe die Gerechtigkeit, auf der Seite der Feinde der unersättliche Machthunger; wir Deutschen können zum Vater im Himmel die Hände rein erheben. — Einen Tag später. Montag, veranstaltete die Israel-Gemeinde in ihren Synagogen gleichfalls feierliche Gottesdienste. Die Synagogen waren überfüllt. Wahrhaft erschütternd war es in der Börneplatz'Synagoge, als Las große Snadendrkeuntnis gesagt wurde. Jrmckfnrt a. M 5. Augüjt. Auf Befehl des Kaisers fanden heute in allen Gotteshäusern unseres deutschen Vater» lande» Bittgottesdienste statt. Wie überall, so waren auch hier die Synagogen nberft'illt. Eine weihevolle Stimmung. Goktvertrauen und Zuversicht herrschte unter der Masse der Beter. Würztrnrg. Die Jude» stehen ihrer Lnegsbegeisterung in keiner Weise den übrigen Sttzalsangehörigen nach. lieberall siehe mau sie zu den Waffen eilen und freiwillig sich aumelken. Auch der BüigotteSdieast in der Synagoge anläßlich des Kriege» fand am 7. 8. vormittags >0 Uhr unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung statt. Die Andacht wurde mit einem Solo-Gesang des Kantor« Lehm a n n eröffnet. Dann sprach Distriktsrabbiuer Bamdergcr in ergreifender, formvollendeter dreiviertelstündiger Rede über die Bedeutung des Krieges. Sr verdiene mit Recht die Bezeichnung eines .heiligen Kriege-", da er für Recht und Gerechtigkeit geführt werde und de» deutschen Volke aufgezwungen worden sei. Redner schilderte die große Begeisterung für den Krieg, die von allen Seiten wahrzunehmeu sei, forderte auf mit der Vaterlandsliebe auch Menschenliebe zu verbinden und den Familien, deren Ernährer zu den Fahnen cinbenifen, zur Ente zu fteheo. Mit de» Segen für den obersten kaif. Kriegsherrn. Prinzen, Feldherrn und Kämpfern schloß dir Rede. — E» folgt« das Gebet für König Ludwig und da» kgl. Hans Mit der Rezitation einiger Psalmen endigte um l l Uhr die würdevolle Andacht. Leipzig. An dem attehrwnrdigen Gotte-Hause der isr. Religwnsgemeinde versammelten sich a« Freitag abend die Israeliten, uw GotteS Hilfe für da» Vaterland zn erflehen. Schon eine Viertelstunde vor Anfang mußte» die Türen polizeilich geschloffen werdet. yoch wollte der Andrang kein Ende nehmen, so daß es vielen nicht vergönnt war, jener erhabene», von echt jüdischem und deutschem Geiste gettageneu Andacht beizuwohaen. Nach den einleitenden Gebeteten bestieg Rabb. Prof. Dr. P o r g e s die Kanzel, um in bewegten Worten auszuführeu: .Wir kämpfen um eine gerechte Sache! Da» barbarische Rußland, das übermütige Frankreich, da» neidische England haben vns zu einem Kampfe gezwungen, den unser! Kaiser, unser Volk nicht gewollt baben. Run. wo eine eisenstarrende Welt gegen uns steht, wollen wir unsere ruhmbedeckten Baffen gegen die falschen Feinde kehren. Auch Mose hat einst, einem Kampfe um die Edre das Wort geiprochen. Alle Rationen, die jetzt in Krieg entbrannt sind, beten in diesen Tagen zu Gott, aber nur der gerechten, der deutschen Sache wird er den Sieg verleihen'. Mir einem fiefergreifenden Schlußgebet wurde der Segen GotteS für Kaiser, König und Vaterland, dem auch zahlreiche jüdische Soldaten Gut und Blut zu opfern gewillt siad, herabgefleht. Dann erklangen die gewaltigen Töne des .Deutschland, Deutschlau d über a l l« »'. in da» die bewegte Gemeinde einfiel. — Kaum war der Gottesdienst zu Ende. als. die Nachricht von dem Falle Lüttichs bekannt würde. Don allen Gemeiodemitgliedern umringt, verlas ein Herr die Siegesbotschaft, die einen begeisterten Jubel auslöste. Immer wieder brachte man Mtsenn Heldenkaiser brausende Hochrufe. Dann löste sich au» allen Kehlen das Lied: .Heil Dir im Siegerkrauz'. Auch dann wollte sich der Jubel nicht legen. Augenblicke unvergeßlicher Weihe. Mögen die Wünsche für unser Vaterland, wie sie da au» bedrängten Herzen hervorbracheu, ihrer Erfüllung entgegengehen. ZusZA»rtte»ßer§.AafAnordnung^kr K.Jsr Oberkirchenbebörde fand am 4. August in allen Synagoge« des Landes Gottesdienst für die ins Feld ziehenden Krieger statt. Drehohe Bebörde hat ferner avgeordoet. daß während der ganzen Dauer des Krieges bei de« täglichen Morgen- und Abendgottesdienst für unsere Krieger gebetet werde uud die Psalmen 20. 91 und 124 rezitiert werden sollen. Derchrsßß Hßerritder)srael'te»A»de»s erläßt emAer» •Tlm»sftsf (stt Icts. den Gstlesdiemst »ms Arnlah des »msftßrschene« Hrreges. Die Bekanntmachung gehl an sämtlich« Rabdrnate ond Lynagogeuräte und enthält ein besondere- Gebet, das »ach dem Gebet für Kaiser und Großherzog vorzutragen ist. Darin heißt es: ..Herr und Vater! Lenker., und Richter der Welt! In ernster gefahrdrohender Stunde treten wir mit innigem Flehen vor Dich. Der Fried«, den unser edler Kaiser und mit ihm das ganze deutsche Volk bis zum äußersten zu wahren suchten — eine frevle Faust hat ihn zerstört. Er» Weltkrieg ist im Anzug, und mit ungeheuren Opfern an Gut' uud Blut gilt es seine Greuel von dem deutschen Boden fernz»halten. Aber selbst iu die Schreckaiffe de» Krieges hast Du ein Gutes gelegt: die Offenbarung einer ungewohnten sittlichen Größe und Kraft unter uns fchwachen Menschen. Ras Behaglichkeit und Frieden nur selten vermochten. Drang und Not bringen es zuweg: die innere Einkehr und die Abkehr von allem Oberflächlichen uud Gemeinen, die Einigkeit und da» Zusammenhalten statt kleinlichen Zanks und Hader», da» Hintaasetze» der eigenen Person und Meinung hinter da- Wohl der Gesamtheit. Nnn aber, allgütiger Bater, sei gnädig unfern Söhnen. Gatten und Brüdern, die in treuer Erfüllung heiliger Pstichte» ihrLebe, eiafctzen für Kaiser und Reich. Steh ihnen bei i» gerechten Kampfe und verlaß sie auch i.n Tode nicht Lindere die Schmerzen der verwundeten und stärke alle di-t i ihnen hilfreich zur Seite flehen. Erfülle das ganze Volk mft Begeisterung und Entfchloffenheit. auch die schwersten Opfer rür I die Ehre und Größe deS Vaterlandes za dringen. Segne die Führer unseres Heeres und unserer Flotte, segne vor allem Deinen Dich ehrfürchtendeu Diener, unfern Kaiser, der uus und der Welt solange den Frieden erhalten hat. Führe sie zu baldigen und entscheidenden Siegen, damit un» und der Mensch» heit eine schönere, friedlichere Zukunft erblühe. Herr, gib Deinem Volke Kraft; Herr, beglücke Dein Volk mit Frieden! Amen." Hartsrntze Während des RachmittagsgotlesdiensteS am Sonntag, dem Gedenktag der Tempelzerstürung, nahm Rabb. Dr. Schiff er in der Synagoge der ift. Religionsgesellschaft. Karl Friedrichstraße. Gelegeiryelt, der gegenwärtigen ernst.« Zeiten zu gedenken und den zu den Fahnen gerufenen jungen Leuten Mut zuzusprechen. Rückblickend auf die Bcdeutnug des Tages, an welchem durch die Ze»störung des ersten und zweiten Tempels die nationale Existenz des jüdischen Volkes, soweit sie an den Besitz des eigenen Landes geknüpft war, verloren ging, erwies er das volle Verständnis, das die Juden für die Sitnaiion haben, in welcher sich das deutsche Volk in dieser Stunde befindet. Rabb. Dr. Schiffer ermahnte mit zu Herzen gehenden Worten die ausrückenden Soldaten, zugleich mit ihrer Ehre als Deutsche auch ihre Ehre als Juden zu wahren und gleich den Vätern vor 44 Jahren de» deutschen Waffen zum Siege zu verhelfen. Arnchsat, 5. Aug. Am Freitag Abend und Samstag- Vormittag hat beim jüd. Gottesdienste unser Rabb. in er» greifendem Gebet Gottes Segen für das Vaterland im^Kriege heradgefleht. Hksrms. Der vom Kaiser augeordnete Bittgottesdienst fand am 5. 8. unter großer Beteiligung, auch vieler Soldaten. statt. Tiefer Ernst lagerte auf allen Gesichtern. Dementsprechend war auch die ergreifende Rede, de» Rabb.Dc. Holzer die an die vor noch nicht einem Jahre stattgefundene Feier zur Erinnerung an die Befreiungskriege auknüpste, die ernste politische Lage schildette und den Segen oe» Himmel» sür unsere Waffen erflehte. Nach Bsrttag eines der ernsten Stimmung entsprechenden Liedes durch Kantor Agulnik schloß der erhebende Gottesdienst mit einem Präludium, das in seinem Schlußsätze die Kaiserhymne enthielt, die von der ganzen Gemeinde spontan mitgesungen wurde. Kamtnrg. per Atttßsttesdie»ff i» der Ge«ei»de-Stz- »»§»§« am A»r»platz fand Mittwoch abend statt. Die Reihen vor dem Allerheiligen waren von Soldaten, die teilweise schon in ihrer Kriegsunisorm erschienen waren, besetzt. Die heilige Lade, der Altar und die Kanzel waren mit dem Schmuck des VersöhnuagslageS versehen Nachdem die Gemeinde einige Psalmen rezitiert hatte, hielt Herr Oberrabviner D r. Spitzer die Gedenkrede. Anknüpfend au da» Textwort: „Führe du. o Herr, meinen Stteit, bekämpfe, die mich bekämpfen" (Psalm 35). erflehte er den Segen GotteS für den glücklichen Ausgang diese- »nserem -Baterlanbe aufgedrungmen Knmpfes. Er ermahnte die Gemeinde, Gut und Blut für diesen Krieg eiuzusetzeu. Mil einem Gebet für Kaiser und Reich, für den Senat und die Behörden unserer Stadt, für die erschienen Soldaten und für die gesaole deutsche Heeresmacht schloß die wirkungsvolle Rede. — Zn der Neuen Dammtor- Synagoge fand gleichfalls ein Bittgotie-dienst gestern abend statt. Die Räume dieses Gotteshauses erwiesen sich als viel zu klein für die zahlreich erschienenen Gemeindemilglieder. Nachdem Herr Oberkaator 8 i ch t e a st e i n den Psalm 91 rezitiert hatte, bestieg Herr Rabbiner Dr. L oewen» rhal die Kanzel, um anknüpfend an da» Tcxlwort „Ich bin viel zn gering für all die Gnade und für all die Treue, die du erwiesen deinem Knechte; denn mit meinem Siabe zog ich über diesen Jordan und nun bin ich geworden zu zwei Lagern. O. rette mich jetzt aus der Hand Esaus!' (Genesis Kapitel 32, Vers ll und 12), die Predigt zu hatten. Die anwesenden Krieger ermahnte der Redner, dem Beispiel der Makkabäer zu folgen und sich durch Mut und Tapferkeit auszuzeichnen. Vor geöffneter Lade wurde dann der Psalm „Aus den Tiefen ruf' ich dich, o Ewiger!' (130) gebetet. Zum Shluß sprach der Rabbiner ein ergreifende- Gebet für den Kaiser und den Senat und erflehte den Segen Gottes für den glücklichen Ausgang des Krieges. — In beiden Gotteshäusern standen Decken au», und e» flössen reichliche Spenden für die Unterstützung der Familien bedürftiger Krieger. Im Tempel hatte sich eine große Gemeinde eiogefunden. sodaß viele der Erschienenen keinen Einlaß mehr finden konnten. Vor dem Allerheiliosten war der Vorhang de» Bersöhnungsfestes angebracht. Eingeleilct wurde die Feier mit dem Bottrag der Psalmen 90 und 91. Unter den Klängen eine» Lhorals bestieg Rabb. Dr. L e i m d ö r s e r die Kanzel, um die Predigt zu hatten mit denl Texte Jeremias 1, Vers 19. „Und sie werden Krieg führen wider dich, aber sie werden dich nicht üderwältigen. denn ich bin mit dir. ist derSpruch des Ewigen, dich zu schützen'. Redner führte aus. daß dieser Kampf nur mit einem Liege Deutschlands enden werde, denn Gott der Herr wird der gerechten Lache zum Siege verhelfen. Tann sprach er ein Gebet für Kaiser und Reich, sür das ganze Heer und erflehte den Sieg sür die beulscheu Waffen. Der Chor sang: „Der Herr ist mein Hirte", in demGebel .HerrderWett' hatte die erhebende Feier ihr Ende. K«mü»ra. A»k Znsrd»»»- des HßerraSIi»ats werden in den Gotteshäusern de» Synagogcnverbandes während des täglichen Gottesdienstes Gebete sür den glücklichen Aus» gang deS Kriege» gesprochen. ^ißeck. Der Bitt.Gottesdicnst fand die Synagoge dis auf den letzten Platz von Andächtigen der Gemeinde gefüllt. Rabb. Dr. Carledach betonte in begeisternder Rede die gerechte Sache, die unser» Kaiser veranlaßt, die Löhne deS Vaterlandes zn dessen Verteidigung auszurusen. In flammenden Worten wendete er fich besonder» an die zahlreichen zum Heere einberufenen Anwesenden. Sin feierliche- Gebet für Kaiser und Vaterland vor geöffneter Gesetzeslade bildete den Beschloß des erhebenden Gottesdienstes.

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